Archiv des Autors: Pfr. Gerhard Metzger

Wenn Corona will, steht (fast) alles still, Update 20 vom 04.04.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

„Wen möchten Sie Danke sagen in dieser Zeit? Bitte rufen Sie uns an, schreiben Sie uns eine Mail oder senden Sie uns eine Sprachnachricht“ – so ähnlich lautet der Aufruf des bayrischen Rundfunks seit zwei Tagen. Es stimmt. Es gilt Danke zu sagen all diejenigen, die an vorderster Front in diesen Zeiten stehen. ich denke vor allem an die Ärzte, Krankenpfleger/-innen, Sanitäter, Mitarbeiter/-innen in den Krankenhäusern, in den Altenwohnheimen und Pflegestationen usw. Meine Aufzählung ist nicht vollständig. Aber eine besondere Berufsgruppe kommt so gut wie nie vor: die Landwirte. Deshalb habe ich mich sehr über das Bild gefreut, das mir zugesandt worden ist.

Ich denke jetzt nicht so sehr an das Problem der fehlenden Erntehelfer für die Spargelernte und für das Obst. Dieses Problem muss auch politisch gelöst werden. Ich denke eher grundsätzlich: Die Landwirte sind es, die unsere Nahrungsmittel erzeugen. In den letzten Jahren ist das oft vergessen worden. Ideologische Streitigkeiten über konventionellen und ökologischen Anbau haben überlagert, um was es geht: Ihnen verdanken wir die Lebensmittel um leben zu können. Als Beauftragter für Landwirtschaft im Dekanat Hersbruck bin ich immer traurig, wenn ich Diskussionen und Leserbriefe wahrnehme, welche Art von Landwirtschaft besser ist. Studien zeigen, dass die Lebensmittel aus konventioneller Landwirtschaft nicht schlechter sind, als die aus ökologischer Landwirtschaft sind. Gleichzeitig gilt auch: Verbraucher wollen Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft. Mein Traum ist, dass Menschen die Lebensmittel erhalten, die sie essen wollen. Und dabei respektieren sie den anderen, der eine andere Ansicht hat und sich anders ernährt. Studien zeigen, dass dies möglich ist. Ich wünsche mir, dass diese Coronakrise dazu führt, dass Erzeuger und Verbraucher die Grabenkämpfe beenden und sich gegenseitig anerkennen. Die Viehhaltung als Hauptverursacher von zu hohem Kohlendioxid in der Luft zu brandmarken, während gleichzeitig Tausende von Flugzeugen durch den Himmel fliegen ist genau so absurd wie die Haltung, dass Ökobauern keine Ahnung hätten von Landwirtschaft. Beide Meinungen habe ich mir schon anhören müssen. Auf beiden Seiten gibt es gute Landwirte und schlechte Landwirte. Auf beiden Seiten gibt es „schwarze Schafe“. Und ein konventioneller Landwirt, der nicht das Wohl seiner Tiere im Blick hat, wird keinen Erfolg haben. Vielleicht lernen viele Menschen durch die Coronakrise wieder mehr, dass Lebensmittel nicht nur billig zu haben sind und gute Lebensmittel ihren Preis haben. Ich hoffe, das ist kein frommer Wunsch von mir. Für mich als Pfarrer gilt es an dieser Stelle darauf hinzuweisen, von wem wir alle abhängig sind und wem wir letztlich alles zu verdanken haben. Es ist wunderschön ausgedrückt im Ps 145: „Aller Augen warten auf dich HERR, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen“ (Ps 145, 15 – 16).

Wenn Corona will, steht (fast) alles still. Update 19 vom 03.04.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

„Ich erzähle Euch heute eine Kriminalgeschichte, die ich selbst erlebt habe“. Mit diesen Worten stand ich vor der 4. Klasse. „Vermutlich kommt da wohl Jesus vor?“ „Entscheidet selbst nach der Geschichte“ – war meine Antwort. Es war wie heute ein Freitag vor dem Palmsonntag. Und damals war ich tatsächlich in einer lebenskritischen Situation, auch wenn ich das erst im Rückblick gemerkt habe. Aber in diesen Zeiten der Coronakrise fällt sie mir ein. Es war am 17.03.1978. Ich war in Jerusalem (siehe mein Update 14 vom 29.03.2020). Wir Studenten von der Augustana-Hochschule Neuendettelsau hatten eine ganze Woche frei und konnten selbständig entscheiden, wie wir den Tag verbringen würden. Ich hatte mich für den Herzl-Berg entschieden. Das Grab von Theodor Herzl, dem Gründer der Zionistischen Bewegung und der biblische Zoo – dafür wollte ich mir viel Zeit nehmen. Zu viel, wie sie später herausstellen sollte. Am frühen Abend war ich mit der Besuchstour fertig und stellte mich an die nahe Bushaltestelle. Da kam der Bus – und er fuhr an mir vorüber. Naja, kann mal vorkommen. Beim nächsten Bus stellte ich mich weiter heraus – aber der Bus fuhr auch vorüber. Ich war verwundert. Beim dritten Bus winkte ich mit den Armen – er fuhr vorüber und ich stand etwas „betröppelt“ da. Plötzlich hatte ich die Erklärung: Heute Abend beginnt bei Sonnenuntergang der Sabbat. Und bei Beginn müssen alle Busse im Bahnhof sein. Sabbat ist der absolute Ruhetag und keine öffentlichen Verkehrsmittel dürfen fahren. Deshalb hat kein Bus angehalten. Also musste ich den Weg zum Gästehaus mit dem Fuß gehen. Wegen der Sonne hatte ich mir einen Kufir gekauft und trug ihn in diesen Tagen. „Gerhard, Du siehst wie ein richtiger Araber aus“ – so hatten mich meine Mitstudenten noch verspottet. Ich hatte damals noch schwarze Haare und einen sehr langen schwarzen Bart. Ich dachte mir noch: „Wo bekomme ich noch etwas zum Essen?“ Irgend ein Mitstudent hatte mir von einer arabischen Pizzeria in der Altstadt von Jerusalem erzählt. Ich wollte den Weg wissen und sehe in der Ferne drei israelische Soldaten stehen. Ich gehe auf sie zu und sie zielen plötzlich mit Ihren Maschinegewehre auf mich. Sie hielten mich evtl. für einen arabischen Terroristen. Denn ich stand genau vor dem Tor des Verteidigungsministeriums. Aber es ging noch einmal gut und sie erklärten mir den Weg. Ich gehe in die Altstadt und diese war menschenleer. Wo könnte nur die Pizzeria sein? Plötzlich entdecke ich etwa 100 m hinter mir einen jungen Mann laufen. Er hielt immer diesen Abstand. Mir wurde es mulmig. Ich bleib einfach stehen. „Entweder er läuft vorbei oder er will mich überfallen“. So waren meine Gedanken. Ich wartete – er kam näher und näher und näher – er lief an mir vorbei. Jetzt hatte ich genug von der dunklen Altstadt von Jerusalem. Ich kehrte um und ging zu unserem Gästehaus von der Aktion Sühnezeichen, das etwa 4 km entfernt war. Beim Ankommen war es schon nach 20.00 Uhr und alle hatten sich Sorgen gemacht. Aber es war noch einmal gut gegangen. Es hätte Böse enden können und mein Leben wäre schnell vorbei gewesen. Bei der Erzählung dieser Geschichte waren die Kinder aus der Grundschule muksmäuschenstill. „Und hat dieser persönlicher Krimi etwas mit Jesus zu tun“ ? – fragte ich sie. Eine interessante Frage wohl nicht nur für Kinder von 10 Jahren! Jedenfalls ist sie mir heute am Freitag vor dem Palmsonntag in dieser schweren Zeit der Corona-Krise eingefallen. Und was mir noch eingefallen ist, das steht in Ps 91, 11 und kann ein Rettungsanker sein für jeden von uns: „Denn er hat seinen Egeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen„.

Wenn Corona will, steht (fast) alles still. Update 18 vom 02.04.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Große Entschuldigung heute früh von meiner Seite an die Redaktion der Hersbrucker Zeitung. Gestern hatte ich geschrieben, dass ich einen Aprilscherz in Zeiten von Corona nicht für angebracht finde. Als ich gestern aber den Lokalteil aufgeschlagen habe, war ich positiv überrascht. Groß stand als Überschrift zu lesen: „Senioren greifen zur Selbsthilfe„. Dann ein ausführlicher Beitrag darüber, dass Bewohner vom Sigmund-Faber-Haus sich anbieten, für die älteren Bewohner einzukaufen. Zwei Bewohner mit Elektrostuhl und einem Kofferanhänger stellen sich zur Verfügung, für andere Bewohner notwendige Fahrten durchzuführen. Daneben ein wunderbares Bild.

Ein toller Einfall in Zeiten der Coronakrise. Und vielleicht hat ja der ein oder andere Leser diesen Artikel für Ernst genommen und sich über die Tatkraft der „motorisierten“ Bewohner gefreut, gewundert oder war überrascht. Vielleicht war der ein oder andere gar empört über diese seltsame Auslegung der Ausgangsbeschränkung. Ich war begeistert. Warum? Der Artikel verrät etwas über die Grundeinstellung der Bewohner in diesem Haus. Sie gehören auf Grund des Alters und der Vorerkrankungen selbst zu den sog. „gefährdeten“ Menschen. Die Pfleger, Schwestern und das Verwaltungspersonal sind bei aller Vorsichtsmaßnahmen selbst höchst gefährdet. Und dennoch verlieren alle nicht den nötigen Humor. Und dennoch stehen sie zusammen und wissen, nur im Miteinander können sie diese Krise bewältigen so gut es eben geht. Und dennoch fallen sie nicht in ein Jammern oder Klagen. Und dennoch versuchen sie, Freude in dieser Krisensituation zu verbreiten. Sie sind dadurch ein Vorbild für uns alle, nicht nur auf uns zu schauen. Vor einem Geschäft habe ich am Montag gelesen: „Bitte kaufen Sie nur die Menge an Waren, die Sie selbst brauchen. Dann erhält auch ihr Mitbürger genügend von dem, was er braucht“. Dieser Satz war eine Anspielung auf die sog. „Hamsterkäufe“. Und diese habe durchaus damit zu tun, dass ich in der Versuchung stehe, erst einmal an mich zu denken und den anderen zu übersehen. Das Hemd ist mir eben näher als die Hose. Der Aprilscherz der Bewohner vom Sigmund-Faber-Haus ist für mich ein Art „Aufrütteln“ und „Hinschauen“, dass es nur im Miteinander gehen wird. Der Apostel Paulus sagt ja selbst: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Galater 6, 2). Von daher ein großes Lob an die Verantwortlichen des Aprilscherzes vom gestrigen Tag.

Wenn Corona will, steht (fast) alles still. Update 17 vom 01.04.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Ich habe es hier in Ost-Mittelfranken noch nicht sehr oft erlebt. Aber meine Erinnerung an dieses Geschehen als ich so ungefähr 5 Jahre alt war, sind jedes Jahr an diesem Tag immer wieder sehr präsent. „In den April geschickt“ werden. In den 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ging es den Bauern relativ gut. Jedes Jahr wurde investiert. Mein Vater hat praktisch jährlich eine Baustelle gehabt. An solch einem 1. April gaben mir zwei Bauarbeiter einen Sack in die Hand. „Da ist ein ganz wichtiges Gerät drin. Gerhard, bring das doch zu unserer zweiten Baustelle“ so sagten sie. Diese zweite Baustelle lag etwa 200 m entfernt. Als „gehorsames“ Kind nahm ich den Sack über die Schulter und staunte: Das war richtig schwer. Also musste ein ganz wichtiges Gerät dorthin gebracht werden. Ich ging los. Der Sack drückte auf meinen Körper. Ich spüre die Last heute noch an jedem 1. April des Jahres. An der anderen Baustelle angekommen überreichte ich den Sack mit dem „wichtigen Gerät“ den Bauarbeitern. Ich wartete auf einen Dank. Stattdessen gab es ein großes Lachen. „Da bist du aber so richtig in den April geschickt worden“. Da hatte ich es. Meine Naivität und Gutmütigkeit war ausgenutzt worden. Noch heute kann ich nicht wirklich einen Spaß beim „in den April schicken“ finden. Aber Halt! Nach meiner Ordination 1984 war es zweimal der Fall, dass der 1. April an einem Karfreitag gefeiert wurde: 1988 und 1994. Und da hatte ich den Einfall, dieses Keuzigungsgeschehen mit einem „Aprilscherz“ zu vergleichen. Allein der Gedanke ist doch absurd: Der Sohn Gottes stirbt am Kreuz! Der Sohn des Höchsten wird gequält! Die Mächtigen dieser Zeit haben vor dem Jesus von Nazareth solche Angst, dass sie ihn ans Kreuz schlagen. Der Sieger über die Macht des Todes muss sich scheinbar selbst dem Tod beugen. Wer soll das schon begreifen? Eben keiner! Mit dem Verstand ist das nicht zu fassen. Da braucht es lebendige Erfahrung und Vertrauen in Gott, der mich in eine Beziehung ruft. Deshalb bleibe ich in der Regel ganz ruhig bei Diskussionen mit anderen Menschen, die das Kreuz als reines Marterinstrument hinstellen und eine Bedeutung des Todes von Jesus Christus für uns Menschen strikt ablehnen – es also eher als einen „Aprilscherz“ bezeichnen. Aber das hat der Apostel Paulus schon sehr einprägsam mit folgenden Worten ausgedrückt: „Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft. Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sie die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?…Wir aber predigen den gekreuzigten Christus…wir predigen Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ (1. Korinther 1, 18.20.23a.24b). Ich hoffe dennoch darauf, dass es in diesem Jahr in der Hersbrucker Zeitung keinen Aprilscherz geben wird. Wäre nach meiner Meinung in diesen schweren Zeiten diesmal nicht angebracht.

Wenn Corona will, steht (fast) alles still – Update 16 am 31.03.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Nada te turbe, nada te espante. Quien a Dios tiene, nada le falta. Nada te turbe, nada te espante: Solo Dios basta“

„Hör Dir doch mal diesen Text an. Der passt doch genau in unsere Situation“. Das waren die Worte meiner Frau am Frühstückstisch. Und dann las sie einen Text von Teresa von Avila. „Das ist doch der Text von dem berühmten Lied aus Taizé“ – war meine Antwort. Und schon haben wir beide angefangen, das Lied zu singen. 1984 wurde das Lied von dem berühmten Musiker Jacques Berthier komponiert, von dem auch viele andere Taizélieder stammen. Ich war im selben Jahr zum zweiten mal dort und erlebte diese besondere Atmosphäre, mit insgesamt fast 10 000 meist jungen Menschen eine Woche zu leben. Das Lied gehört zu den Klassikern von Taizé-Liedern. Und der Impuls meiner Frau hat mich dazu angeleitet, dieses Lied als mein Meditationslied am vergangenen Freitag beim Walken zu nehmen. Hintergrund für diese Zeilen ist aber, dass er eben von der großen Mystikerin Teresa stammt. Sie war eine Zeitgenossin von Katharina von Bora, von der ich gestern ein wenig geschrieben habe. Vor 5 Jahren wurde ihr 500. Geburtstag gefeiert und erst da wurde ich auf ihr wirklich aufmerksam. Sie hatte ein sehr bewegtes Leben. Unter anderem hatte sie 1536 eine 3-tägige Todesstarre. Sie wurde für tot gehalten und das Grab war schon ausgeschaufelt. Sie kam zum Leben zurück und nicht wenige behaupten, dass dies eine Totenauferweckung war. Katharina von Bora – Teresa von Avila. Diese zwei Frauen lebten zur selben Zeit mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen. Aber jede an ihrem von Gott gestellten Platz. Jede nahm ihre Verantwortung war auf die eigene Art und Weise. Und von all den vielen Texten von Teresa ist dieser eine Text nicht nur der vielleicht Bekannteste. Er ist auch wie ein Art Hoffnungszeichen für mich in dieser schweren Zeit. Die dt. Übersetzung lautet nämlich: „Nichts soll dich ängstigen – Nichts dich erschrecken. Alles vergeht. Gott bleibt derselbe. Geduld erreicht alles. Wer Gott besitzt, dem kann nichts fehlen. Gott allein genügt„. Diese Hoffnung wünsche ich allen in diesen unsicheren Zeiten.

Wenn Corona will, steht (fast) alles still

Tägliche Gedanken von Pfarrer Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Update 15 vom 30.03.2020

„Eine Seuche mit 4 Buchstaben“. Eines meiner Hobbys sind Kreuzworträtsel lösen. Leider komme ich in der Regel nur im Urlaub dazu. Aber letzte Woche nahm ich mir dafür 15 Minuten Zeit. „Eine Seuche mit 4 Buchstaben“. „Corona“ – nein, das passt nicht. Dann vielleicht „Covid“. Nein – das passt auch nicht. O.K. dann aber „Sars“. Endlich hatte ich das Wort mit den 4 Buchstaben – nur leider konnte es nicht stimmen. Die Lösung der Querfrage passte nicht. Dann die Erleuchtung: „Pest“. Natürlich – das war die große Seuche über viele Jahrhunderte und hat Millionen von Menschen das Leben gekostet. Vor drei Jahren wurde das Lutherjahr aus Anlass von 500 Jahre Reformation gefeiert. Ich habe das zum Anlass genommen, mich mehr mit dem Leben von Katharina von Bora zu beschäftigen. Sie hat am 13.06.1525 mitten im Bauernkrieg geheiratet. Sie hat sechs Kinder groß gezogen. Sie war für Haus und Hof zuständig. An den Abenden kamen ungefähr 20 Leute zu Besuch. Es waren befreundete Professoren und Studenten so wie das damals üblich war. Sie hat sogar eine Hofbrauerei geführt. Bei zwei Pestepidemien in Wittenberg hat sie Kranken geholfen und sie getröstet. Sie hat dafür ein Hospiz gegründet. sie hatte keine Angst vor Ansteckung. Erst beim dritten Pestausbruch rieten ihr Freunde zum Weggehen. Auf der Fahrt ist die Kutsche in einen Wassergraben gestürzt. Katharina hatte davon einen Beckenbodenbruch davon getragen und ist drei Wochen später am 20.12.1552 in Torgau gestorben. Dort ist sie in der Marienkirche begraben. Und seit 2017 denke ich beim Wort „Pest“ immer an diese starke Frau an der Seite des Reformators. Auch jetzt in dieser Zeit geht mir immer wieder diese Frau durch den Kopf und ihr Einsatz für Menschen in solch einer schweren Zeit wie der damaligen Pestepidemie. Schon in den Zeiten des Alten Testamentes haben Menschen versucht, solche schlimmen Krankheitszeiten irgendwie mit ihrem Glauben an Gott zu verbinden. Dazu gehört z.B. der Prophet Habakuk. Und vielleicht soll ich nicht mehr an Worten verlieren wie dieser eher unbekannte Prophet: „HERR, von deinen Ruhmestaten habe ich gehört, sie erfüllen mich mit Schrecken und Staunen. Erneure sie doch, jetzt, in unserer Zeit! Lass uns noch sehen, wie du eingreifst! Auch wenn du zornig bist – hab mit uns Erbarmen! (Habakuk 3, 2).

Update 14 vom 29.03.2020

Heute ist der 29.03.2020. Es ist für mich ein besonderer Tag. Ich feiere heute meinen 62. Geburtstag. Ich werde diesen wegen der Umstände sicher nie vergessen. Ich denke zurück an andere besondere Geburtstage, die für mich von den Umständen her besonders prägend waren. Zum Beispiel war es am 29.03.2008. Mein 50. Geburtstag. Weil Ostern so früh – wie im ganzen Jahrhundert nicht wieder – war, nämlich am 23.03.2008, feierte ich diesen direkt an der Konfirmation. Aber trotz aller Vorbereitungen zu diesem wichtigen Fest, schafften es die Mitarbeiter/-innen der Kirchengemeinde, mir an diesem Samstag ein wirklich sehr würdevolles Fest zu gestalten. Ich bin bis heute dafür dankbar. Am 29.03.1978 feierte ich meinen 20. Geburtstag in einer Art und Weise, wie ich das vielleicht nie wieder an einem Geburtstag erleben werde. Denn insgesamt 25 Stunden dauerte dieser. Warum? Ich saß im Flugzeug von Tel Aviv nach Frankfurt. Bei der Ankunft in Deutschland mussten wir die Uhr um eine Stunde zurückdrehen. Es war das Ende einer 4-wöchigen Studienreise für Studenten von der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau. Es konnten nur 20 Studenten/-innen mitfahren. Sie wurden ausgelost. Ich zog die Nummer 21 und war so am Anfang der erste Verlierer. Aber ich hatte Glück. Ein Student fiel aus und ich stand ja an erster Stelle der Warteliste. Und so kam ich in den Genuss, dieses Land der Bibel mit den vielen Facetten zu erleben. Und damals konnte ich noch problemlos mit dem Taxi von Jerusalem nach Hebron reisen. Den Weg des barmherzigen Samariters zwischen Jericho und Jerusalem bin ich nachgegangen. Weils es eine Studienfahrt war, hatten wir Studenten abseits von den touristischen Führungen sehr viel Zeit für Einzelunternehmungen. Ich werde das nie vergessen. Nicht vergessen werde ich auch den Tag, als ich zum ersten Mal auf dem Tempelberg stand. Auch wenn dort leider nicht mehr das Zentralheiligtum der Juden steht (wurde 70 n. Chr. vom späteren römischen Kaiser Titus zerstört), sondern mit dem Felsendom und der Al Aqsa-Moschee zwei wichtige Heiligtümer der Muslime, so erahnte ich damals doch etwas von diesem speziellen Gefühl, den Juden beim Betreten des Geländes vermutlich gehabt haben und das nirgends so einzigartig ausgedrückt wird wie im Psalm 122: „Ich freute mich über die, die mir sagten: Lasset uns ziehen zum Hause des HERRN! Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem. Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll, wohin die Stämme hinaufziehen, die Stämme des HERRN, wie es geboten ist dem Volke Israel, zu preisen den Namen des HERRN. Denn dort stehen die Throne zum Gericht, die Throne des Hauses David. Wünschet Jerusalem Glück! Es möge wohlgehen denen, die dich lieben! Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen! Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen. Um des Hauses des HERRN willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen„. Ich wünsche jedem/r Leser/-in dieser Zeilen, dass solch eine Reise nach Jerusalem für ihn/sie möglich werden kann. Übrigens: Ich bin jetzt nicht immer eine Stunde älter, denn beim Hinflug mussten wir die Uhr natürlich um eine Stunde vorstellen. Ich hoffe für Sie, dass Sie das heute Nacht auch getan haben. Wenn nicht, gehen jetzt die Uhren falsch!!!!

Update 13 vom 28.03.2020

Letzten Dienstag Abend. 21.40 Uhr. Ich sitze am Computer und mache mir Gedanken zum neuen Update. Es kommt ein Telefonanruf herein. Ein Freund ruft mich an – so wie fast an jedem Tag. Es ergab sich folgendes Gespräch. „Gerhard, das ist jetzt wirklich eine Heimsuchung, was wir erleben“. „Das ist eine interessante Beschreibung. Sag mir doch mal, was Du unter einer Heimsuchung verstehst?“ „Naja. Es ist eine Art Erscheinung – ich kann es nicht greifen“. „Drück das doch mal in Deinen Gefühlen aus!“ „Es macht Angst, es verunsichert, es ist bedrohlich“. Sehr stark hat er Gefühle ausgedrückt, die langsam aber sicher auch in meine Gefühlswelt hineinkommen. Ich spüre das auch in den verschiedenen Kontakten über die digitale Medien. Vor zwei Wochen gab es noch sehr viele witzige und lustige Videos und Audios. Langsam aber sicher lässt das nach. Gestern wurde berichtet, dass es 1000 Tote in Italien gab, obwohl dort auch schon seit zwei Wochen scharfe Maßnahmen ergriffen worden sind. So langsam aber sicher verstehe ich die Worte der Bundeskanzlerin, dass der Höhepunkt in Deutschland und damit vermutlich auch in meiner Stadt und Umgebung erst um Ostern herum sein wird. Für mich doppelt interessant war der Begriff „Heimsuchung“ bei der Beschreibung der Corona-Pandemie. Neben dieser negativen Bedeutung, wird dieses Wort noch hergenommen für eine ganz bestimmte biblische Geschichte im Lukasevangelium. Die schwangere Maria besucht ihre Tante Elisabeth, die ebenfalls schwanger ist. Von dieser Geschichte aus, feiern katholische Christen bis heute das Fest Mariä Heimsuchung am 02.06. und sprechen bei vielen Gelegenheiten das „Ave Maria“, weil Elisabeth beim Anblick von Maria betet: „Gepriesen bist du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht deines Leibes“ (Lukas 1, 42). Aber diese Geschichte zu lesen lohnt sich auch für evangelische Christen. Es heißt nämlich, dass Elisabeth bei diesen Worten „vom Heiligen Geist erfüllt war“ (Lk 1, 41). Es ist eine Pfingstgeschichte ganz am Anfang der Heilsgeschichte beim Evangelisten Lukas. Und es ist gut, dass ich die Worte der Tante von Maria in mir aufnehmen und meditieren kann. Schließlich kann ich vom Glauben der Maria sehr viel lernen wie es in der Bibel am Ende dieser Geschichte heißt: „Und selig bist du, die du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn“ (Lk 1, 45). Solch einen starken Glauben wie Maria gegen alle Umstände wünsche ich mir selbst mitten in der Corona-Krise.

Update 12 vom 27.03.2020

Gestern früh um 8.10 Uhr beim Bäcker. Ich stehe vor einer verschlossenen Tür. Sie war mit Brettern vernagelt. Gleichzeitig sehe ich ein großes Schild mit der Aufschrift: „Wir haben geöffnet“. Aha, denke ich. Wie soll das gehen? Beim näheren Betrachten fällt mir ein kleines Schild ins Auge: „Bitte den Seiteneingang benützen“. Ich gehe also zum Seiteneingang und lese: „Bitte warten Sie hier, wenn 6 Leute im Laden sind“. Ich schaue durch die Fenster und sehe zwei Kunden. Also gehe ich hinein. Ich bin flankiert von roten Bändern. Es wirkt wie eine Schleuße. Ich denke noch: Gute Idee, so die Kunden in Zeiten von Corona im Laden zu führen, damit Abstand gewahrt werden kann. Beim Einkaufen spreche ich die Situation an: „Da habt ihr wirklich eine gute Idee umgesetzt und helft den Leuten, um die Vorgaben in dieser Krisenzeit umzusetzen“. Aber dann die überraschende Antwort: „Nein, das hat nichts mit Corona zu tun. Die Tür vom Haupteingang ist einfach nur kaputt und wir warten auf Reparatur“. Sofort dachte ich an eine Bibelstellen ein, die vermutlich auch den meisten Leser/-innen bekannt ist. Jesus spricht: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen…Ich bin die Tür, wenn jemand durch mich hineingeht, wird er gerettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden“ (Johannes 10, 7.9). Dieses Kapitel aus dem Johannesevangelium ist mit „Der gute Hirte“ umschrieben. Es zeigt, dass auch und besonders in Zeiten der Not das Bild von Jesus als den guten Hirten mir Vertrauen und Geborgenheit geben kann. Beim Heimfahren mit dem Fahrrad war dann in mir: „Gott sei Dank, ist die Tür zur Ewigkeit nie verschlossen oder vernagelt. Ich muss keinen Nebeneingang benutzen und in der unsichtbare Welt bei Gott gibt es keine Teilnehmerbeschränku

Update 11 vom 26.03.2020

Mein Blick in den Terminkalender ist jetzt sehr spannend. „Ach, das wäre heute gewesen. Diese Gruppe hätte sich getroffen. Auf den Geburtstagsbesuch hätte ich mich gefreut. Den oder die bestimmten Menschen hätte ich gerne getroffen“. Gestern hatte ich richtig Wehmut. Ich denke, dass fast jeder Pfarrer so sein eigenes „Baby“ in der Kirchengemeinde hat. Er hat irgendwann etwas Neues angestoßen und dieser Impuls wurde von Menschen positiv aufgenommen. Manchmal geht dies eine Zeit lang und dann ist es vielleicht auch wieder vorbei. Andere Ideen sind deshalb nicht schlechter, aber es wird sein „Baby“ bleiben. Daran habe ich gestern gedacht als ich las: 19.30 Uhr, Bibel-Input, Neugierig auf mehr – Geheimnis Bibel, Gemeindehaus. Vor gut einem Jahr habe ich Frauen bei Ihrer Ausbildung zu Lektorinnen begleitet. Sie wollten mehr und intensiver etwas über die Bibel wissen. Ich war überrascht, wie konzentriert und focussiert sie sich darauf einließen. Auch durchaus konträre Meinungen haben wir miteinander diskutiert. Am Ende der Ausbildung und mit der öffentlichen Einsegnung zu diesem Dienst meinten sie: „Das könnte doch auch andere interessieren“. Gesagt, getan. So hat sich eine Gruppe einmal im Monat getroffen. Ich nenne es meine „kleine Gemeindebibelschule“. Es macht mir ungeheuer viel Spaß, fast am Ende meiner Dienstzeit als Gemeindepfarrer auf diese Art und Weise Menschen zu begleiten. Ich denke an ein Psalmwort: „Denn des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss“ (Ps 33, 4). In meiner vorherigen Gemeinde Alerheim im Ries im Dekanat Donauwörth gab es einen Schreinermeister. Von 1967 – 1970 wurde die dortige Stephanuskirche renoviert. Dieser Handwerker hat eine ganz einfache, moderne Kanzel selbst gemacht und der Kirche gestiftet. Auf der Kanzel steht das Bibelwort. „Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht“ (Lk 21, 33). In meiner Zeit als Pfarrer dort ist er gestorben und hat sich genau dieses Bibelwort als Predigttext zur Beerdigung gewünscht. Es war offenbar dieses eine Bibelwort, das ihn in seinem Leben begleitet und getragen hat in guten und in schweren Zeiten. Daran denke ich jetzt auch: Letztlich bleibt das, was die Bibel uns verkündigt und was ich als letzten Halt für mich täglich nehmen kann: das Wort der Bibel, das uns die Liebe des himmlischen Vaters zeigt, d

Update 10 vom 25.03.2020

Hoffnung finden mitten in der Krise. Ein Zeichen Gottes erleben mitten in einer schwierigen Zeit. Wer wünscht sich das nicht? Schwierig ist nur die Einordnung und das Verarbeiten. Der Eine erlebt eine bestimmte Situation und spürt, dass Gott ihm etwas Gutes geben will. Der Andere sagt dazu nur: Zufall!! Heute hatte ich solch ein Erlebnis. Vor zwei Wochen habe ich meinen Ehering verloren. Ich habe im ganzen Haus gesucht. Die Putzhilfe habe ich darauf hingewiesen, sie solle genau aufpassen, ob sie ihn findet. Alles vergebens. Der Ehering ist weg. Nicht nur ich musste das verdauen, sondern natürlich auch meine Frau. Oft habe ich in den zwei Wochen daran gedacht und war da immer ziemlich traurig über diesen Verlust. Heute früh dann die Überraschung: Meine Frau kommt zu mir und sagt: „Schau mal, was ich gefunden habe“. Sie hielt den Ehering in der Hand. Irgendwo am Rand des Sofas war er gelegen. Für mich war sofort klar: Ein Zeichen der Hoffnung und des Trostes von Gott. Mitten in dieser Coronakrise gibt es noch diese besonderen Momente des Glücks. Und meine Gedanken blieben sofort an einen besonderen Ring in der Bibel hängen. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15, 11 – 32) erzählt Jesus, wie der jüngere Sohn sein Erbe gefordert hat um eigene Wege zu gehen. Aber in der Fremde findet er kein Glück. Sein Leben ist am Abgrund. Mitten in diesem „Ganz unten sein“ erinnert er sich an die Liebe des Vaters und kehrt zurück. Bei der Begegnung spricht er zu seinem Vater: „Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße„. In der Bibel heißt es dann weiter: „Aber der Vater sprach zu seinen Knechten. Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße„. Dieser Vers zeigt, dass der jüngere Sohn beim Weggehen den Ring hergeben musste. Der Ring war also Zeichen dafür, dass er zur Familie gehörte. Jetzt nach seiner Rückkehr erhält er einen neuen Ring und damit auch die Würde zurück, Sohn des Vaters zu sein. Der Ring ist Zeichen dafür, dass er vom Vater ganz aufgenommen und angenommen worden ist. Der Ring ist Zeichen dafür, dass ich im Glauben an Jesus, der meine Sünde trägt und vergibt, ein Kind Gottes werden und bleiben kann. Wenn das kein starkes Hoffnungszeichen mitten in dieser Krise ist!!

Update 9 vom 24.03.2020

„Familien im Stress. Viele Familien stecken im Hamsterrad“. Das war die heutige Schlagzeile in den Nürnberger Nachrichten. Weil alle Schulen geschlossen sind, dürfen die Kinder nicht nur zu Hause bleiben, sondern müssen auch zu Haus lernen. Und damit sind auch die Eltern mehr gefordert. Sie müssen diese häusliche Schulform überwachen und den Kindern beim Lernen helfen. Eine ungewohnte Situation. Mich persönlich hat das an den sog. Kleinen Katechismus von Martin Luther erinnert. Als jemand, der 1972 konfirmiert worden ist, habe ich das noch in sehr guter Erinnerung. Konfirmandenunterricht hieß vor allem den Kleinen Katechismus mit allen sechs Hauptstücken auswendig lernen und einige Stücke daraus bei der Konfirmandenprüfung in der Kirche vorsagen können. Bei meinem Theologiestudium in Marburg wurde dazu ein Seminar angeboten. Für mich war sofort klar: Da muss ich hin. Ich wurde überrascht. Ich lernte, dass Martin Luther jede Überschrift mit der Formulierung „…wie es der Hausvater seinen Kindern und seinem Gesinde lehren sollte“ formuliert hatte. Deshalb ist dieser Katechismus in Fragen und Antworten gegliedert. Die Fragen stellte der Hausherr, die Antworten sollen die anderen geben. Der Kleine Katechismus ist ein Lehrstück von didaktischem Geschick. Die Vorstellung war also, dass der „Mann im Haus“ seinen Hausmitgliedern mit dem Kleinen Katechismus wichtige Lehren zum eigenen Glauben weitergeben sollte. Die Vorstellung von Martin Luther war: Glauben weitergeben von einer Generation zur anderen! Der Hausvater als eine Art Hauspriester für die Menschen, die im Haus lebten und für die er auch geistlich verantwortlich war. Von meinem Opa wurde erzählt, dass er das in der Früh beim Frühstück getan hat. Damals war die Familie eben noch mehr zusammen als das heute der Fall ist.

„Glauben leben und weitergeben im Lebensalltag im Sozialraum Haus“ – so würden wir wohl heute sagen. Eine schöne Vorstellung. Sie erinnert mich an Verse aus dem 5. Buch Mose. Sie zeigen, dass auch die Juden diesen Gedanken von Anfang weitergetragen haben. „Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer. Und du sollst den HERRN, deinen Gott lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kinder einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst“ (5. Mose 6, 4 – 7) . Das wäre doch auch eine Idee mitten in dieser Coronakrise: dass Eltern ihren Kindern nicht nur bei Mathe, Deutsch oder anderen Fächern helfen, sondern auch Glauben weitergeben zu Hause beim Lernen. Schließlich ist das Fach „Religion“ ja auch ordentliches Lehrfach. Denn die Weitergabe von Glaube kann nicht nur über Schule oder Konfirmandenunterricht gehen. Da spielen Eltern oft eine entscheidende Rolle. Auch wenn dann später dazugehört, den Kindern ihren eigenen (Glaubens-) Weg gehen zu lassen.

Update 8 vom 23.03.2020

Was halten Sie von Träumen? „Träume sind Schäume“ – so hatte ich das als Kind gelernt. Aber dann haben mich die biblischen Geschichten von Träumen fasziniert. Vor allem natürlich die Träume von Josef, dem Sohn von Jakob. Ich selbst habe in meinem Leben viel geträumt. Und bei manchen Träume wusste ich genau, dass Gott mir etwas damit sagen wollte. Anderen Träumen habe ich keine Bedeutung zugemessen und wieder andere habe ich vergessen. Einer meiner geistlichen Lehrer ist Pfr. Friedrich Aschoff. 1999 war er auf einem Tagesseminar in unserer Kirchengemeinde in Altensittenbach. Er wurde danach gefragt, ob in Träumen immer Gott zu uns redet. Er sagte folgendes kluge Wort: „Träume können von Gott sein. Und wenn sie es nicht sind, dann sagen sie immerhin etwas über mich selbst aus“. In der vergangenen Nacht hatte ich wohl solch einen Traum, in der die aktuelle Situation in mir unbewusst verarbeitet wurde. Ich träumte, dass ich in einer leeren Kirche stehe. Plötzlich kamen viele Menschen in Scharen in die Kirche. Sie waren fröhlich und hatten glückliche Gesichter. Sie sangen schon beim Hereinkommen. Das alles ging so schnell, dass ich nicht einmal mich umziehen konnte um den Talar anzuziehen. Ich dachte noch: Heute ziehe ich den weißen Talar an. Ich stand in meinen normalen Kleider da und freute mich einfach mit den anderen in der Erwartung eines Gottesdienstes in einer vollen Kirche. Dann bin ich aufgewacht. Mein Traum war in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag. Der erste Sonntag ohne normalen Gottesdienst. Ich selbst habe mir auf den YouTube-Kanal den Gottesdienst meines Hersbrucker Kollegen und Freundes Jürgen Kleinlein angeschaut, den er mit seiner Familie in der Johanneskirche gestaltet hat. Ich kann ihn nur empfehlen, ihn anzuschauen. Gute geistliche Gedanken in dieser wirren Zeit. Und als Thema wurde die Jahreslosung gewählt: „Ich glaube, hilf meinen Unglauben“. Aber eines weiß ich sicher: Den erste Gottesdienst nach diesem „Traumacoronaerlebnis“ werde ich auf alle Fälle in einem weißen Talar halten. Dann ist nichts anderes angesagt als die Freude von Ostern.

Update 7 vom 22.03.2020

Heute ist der 4. Sonntag in der Passionszeit. Der lateinische Name lautet „Lätare“. Die deutsche Übersetzung lautet: „Freue dich“. Mitten in der Passionszeit dieser Name, der so ganz anders klingt als nach „Fasten“ und „Leiden“. Deshalb wird dieser Sonntag auch gerne der „kleine Ostersonntag“ genannt. In meinen Gedanken steht vor allem der Bibelvers aus dem Philipperbrief: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“ (Phil 4, 4). Diesen Vers haben meine Frau und ich als unseren Trauspruch ausgesucht und es ist auch der Taufspruch eines unserer Kinder. Mit diesem Vers wollten wir vor vielen Jahren ein Lebensmotto benennen: Wir wollen Freude in Gott leben. Ob es uns immer gelungen ist? Manchmal ist mir die Freude auch im Hals stecken geblieben. Aber ich habe dann – Gott sei Dank – zu dieser Freude immer wieder zurückgefunden. Und jetzt in dieser Situation von Corona fällt es mir auch nicht leicht, Freude zu leben. Bevor ich diese Zeilen geschrieben habe, stand zu lesen, dass in den letzten 24 Stunden insgesamt 800 Menschen in Italien an diesem Virus gestorben sind. Was kommt da auf mich und uns noch zu? Mir helfen zwei Beobachtungen aus diesem Bibelvers: Einmal heißt es hier „Freut euch in dem Herrn“ und nicht „Freuet euch an dem Herrn“. Ich bin gewohnt, mich an etwas zu freuen. Hier dagegen geht es darum, dass ich mich freuen kann und darf, dass Gott als der Herr in einer Beziehung mit mir (eben in) leben kann und will. Zum anderen hat dieser Vers eine Fortsetzung im Vers 5: „Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe„! Diese Freude entspringt daraus, dass Jesus hier und heute gegenwärtig und lebendig ist. Das gilt auch mitten in Krisenzeiten. Ich habe gelesen, dass Juden mitten im Warschauer Ghetto gesungen und Gottesdienst gefeiert haben. Mit dem Verstand kann ich das nicht nachvollziehen. Aber ich will mich daran festhalten, dass das Vertrauen in Ihn stärker ist als meine Unsicherheit und Angst.

Update 6 vom 21.03.2020

Es ist eine der berühmtesten Fragen beim theologischen Examen. Und wer mit mir arbeitet im liturgischen Umfeld, der weiß, dass mir das ganz wichtig ist. Die Frage lautet: „Womit beginnt ein Gottesdienst?“. Was würden Sie als Leser/-in dazu sagen? Die Antwort lautet: „Mit dem Glockenläuten“. Auf meinem Gottesdienstzettel steht das deshalb immer ganz oben an erster Stelle. Die Glocken rufen zum Gottesdienst. Ich war von 1988 – 1996 im Ries im Dekanat Donauwörth tätig. Da erlebte ich dieses für mich am Anfang merkwürdige Schauspiel. Der Gottesdienst war für 10.00 Uhr angekündigt, aber es war um diese Zeit niemand da. 10 Minuten später war die Kirche dann oft fast voll. Die Erklärung gab mir ein Kollege: Die Menschen warten hinter der Haustür in ihrem Haus auf den Beginn des Läutens. Erst dann machen sie sich auf den Weg zur Kirche. So leben sie mit dem Glockenläuten am Sonntag und zu den sog. Gebetsläuten an den Werktagen.

In diesen Zeiten des Coronavirus soll der Sinn des Glockenläutens wieder verstärkt entdeckt werden. Deshalb läuten die Glocken auch am morgigen Sonntag so als wäre normaler Gottesdienst. Hier bei uns im Dekanat gibt es zusätzlich noch eine Aktion. In jeder Kirche soll an den Sonntagen und an Festtagen (außer Karfreitag) um 9.00 Uhr das Festgeläut wie zu Beginn eines Gottesdienstes sein. So sollen alle Glocken im Dekanat gleichzeitig erklingen. Es ist eine ökumenische Aktion und wird deshalb zusammen mit den katholischen Christen durchgeführt. Ich bin gespannt wie das klingen wird und welches Zeichen von Hoffnung auf diese Art und Weise mitten in dieser Krise deutlich gemacht wird.

Update 5 vom 20.03.2020

Mich erreichen etliche Aufrufe zum besonderen Gebet für unsere Region unser Land und für die ganze Welt. Ursprünglich wollten sich Christen an bestimmten Orten dafür treffen. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Also werden bestimmte Uhrzeiten vereinbart, an denen Christen dann zu Hause im Miteinander beten können. Für mich waren die intensivsten Gebetszeit in dieser Woche meine beiden Walkingläufe am Montag und Mittwoch. Ich war jeweils ca 18 km und 150 Minuten unterwegs. Seit ein paar Jahren habe ich mir angewöhnt, sogar beim schnellen Power-Walken ein Lied ständig leise zu singen. Beim Beginn bete ich darum, dass Gott mir ein bestimmtes Lied zeigt. Und dann wird das der ganzen Zeit gesungen. Das ist meine Form des sog. Herzensgebetes, bei dem ein Text, ein Lied oder auch nur ein Wort immer wieder beim Atmen gesprochen wird. Der Takt des Liedes und meine Schritte bilden dann einen Einklang. Diese Art des Gebetes kommt vor allem aus den Ostkirchen. Gestern Abend deuteten die Politiker an, dass es wohl Ausgangssperren geben wird. Dann fällt auch diese mir liebste Art zu beten weg. Die beiden Lieder in dieser Woche bleiben mir um so mehr in Erinnerung. Am Montag war es das Lied „Würdig und herrlich ist das Lamm„. Rechne ich ca. 1 Minute für das Lied, habe ich es ungefähr 150-mal gesungen. Am Mittwoch war es das Lied: „Komm, jetzt ist die Zeit und bete an„. Dauert ca. 2 Minuten und damit sind das 75-mal. Denkerisch kann ich das nicht nachempfinden. Ich merke beim Walken nicht die Anzahl. Ich singe einfach und komme so in den Einklang mit Gott. Weg von allen sprachlichen Formulierungen und Jesus ganz in der Mitte. Weg von allem Denken und nur die Worte im Schritt wirken lassen.

Das sind wir sechs aus unserer Kirchengemeinde bei der bayr. Meisterschaft im NW über 10 km im September 2019.

Ich bedauere es jetzt schon, dass ich nur 2-mal in dieser Woche dazu kam. Aber in gewisser Weise musste das Pfarramt besetzt sein und ich hatte viele Telefonate und Schreibtischarbeiten. Aber auch das gehört wohl in solchen Zeiten dazu: den Alltag nicht auszublenden – das Nötige tun um dann Zeit für Gott und für Menschen um mich um zu haben. Das Walken und diese Art des Gebetes würde ich dennoch bei einer Ausgangssperre vermissen.

Update 4 vom 19.03.2020

Heute ist ein besonderer Tag. Der 19.03. war in Bayern bis 1969 sogar Feiertag. Es ist der Josefstag. In meiner früheren Pfarrei Alerheim im Dekanat Nördlingen sagte mir meine Mesnerin jedes Jahr: Vor Josefi brauchen sie nicht zum Pflanzen in den Garten gehen. Anfang der 90-er Jahren des letzten Jahrhunderts hatten wir schon einmal sehr milde Winter. An einem sonnigen und warmen Tag Anfang März bin ich ihrem Ratschlag nicht gefolgt und habe Salat gepflanzt. Es gab ein bitterböses Erwachen für mich. Die Reaktion der Mitarbeiterin war klar: „Hätten sie nur auf mich gehört. Aber die Pfarrer haben halt ihren eigenen Kopf“. Da hatte ich es und vermutlich hat sie nicht ganz unrecht.

Solch einen eigenen Kopf brauchte auch der, nach dem dieser Tag benannt ist: Josef – der Mann der Maria. Sein eigenwilliger Kopf hat dazu geführt, dass er eigene Wege gegangen ist. Seine Verlobte war schwanger, aber nicht von ihm. Er war unsicher und schmiedete heimlich den Plan, sie „heimlich zu verlassen“ (Math. 1, 19). Aber dann lese ich in der Bibel, dass Josef „fromm“ war. Bei diesem Wort zucke ich zusammen. Wie oft muss ich dieses Wort anhören. Aber was heißt „fromm“? Manche verbinden diesen Begriff mit einem ganz bestimmten „christlichen“ Verhalten. Aber was ist das wieder? So langsam merke ich, dass viele Worte gebraucht werden, um den Glauben eines Menschen zu beschreiben. Aber kaum jemand kann etwas damit anfangen? Bei Josef aber ist das ganz konkret: Er war fähig, die Stimme Gottes zu hören und den Willen Gottes in die Tat umzusetzen. Er erlebt konkret, wie Gott zu ihm spricht in den Gestalten eines Engels. Diese Stimme Gottes erklärt ihm den Umstand der Schwangerschaft von Maria. Diese Stimme Gottes bringt diese Schwangerschaft mit dem Handeln Gottes am Volk Israel in Verbindung. Diese Stimme Gottes rettet die Familie vor Herodes durch die Flucht nach Ägypten. Von Josef ist im Verlauf der Evangelien fast nichts mehr zu lesen. Über seine Motive und Gefühle bekomme ich so gut wie nichts mit. Aber eines erkenne ich ganz deutlich: Durch das Hören auf die Stimme Gottes wird er befähigt, das Richtige zu tun und zu handeln. Auf Gottes Stimme hören und die richtigen Entscheidungen treffen. Das wäre doch auch eine sehr gute Leitlinie in unseren gegenwärtigen schwierigen Zeiten.

Update 3 am 18.03.2020

Gestern habe ich eine sehr interessante Mail erhalten. Ein Pfarramtskollege hat mir geschrieben, dass er eine Aktion „Licht der Hoffnung“ gestartet hat. Jeden Abend stellt er um 19 Uhr eine Kerze als Licht ans offene Fenster. In der Kirche entzündet eine Person die Osterkerze. Dieses Licht der Hoffnung soll auf Jesus mitten in diesen „dunklen“ Tagen hinweisen. es wird dann deutlich, dass über alle Ängste Jesus steht, der selbst einmal im Johannesevangelium gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mit nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern er wird das Licht des Lebens haben“ (Jo 8, 12).

Ich finde das eine sehr gute Aktion. Dieses Licht soll nicht nur in der Advents- und Weihnachtszeit entzündet werden. Es leuchtet über das ganze Jahr hinweg. Denn dunkle Zeiten halten sich nicht an das Kirchenjahr oder an bestimmte Jahreszeiten. Jesus ist stärker als dieser Corona-Virus. Das will ich bekennen.

Update 2 am 17.03.2020

Fast alles fängt an, still zu stehen. Auch alle Veranstaltungen im Raum der Kirche können nicht mehr stattfinden. Ich werde vor allem die Gottesdienste vermissen. Dort tanke ich auch als Pfarrer für mich selbst viel Kraft für meinen Alltag. Gleichzeitig denke ich daran, dass die ersten Christen sich nicht in großen Kirchen getroffen und dennoch Gemeinde gelebt haben. In der Apostelgeschichte steht im zweiten Kapitel im Vers 46 der Satz: „Sie (die Christen) waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen“. Christen feiern den auferstandenen Christus also nicht nur im großen Raum (damals im Tempel – heute in der Kirche), sondern auch im kleinen Kreis in der sog. „Hausgemeinschaft“. Corona könnte Christen wieder lehren, diesen Aspekt ernster zu nehmen. Gemeinde Jesu Christi trifft sich auch im kleinen Kreis und ist vollständig Gemeinde. Denn letztlich kommt es nicht auf die Anzahl der Christen an, sondern auf das Vertrauen zu Jesus, der für mich Halt und Zuversicht gibt. Jesus selbst hat im Evangelium des Matthäus gesagt. „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Math. 18,20).

Update 1 am 16.03.2020

Vermutlich haben Sie es irgendwo und irgendwie schon gehört oder gelesen: Alle Veranstaltungen wie Gottesdienste, Treffen von Kreisen und Gruppen, Versammlungen werden mindestens bis zum 19.04.2020 abgesagt. Ich hätte nie in meinem Leben gedacht, dass ich solch eine schwierige Situation erleben werde. Ich denke an viele Gespräche mit meinen Eltern und Großeltern über die Kriegszeiten des 2. Weltkrieges. Und dann stelle ich fest: so schlimm ist das jetzt nicht. Es ist nur ungewohnt, nicht zu fassen, unglaublich. In mir sind die Worte aus dem Ps 130, 1 – 7 (dieser Psalm gehört zu den sog. Bußpsalmen):

Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir. Herr höre meine Stimme! Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens! Wenn di, HERR, Sünden anrechnen willst – Herr, wer wird bestehen? Denn bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte. Ich harre des Herrn, meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort. Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen, mehr als die Wächter auf den Morgen hoffe Israel auf den Herrn! Denn bei dem HERRN ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm„.

Mein Ziel ist es, fast täglich irgendeinen Impuls zu schreiben, in denen Menschen vorkommen, die mir wichtig sind oder von denen ich neu zum Nachdenken über die Situation komme.

Steh auf und geh

„Steh auf und geh“. So lautete das Thema des diesjährigen Weltgebetstages der Frauen am ersten Freitag im März. Frauen aus Simbabwe haben die Liturgie vorbereitet und darin viele Informationen und Gebetsanliegen formuliert.

Martina Grötsch hat als Verantwortliche in unserer Kirchengemeinde den Abend vorbereitet und diesen mit Bildern und einer Power-Point-Präsentation lebendig ausgestaltet. Sie gab zuerst einen ausgezeichneten Überblick über das Land, das vor vielen Jahrhunderten „Großsimbabwe“ hieß und in Zeiten der Kolonialisierung des afrikanischen Kontinentes unter den Namen „Rhodesien“ bekannt war. Nach der Unabhängigkeit 1980 wurde das Land aber die Korruption nicht los und es gibt bis heute sehr viel Armut. Auch die Presse- und Meinungsfreiheit ist sehr eingeschränkt. So mussten die Verantwortlichen die ausgearbeiteten Texte vor der Veröffentlichung der Regierung vorlegen und genehmigen lassen. Martina Grötsch verstand es sehr gut, die Geschichte von der Heilung des Gelähmten am Teich Bethesda den Gottesdienstteilnehmerinnen nahe zu bringen. Der Gelähmte war schon seit 38 Jahren krank und sehnte sich nach Heilung.

Martina Grötsch schlüpfte in die Person des Kranken hinein und nahm alle mit in die Gefühls- und Lebenswelt des Gelähmten, den Jesus begegnet. Durch die Aufforderung „Steh auf und geh“ ermutigt uns Jesus dazu, aufzustehen, uns für ihn zu entscheiden und versöhnt mit Gott und dem Mitmenschen zu leben. Wenn wir versöhnt sind, können wir wahrhaftig lieben. Verschiedene Frauen aus unserer Kirchengemeinde lasen die Texte. Lieder aus dem evangelischen Gesangbuch, aus dem Vorbereitungsheft und Lobpreislieder aus unseren Gottesdiensten bereicherten musikalisch die Veranstaltung. Die Kollekte in Höhe von 140,– Euro wurde der Christusträger-Bruderschaft übergeben. Das Geld unterstützt ihre Arbeit im Dorf Vanga im Kongo. Sie arbeiten dort in einem Buschkrankenhaus mit. Besondere Herausforderungen sind dabei die Bekämpfung von Unterernährung sowie spezielle Formen von Krebs und Diabetes.

Tapfer geschlagen und besser geworden

Eine Mannschaft unserer Kirchengemeinden nahm am 9. Konfi-Cup der Evangelischen Dekanatsjugend Hersbruck in Kirchensittenbach teil. in diesem stellten sechs Jugendliche unsere Mannschaft. Sie mussten drei Spiele in der Vorrunde absolvieren und gewannen das dritte Vorrundenspiel schließlich mit 4 : 0 gegen Vorra. Am Ende reichte das zum 5. Platz unter 8 Mannschaften, da weitere starke Mannschaften dabei waren. Aber es war praktisch die selbe Mannschaft, die im vergangenen Jahr als zweite Mannschaft unserer Kirchengemeinde angetreten waren und 2019 den letzten Platz belegt hatten. Also schon eine sehr gute Verbesserung.

Das spannende Finale konnte die Mannschaft Engelthal/Henfenfeld mit 1 : 0 für sich entscheiden und war am Ende der Turniersieger einer interessanten Sportveranstaltung. Für unsere Kirchengemeinde waren Moritz Schuster, Luca Schößwender, Finn Schneider, Constantin Kolb, Jannik Böheim und Elias Bock am Start. Die sportliche Leitung hatte in gewohnt souveränen Weise Ortwin Kalb.

Den Kreuzestod Jesu verstehen

Passend kurz vor der Passionszeit gab Pfr. Gerhard Metzger im Rahmen von „Neugierig auf mehr. Geheimnis Bibel“ Impulse zum biblischen Verständnis des Kreuzigungsgeschehens von Jesus. Als zwei wichtige Bibelstücke zum Thema nannte er die Bekehrung des Kämmerers von Äthiopien aus der Apostelgeschichte 8 und die Geschichte der sog. Emmausjünger aus Lukas 24. Der Kämmerer versteht nicht, was er liest und Philippus erklärt ihn das mit der Übersetzung des Gottesknechtsliedes aus Jesaja 53. Mit dieser Analogie haben schon die ersten Christen verstanden, dass der Gang Jesu zum Kreuz mit dem Gottesknecht aus Jesaja zu vergleichen ist. Also schon im Alten Testament ist der Gedanke da: Einer stirbt für einen anderen und trägt so die Sünden anderer. In Jesaja 53 heißt es wörtlich: „Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre… Die Strafe liegt auf ihn, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt…Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn…Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen, denn er trägt ihre Sünden„. Schon die ersten Christen haben diesen Gottesknecht mit Jesus identifiziert.

Bei den sog. Emmausjünger aus Lukas 24 wird deutlich, dass sie sich durch den Kreuzestod von Jesus „getäuscht“ gefühlt haben. „Da bleiben sie traurig stehen“ (Lk 24, 17b) kann wörtlich übersetzt werden mit „Da blieben sie voller Murren, im Ärger stehen„. In ihnen ist es ganz „dunkel„. Sie hatten geglaubt, dass Jesus ein politischer Kämpfer wäre, der hilft, die Römer aus dem Land zu jagen: „Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde“ (Lk 24, 21b). Dann erklärt ihnen der „unbekannte“ Mann das Geschehen und in den Parallelstellen wird wieder auf Jes 53 verwiesen. Später erkennen sie beim „Brot brechen“ in diesen Mann den auferstandenen Christus. Und so ist bis heute die Diskussion um die Bedeutung des Kreuzes von Jesus ein wichtiger Beitrag dafür, dass der Gedanke des Sterbens von Jesus für andere einen wichtigen biblischen Hintergrund aus dem Alten Testament hat und für Christen eine grundlegende Botschaft ist.

Hanna schüttet ihr Herz Gott aus

Die berührende Geschichte von Hanna am Anfang des ersten Samuelbuches aus dem Alten Testament stand im Mittelpunkt von Prime Time, dem Lobpreisgottesdienst im Jugendhaus. Neben vielen neuen geistlichen Liedern mit meist englischen Texten gab die Theologiestudentin Annika Maul wertvolle Impulse zum Thema. Sie legte den Schwerpunkt auf die persönliche Situation von Hanna. Wie damals üblich, hatte ihr Mann, Elkana, zwei Frauen: Hanna und Peninna. Während Peninna Kinder bekam, war der Leib der Hanna „verschlossen“ und sie konnte keine Kinder mehr bekommen. Diese Situation war in der damaligen gesellschaftlichen Situation geächtet. Dennoch ging sie mit ihrem Mann zur jährlichen Wallfahrt nach Silo. Dort aber weinte sie und brachte ihre Trauer vor Gott zum Ausdruck. Eines Tages sieht sie der dortige Priester Eli, wie sie weinend ihre Lippen im Gebet bewegt. Dabei gibt sie Gott das Versprechen, dass sie den Sohn ganz Gott geben würde, wenn sie noch ein Kind gegen jegliche menschliche Möglichkeit bekommen würde. Eli meint, sie wäre betrunken und spricht sie darauf an. Hann aber nennt ihren Kummer und Eli gibt ihr in einer prophetischen Offenbarung die Zusage, dass Gott ihr die Bitte erfüllen würde. So geschieht es auch und der Sohn, Samuel, wird nach der Zeit der Entwöhnung nach Silo gebracht und später zum berühmten letzten Richter von Israel, der Saul und David zu den ersten Königen des Landes salben wird.

Annika Maul ließ die Zuhörer des Gottesdienstes in die Gefühle der Hanna hineinspüren und setzte den Schwerpunkt darauf, wie Hanna trotz aller Verbitterung und Traurigkeit immer den Kontakt zu Gott gesucht und auch ihre Gefühle mit der Beziehung zu Gott verbunden hat.