Archiv des Autors: Pfr. Gerhard Metzger

Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 121 vom 14.07.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit

„Liberté -Egalité – Fraternité“. „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit“. Wie oft hat mir mein Vater die Französische Revolution erklärt als ich noch nicht einmal in die Grundschule gegangen bin. Dabei war er gar kein Freund dieser Umwälzung. Er hat mir aber gesagt, dass dieses Ereignis die Geschichte bis heute nachhaltig beeinflusst hat. Und dann hat er immer auch dazu gesetzt: „Aber merk dir eins, Gerhard, die Revolution frisst ihre eigenen Kinder“. Also: Wenn eine Bewegung selbst an die Macht gekommen ist, dann steht sie in der Gefahr, selbstherrlich zu werden – so zu werden wie die Bewegung, gegen die sie angekämpft hat.

Auch im Nachhinein merke ich, dass er damit eine Lebenswahrheit ausgesprochen hat. Der Umsturz im damaligen Frankreich steht dafür Zeuge. Denken Sie nur an die Frau von König Ludwig XVI., Marie-Antoinette, eine Tochter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia. Sie wurde am 16.10.1793 auf dem Schafott hingerichtet. Alle ihre drei Richter waren spätestens ein Jahr danach selbst Opfer ihres eigenen Aufstandes.

Heute stelle ich das immer wieder fest. Der Kommunismus wollte die Teilhabe aller Menschen an der Wertschöpfung eines Staates. Daraus wurden totalitäre Regierungen, die in Europa erst 1989 gestürzt wurden. Wenn ein Mensch oder eine Gruppe Ziele erreicht haben, dann stehen sie in der Gefahr, selbst andere beherrschen zu wollen. Das ist eine große Gefahr. Die Richter und Könige von Israel und Juda haben dieser Versuchung oft nicht widerstanden. Die Kaiser und Cäsaren der Weltgeschichte sind in diese Falle getappt. Jeder Mensch, der in eine Verantwortungsposition gewählt und/oder berufen worden ist, steht in der Gefahr, sich dann zu überschätzen und eigennützig zu entscheiden und zu handeln.

Für mich als Pfarrer war das wie ein Leitsatz für meine Pfarramtsführung. Deshalb habe ich versucht, Gaben und Begabungen von Menschen zu erkennen und für die Leitung der Kirchengemeinden zu gewinnen, für die ich verantwortlich war. Das gelingt mal mehr, mal weniger. Aber es ist ein Grundsatz von mir, mich selbst nicht zu wichtig zu nehmen.

Was ich von der französischen Revolution noch lernen kann: die Kirche im Alltag zu verorten. 1789 war die Kirche stark mit der Regierung und dem damaligen französischen König Ludwig XVI. verbunden. Die Kirche hatte großen Privatbesitz (weit über 60 % der gesamten Landfläche), während das einfache Volk und die Bauern um ihre Lebensexistenz kämpfen mussten. Wenn die Kirche im Laufe der Kirchengeschichte in dieser Rolle zu finden war, hat sie meistens sehr viel geistliche Substanz verloren.

Heute stehen verantwortliche Menschen in der Kirche wieder vor der Frage: Wie nehmen wir Einfluss auf das Geschick der Menschen, denen wir die Botschaft des Evangeliums weitersagen wollen? Welches Teil im Getriebe von Politik und Gesellschaft sind wir? Eine Frage, die wirklich schwer zu beantworten ist.

Den Grundsatz „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit“ kann ich persönlich durchaus auch aus der Bibel herauslesen, auch wenn die Bewegung der französischen Revolution von den äußeren Umständen her sehr kirchenkritisch war. So wurde z.B. der Sonntag abgeschafft. Statt eine Woche mit sieben Tagen wurde der Monat in 30 Tage mit je 10 Tage in der Woche gegliedert. Man wollte alles dafür tun, dass Menschen sich von Gott und der Kirche abwenden.

Letztlich bleibt es aber in der Verantwortung eines jeden Christen, wie er seinen Glauben mit seinem Alltag als Bürger in Einklang bringt. Der Sturm auf die Bastille heute vor genau 231 Jahren, am 14.07.1789 ist eine Herausforderung für mich, besonders in Krisenzeiten das Verhältnis von Kirche und Staat zu klären.

Paulus hat auf seinen Missionsreise für die Urgemeinde eine Kollekte gesammelt. In zwei Kapiteln (2. Korinther 8 – 9) begründet er dies mit folgenden Worten (nach der Übersetzung der Textbibel): „Was ihr in dieser Zeit mehr habt, soll für das gut sein, was jene weniger haben; damit auch ihr Reichtum wieder decke, was euch fehlt, zur Herstellung der Gleichheit“. Das ist die Sichtweise von Paulus zum Thema „Gleichheit“. Die mehr haben, sollen für die, die weniger haben etwas hergeben. Ist das auch ein Weg in dieser Coronaepidemie?  

Grundsätzlich gilt für mich: die Franzosen sind immer mal für Überraschungen gut. auch an einer Stelle, wo ich das gar nicht vermutet hätte. Davon aber mehr in drei Tagen.

Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 120 vom 13.07.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Ein letzter Blick

Heute ist der 13.07.2020. Seit dem 16.03. werden jetzt diese täglichen Gedanken als Update geschrieben und das ist heute die 120. Ausgabe. Diese Zahl hat mich inspiriert, über eine besondere  Person aus der Bibel nachzudenken: Mose.

Sein Leben hing schon ab der Geburt am seidenen Faden. Alle männlich geborene jüdische Kinder sollten nach Weisung des Pharaos getötet werden. So wollte der Herrscher von Ägypten verhindern, dass das jüdische Volk immer mehr und größer werden würde. Aber die kluge Mutter und das beherzte Eingreifen seiner Schwester Mirjam rettet sein Leben und er wird ägyptischer Prinz. Weil er seine Herkunft nicht verleugnen kann, tötet er einen Aufseher, der einen israelitischen Sklaven gefoltert hatte. Mose flieht in die Wüste Midian und gründet dort eine Familie.

Mit 80 Jahren wird er von Gott durch das Zeichen eines brennenden Dornbusches, der nicht verbrennt, von Gott berufen (siehe Updates 80 und 81). Er wird das „Sprachrohr Gottes“ und führt sein Volk nach vielen langen Jahren der Knechtschaft aus Ägypten heraus. Nach 40 langen Jahren stehen sie vor dem Jordan und warten auf den Einzug in das verheißene Land Kanaan. Mose ist jetzt 120 Jahre alt. Er selbst darf nicht in das Land Kanaan gehen und steht vor seinem Tod.

Und dann wird im 5. Buch Mose im 34. Kapitel diese berührende Geschichte erzählt, wie Gott ihm das verheißene Land Kanaan zeigt. Mose steigt auf den Berg Nebo und hört die Worte Gottes: „Dies ist das Land, von dem ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen haben: Ich will es deinen Nachkommen geben. Du hast es mit deinen Augen gesehen, aber du sollst nicht hinübergehen“. Und dann heißt es weiter: „So starb Mose, der Knecht des HERRN, daselbst im Lande Moab nach dem Wort des HERRN“.

Diese Geschichte erinnert mich immer wieder an meinen Großvater Fritz. Im Frühjahr 1978 war er sehr krank geworden. Die Ärzte hatten ihn nicht mehr operiert. Ich kam gerade von einer Reise nach Israel zurück. Er wollte die Dias über das Land unbedingt anschauen und Eindrücke von diesem besonderen Land gewinnen. Im Sommer/Herbst des Jahres hat er gespürt, dass er sterben wird. Er hatte einen sehnlichen Wunsch: noch einmal durch die Fluren gefahren zu werden um die Äcker anzuschauen, die er selbst viele Jahre lang bewirtschaftet hat. Und dazu auch die Äcker seines anderen Sohnes, der in das Nachbardorf geheiratet hat um dort einen großen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen.

Ein letzter Blick – ein letztes Schauen auf das, was ihm hier wichtig war – noch einmal Gedanken darüber, was Gott ihm bereitet hat als Broterwerb. Dann ist er gestorben. Und ich denke, es war so wie bei Mose und wie das in der Bibel an vielen Stellen beschrieben ist. Von Abraham heißt es z. B.: „Und Abraham verschied und starb in einem guten Alter, als er alt und lebenssatt war…“ (1. Mose 25, 8).

Ein Theologe schreibt dazu: „Dies ist dann der Augenblick der Todesreife“. Ja, so habe ich meinen Opa erlebt. Er strahlte diese Reife aus und ich wünsche mir, das selbst einmal so erleben zu können.

Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 119 vom 12.07.2020

Tägliche Gedanken in einer schwierigen Zeit, heute von Lektorin Christl Schäfer-Geiger

Wie dick ist ein seidener Faden

Wenn jemand schwer krank war und wieder gesund wird, dann sagt man doch gerne, dass sein Leben am seidenen Faden hing. 

Meine Schwägerin hat uns vor ein paar Tagen besucht. Mit einem Glas Erdbeerbowle, die es nur einmal im Jahr gibt, haben wir angestoßen auf das Leben. Und dann kam die Erinnerung an ihre Herzoperation vor fünf Jahren. Es war eine geplante OP und weil immer etwas schief gehen kann, hat sie vorher noch vieles geregelt. Aber sie ging mutig und voller Zuversicht ins Krankenhaus und alles lief perfekt…. Bis zum Herzflimmern und der fünfprozentigen Überlebenschance. Da war die ganze Familie erst einmal vollkommen schockiert. In einem futuristischen Krankenhausbett, in dem sie ständig bewegt wurde, kämpften die Ärzte, die Physiotherapeuten, ihr Mann, ihre Kinder um ihr Leben. Aber letztendlich hat sie selber gekämpft um dieses bisschen Leben, das noch übrig war und sie hat gewonnen. 

Da fiel mir der berühmte „seidene Faden“ ein.

Seidenraupen werden auf Maulbeerbäumen gezüchtet und spinnen ihren Kokon. Aus diesem entsteht ein kilometerlanger feiner Faden. Dünn ist der Faden, aber sehr elastisch. An so einem hängt oft ein Leben. Wie schnell kann etwas passieren, das mich aus der Bahn wirft.

Nach dieser Unterhaltung war mir wieder klar, dass ich jeden Tag im Vertrauen auf Gott gehen will und dass ich jeden Tag mit Freuden nehmen will. Ich will mich nicht ärgern und nicht streiten. Wie schnell hänge ich vielleicht auch mal an diesem Fädchen, von dem ich dann nur hoffen kann, dass es genügend Elastizität hat.

Wenn Corona will, steht (manches) still, Update 118 vom 11.07.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Legende lebt – hoffentlich, Teil 2

Es ist der 15.06.2020. Ich sitze gegen Mittag am Schreibtisch. Plötzlich sehe ich vor mir in einer Eingebung drei Sätze: Der Club steigt vielleicht ab – Ps 137Ps 126. Der Club stand damals kurz vor dem Spiel gegen Wehen Wiesbaden. Ich setzte mich hin und schlage beide Psalmen auf. Ich gehe an die Tastatur meines Computers und schreibe in einem „Rutsch“ die beiden Psalmen in eine moderne Übersetzung in Fußballersprache auf. Die Worte fließen. Nach 15 Minuten bin ich fertig. Ich kann es nicht wirklich glauben. Ich schreibe an einem mir bekannten Freund und Kollegen meine Zeilen mit der Bitte um Prüfung. Grundsätzlich halte ich solche Übertragungen für „komisch“. Nach wenigen Minuten erhalte ich eine sehr positive Antwort. Er ist selbst Mitglied in einem Clubfanverein und kann das wirklich beurteilen. Der Club gewinnt in Wehen mit 6 : 0. Kann ich jetzt alles ad acta legen? Dann verliert er gegen Hamburg mit dem selben Ergebnis und gewinnt nicht sein letztes Spiel. Der Club muss in die Relegation. Heute abend entscheidet sich sein „Schicksal“ in der Coronakrise und ich bringe die Übersetzungen hiermit an die Öffentlichkeit. Den Bibeltext bitte selbst aufschlagen. Ich hoffe dennoch, dass heute abend nach dem Spiel der Hoffnungsaspekt größer ist als die Trauer des Abstieges.

Moderne Übersetzung von Ps 137

An den Wassern der Pegnitz saßen wir und weinten.

Unsere Fußballtrompeten hängten wir an die Fichten und Kiefern des Landes. Denn die uns den Abstieg gebracht haben, schafften es, dass uns das Singen im Hals stecken geblieben ist.

Singt uns ein Lied von Noris her! Wie können wir ein Lied singen in der dritten Bundesliga, dort gehören wir einfach nicht hin.

Vergesse ich Dich, mein geliebter Club, so soll ich ganz starr vor Schrecken werden.

Mein Jubel soll nicht mehr gehört werden, wenn ich an deine glorreichen Zeiten denke, wenn ich vergesse, dass du schon neunmal Deutscher Meister geworden bist.

Ich will die glorreichen Söhne des Clubs wie Max Morlock oder Heinz Strehl oder Heiner Stuhlfaut oder Dieter Nüssing nicht vergessen als die Menschen in Deutschland sagten: Der 1. FC Nürnberg ist der Club schlechthin.

Ihr Spieler, Trainer und Manager, wehe euch, was ihr uns angetan habt.

Moderne Übersetzung von Ps 126

Aber irgendwann werden wir wieder kommen und mindestens in die zweite Fußballbundesliga aufsteigen.

Dann wird unser Mund wieder voll Lachens sein und unsere Zungen sollen den Club und seine Mannschaft wieder rühmen.

Dann wird man sagen bei den anderen Mannschaften: Nürnberg hat wieder einen großen Fußballclub. Er ist ein großer Verein. Darüber sind wir fröhlich.

Herr, hilf uns, dass der Club wieder Meisterschaften gewinnt wie du die Pegnitz bringst aus dem Osten und sie fließt durch das Nürnberger Land.

Die wir jetzt mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.

Jetzt gehen wir bald hin nach Meppen oder nach Unterhaching oder nach Regensburg und werden unserem Club zujubeln.

Dann werden wir kommen mit Freuden und bringen die Siege wieder zurück nach Franken.

Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 117 vom 10.07.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Legende bleibt am Leben – hoffentlich, Teil 1

Das war für mich wirklich eine Überraschung. Im Mai 2004 fuhr der Schulbus, der unseren Sohn Simon zur Schule fuhr mit einem Schild im Innenraum. Ich habe dieses erst ab dem Zeitpunkt richtig verstanden, als mir jemand danach gesagt hat: „Wer den „Glubb“ liebt, der muss viel leiden“.

Zum Verständnis für die Nicht-Franken: Der „Glubb“ (hochdeutsch: der Club) ist der 1. FC Nürnberg. Vermutlich hat er seinen Fannamen zu einer Zeit erhalten, in der er in Deutschland die Fußballszene beherrscht hat. Das war vor allem in den 20-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Insgesamt wurde er in diesen „Goldenen Jahren“ (stimmt diese Bezeichnung wirklich, immerhin war es kurz nach dem ersten Weltkrieg??!!) insgesamt 5-mal deutscher Meister. Bis in den 60-er Jahren war er dann auch noch der Fußballclub mit den meisten Pokalsiegen. Zuletzt wurde er 1968 deutscher Meister mit Trainer Max Merkel, der mit „Zuckerbrot und Peitsche“ trainiert hat. Erst im Jahr 1987 hat ihn Bayern München als Rekordmeister abgelöst.

Jedenfalls fuhr der Schulbus für unseren Simon im Mai 2004 mit einem großen Schild. Der Text im Bus lautete: „Die Legende ist zurück“. Der Fahrer hatte sich ungemein gefreut, dass sein Fußballverein wieder in die erste Fußballbundesliga aufgestiegen ist. Bewundert stand ich vor dem Bus. Solch ein Schild hatte ich vorher weder gesehen noch hatte ich selbst solch ein Schild auf meinem eigenen Auto. Zugegeben, ich bin ein Fan eines anderen Vereins (die Lösung schreibe ich bei meinem Update am 09.09. oder 10.09.2020). Aber ein kurzes Gespräch habe ich damals doch angefangen. Ich wollte etwas davon wissen, wie ein Anhänger des 1. FC Nürnberg tickt und welche Nehmerqualitäten er entwickelt hat und bis heute entwickeln musste. Immerhin ist dieser Verein immer noch der mit den zweithäufigsten deutschen Meistertiteln. Aber er ist auch der Verein, der die meisten Bundesligaabstiege aller Verein hinter sich hat (aber vielleicht holt ihn ja Arminia Bielefeld im kommenden Jahr in dieser Hinsicht ein). Und noch ein Vereinsrekord kann er melden: Er ist der einzige Verein, der sowohl als deutscher Meister als auch als deutscher Pokalsieger jeweils im darauffolgenden Jahr abgestiegen ist.

Warum ich dies schreibe: Zum einen habe ich gelesen, dass nichts den Deutschen so positiv oder negativ in Stimmung bringen kann als sein geliebter Fußball. Zum anderen ist mir aufgefallen, dass es immer dann die meisten Zugriffe auf meinem „Blog“ gibt, wenn ich etwas zum Fußball oder zum Sport schreiben, zum dritten bin ich selbst ein Fan von sportlichen Betätigungen und Informationen, zum vierten erkenne ich viele Zusammenhänge von Sport und Glauben (habe ich schon geschrieben mit schönen Grüßen vom Apostel Paulus!!).

Aber das Wichtigste ist natürlich: Morgen geht es beim „Glubb“ um alles. Morgen entscheidet sich, ob er den ungeliebten Gang in die dritte Liga gehen muss so wie 1996 schon einmal in die damalige Regionalliga Süd. Die nicht so Fußballinteressierten mögen mir verzeihen, dass es heute so stark um diesen Traditionsverein geht. Ich habe dazu eine gute und eine schlechte Nachricht.

Die schlechte Nachricht für die Anti-Sportler: Morgen geht es noch einmal um den „Glubb“. Die Chancen stehen ja nicht schlecht, dass der „Glubb“ nicht absteigt. Immerhin hat er ein 2 : 0 gegen Ingolstadt vorgelegt.  Ich erkenne im „Glubb“ auch ein Opfer der Coronapandemie. Denn vorher war er im relativ gesicherten Mittelfeld. Aber das Spielen ohne Fans und ohne die „leidenden“ und „liebenden“ Anhänger war offenbar schlecht für diesen Verein.

Die gute Nachricht: Ich hatte dazu ein geistliches Erlebnis am 15.06.2020 gehabt. Allerdings: Wer mehr dazu wissen will, muss mein morgiges Update lesen!!

Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 116 vom 09.07.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Wie die Träumenden

Urlaub wird beschrieben, wie wenn Menschen dann „wie die Träumenden“ sind. Ob das immer so ist, kann natürlich bezweifelt werden. Aber es ist zumindest eine sehr gute Werbung der Urlaubsindustrie. Reisebüros wissen genau, wie sie mit Texten und Bildern Menschen so stimulieren können, dass Reisen gebucht werden. Mediziner sagen, dass es nicht auf die zwei Wochen im Urlaub ankommt, wie gut sich Menschen fühlen, sondern dass die anderen 50 Wochen darüber entscheiden, wie gut ich durch das Jahr komme. Psychologen sagen, dass es nirgends so viel Streit in den Familien gibt als im Urlaub. Aber dieses Paradox ist wohl nicht aufzulösen. Und jeder muss das für sich selbst entscheiden, welchen Urlaub er wählen kann und will.

Für mich ist es sehr interessant, dass diese Metapher „Wie die Träumenden“ in der Bibel einen realen Hintergrund hat. Das gilt vor allem für die Menschen, die im Psalm 126 beschrieben werden. „Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein. Dann wird man sagen unter den Heiden: Der HERR hat Großes an ihnen getan! Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich“. Diese ersten drei Verse aus diesem Psalm beschreiben die Situation der Sänger/-innen. Es sind die gefangenen Juden in der babylonischen Gefangenschaft (siehe Update 71 vom 25.05.2020). Sie machten eine sehr schwere Zeit durch. Sie konnten keine Gottesdienste im Tempel von Jerusalem feiern, der vollkommen zerstört war. Sie mussten sich mit den Babyloniern arrangieren und einen Alltag zum Überleben aufbauen. Der Prophet Jeremia hatte ihnen geraten, so möglich wie es nur geht, diesen Alltag zu bewältigen. Sie waren jetzt alleine auf die Hilfe ihres Gottes angewiesen. Nur er konnte die Situation ändern. Aber was sie auch konnten und taten: Sie konnten ihre Gefühle und Hoffnungen im Gebet und in ihren Liedern ausdrücken.

Und davon ist der Psalm 126 ein Zeugnis. Und das ist sicherlich auch eine gute Art und Weise für uns, wenn diese Coronakrise immer noch nicht überwunden ist und keiner weiß, ob und wie wir damit in den nächsten Jahren leben müssen. Die gefangenen Juden singen im Psalm 126 weiter: „Die mit Tränen sehen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Gaben“.

Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, update 115 vom 08.07.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Wie die Träumenden

Ende Mai laufe ich durch Hersbruck. Da springt mir ein Plakat ins Auge. Darauf waren zwei Menschen an einem Strand im Pazifik zu sehen. Als große Überschrift lese ich: „Wie die Träumenden“. Ein paar Tage vorher war berichtet worden, dass vielleicht doch ein Südsee-Urlaub im Sommer auch für Deutsche möglich ist. Der bayrische Ministerpräsident Markus Söder hatte im März und April gesagt, dass sich die Menschen hier lieber darauf einstellen sollten, in Bayern – höchstens in Deutschland – den Urlaub 2020 zu verbringen. Hintergedanke war neben dem Infektionsrisiko die Überlegung, die einheimische Urlaubswirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Wie die Träumenden“ – so wird für diese besondere Zeit des Urlaubs geworben. Ich denke daran, wie ich Urlaub als Kind auf dem Bauernhof erlebt habe. Bis Anfang der 70-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts war die Möglichkeit eines Urlaubs für Bauern völlig ausgeschlossen. Auch für meine Eltern galt dieses Prinzip. Es hat höchstens zu einer Tagesfahrt mit anderen Landwirten gereicht. Wenn im Fernsehen Heimatfilme gezeigt wurden, dann hat meine Mutter oft gesagt: „Da hin möchte ich wenigstens einmal“. Das hat sich bei mir nachhaltig eingeprägt und ich habe schon als Kind darauf sehnsüchtig gewartet, wann dieser Wunsch meiner Mutter endlich erfüllt werden konnte.

Es hat bis 1972 oder 1973 gedauert. Dann war es endlich so weit. Für fünf Tage wurden Reisepläne geschmiedet. Es sollte in die Berge nach Farchant gehen. Auf dem Bauernhof musste natürlich alles vorher organisiert werden. Alles wurde genau besprochen. Wichtig war in diesen Tagen vor allem die Stallarbeit. Alle vier Kinder halfen mit und der Nachbar war in den Vorbereitungen mit einbezogen. Denn es war genauso, wie das auf einem Bauernhof sein kann. Die Tiere halten sich nicht an die Reiseplänen der Menschen. Genau in diesen fünf Tagen sollte eine Kuh ein Kalb zur Welt bringen. Meine Eltern fuhren schon früh um fünf Uhr fort um dann am fünften Tag rechtzeitig vor der Stallarbeit wieder da zu sein. Die Kuh hielt sich genau an den Geburtsplan und am dritten Reisetag brachte sie ihr Kälblein auf die Welt. Zwei Nachbarn wurden sogar geholt. Aber alles klappte hervorragend und meine Eltern waren mit der Arbeit bei ihrer Abwesenheit zufrieden.

Und so organisierten sie einen jährlichen Urlaub in dieser Länge und kamen immer wieder zufrieden zurück. „Ich habe die Berge gesehen“. Oft habe ich diesen Ausspruch von meiner Mutter gehört und sie war glücklich, eben wie eine Träumende. Und die Heimatfilme hat sie noch intensiver angeschaut im Wissen, dort war sie jetzt mehrmals zum Kurzurlaub.

Heute fahre ich mit meiner Frau vom diesjährigen Urlaub nach Hause. Wegen der Coronakrise waren wir diesmal nicht im Trentiner Land am Cavediner See. Wir haben zumindest teilweise den Wunsch unseres Ministerpräsidenten entsprochen und sind in Deutschland geblieben. Die Tage auf Usedom waren ausgefüllt mit vielen Erlebnissen. In mir fühle ich eine Freiheit, mir für diese 14 Tage frei nehmen und auch 2020 fortfahren zu können. Tatsächlich: Urlaub mit langen Flügen in weit entfernt liegenden Gegenden dieser Welt muss nicht sein. Berge und Wasser bei uns in unserem Land schenken auch Erholung. Und wir konnten auch auf Usedom ein wenig „wie die Träumenden“ sein. Aber diese biblische Metapher eignet sich für ein eigenes Update am morgigen Tag.

Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 114 vom 07.07.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Es ist Juli 1983. Vor mir liegt der Brief vom Landeskirchenamt. Im Brief liegt die Nachricht über den Predigttext anlässlich meines zweiten Examens. Lukas 17, 11 – 19 wird mir als Predigttext zur Aufgabe gestellt. Ich sollte meinen Examensgottesdienst im Mai 1984 halten. Es ist nie ganz einfach, schon fast ein Jahr vorher sich konkrete Gedanken zu einem Predigttext zu machen. Er soll ja auch aktuell sein. Damals war es noch so, dass der Gottesdienst dazu nicht in der Vikariatsgemeinde stattfinden durfte. Jetzt ist das anders. Aber diese Vorgehensweise beschert mir einen besonderen Gottesdienstraum. Es ist die Kirche auf dem Johannesfriedhof in Nürnberg. Nur dieses eine Mal habe ich dort gepredigt. Und nur noch ein weiteres Mal, im Mai 2003, war ich dort in der Kirche bei der Beerdigung von John Mac Farlane, der auch in Altensittenbach insgesamt sechs Mal Vorträge gehalten hat.

Lukas 17, 11 – 18: „Die zehn Aussätzigen“ lese ich. Mir fallen sofort Worte meines Heimatpfarrers aus dem Religionsunterricht der Grundschule ein. „Nur einer ist umgekehrt und hat dem Jesus gedankt“. So hat er die Geschichte zusammengefasst und so habe ich sie immer verstanden. Geschichten mit solch einer klaren und eindeutigen Botschaft reizen mich, besonders genau hinzusehen und zu ergründen, ob nicht auch andere Botschaften in den Worten Jesu stecken. Geht es wirklich nur um ein „Dankbar sein“ im allgemeinen Sinn? So hatte ich dazu schon Predigten gehört. Aber dann würde diese Erzählung doch besser zum Erntedankfest passen – so mein erster Eindruck.

Dieser Text an Kantate. Also muss sie irgendetwas mit dem Singen zu tun haben. Es hilft nichts. Ich musste mich sehr intensiv und genau mit dem Text auseinandersetzen. Die Arbeit wird auch von genau drei Korrektoren (ein Oberkirchenrat, ein Dekan, ein Pfarrer) gelesen, dann muss sie schon auch sehr intensiv bearbeitet sein. Und tatsächlich! Ich werde überrascht! Es geht bei diesem Wunder vor allem und genau darum, was ich vor zwei Tagen beschrieben habe: Das Ziel ist, in Jesus den Christus zu erkennen. Es geht weniger um das allgemeine Thema „Dankbarkeit“ (auch wenn das durchaus sehr wichtig ist).

Es ist nämlich so, dass alle zehn Aussätzigen sich aufmachen und zum Tempel gehen. Dort sitzen die Priester und nur sie entscheiden, ob jemand noch aussätzig ist oder nicht. Neun von ihnen gehen zum Tempel nach Jerusalem. Dort angekommen stellt der Priester fest, dass sie nicht mehr aussätzig sind. Sie zeigen ihren Dank gegenüber Gott mit einer vorgeschriebenen Liturgie, die im 3. Mose 14 genau beschrieben ist. Also nicht nur der eine Samariter war dankbar, auch die anderen neun waren es.

Was war dann bei diesem einen Samariter anders? Warum hat ihn Jesus so herausgestellt? Dieser Eine ging nicht zum Tempel nach Jerusalem, sondern zum Tempel der Samariter nach Garizim. Auf dem Weg dorthin wurde er wie die anderen gesund. Aber er ging – im Gegensatz zu den anderen neun – nicht weiter, sondern kehrt um und fällt vor Jesus mit seinem ganzen Körper auf die Erde. Der Fachausdruck hierfür ist „Proskynese“. Mit seinem ganzen Körper mit dem Gesicht nach unten vor jemanden fallen bedeutet: „Du bist mein Herr. Dir habe ich alles zu verdanken. Ich ehre Dich und lobe Dich für das, was Du an mir getan hast und auch weiterhin tust. Ich gebe dir mein Leben im Vertrauen, dass Du es gut mit mir meinst“.

Wer genau den Text liest, stellt fest, dass Jesus nicht sagt: „Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott dankbar zu sein…“. Nein. Jesus sagt: „Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde“? Bei diesem Wunder der Heilung der Aussätzigen geht es darum, dass durch das Wunder Gott die Ehre gegeben und Jesus als Herr anerkannt wird. Wir erleben hier Wunder in seiner ursprünglichen Bedeutung: es ist Zeichen des Beginns des Anbruches des Reich Gottes durch Jesus Christus. Der eine Samariter hat das erkannt, die anderen neun Geheilten leider nicht. Für sie blieb Jesus eine Episode in ihrem Leben. Für den Samariter war seine Lebenskrise der Krankheit und die Heilung davon der Beginn eines neuen Lebens mit Gott. Wer wird diesen Weg durch die Coronakrise mitgehen?

Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 113 vom 06.07.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Schaut euch doch mal diesen Vornamen an: Jan. Wer kennt jemand, der so heißt?“ Tatsächlich ist dieser Vorname in Deutschland gar nicht so selten. Die Schüler/-innen der vierten Klasse überlegen. Sie nennen einige andere Kinder mit diesem Namen. „Dieser Name ist die tschechische Form und damit eine kurze Form eines anderen Vornamens. Überlegt mal, welche deutsche Bezeichnung ich meine!“ Nach kurzer Überlegung und auch mal mit Raten kommen die Kinder dann schon darauf. „Johann“ oder „Hans“ ist damit gemeint. Dann gibt es ein kurzes Gespräch über die Herleitung aus dem Hebräischen. „Channan“ oder auch die bekanntere weibliche Form „Hannah“, mit der auch viele Mädchen in unserem Land bezeichnet werden. Ich weise noch auf Ableitungen wie z.B. „Jannis“ oder auch „Johannes“ hin. Wir reden noch kurz über die Bedeutung des Namens. „Gott ist gnädig“. Wirklich eine sehr schöne Bedeutung.

Jetzt schaut euch den Nachnamen der gesuchten Person an: Hus„. Den kennen die Schüler/-innen in der Regel nicht. Ich erkläre ihnen die Bedeutung: „Gans“. Der Name „Jan Hus“ bedeutet auf Deutsch also: „Hans Gans“. Wir alle in der Klasse haben ein kleines Lächeln auf dem Gesicht bei der Übersetzung des Namens.

Dieses Lächeln verschwindet dann aber sehr schnell, wenn ich im Rahmen der Reihe über das Leben von Martin Luther auf den wohl berühmtesten böhmischen Reformator eingehe. Genau 100 Jahre vor Martin Luther hat er gelebt. Er war von 1409 – 1410 Rektor an der Prager Universität. Er lehrte Theologie und Philosophie. Aber er war vom englischen Philosophen und Theologen John Wyclif (gest. 31.12.1384) beeinflusst, der eine Reformation der Kirche forderte. Dazu gehörte die Predigt in Landesssprache und das Abendmahl in beiderlei Gestalt. Er kämpfte für eine Reform der verweltlichten Kirche und trat für die Gewissensfreiheit ein. Die Bibel war für ihn die einzige Autorität in Glaubensfragen.

Nicht nur Kenner der Kirchengeschichte bemerken spätestens jetzt die Ähnlichkeit mit der Lehre von Martin Luther. Deshalb gilt er nicht nur als Vorreformator, sondern als der grundlegende Vorbereiter von Martin Luther. Aber er hatte noch nicht den Buchdruck zur Hand und konnte so seine Lehren noch nicht unter das breite Volk mischen. Aber wie 100 Jahre später sollte eine große Versammlung die theologischen Fragen klären. Er erhielt freies Geleit zum Konzil nach Konstanz. Gut drei Wochen, nachdem er dort angekommen war, kam er in das Gefängnis und wurde teilweise gefoltert. Nach etwa einen halben Jahr wurde Jan Hus am 06.07.1415 und damit genau heute vor 605 Jahren zum Feuertod verurteilt und am Scheiterhaufen getötet.

Er soll gesagt haben: „Jetzt verbrennt ihr eine Gans. Einmal wird ein Schwan kommen, den werdet ihr nicht verbrennen können“. Das Familienwappen von Martin Luther war der Schwan.  Und so wird dieses Wort als prophetisches Wort auf Luther gedeutet. Ob diese Geschichte nur eine Legende ist, kann ich nicht beurteilen. Aber es drückt aus, was die Kirchengeschichte gelehrt hat.

Martin Luther wurde von seinen Freunde vor der Fahrt zum Reichsparteitag nach Worms im April 1521 davor gewarnt, dass er dasselbe Schicksal wie Hus erleiden würde, weil man sich nicht auf das freie Geleit des Kaisers verlassen kann. Aber Luther widerstand diesem Rat und fuhr hin. Er hatte eben mehr Möglichkeiten im öffentlichen Raum als Jan Hus. Und so wurde aus der brennenden Gans tatsächlich der siegende Schwan.

Seit 1925 ist der Todestag von Jan Hus, der 6. Juli, in der damaligen Tschechoslowakei und im heutigen Tschechien ein Staatsfeiertag. Und das ist ein sehr gutes Beispiel, wie Gott aus einer Krise neues Leben auferstehen lassen kann. Jan Hus hat gelebt wie er das selbst einmal so ausgedrückt hat: „Darum frommer Christ, suche die Wahrheit, höre auf die Wahrheit, lerne die Wahrheit, liebe die Wahrheit, sprich die Wahrheit, halte die Wahrheit fest, verteidige die Wahrheit bis zum Tode denn die Wahrheit befreit dich von der Sünde, vom Teufel, vom Tod der Seele und schließlich vom ewigem Tod“.

Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 111 vom 04.07.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Sechs Minuten noch im Wankdorf-Stadion in Bern, keiner wankt, der Regen prasselt unaufhörlich hernieder, es ist schwer, aber die Zuschauer, sie harren nicht aus. Wie könnten sie auch – eine Fußball-Weltmeisterschaft ist alle vier Jahre und wann sieht man ein solches Endspiel, so ausgeglichen, so packend. Jetzt Deutschland am linken Flügel durch Schäfer. Schäfers Zuspiel zu Morlock wird von den Ungarn abgewehrt – und Bozsik, immer wieder Bozsick, der rechte Läufer der Ungarn am Ball. Er hat den Ball – verloren diesmal, gegen Schäfer, Schäfer nach innen geflankt. Kopfball – abgewehrt. Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt – Tooooor! Tooooo! Tooooor! Tooooor!

Das waren die Worte des unvergesslichen Rundfunkreporters Herbert Zimmermann, heute vor genau 66 Jahren, am 04.07.1954 anlässlich des Siegtreffers der deutschen Fußballnationalelf im WM-Endspiel gegen die hochfavorisierten Ungarn, die schon über vier Jahre nicht mehr verloren hatten. Die Worte sind legendär geworden genauso wie der Jubel nach dem Schlusspfiff und seine überschlagende Stimme im Mikrofon: „Aus, aus, aus – aus! Das Spiel ist aus! – Deutschland ist Weltmeister“. Bis zum heutigen Tag sagen Politiker und Geschichtsschreiber, dass dieses Ereignis Deutschland nach dem verlorenen zweiten Weltkrieg wieder in das Zeitgeschehen zurückgebracht hat. Ab diesem Tag war der Stolz für die Menschen in der Bundesrepublik wieder zurückgekommen. Wir sind wieder wer. Wir müssen uns nicht mehr verstecken. Wir sind wieder anerkannter Teil der Völkerfamilie.

Das Ereignis geht als „Wunder von Bern“ ein und wurde 2003 von Sönke Wortmann als Spielfilm gedreht. Ich habe ihn zum ersten Mal im City-Kino in Hersbruck gesehen und war tief beeindruckt. Der Regisseur hat dieses Ereignis gekonnt mit der Nachkriegsgeschichte verbunden und von den Schwierigkeiten eines heimgekehrten Kriegsgefangenen erzählt, der sich nur ganz langsam in sein neues Leben zurechtfindet. Aus der Krise heraus, gibt es neues Leben und neues Selbstbewusstsein durch ein herausragendes positives Ereignis.

Am 30.05.2020, am Pfingstsamstag dieses Jahres, habe ich eine Mail bekommen, in der steht wörtlich: „Manchmal geschehen Wunder – man muss nur hinschauen“. Ich gebe zu, dass ich in meinem Leben oft schon für Wunder gebetet habe. Manchmal habe ich sie erlebt – oft aber sind sie nicht in Erfüllung gegangen. Im Zeichen der Coronakrise hoffe vermutlich nicht nur ich auf ein Wunder besonderen Ausmaßes. „Na Herr Pfarrer, jetzt können Sie um ein Wunder beten“. Solche und ähnliche Sätze habe ich mehrmals gehört. Es hat mich dazu animiert, wieder einmal über „Wunder“ in der Bibel nachzudenken.

Es gibt dazu Hunderte von Büchern. Viele verstehen darunter vor allem Ereignisse, die ich nicht erklären oder mit dem Sinn verstehen kann. Interessant ist, dass in der Bibel bei diesem Thema eine andere Richtung aufgezeigt wird. „Wunder“ sind immer (da stimmt diese Redeweise von „immer“) Hinweise auf Gott und/oder auf Jesus. Dabei geht es weniger darum, dass z.B. Jesus als großer menschlicher Wundertäter dargestellt wird. Es geht darum, dass Menschen diesen Gott und diesen Jesus als Herrn der Welt und als den persönlichen Heiland erfahren. Wunder zielen also darauf, dass Menschen zum Glauben an Gott durch Jesus kommen. Wunder sind Zeichen der Liebe Gottes.

Diese Auslegung wird auch durch das griechische Wort für Wunder unterstützt. Es lautet „Semeia“. Das bedeutet „Zeichen“. Ein Wunder ist Zeichen für den Anbruch des Reiches Gottes in dieser Welt durch Jesus Christus. Wunder sind also weniger nicht erklärbare Ereignisse auf dieser Welt als vielmehr Zeichen dafür, dass Menschen in Jesus ihren persönlichen Herrn erkennen. Dazu will ich in den nächsten Tagen noch mehr schreiben. „Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unseren Augen“ (Psalm 118, 23).