Geh unter der Gnade (Röm 6, Alexander Krause)

Predigt zum 8. Sonntag nach Trinitatis
Röm 6, 14-15.19-23
Prediger: Alexander Krause, stud. theol.
Oberkrumbach und Altenstittenbach
10. August 2014

Liebe Gemeinde!

I.

Vermutlich erinnern Sie sich selbst kaum daran.
Damals, sie waren vermutlich gerade erst wenige Monate alt, fand ihre Taufe statt.
Als kleines Kind wurden die meisten getauft.

Ich habe einmal von einem vierjährigen Kind gelesen:
„Wenn der Pfarrer ein Kind tauft,
dann schüttet er so oft Wasser über das Kind,
bis es zu weinen anfängt
und dann ist es getauft.“

Das ist die eine Seite der Taufe,
die sichtbare:
Da ist das Neugeborene,
die Familie,
die Paten,
das Wasser,
die Pfarrerin,
die Gemeinde
und
die Schreie.

Doch die Taufe ist noch viel mehr.
In Wirklichkeit sind all das nur sichtbare Zeichen
des unsichtbaren Handelns Gottes.
Das Wasser steht für den Heiligen Geist,
mit dem wir in Wahrheit getauft werden.

Wir haben in der Taufe Jesu Tod geteilt,
und haben so auch einen Teil an seiner Auferstehung.

In der Taufe sterben wir Jesu Tod
und lassen unser altes Leben hinter uns,
das Kreuz,
die Sünde.

Und danach gehen wir erste Schritte.
Erste Schritte mit Jesus Christus,
der den Tod besiegt hat und
der die Sünde besiegt hat.

Dann sind wir frei von der Herrschaft der Sünde,
und führen ein neues Leben.

II.

Wir können uns entscheiden,
welches Leben wir führen wollen.

Entweder, wir führen eines
unter der Herrschaft der Ungerechtigkeit,
weit, weit weg von Gott.
Oder wir führen ein Leben mit Gott
und in Gerechtigkeit und Frieden.

Entweder wir dienen der Sünde,
dem Unrecht, wie Sklaven.
Entweder wir leben ohne Gott.
Entweder wir sterben und
sind für immer verloren.

Oder wir dienen der Gerechtigkeit,
leben mit Gott und tun, was ihm gefällt,
und erhalten von ihm dann das ewige Leben.

Die Sünde wird nämlich mit dem Tod bezahlt,
so will es das Gesetz -;

Doch Gott schenkt uns das ewige Leben,
aus Liebe zu uns.

Wir müssen uns nur entscheiden, welches Leben wir führen wollen.
Dienen wir Gott?
Oder gehen wir verloren?

III.

Johannes Kneifel hat im Alter von 17 Jahren
als Neonazi einen Menschen getötet.
Einen Familienvater.

Johannes trank zu dieser Zeit viel Alkohol,
fühlte sich dadurch erst stark,
unangreifbar,
unbesiegbar,
unnahbar.

Und er hielt sich fest an seinem eigenen Stolz.

Sein Leben schien ihm verloren,
all die Menschen,
die er gedemütigt,
beleidigt und
verletzt hatte.

Er denkt an den Familienvater, den er getötet hatte.
Er fühlt tiefe Schuld.

Nie hätte er sich vor einem Menschen hingekniet,
nie hätte er seinen Stolz aufgegeben.

Doch als er sich in der Kapelle hinkniete,
spürte er Gottes Ruf,
er erfuhr die Gnade Gottes,
Gottes unendliche Liebe.

Als er sich hinkniete,
wurde alles leicht für ihn,
seine Schuld fiel von ihm ab,
und er wurde frei.

Nichts derartig Bewegendes hatte er zuvor erlebt.

IV.

Als Christen sind wir das Salz der Erde.
Jeder von uns,
alle, die Gott hören und Jesus Christus als ihren Herrn
erkannt und angenommen haben,
all die sollen salzen und leuchten.

Unser ganzes Leben soll ein Dienst an Gott sein,
soll ein Gottesdienst sein.

Nicht nur Sonntags in der Kirche
oder an anderen Tagen.

Sondern von morgens bis abends
soll unser Leben Gottesdienst sein.
Vom Aufstehen bis zum Zubettgehen.
Rund um die Uhr.
Von der Geburt bis zum Tod.

Denn alles was wir tun,
geschehe zur Ehre Gottes.

Liebe Gemeinde, hört auf das, was Gott euch sagt.
Stellt euer Licht nicht unter einen Scheffel,
leuchtet und seid gute Menschen,
haltet die Gebote und SALZT.

Wir alle haben Verantwortung für das,
was wir tun, vor uns selbst und vor Gott.

Ihr seid das Salz der Erde,
werdet nicht fad,
werdet nicht nutzlos und
lasst Euch nicht zertreten.

Ihr seid das Licht, das die Welt erhellt.
Stellt euch nicht unter den Scheffel,
sondern verkündigt den Herrn in allem,
was ihr tut.

Und die Welt wird den Herrn dafür loben,
was ihr in seinem Namen getan habt.

V.

Johannes hat Erfahrung mit dem Tod und dem Töten.
Ihn sprach einmal ein Bundeswehrsoldat an,
Er war mit seiner Gruppe in einem Einsatz in einen Hinterhalt geraten,
nur er und ein Kamerad überlebten.
Der Soldat kam damit nicht zurecht,
mit dem Verlust seiner Kameraden,
mit dem Wissen, selbst getötet zu haben.

Johannes hörte ihm zu
und gab ihm seine Handy-Nummer.

Monate später meldete sich der Soldat,
sein Kamerad habe sich umgebracht.

Vermutlich hätte er sich auch selbst das Leben genommen,
hätte er Johannes nicht erreicht.

Johannes hat ein Leben gerettet.

Johannes war verloren.

Gott hat ihn gerufen.

Johannes hat geantwortet,
wurde gerettet,
und lebt jetzt als Arbeiter im Weinberg des Herrn,
ist ein Beispiel für uns alle,
leuchtet für die Welt
und „salzt“.

VI.

Alles was wir tun, geschieht zur Ehre Gottes.
Zur Ehre Gottes soll es getan werden.

Wenn wir morgens aufstehen und unsere Familie begrüßen.
Wenn wir draußen einem Menschen hier und da ein Lächeln zuwerfen.
Wenn wir einen Straßenkreuzer kaufen.
Wenn wir dem Straßenmusiker einen Euro zustecken.
Wenn wir ein Kind zum Lachen bringen.
und dabei selbst ein wenig lachen.
Wenn wir beten und bitten für all die,
denen es schlecht geht.
Wenn wir loben und danken dem Herrn,
der uns versorgt,
dem wir alles verdanken.
Wenn wir stets versuchen,
ein guter Mensch zu sein.
Wenn wir unser Herz nicht verstocken lassen.
Wenn wir versuchen ein offenes Ohr zu haben.

All das kann Dienst an und für Gott sein.
Die Augen und die Ohren auftun.
Zuhören.
Hinschauen.
Die Ärmel hochkrempeln.
Hand anlegen.
Anpacken.
Und den Mund auftun.
Lob verkünden und
Liebe predigen.

Die Augen nicht verschließen.
Nicht ignorieren.
Nicht wegschauen.
Das Herz nicht verstocken.
Nicht aus Neid oder sonst einem Grund Schlechtes über jemanden reden.
Nicht aufhören zu lieben.
Den Mund nicht zumachen.
Den Mund nicht halten und
den Dingen nicht ihren Lauf lassen.

Ihr alle sollt verkündigen,
mit eurem Leben, mit eurem Glauben.

Dabei ist es egal,
ob ihr mit größter Schuld durch euer Leben geht,
so wie Johannes.

Es ist egal, ob ihr das als Metzger tut,
als Lehrerinnen,
als Bauarbeiterinnen,
als Beamte,
als Zimmerinnen,
als Erzieher,
als Pfleger,
als Ärztinnen.

Nicht nur die Pfarrerinnen und Pfarrer,
nicht nur die kirchlichen Mitarbeiter,
nicht nur die, die dazu durch die Kirche beauftragt wurden.

Jeder Christ soll vom Evangelium Zeugnis geben,
mit seinem eigenen Leben,
weil er glaubt und
allezeit bezeugen,
dass er glaubt.

Wir alle haben Verantwortung.
Wir alle sollen leuchten und ein Beispiel sein.
Denn wir dienen nicht der Sünde,
wir sind nicht verloren,
wir müssen nicht endgültig sterben.

Denn wir sind bereits gestorben,
durch die Taufe,
mit Jesus Christus,
mit ihm am Kreuz;
und die Sünde,
die hat keinerlei Macht mehr über uns,
und wir sind frei.

Wir sollen Gott dienen und ihn lieben
mit unserem ganzen Herzen und
mit unserer ganzen Seele und
mit unserem ganzen Gemüt und
mit aller unserer Kraft!

Dann sind wir frei von der Sünde und
leben mit Gott und dienen als seine Mitarbeiter,
und gehören zu ihm,
weil wir tun,
was ihm gefällt.

Natürlich werden wir scheitern,
natürlich werden wir versagen.
Kein Mensch kann jeden Tag in Höchstform sein.
Und wären wir perfekt und ohne Fehler,
dann wären wir Gott gleich,
was wir aber nicht sind.

Aber es ist dennoch ein Unterschied,
ob man es versucht,
oder ob man aus Trägheit,
Faulheit,
oder Unglauben
einfach darauf verzichtet.

Entscheidend ist der Versuch.

Denn der Sünde Sold ist der Tod;
die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben.

Ob wir es schaffen oder nicht.
Gott liebt uns.
Denn Gott weiß, dass wir scheitern werden,
aber er weiß auch,
dass wir es versucht haben.

Wir sollen ihm dienen.
Aber wir dürfen dabei auch scheitern,
hinfallen und versagen.

Entscheidend ist der Versuch.

Denn Gott fängt uns auf.
Und schenkt uns das ewige Leben.
So oder so.

VII.

WAS KEINER WAGT (Lothar Zenetti)
Was keiner wagt, das sollt ihr wagen
was keiner sagt, das sagt heraus
was keiner denkt, das wagt zu denken
was keiner anfängt, das führt aus

Wenn keiner ja sagt, sollt ihr’s sagen
wenn keiner nein sagt, sagt doch nein
wenn alle zweifeln, wagt zu glauben
wenn alle mittun, steht allein

Wo alle loben, habt Bedenken
wo alle spotten, spottet nicht
wo alle geizen, wagt zu schenken
wo alles dunkel ist, macht Licht

VIII.

Die Entscheidung, ob wir all das wollen,
die liegt ganz allein bei uns.

Gott macht das Angebot,
wir müssen nur zuschlagen.

Und der Friede Gottes,
welcher höher ist als alle Vernunft,
bewahre Eure Herzen und Sinne
in Christus Jesus.

Amen.

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