Wenn Corona will, steht (fast) alles still. Update 17 vom 01.04.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Ich habe es hier in Ost-Mittelfranken noch nicht sehr oft erlebt. Aber meine Erinnerung an dieses Geschehen als ich so ungefähr 5 Jahre alt war, sind jedes Jahr an diesem Tag immer wieder sehr präsent. „In den April geschickt“ werden. In den 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ging es den Bauern relativ gut. Jedes Jahr wurde investiert. Mein Vater hat praktisch jährlich eine Baustelle gehabt. An solch einem 1. April gaben mir zwei Bauarbeiter einen Sack in die Hand. „Da ist ein ganz wichtiges Gerät drin. Gerhard, bring das doch zu unserer zweiten Baustelle“ so sagten sie. Diese zweite Baustelle lag etwa 200 m entfernt. Als „gehorsames“ Kind nahm ich den Sack über die Schulter und staunte: Das war richtig schwer. Also musste ein ganz wichtiges Gerät dorthin gebracht werden. Ich ging los. Der Sack drückte auf meinen Körper. Ich spüre die Last heute noch an jedem 1. April des Jahres. An der anderen Baustelle angekommen überreichte ich den Sack mit dem „wichtigen Gerät“ den Bauarbeitern. Ich wartete auf einen Dank. Stattdessen gab es ein großes Lachen. „Da bist du aber so richtig in den April geschickt worden“. Da hatte ich es. Meine Naivität und Gutmütigkeit war ausgenutzt worden. Noch heute kann ich nicht wirklich einen Spaß beim „in den April schicken“ finden. Aber Halt! Nach meiner Ordination 1984 war es zweimal der Fall, dass der 1. April an einem Karfreitag gefeiert wurde: 1988 und 1994. Und da hatte ich den Einfall, dieses Keuzigungsgeschehen mit einem „Aprilscherz“ zu vergleichen. Allein der Gedanke ist doch absurd: Der Sohn Gottes stirbt am Kreuz! Der Sohn des Höchsten wird gequält! Die Mächtigen dieser Zeit haben vor dem Jesus von Nazareth solche Angst, dass sie ihn ans Kreuz schlagen. Der Sieger über die Macht des Todes muss sich scheinbar selbst dem Tod beugen. Wer soll das schon begreifen? Eben keiner! Mit dem Verstand ist das nicht zu fassen. Da braucht es lebendige Erfahrung und Vertrauen in Gott, der mich in eine Beziehung ruft. Deshalb bleibe ich in der Regel ganz ruhig bei Diskussionen mit anderen Menschen, die das Kreuz als reines Marterinstrument hinstellen und eine Bedeutung des Todes von Jesus Christus für uns Menschen strikt ablehnen – es also eher als einen „Aprilscherz“ bezeichnen. Aber das hat der Apostel Paulus schon sehr einprägsam mit folgenden Worten ausgedrückt: „Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft. Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sie die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?…Wir aber predigen den gekreuzigten Christus…wir predigen Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ (1. Korinther 1, 18.20.23a.24b). Ich hoffe dennoch darauf, dass es in diesem Jahr in der Hersbrucker Zeitung keinen Aprilscherz geben wird. Wäre nach meiner Meinung in diesen schweren Zeiten diesmal nicht angebracht.

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