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Gottesdienst zu Pfingsten

Noch ist kein Gottesdienst mit Posaunenchor in der Kirche möglich. Die Inzidenzzahlen lassen aber erahnen, dass die dritte Welle vielleicht bald ihrem Ende zugeht. Nicht überall, aber im Nürnberger Land sinken sie langsam aber sicher.

Gut verteilt im Kirchhof unserer Kirche standen und saßen die Besucher beim Pfingstgottesdienst

Es ist kalt, weil der Mai in diesem Jahr noch nicht für Wärme gesorgt hat. Viele, in Winterjacken Gekleidete wollen aber das Pfingstfest mit einem Gottesdienst begehen.
Prädikant Alexander Krause hält diesen im Freien. Die Wiese auf dem Kirchhof ist ein angenehmer Ort dafür. Hier hat auch der Posaunenchor genügend Platz und mit seiner lebhaften Musik stimmt er die Besucher/innen ein auf das dritte wichtige Fest im Kirchenjahr.

Prädikant Alexander Krause

Pfingsten, das Fest bei dem manch einer gar nicht weiß, was es überhaupt bedeutet. Es gilt als der Geburtstag der Kirche und Christen feiern den Heiligen Geist, der alle Gläubigen weltweit erfüllt und verbindet.

Kurzzeitig fiel auch ein Sonnenstrahl durch die Wolken auf unsere Kirche

Weltweit soll er uns verbinden, weltweit sollen wir uns verstehen. Dabei ist Kommunikation meist gar nicht so einfach. „Wenn zwei Menschen miteinander kommunizieren, dann ist es Glückssache, wenn sie einander verstehen“, so Alexander Krause. In seiner Predigt hat er sehr ausführlich gezeigt, dass jeder Mensch mit seiner eigenen „Sprache“ in ein Gespräch geht. Neben Worten bringt er noch einen ganzen Haufen anderer Dinge mit in eine Unterhaltung: Den eigenen Charakter, das eigene Temperament, seine Vorgeschichte, seine Erziehung, wie er gerade drauf ist und die eigene Einschätzung dessen, der gerade vor ihm steht. Das Gleiche bringt der Gesprächspartner mit. Manchmal geht das gut und manchmal passt das gar nicht zusammen. Echte, aufrichtige Kommunikation ist schwierig, weil sie von sehr vielen persönlichen Befindlichkeiten beeinflusst wird. Was kann da alles schief gehen?
Umso wichtiger ist es das Gespräch immer wieder zu suchen und Festlegungen nicht auf Dauer beizubehalten. Was heute schlecht gelaufen ist, kann morgen wieder anders aussehen.

In einem Gedicht von Susanne Kramer heißt es in der letzten Strophe:
Verborgen wirket Gottes Geist
Mit sanften, zarten Händen,
wie Mutter uns die Wege weißt,
wo Angst und Trauer enden.
Sie gibt uns Mut hindurchzusehn
und aufeinander zuzugehn,
umhüllt uns mit Verstehn.

Endlich wieder einmal Posaunentöne bei einem Gottesdienst

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 442 vom 31.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Lobe den Herrn, meine Seele

Heute schreibe ich mein letztes Update. Ich habe mehrere Anläufe für einen Schluss gesucht. Aber die Coronapandemie zog sich wie ein Kaugummi in die Länge. Mein ursprünglicher Plan, genau ein Jahr zu schreiben, habe ich deshalb irgendwann über Bord geworfen. Als das Ende sich langsam aber sicher doch nahte, habe ich von Gott immer wieder eine Antwort gesucht, was ganz am Ende stehen soll. Irgendwie war in mir, dass es wie beim Update Nr. 1 ein Psalm sein sollte. Soll der Ps 130 alle Geschichten und Gedanken einrahmen? Irgendwie war ich mit dieser Idee nicht zufrieden.

Dann eines Tages, am Samstag vor Exaudi, dem Sonntag vor Pfingsten, wache ich auf und in mir war der Gedanke: Drehe die Zahlen einfach herum. So wurde aus Ps 130 der Ps 103. Das passt. Ich wusste, dass war ein Gedanke von Gott. Am Anfang der Bußpsalm – am Ende der bekannte Dankpsalm. Er soll am Ende stehen. Es ist mein Dank gegenüber Gott, dass ich persönlich vor diesem Virus verschont geblieben bin. Es soll auch ein Dank sein, dass ich während dieser ganzen Zeit immer wieder Ideen, Geschichten und Einfälle hatte, um diese lange Zeit so zu gestalten. Am Ende steht der Dank gegenüber Gott und vielen Menschen, die mir Feedback gegeben und die diese Updates gelesen haben.

Lobe den Herren, meine Seele und was in mir ist seinen heilige Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat; der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte. Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsere Übertretungen von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten. Lobe den HERRN, meine Seele!

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 441 vom 30.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Ein Dorf nach mir benannt! Wer hätte das gedacht?

Es war ein langer Weg vom 16.03.2020 bis zum heutigen Tag. Damals hätte ich nicht gedacht, dass nicht nur die Coronapandemie so lange dauern würde. Ich hätte niemals geglaubt, dass ich diese Updates so lange Zeit schreiben werde. Ich habe es gerne gemacht und viele Gedanken, Erlebnisse, Eindrücke und Impulse aufgenommen und zu Papier gebracht. Dankbar war ich dafür, dass sich auch andere daran beteiligt haben mit ausgezeichneten Gedanken. So kam Farbe in diese schriftlichen Aufzeichnungen.

Herr Metzger, war das nicht oft schwer für Sie? Mussten Sie nicht manchmal die Gedanken aus den Finger saugen? War das nicht oft Stress?“ Ganz ehrlich: Nein, das war nicht so. Ich hatte schon als Kind die Gabe, alltäglich kleine Erlebnisse zu Papier zu bringen. Das hat mir vor allem bei den Aufsätzen geholfen. Erlebniserzählungen waren für mich kein Problem. Manchmal ging bei mir die Phantasie durch. Die Lehrerin der 6. Klasse meinte vor der Klasse: „Das, was der Gerhard Metzger schreibt ist sicherlich nicht so ganz genau passiert. Aber es geht hier um Erlebnisse und Gefühle, nicht um Tatsachenbeschreibungen“. Ich hatte bei ihr ein Stein im Brett und sie hat sich oft köstlich über meine Geschichten amüsiert.

Am 15.08.2020 war ich in München. Nicht in der Stadt München, sondern im kleinen Dorf München bei Hirschbach. Ich habe darüber im Update 179 vom 10.09.2020 erzählt. Nicht weit davon entfernt, bin ich damals an einem interessanten Ortsschild vorbeigefahren. Es zeigte den Namen „Gerhardsberg“ an. Natürlich bin ich diesem Wegweiser gefolgt. Immerhin wusste ich bis zu diesem Datum nicht, dass ein Ort nach mir benannt ist. Die fränkische Alb birgt eben viele Geheimnisse. Ich wusste auch nicht, dass es ein Berg ist, um zu mir zu kommen. Wie kommt einer nur auf die Idee, nach mir solch einen Ortsnamen auszuwählen? Wenn ich das erfahre, dann werde ich ihn gleich mal fragen. Jetzt jedenfalls ist diese Fahrt der Updates für mich zu Ende. Und das nicht in Gerhardsberg, sondern hier in Hersbruck. Denn morgen schreibe ich wirklich zum letzten Mal – ungelogen. Unsere Kirchengemeinde startet einen Instagram-Account. Vielleicht bringe ich dann noch ein paar Geschichten unter.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 440 vom 29.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

All Morgen ist ganz frisch und neu

All Morgen ist ganz frisch und neu, des Herren Gnad und große Treu; sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag. O Gott, du schöner Morgenstern, gib uns, was wir von dir begehrn. Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnade kein Mangel han“.

Dieses Morgenlied unter der Nr. 440 (deshalb beim heutigen Update) im Evangelischen Gesangbuch weckt in mir das, was ich am Morgen oft verspüre: Morgenlust, Freude auf den vor mir liegenden Tag. Ich denke an Dietrich Bonhoeffer, der davon gesprochen hat, dass die Nacht die Tageszeit der Dämonen ist und der Morgen die Tageszeit der Engel.

„Morgenstund hat Gold im Mund“. Dieser pädagogische Lehrsatz wurde sicherlich nicht nur mir oft genug schon als Kind gesagt. Ich habe lange gebraucht, um auch die Menschen verstehen zu können, die sich am Morgen schwer tun. Das sind die „Nachteulen“. Sie leben am Abend auf und kommen am Morgen kaum aus den Federn. Mittlerweile habe ich auch Menschen kennengelernt, die leicht in Depression fallen und dann erst recht kaum vor Mittag aus dem Bett kommen.

Ich schaue auf den Liedtexter und lese Johannes Zwick um 1541. Das weckt mein Interesse. Denn damit hat er noch Martin Luther gekannt, der fünf Jahre später gestorben ist. Zu dieser Zeit wüstete die Pest. Johannes Zwick lebte als Jurist in Konstanz und predigte dort. Er gilt als „Reformator in Konstanz“. Als Seelsorger erlebte er das Elend dieser Epidemie am eigenen Leib. 1540 wäre er fast daran gestorben. Er überlebte diese und noch andere Perstwellen. Im nahegelegenen Bischofszell vertrat er einen Kollegen und setzte sich dort selbstlos für die Todkranken ein. Nach sechs Wochen erlag er der Pest am 23.10.1542 und hinterließ als Vermächtnis viele Glaubens- und Trostlieder.

Dieses Lied „All Morgen ist ganz frisch und neu“ ist offenbar nach dem bekanntesten Vers aus den Klageliedern des Jeremias gedichtet worden. „Die Güte des HERRN ist es, dass wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat doch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu und deine treue ist groß“ (Klagelieder 3, 23). Wer hätte das gedacht, dass dieses erfrischende Lied aus einer Epidemie- und Todeserfahrung kommt. Durchaus auch ein Weg für uns heute. Nicht nur auf diese Coronaepidemie zu schauen, sondern auf den, der mein Leben erhält und der meine Zeit kennt.

Treib aus, o Licht, all Finsternis, behüt uns, Herr, vor Ärgernis, vor Blindheit und vor aller Schand und reich uns Tag und Nacht dein Hand. Zu wandeln als am lichten Tag, damit, was immer sich zutrag, wir stehn im Glauben bis ans Ende und bleiben von dir ungetrennt“.

Meine Schwägerin Silvia Dörr spielt das Lied auf dem Klavier.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 439 vom 28.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Der Abschied naht!

Ich bin jetzt 63 Jahre alt. Unter normalen Umständen bin ich noch knapp drei Jahre Pfarrer hier in Altensittenbach. So langsam gehen die Gedanken auch an den Ruhestand. Vor allem kreisen sie auch darum, wo und wie werden meine Frau und ich diesen erleben. Bis jetzt sieht es so aus, dass wir irgendwo in Hersbruck eine Mietwohnung nehmen werden. Ich darf gar nicht dran denken, wohin wir all unsere vielen Möbel und Kleingram hinbringen bzw. wegwerfen müssen. Da hat sich im Lauf der Jahre sehr viel angesammelt. Von einem großen Haus in eine kleine Mietswohnung: Da müssen wir uns von vielen trennen.

Das gilt auch für bestimmte Beziehungen und/oder Verhaltensweisen. Manches mag dann gut sein. Ich stehe nicht mehr so viel als „Pfarrer“ im Mittelpunkt, sondern vielleicht mehr als „normaler“ Mensch. Vor zwei Wochen ist das alles bei mir besonders „aufgeploppt“. In der bayrischen Landeskirche müssen demnächst 10 % der Pfarrstellen eingespart werden. Es gibt zu wenig theologischen Nachwuchs. Auch Altensittenbach wird das irgendwie treffen. Jeder Kirchenvorstand füllt einen sog. Erkundungsbogen aus und gibt ihn weiter. Der Kirchenvorstand aus Altensittenbach hatte eine Sitzung mit diesem einen Thema. Im Laufe des Abends (der virtuell stattfand), fiel sehr häufig der Satz: „Pfarrstellenwechsel. Wie geht es dann weiter?“.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht in der Häufigkeit und so konzentriert Gemeindemitglieder über meinen Abschied diskutieren hören. Ich musste immer auch ein wenig „durchschnaufen“ und merke: Der Abschied rückt näher und damit auch liebgewordene Beziehungen und Gewohnheiten. Was selbstverständlich war, wird dann nicht mehr sein. Den Gedanken: „Was kommt danach?“ kann ich nicht mehr zurückdrängen. Er steht mir allein durch die Diskussion zum neuen Landesstellenplan stetig vor Augen. Jetzt heißt es umso mehr, was im Buch des Propheten Jesaja im 58. Kapitel steht und sich auf das Fasten bezieht: „Lass los“. Ich hoffe nur, dass dann auch das andere gilt: „Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt“ (Jes 58, 11).

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 438 vom 27.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Mensch, ärgere dich nicht

So schlimm diese ganze Coronakrise auch ist, sie schenkt mir immer wieder neue Erfahrungen. Sogar in der Gemeindearbeit haben wir Methoden über Videokonferenzen entwickelt, die auch bei präsentischen Veranstaltungen in Zukunft geplant werden können.

Auch bei persönlichen Begegnungen erlebe ich Überraschungen. Bei einem Geburtstagsbesuch komme ich zu einem Ehepaar. Vor mir liegt auf dem Tisch das Spielfeld von „Mensch, ärgere dich nicht“. Sofort kommen in mir Kindheitserinnerungen hoch. Weit über mehrere hundert Mal habe ich dieses Spiel von Kind an bis ins Erwachsenenalter gespielt. Irgendwann habe ich auch die Variante „Pachisi“ kennengelernt. Der pädagogische Effekt ist nicht zu verleugnen. So lernen auch schon Kinder, dass es im Leben nicht nur Erfolgsmeldungen geben wird. Spannend finde ich auch die unterschiedlichen Regeln. Bei uns war es so, dass mein eigener Stein wieder ins Haus musste, wenn er das Schlagen vergessen hatte. Wenn noch alle Steine im Haus sind, durften wir dreimal würfeln um eine Sechs zu erreichen. „Ich sehe, Sie spielen gerne „Mensch ärgere dich nicht“. Das habe ich zum Ehepaar gesagt und mich spontan für eine Spielrunde angeboten. Gesagt – getan. Das Ehepaar wird das vermutlich nicht vergessen, dass der Pfarrer mit ihnen beim Geburtstagsbesuch gespielt hat (und ich auch nicht).

Es hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht. Bei diesem Spiel gibt es eine Situation, die wirklich ärgerlich ist: Wenn der eigene Stein direkt vor dem Ziel noch geschmissen wird. Vor allem auch dann, wenn es der letzte Stein ist. Das alles ist für mich durchaus ein gutes Beispiel für die gegenwärtige Situation. Wie oft habe ich positive Meldungen gehört. Ich hatte schon eine große Hoffnung in mir. Und dann ging es doch wieder fast von vorne an. Ich schreibe diese Zeilen am 13.03.2021. Gerade habe ich gehört, dass Italien bis Ostern in den dritten Lockdown geht. Noch vor vier Wochen haben dort die Politiker „groß getönt“, dass sie die Pandemie im Griff haben und mit den drei Farben-Ampel jetzt geöffnet haben. Das ist schon wieder Schnee von gestern. Es sind jetzt doch nicht „alle Steine“ im Ziel. Es muss wieder neu gedacht und gehandelt werden. Und plötzlich steht unser geplanter Jahresurlaub ab Pfingsten wieder mal in den Sternen. Da kann ich nur eines sagen: Mensch, ärgere dich nicht“. (Und heute, am 27.05.2021 sind wir doch wieder in Italien am Cavediner See, 15 km nördlich vom Gardasee).

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 437 vom 26.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Der Ratzefummel und schon ist alles weg

Die Älteren unter den Leser/-innen kennen das vermutlich noch aus eigener Erfahrung. Mit der Schultasche auf den Rücken zur Schule zu gehen und einen besonderen Schatz zu tragen: die Schiefertafel. Bei mir war das noch in der ersten Klasse so im Schuljahr 1964/1965. Diese Schiefertafel war einseitig zu beschreiben. In der Schule konnte der Lehrer sehr gut nachprüfen, was darauf geschrieben worden ist. Schwierig wurde es dann bei den Hausaufgaben. Wer einen Moment nicht aufgepasst hat, der hat das Geschriebene aus Versehen verwischt. Manchmal kam auch der kleine Bruder oder die kleine Schwester und hat diese „Waffe“ gezogen: Schnell drüber zu wischen uns so den anderen zu ärgern. Konflikte waren da also vorprogrammiert. Ab 1966 wurden in unserer Grundschule im Dorf Plastiktafeln verwendet. Die waren billiger, aber der Vorgang und der Ärger blieben.

Ab der zweiten Klasse wurde es spannend. Wer es zu einer gewissen Leistung gebracht hatte, der durfte in das Heft schreiben. Ich war mächtig stolz, als mir dieser „Aufstieg“ gelang. Am Anfang geschah das mit dem Bleistift. Das hat einen besonders großen Vorteil. Bruder oder Schwester konnten nicht mit einem Handstrich das Geschriebene so einfach wie bei der Schiefertafel wegwischen. Der zweite große Vorteil gilt bis heute: Wenn etwas falsch war, dann konnte ich den „Ratzefummel“ (Radiergummi) nehmen und den falschen Buchstaben oder das verkehrt geschriebenen Wort wegradieren. Und wie durch Zauberhand war das Falsche, das Unliebsame, das Gefährlich etc. wegradiert. Irgendwann einmal später habe ich gelernt, wie das funktioniert und dass das mit dem Kautschuk zusammenhängt. Die nächste Qualitätsstufe ist dann das Schreiben mit dem Füller gewesen. Ich selbst habe das nicht als „Leistungssprung“ erlebt, weil es zu meiner Schulzeit noch keinen „Tintenkiller“ gab, das Falsche einfach durchgestrichen werden musste und oft ein etwas chaotisches Schriftbild hinterließ. Lange Zeit habe ich beim Lösen von „Kreuzworträtseln“ einen Bleistift genommen, um damit Verbesserungen vorzunehmen. Dann habe ich irgendwo gelesen, dass nur Feiglinge bei dieser Tätigkeit einen Bleistift nehmen und Selbstbewusste immer einen Füller oder einen Kugelschreiber. Ein Feigling wollte ich nicht sein und deshalb nehme ich heutzutage bei Kreuzworträtseln nur den Kugelschreiber. Manchmal sieht es danach aber oft chaotisch aus.

Der Ratzefummel wird 200 Jahre alt“ – so stand es vor ein paar Monaten in unserer Zeitung. Und dann wird berichtet, wie wunderhaft das damals bestaunt wurde, dass mit „Radieren“ das Falsche weg war und Verbesserungen vorgenommen werden konnten. Ich habe damals sofort an den Coronavirus gedacht. Das wäre auch mein Wunsch. Irgendjemand erfindet ein Werkzeug und „schnell darüber gehuscht“ wäre dieser Virus weg. Wer weiß, vielleicht gelingt ja solch oder eine ähnliche Erfindung in den nächsten Wochen oder Monaten.

Einen zweiten Gedanken hatte ich damals auch noch: Bei Gott ist es so mit meiner Schuld und mit meinen Gewissensbissen. Ich kann zu ihm kommen und das Kreuz von Jesus wirkt wie ein Radiergummi. Er vergibt mir durch den Tod von Jesus meine Sünde und Schuld. Es ist nichts mehr da, was mich noch belasten könnte. In manchen Gesprächen mit Menschen denke ich mir: „Du bräuchtest jetzt Jesus und seine Vergebung“. Dann könntest du das ans Kreuz heften. Damit sind nicht alle Lebensprobleme gelöst. Aber ich weiß, dass dieser Jesus am Kreuz meine Schuld vergibt.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 436 vom 25.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Klare Perspektive – voller Erfolg!

Wieder einmal kann ich das mir selbst gegebene Versprechen in der Coronakrise nicht einhalten. Beim Update 393 vom 12.04.2021 bin darauf eingegangen, dass Juri Gagarin genau 60 Jahre vorher als erster Mensch im Weltraum war. Einmal hat er die Erde umrundet und ist sicher auf der Erde gelandet. Die Regierung in Moskau hat gejubelt, die Regierung in Washington war tief traurig. Den Wettlauf im Kalten Krieg schien die UDSSR zu gewinnen.

Aber der Präsident der USA, John F. Kennedy hat sich nicht unterkriegen lassen und hat heute vor genau 60 Jahren, am 25.05.1961 das ehrgeizige Ziel verkündigt, dass Amerika noch in diesem Jahrzehnt eine bemannte Crew zum Mond schicken wird. Vor sechs Wochen war ich der Meinung, dieses Jubiläum nicht mehr in einem Update würdigen zu müssen. Tatsächlich sind aber meine Artikel noch nicht (ganz) zu Ende, auch wenn ich das Ziel genau vor mir sehe.

Was mich an den Worten von Kennedy fasziniert ist, dass er ein klares Ziel mit einer klaren Perspektive genannt hat. Damit gingen alle Anstrengungen in dieselbe Richtung. Das hat einen enormen Innovationsschub ausgelöst nach dem Motto: „Konkurrenz belebt das Geschäft“. Mir wird deutlich, welche Kräfte bei solch einer klaren Ansage ausgelöst werden. Am 20.07.1969 haben sich die Worte des Präsidenten erfüllt. Er war da schon längst nicht mehr am Leben. Er hat selbst nicht mehr erlebt, was er durch Worte vorbereitet hat. Die Impfstoffe gegen das Coronavirus sind in einem einzigartigen Tempo entstanden. Teils wurde zusammengearbeitet, teils war es eine Konkurrenzkampf. Ich hoffe, dass diese enorme Kraftanstrengung für die Menschen auf der Welt zum Guten führt und nicht Spätfolgen dieses Tempos zu merken sein werden.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 435 vom 24.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Der Brunnen

Endlich ist es wieder soweit. Der Brunnen in Oberkrumbach wurde erneuert. Er war im letzten Jahr so beschädigt worden, dass er kaum noch erkennbar war. Bei einem Gottesdienst ist mir aufgefallen, dass er wieder sehr schön saniert worden ist.

In Oberkrumbach markiert dieses „Bauwerk“ den Mittelpunkt des Dorfes. Am Ende des letzten Jahres habe ich das besonders erfahren und auch darüber geschrieben. Denn dort trafen sich die Menschen zu den Gottesdiensten am 3. Advent (Familiengottesdienst), am Hl. Abend und zum Jahresschlussgottesdienst. Die Verantwortlichen überlegen zurzeit, ob das nicht auch Tradition werden könnte. Ich bin gespannt, zu welchem Ergebnis die Einwohner und der Kirchenvorstand gelangen. Aber vielleicht finden in Zukunft an diesem Ort öfters mal Gottesdienste statt. Vor genau 10 Jahren zum 1000-jährigen Fest des Dorfes saßen etwa 250 Menschen auf Bänken um den Brunnen, um mit dem damaligen Regionalbischof Stefan Ark Nitsche dieses Fest gebührend mit Gott zu feiern.

In der Bibel spielt der „Brunnen“ eine sehr große Rolle. Es sprengt den Rahmen, einzelne Bibelstellen aufzuzählen. Soviel hier an dieser Stelle, denn immerhin war der zerstörte Brunnen in der Dorfmitte durchaus auch eine Krisensituation für die Oberkrumbächer mitten in der Coronakrise. Brunnen ist natürlich ein Ort für „Wasser, Quelle, lebendiges Leben“. Es ist auch ein Ort, an dem Gott in besonderer Art und Weise Menschen in Krisensituationen anspricht.

Ich denke an Hagar. Sie wurde von Sarah in die Wüste verstoßen, als diese selbst ein Kind bekam. Aber Gott hat sich ihr angenommen und seine Nähe verheißen. „Und sie nannte den Namen des HERRN, der mit ihr redete: Du bist ein Gott, der mich sieht. Denn sie sprach: Gewiss hat ich hier hinter dem hergesehen; der mich angesehen hat. Darum nannte man den Brunnen „Brunnen des Lebendigen, der mich sieht“ (1. Mose 16, 13 – 14). An einem Brunnen sieht der Knecht von Abraham zum ersten Mal Rebekka und wählt sie aus als Frau für Isaak (1. Mose 24). So ist der Brunnen auch ein Ort der Liebe. In diesem Kapitel wird auch dieses Bild erwähnt, dass Feinde einen Brunnen zuschütten wollen.

„Kein Wasser haben“ bedeutete kraftlos und hilflos zu sein. „Da zog Isaak von dannen und schlug seine Zelte auf im Grunde von Gerar und wohnte da und ließ die Wasserbrunnen wieder aufgraben, die sie zur Zeit Abrahams, seines Vaters, gegraben hatten und die die Philister verstopft hatten nach Abrahams Tod…“ (1. Mose 26, 17 – 18). So ist „Brunnen“ auch ein Synonym dafür, nicht gleich aufzugeben, wenn geistliche Prozesse immer wieder angegriffen werden.

Dafür brauche ich dann aber auch das Wissen, dass bestimmte geistliche Wege auch von Gott sind. Vielleicht am Bekanntestes ist auch die Geschichte aus Johannes 4. Jesus trifft die Samariterin am Jakobsbrunnen in Sychar. Im Gespräch mit der Frau wird deutlich, dass beide zuerst von einem verschiedenen „Wasser“ reden. Jesus meint lebendiges Wasser, die Frau meint reales Wasser zum Trinken. Schließlich weist Jesus die Frau darauf hin, dass die Kraft des Hl. Geistes mit „lebendigen Wasser“ identifiziert werden kann. Dieses 4. Kapitel aus dem Johannesevangelium gibt deshalb grundlegende Aussagen wieder, wie Jesus bei einem Menschen wirken kann und durch die Kraft des Hl. Geistes handelt. Und praktisch jedes Mal, wenn ich an dem Dorfbrunnen in Oberkrumbach vorbeifahre oder vorbeilaufe, habe ich die Worte Jesus aus dem Johannesevangelium im Kopf: „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Johannes 4, 24).

Der Brunnen in der Dorfmitte von Oberkrumbach.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 434 vom 23.05.2021

Tägliche Gedanken in einer schwierigen Zeit, diesmal von Prädikant Alexander Krause:

An einem Montagmorgen Anfang Januar kam ich schon früh ins Büro. Ich war da schon irgendwie geladen. Ich kann nicht mehr genau sagen, warum, aber Sie können sich sicher vorstellen, dass die letzten Monate nicht immer so einfach waren.
Zwei Kolleginnen haben mich dann am Gang begrüßt und sich gewundert, warum ich so früh da war.

Das hat dann das Fass zum Überlaufen gebracht. Ich hatte mich angegriffen gefühlt, fühlte mich in der Not, mich zu rechtfertigen. Was fällt denen eigentlich ein? Ich hab’ schließlich Gleitzeit, kann ich doch selbst entscheiden, wann ich zu arbeiten anfange, und außerdem bin ich der Fachbereichsleiter, was mischen die sich eigentlich ein! WAS GEHT DIE DAS AN?

Und so rauschte ich an den beiden vorbei, stapfte in mein Arbeitszimmer und fing an, zu arbeiten – immernoch sauer.

Nach einiger Zeit – mir lassen solche Situationen dann meistens keine Ruhe mehr – habe ich das Gespräch mit der einen Kollegin gesucht.

Gott sei Dank! Denn, wie sich herausstellte, war das alles ein Missvertständnis. Die beiden hatten mich eigentlich nur fragen, nicht angreifen, nicht kritisieren und sich schon gar nicht einmischen wollen.

Doch bei mir hatte sich irgendwie der ganze Stress der letzten Monate entladen. Und ja, auch etwas Frustration war mit dabei.

Wenn zwei Menschen miteinander kommunizieren, dann ist es Glückssache, wenn sie einander verstehen. Denn jeder Mensch geht mit seiner eigenen Sprache in ein Gespräch.
So bringe ich meinen Charater, mein Temperament, meine Vorgeschichte, so wie ich Sprache als Kind gelernt habe, so wie ich die Sprache verwende, meine Erziehung, so wie ich gerade drauf bin, wer eben auch gerade vor mir steht, worum es geht und so weiter; all das bringe ich mit in das Gespräch.

Aber natürlich nicht nur ich! Sondern auch mein Gegenüber bringt all das mit. Im einen Fall klappt das gut, unser jeweiliges Gepäck ergänzt sich – bzw. behindert sich wenigstens nicht –, wir verstehen die Sprache des anderen und das Gespräch gelingt.

Im andern Fall passt es nicht zusammen. Man kann sich nicht riechen, das Gespräch ist zu Ende ist, bevor es angefangen hat. Wir verstehen einander nicht.

In solchen Begebenheiten zeigt sich die Zerworfenheit des menschlichen Lebens: Die Puzzlestücke im menschlichen Leben passen nicht immer zusammen.

Echte, aufrichtige und wahrhaftige Kommunikation wird schwierig,
wenn sie von Verletzungen,
Minderwertigkeitsgefühlen,
Ängsten
beeinträchtigt wird.

An Pfingsten denken wir daran, dass uns Jesus einen Tröster geschickt hat:

Der Geist von Gott weht wie der Wind
auf Flügeln voller Frieden;
Wie Atem, der uns Leben gibt,
hat er uns Ruh beschieden;
wie Luft, die im Sturme aufersteht,
dass alle Gewalt zu Ende geht,
und kühle Brise weht.

Der Geist von Gott wie Feuer brennt,
wie züngelnder Flammen Gebilde,
das Unrecht verzehrt und den Hass versengt,
wie Glut voll Treu und Milde:
ein Hoffnungsfunke in der Nacht,
ein tröstlich Licht, das über uns wacht,
das Liebe uns gebracht.

Verborgen wirket Gottes Geist
Mit sanften, zarten Händen,
wie Mutter uns die Wege weist,
wo Angst und Trauer enden:
sie gibt uns Mut hindurchzusehn
und aufeinander zuzugehn,
umhüllt uns mit Verstehn.

Susanne Kramer

Amen.