Hervorgehobener Beitrag

Zwei Tonnen Äpfel verarbeitet

Alles Handarbeit: Vom Transport zum Waschen und Häckseln

17 Durchgänge zu jeweils 15 Paketen, also 255 x 5 Liter ergibt in der Gesamtsumme 1275 Liter Apfelsaft aus der mobilen Mosterei des Altensittenbachers Sebastian Ertel. Das ist das Ergebnis der diesjährigen Apfelsaftaktion zum 50. Jubiläum des Pfarramts Altensittenbach mit Oberkrumbach. Aus unseren beiden Gemeinden kamen auch die meisten der gut 2 Tonnen Äpfel, die Gemeindemitglieder gesammelt und/oder gespendet haben. Herzlichen Dank an alle! Auch an die, die nicht aus unserer Gemeinde sind und trotzdem gespendet haben. Und an alle die, die diese Tage des Sammelns und Verarbeitens wieder zu einem wunderbaren Gemeinschaftserlebnis gemacht haben. Wer nicht dabei sein konnte hat, trotz aller Anstrengungen, nach Meinung aller, etwas verpasst. Der Reinerlös des Verkaufs kommt unserer Kirchengemeinde zugute. Wer Saft erwerben will: Das Pfarramt ist Dienstags und Donnerstags von 9-12 Uhr besetzt, zu anderen Zeiten bitte vorher anrufen.

Freitags sammeln Gemeindemitglieder Äpfel auf dem Altensittenbacher Anger
Freitags sammeln Gemeindemitglieder Äpfel auf dem Altensittenbacher Anger
Gute zwei Tonnen Äpfel sammeln sich in der Scheune der Familie Wild
Alles Handarbeit: Vom Antransport zum Waschen und Häckseln
Alles Handarbeit: Vom Antransport zum Waschen und Häckseln
… und dann schichtet Sebastian Ertel die gehäckselten Äpfel zum Pressen
Herbert Wendler holt sich einen Eimer „Apfeltrester“ für seine Hühner
Am Ende war noch etwa zwei Stunden Putzen angesagt
Am Ende war noch etwa zwei Stunden Putzen angesagt

Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 223 vom 24.10.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Sekunde der Entscheidung

Heute ist ein Samstag. In meiner Kindheit so ab ca. acht Jahren war dies oft ein besonderer Tag. Ich wurde zum sog. „Getreide schroten“ eingeteilt. Besonders in den Herbst- und Wintermonaten habe ich damit früh begonnen und nach dem Mittagessen noch bis zum Nachmittag weitergemacht. Es war eine klassische Steinmühle. Einen Sack Schrot zu mahlen dauerte knappe 10 Minuten. Wenn dieser voll war, wurde er auf die Seite gestellt und ein leerer Sack kam schnell unter den Schrotauslauf der Mühle. Drei Schrotsäcke passten auf die Rampe. Dann wurde die Mühle ausgeschaltet und der Schrot kam in die bestimmten Behältnisse.

Irgendwann habe ich mir angewöhnt, während des Schrotens den Sportteil der Zeitung (Fränkische Landeszeitung als Regionalteil der Nürnberger Nachrichten) herzuholen und darin zu lesen. Das hatte für mein Leben drei Folgen: Ich habe so viele Artikel von bekannten Sportjournalisten gelesen. Mein Interesse für Sport aller Art wurde geweckt. Und schließlich entdeckte ich meine Vorliebe für Statistiken. Jede abgedruckte Tabelle wurde gelesen und im Kopf statistisch ausgewertet. Später kam mir das im Leistungskurs Mathematik im Gymnasium zugute. Denn diese statistischen Formeln wurden im Fach Stochastik vertieft. Aber diese Arbeit an der Schrotmühle hatte auch Gefahren. Die Mahlsteine mussten im Ruhezustand sein, wenn ich mit der Hand den Restschrot herausgeholt habe.

Und eines Tages war ich nicht aufmerksam genug. Hatte ich andere Gedanken im Kopf? Ging es mir nicht gut? Jedenfalls bin ich zu früh mit der Hand in den Schrotauslauf gekommen. Gott sei Dank war es die letzte Drehung der Steine! Ich spürte einen tiefen Schmerz am Daumen der linken Hand. Und genau in diesem Moment stoppten die Mahlsteine. Es gab eine tiefe Wunde. Es ging nur um eine einzige Sekunde! Diese Sekunde früher hätte bewirkt, dass mein linker Daumen wohl abgehackt worden wäre. „Ein Daumen steht für drei Finger“ hat mein Orgellehrer gesagt. So aber hatte ich „Glück“ bzw. hat mich Gott vor diesem Unglück bewahrt. Eine winzige Narbe erinnert mich an diese Krise bzw. diesen Samstag in meiner Kindheit.

Wenn Corona will, steht (wieder) vieles still, Update 222 vom 23.10.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Das Wort des Jahres

Es ist wieder einmal so weit. Im Herbst eines Jahres werden verschiedene Preise vergeben und Leistungen gekürt. Am 15.10. war das beim „Jugendwort des Jahres“ der Fall. Vielleicht erinnert sich mancher noch an das allererste Jugendwort des Jahres überhaupt. Das war im Jahr 2008 der Fall und hieß „Gammelfleischparty“. Damit bezeichnen Jugendliche Treffen von Menschen, die über 30 Jahre alt sind. Dieses Wort hat viele verletzt. Ich habe dagegen ein wenig geschmunzelt. Denn erstens haben Jugendliche das Recht, in der Wortwahl ein wenig zu „überziehen“. Zum anderen finde ich diese Wortschöpfung durchaus kreativ. Und zuletzt haben solche Wortschöpfungen im jugendlichen „Überschwang“ keine lange Halbwertszeit. Tatsächlich habe ich diese Bezeichnung von Jugendlichen für über 30-jährige schon lange nicht mehr gehört. Aber vielleicht war ich zu wenig auf Partys von Unter-30-Jährigen.

In diesem Jahr wurde als Jugendwort des Jahres „Lost“ gewählt. Es steht für ahnungsloses und unsicheres Verhalten. Und diese Wortschöpfung finde ich durchaus genial und gilt in diesem Coronajahr vermutlich für viele Menschen. Alle diese Informationen, Mitteilungen, Befürchtungen und „Ängste schüren“ (wie zurzeit wieder) zeigen doch auch, dass viel unsicheres Verhalten in diesem Jahr zu bemerken ist.

Ich frage mich: Was könnte das allgemeine Wort des Jahres 2020 sein? Spekuliert wurde über „Corona“ oder „Lockdown“ oder „Shutdown“. Diese Wörter würde ich selbst eher zu den „Unwörtern des Jahres“ erklären so wie das bei Peanuts 1994 der Fall war. Für mich ist das Wort des Jahres 2020 „Bleiben Sie gesund“. Wie oft wurde das mir in diesem Jahr gesagt oder habe ich das weitergegeben! Manche Christen haben mit mir diskutiert, dass Gesundheit im Gegensatz zum „ewigen Leben“ nicht so wichtig ist. Stimmt natürlich auch. Aber in der konkreten Situation hier auf Erden bin ich auch dafür verantwortlich, dass es mir und anderen gut geht. Deshalb halte ich den Wunsch „Bleiben Sie gesund“ für eine gute Sache. Er muntert auf und gibt mir das Gefühl, dass der andere an mich denkt und ich ihm wichtig bin. Und ich kann zeigen, dass er für mich wichtig ist.

Ich habe das am Anfang der Coronapandemie konkret erlebt. Vor der Haustür stand ein Körbchen mit Zitronen und diesem Spruch „Bleibt gesund“. Das will ich von Herzen annehmen und gebe den Wunsch sehr gerne zurück. Und ich bin ganz gespannt auf die Kür zum Wort des Jahres 2020 und zum Unwort des Jahres 2020.

Persönlich ist und bleibt für mich das Wort „Jesus Christus“ jedes Jahr das Wort des Jahres so wie das auch in der Apostelgeschichte 4, 10.12 steht: „Im Namen von Christi von Nazareth…den Gott von den Toten auferweckt hat; durch ihn steht dieser hier gesund vor euch. Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden“  

Wenn Corona will, steht (wieder) vieles still, Update 221 vom 22.10.2020

Tägliche Gedanken in einer schwierigen Zeit, heute von Pfr. Dr. Siegfried Schwemmer

Wie und wann sprechen wir von Gott?

Ich möchte von Gott nicht an den Grenzen, sondern in der Mitte,
nicht in den Schwachen, sondern in der Kraft,
nicht also bei Tod und Schuld,
sondern im Leben und im Guten des Menschen sprechen.
An den Grenzen scheint es mir besser zu schweigen
und das Unlösbare ungelöst zu lassen …
Die Kirche steht nicht dort,
wo das menschliche Vermögen versagt, an den Grenzen,
sondern mitten im Dorf
(Bonhoeffer, WuE, 30.04.44, 307f.)

Wann sprechen wir von Gott? Gott ist Thema, wenn wir nicht mehr weiterwissen, wenn wir an unsere Grenzen kommen, wenn unsere Kräfte versagen, wenn wir zu faul sind zu denken, wenn uns die Angst dazu treibt.

Der deus ex machina, der Gott, der auf die Bühne geholt wird, soll die Lösung eines Konflikts hervorzaubern. Er wird gebraucht, um Defizite zu füllen. Er ist Lückenbüßer für unser Fehlen. Er ist Scheinlösung, eine scheinbare Lösung, wenn wir selbst keine haben.

Diese Form, von Gott zu reden. ist Missbrauch. Wir gebrauchen Gott für unsere Interessen. Wir instrumentalisieren ihn für unsere Bedürfnisse. Er soll unsere Defizite kompensieren.

Bonhoeffer wehrt sich gegen dieses Gottesbild. Gott ist der Gott des Lebens. Er ist die Mitte des Lebens. Er ist das Gute und nicht der Mangel. Er steht für die Fülle des Lebens und nicht für die Defizite von Leben. Er ist Ausdruck des Positiven und nicht der Negation.

Martin Luther schreibt zum ersten Gebot (Großer Katechismus):

Man soll Gott allein trauen und nur Gutes von ihm erhoffen und erwarten … Er gibt uns Leib, Leben, Essen Trinken, Nahrung, Gesundheit, Schutz, Friede und alles, was not ist, an zeitlichen und ewigen Gütern. Er bewahrt vor Unglück, und wenn uns etwas zustößt, rettet er und hilft heraus.

Luther fährt fort: Daher auch, so denke ich, nennen wir Deutschen Gott eben mit dem Namen von alters her … nach dem Wörtlein »gut«. Er ist eine ewige Quelle, aus der nichts als Güte hervorquillt und von dem alles, was gut ist und heißt, herausfließt.

Gott ist gut. Leider vergessen wir ihn schnell, wenn es uns gut geht. Wir vergessen, wem wir das Gute zu verdanken haben.

Confitemini Domino, quoniam bonus.
Confitemini Domino, alleluja.
(Chants de Taizé, 18)

Preist den HERRN, denn er ist gut, ewig währt seine Gnade.
(Psalm 136,1 Übersetzung: Zürcher Bibel 2007)

Ich mag diesen Hymnus aus Taizé. Gerne erinnere ich an die Güte Gottes, wenn zwei Menschen Ja zueinander sagen und den Bund der Ehe schließen, wenn Gott neues Leben schenkt und Kinder getauft werden, auch wenn wir einen lieben Menschen beerdigen. Bei aller Trauer gibt es Grund, Gott für das Leben des Menschen zu danken.

Gott wirkt mitten im Leben das Leben. Er wirkt durch die Liebe von Menschen. Er schenkt Menschen, die uns nahe sind. Er macht mit seiner Liebe und Güte das Leben reich, glücklich, erfüllt und schön.

Menschen, ich zitiere noch einmal Luther, sind als Kreaturen, als Geschöpfe Gottes, nur die Hand, der Kanal und das Mittel, wodurch Gott alles gibt, wie er der Mutter Brüste und Milch gibt, dem Kind zu reichen, Korn und allerlei Gewächs aus der Erde zur Nahrung. Keine Kreatur kann eines dieser Güter selbst machen (ebd.).

Bonhoeffer macht deutlich: Die Kirche steht … mitten im Dorf. Es ist ein Bild des Lebens. Der Kirchplatz ist gleichzeitig der Dorfplatz.

In Bayern steht neben der Kirche in der Regel das Wirtshaus. In Kloster Andechs, auf dem Heiligen Berg bayerischer Lebenskultur, habe ich erlebt, dass die Männer nach dem Gottesdienst im Bräustüberl ihre verzierten Bierkrüge aus dem Schließfach holen, miteinander Bier trinken und das Erlebte teilen. Die Frauen bereiten zuhause den Sonntagsbraten. Wenn alles fertig und der Tisch gedeckt ist, versammelt sich die Familie und dankt Gott für alle guten Gaben.

Das ist Lebensqualität unter dem weißblauen Himmel. Und Gott ist selbstverständlich in der Mitte!

Aus: Siegfried J. Schwemmer, Mut zur Veränderung. Christsein in der Gegenwart, KDP (Kindle) 2020, ISBN 979-8630915382, E-Book 8,90 €, Taschenbuch 9,75 €

Wenn Corona will, steht (wieder) vieles still, Update 220 vom 21.10.2020

Tägliche Gedanken in einer schwierigen Zeit von Pfr. Gerhard Metzger

Der Treber – äh Treser – äh Trester oder doch Schoten?

Gestern habe ich schon von unserer diesjährigen Apfelsaftaktion berichtet. Das Sammeln war diesmal wirklich keine Krise. Weil so viele Äpfel auf den Bäumen waren, wurden sehr schnell die Säcke voll. Das Problem war dann: Diese vielen Äpfel mussten versaftet werden in einer mobilen Presse. Sebastian war unser Chef und leitete sehr gut an. Um 7.30 Uhr stand er auf der Matte und die Vorbereitungen wurden getroffen. Ab 8.00 Uhr begann das Saften. Es endete erst gegen 17.00 Uhr – ohne Pause!!! Danach kam noch das Abwaschen und Saubermachen. Es war ein langer und arbeitsreicher Tag für alle freiwilligen Helfer/-innen. Ein großes Dankeschön dafür. Ein kleines Problem ergab sich. Wohin mit dem „Treser“? „Aber Gerhard, das heißt doch „Trester wurde mir zugerufen. Es ist der Abfall, der nach dem Pressen zurückbleibt.

Herbert Wendler holt sich einen Eimer „Apfeltrester“ für seine Hühner

Im Nachdenken darüber fiel mir ein, dass wir zu Hause „Treber“ gesagt haben. O.K. Es gibt doch immer mal gewisse Sprachunterschiede zwischen mir als Westmittelfranke und den einheimischen Ostmittelfranken.

Egal! Ich denke bei solchen Gelegenheiten immer an das vielleicht schönste Gleichnis, das Jesus erzählt hat. Die Geschichte vom „Verlorenen Sohn“ oder wie sie jetzt oft bezeichnet wird. Die Geschichte vom „Barmherzigen Vater“. Jedenfalls erzählt Jesus, wie der jüngere Sohn in die Fremde gegangen ist. Dort hat er sein Erbe verprasst und landete schließlich bei einem Bauern, um auf dem Acker die Säue zu hüten. Schon das war ein Affront. Denn für einen Juden sind Schweine unreine Tiere. Er darf nicht mit ihnen zusammen sein, sie nicht hüten und erst recht kein Schweinfleisch essen. Aber genau dorthin wird der jüngere Sohn gestellt: Auf den Acker mit Schweinen zusammen. Und dann gibt es diesen berühmten Vers, der diese Lage „ganz unten“ richtig verdeutlicht: „Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm“ (Lukas 15, 16).  Das Wort „Schoten“ ist eine Umschreibung dafür, dass die Schweine Allesfresser sind und damit auch der biologische Abfall gut bei ihnen aufgehoben ist.

Bei der Apfelaktion habe ich mehrmals mit der Hand diesen „Treser“, „Treber“ oder „Trester“ angefasst und daran gerochen. Vermutlich war der Geruch besser als damals beim „Verlorenen Sohn“. Immerhin: Dort ganz tief unten hat sich dieser junge Mann damals besonnen und sich an seinen Vater erinnert. Er hat sich aufgemacht und die Liebe des Vaters neu erfahren. Und an die besondere Liebe des Vaters und damit an die Liebe Gottes für uns Menschen, die sich in Jesus Christus zeigt, habe ich beim Pressen des Apfelsaftes gedacht. Und das ist doch immerhin eine gute Verbindung: Vom Pressen des Apfelsaftes sich der Liebe Gottes erinnern zu lassen mitten in einer Zeit, in der die Infektionszahlen durch Corona leider wieder steigen.

Wenn Corona will, steht (wieder) vieles still, update 220 vom 20.10.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Datteln waren es

Unsere Apfelsaftaktion ist beendet. Weil wir in diesem Jahr 50 Jahre selbständiges Pfarramt Altensittenbach mit Oberkrumbach feiern, wollten wir diese besondere Aktion durchführen. Vor genau drei Jahren feierten evangelische Christen 500 Jahre Reformation. Es wurde bei uns im Dekanat die Idee umgesetzt, einen Apfelsaft zu pressen mit einem schönen Aufkleber und dieses Getränk zu verkaufen. Wir haben viele seltene Apfelsorten vor allem auf dem sog. Anger stehen. Tatsächlich hatten wir es geschafft insgesamt 140 Beutel in 5-Liter-Packungen herzustellen und zu verkaufen. Damals gab es wenig Äpfel und gutes Wetter. Diesmal war es genau umgekehrt. Es gab sehr viele Äpfel und sehr schlechtes Wetter.

Die vielen Äpfel auf dem Boden sind sehr gut zu sehen.

Mit vereinter Hilfe haben wir es geschafft, insgesamt 260 Beutel wieder in 5-Liter-Packungen zu lagern und im kommenden Jahr zu verkaufen. Wenn ich die Äpfel anschaue, denke ich fast immer an den berühmten Spruch: „Mit solch einem Apfel hat die Eva den Adam verführt“. Kein Wunder, dass im Laufe der Zeit die Frauen immer ein wenig schlechter hingestellt wurden als das männliche Geschlecht.

Ich erinnere mich an Diskussionen, die mit dieser Geschichte ganz vorne aus der Bibel eine angebliche Überlegenheit des Mannes zur Frau begründen wollen. Also liebe Männer (und Frauen). Schaut einmal genau in die Bibel hinein. Dann werdet ihr lesen, dass von einem Apfel nirgends die Rede ist.

Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von seiner Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß“ (1. Mose 3, 6). Ich erinnere mich genau an den berühmten Professor für Altes Testament in Marburg, Otto Kaiser. Er wurde sehr laut und rief eindringlich in den Hörsaal: „Da ist von Frucht die Rede. Vom Apfel steht nichts da. Mit der Frucht sind die Datteln gemeint“. Diese Geschichte vertieft meine sonstige Beobachtung: Biblische Geschichten werden in die eigene Lebenswirklichkeit übertragen. Die Weihnachtsgeschichte sieht auf vielen Gemälden so aus als wäre sie irgendwo in Bayern in den Bergen geschehen. Jesus wird als Mensch mit weißer Hautfarbe dargestellt. Die Krippenszene erinnert mich oft an eine „Deutsche Weihnacht“ mit Schnee. Im Hintergrund singen die Engel „Stille Nacht“.

Es ist wichtig, dass Menschen die biblischen Geschichten in ihre Alltagswirklichkeit übertragen. Dann muss aber im Hinterkopf das Wissen stehen, dass es „real“ ganz anders war. Und dazu gehört eben, dass die Frucht, die Eva dem Adam gegeben hat, kein Apfel war. Außerdem hätte der Adam auch nein sagen können. Aber wer in dieser Szene hier theologisch argumentieren will, der müsste Tausende von Seiten in vielen Hunderten von Büchern lesen. Nicht einmal Theologiestudenten machen das. Es reicht, wenn jeder sich das klar macht: Es war nicht der Apfel, auch wenn er noch so gut schmeckt.

Wenn Corona will, steht (wieder) vieles still, Update 218 vom 19.10.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Frage nach der kollektiven Schuld

Die Frage nach der Schuld der Coronakrise tritt wieder stärker in den Mittelpunkt der Überlegungen. Grund dafür sind wohl die steigenden Zahlen der Infektionen und die Angst vor einem neuen Lockdown. Schauen Sie sich doch jetzt einmal die Überschrift an. Sie hat sich geändert und bringt meine neue Empfindung zum Ausdruck. Ein anderer Grund liegt vermutlich darin begründet, dass in wenigen Wochen die Wahl des neuen Präsidenten der USA stattfinden wird. Der jetzige Präsident, Donald Trump spricht nur vom „Chinavirus“. So benennt er die Krankheit auch nach seiner offenbar überstandenen Infektion.

Es ist immer wieder interessant für mich, das zu beobachten, wie mit dieser Schuldfrage umgegangen wird. Heute an diesem 19.10.2020 denke ich besonders daran. Denn heute vor genau 75 Jahren haben etliche Bischöfe und andere Christen der evangelischen Kirche die sog. „Stuttgarter Schulderklärung“ unterzeichnet. Darunter auch der spätere Bundespräsident Gustav Heinemann. Sie wurde viel diskutiert und es gab auch starken Widerspruch. Dieser liegt vor allem darin begründet, dass die Frage nach der sog. „Kollektivschuld“ abgelehnt wird. Ich finde diese dennoch interessant und wichtig, weil hier der Blick auf Gott gerichtet und eine ökumenische Dimension angesprochen wird. Was ich noch  besonders gut finde: Eine Welt des Friedens kann nur mit der Kraft des Hl. Geistes gebaut werden.

Der Text lautet:

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland begrüßt bei seiner Sitzung am 18.19. Oktober 1945 in Stuttgart Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen. Wir sind für diesen Besuch umso dankbarer, als wir uns mit unserem Volk nicht nur in einer großen Gemeinschaft der Leidenden wissen, sondern auch in einer Solidarität der Schuld.

„Mit großem Schmerz sagen wir: Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. Was wir unseren Gemeinden oft bezeugt haben, das sprechen wir jetzt im Namen der ganzen Kirche aus: Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.

Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang gemacht werden. Gegründet auf die Heilige Schrift, mit ganzem Ernst ausgerichtet auf den alleinigen Herrn der Kirche, gehen sie daran, sich von glaubensfremden Einflüssen zu reinigen und sich selber zu ordnen. Wir hoffen zu dem Gott der Gnade und Barmherzigkeit, dass er unsere Kirche als sein Werkzeug brauchen und ihnen Vollmacht geben wird, sein Wort zu verkündigen und seinem Willen Gehorsam zu schaffen bei uns selbst und bei unserem ganzen Volk.

Dass wir uns bei diesem neuen Anfang mit den anderen Kirchen der ökumenischen Gemeinschaft herzlich verbunden wissen dürfen, erfüllt uns mit tiefer Freude.

Wir hoffe zu Gott, dass durch den gemeinsamen Dienst der Kirchen dem Geist der Gewalt und der Vergeltung, der heute von neuem mächtig werden will, in aller Welt gesteuert werde und der Geist des Friedens und der Liebe zur Herrschaft komme, in dem allein die gequälte Menschheit Genesung finden kann.

So bitten wir in einer Stunde, in der die ganze Welt einen neuen Anfang braucht: Veni creator Spiritus! (Komm, Schöpfer Geist)“

Vom Korn zum Mehl

Trotz der Coronakrise mit den erforderlichen Abständen wurde auch in diesem Jahr ein Familiengottesdienst am Erntedankfest gefeiert. Einige haben sogar trotz Nasen-Mund-Schutz mitgesungen.

Hans-Christian Weiß zeigte anschaulich auf, wie aus dem Korn Mehl wird und schließlich Brot gebacken wird. Dabei hatte er einige verschiedene Getreideähren dabei. Jeder Teilnehmer hatte auch die Möglichkeit, auf ein Weizenkorn fest zu beißen und zu merken, wie sich ein Korn bei der Ernte anfühlt. Natürlich durfte am Ende nicht fehlen, dass jeder auch ein Stück Brot essen konnte. Am 2. Advent soll der nächste Familiengottesdienst stattfinden.

Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 217 vom 18.10.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Weitergeben, was Jesus tat und lehrte

Die Sponsoren brechen weg“. So lautet der Ruf vieler Vereine im Profi-Sport. Das hat sich in den letzten etwa 60 Jahren so entwickelt, dass die Vereine und die Ligen von bestimmten Sponsoren abhängig sind. Manche Ligen sind nach dem Sponsor benannt. Oft ist es so, dass ein Verein in die Versenkung verschwindet, wenn der Geldgeber wegbricht. Es ist ein System, das also „auf Kante“ genäht ist. In dieser Coronakrise wird das besonders offensichtlich. Der Bund wurde schon finanziell um Hilfe gerufen, damit der Profi-Sport überleben kann. Menschen haben bei dieser Art und Weise der Hilfe durchaus verschiedene Ansichten.

Grundsätzlich hat es aber sog. Sponsoren immer schon gegeben. Früher wurden z.B. Dichter und Künstler von Königen und Kaisern unterstützt. Sie haben „am Hof“ gearbeitet und wurden oft genug schnell fallen gelassen „wie eine heiße Kartoffel“, wenn sie Ansichten verbreitet haben, die dem Auftraggeber nicht genehm waren. Daher kommt dieser sinnige Spruch: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“. Ursprünglich war das auf die Minnesänger bezogen, die von Hof zu Hof wanderten und auf die Unterstützung von Regenten angewiesen waren.

Aber auch in der Bibel gibt es einen Hinweis darauf, dass Menschen mit Geld die Verbreitung des Evangeliums finanziell gefördert haben. Sie wollten, dass der Glaube an Jesus schnell und wahrheitsgemäß anderen Menschen bekannt wird. Dazu gehörte vermutlich auch Theophilus, der ganz am Anfang der Apostelgeschichte von Lukas erwähnt wird. Interessant ist die Motivation. „Den ersten Bericht habe ich gegeben, lieber Theophilus, von all dem, was Jesus von Anfang an tat und lehrte bis zu dem Tag, an der er aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den heiligen Geist Weisung gegeben hatteApg 1, 1 – 2).

Lukas berichtet dem Theophilus, nach welchen Grundsätzen er sein Evangelium und die Apostelgeschichte geschrieben hat. Immerhin waren das insgesamt 45 Kapitel des Neuen Testamentes. Damit ist das Werk des Lukas das Größte im Neuen Testament überhaupt. Ihm war wichtig, dass er von Anfang an bis zum Schluss berichtet und dass er nach seinem Sterben als der Lebendige und Auferstandene sich bei seinen Jüngern gezeigt hat. Er legt Wert darauf, die Apostel zu erwähnen. Sie verkörpern die 12 Stämme von Israel und Jesus zeigt sich als der, welcher eine Brücke schlägt von der Erwählung des Volkes Israels bis zu diesem Zeitpunkt. Lukas schreibt so einen großen umfassenden Bericht vom Wirken Jesu und der Entstehung der Kirche, die vor allem durch den Apostel Paulus vorangetrieben worden ist.

So haben wir bis heute einen bleibenden Eindruck, wie Gott den Hl. Geist an Pfingsten über die Jünger ausgegossen und so die Kirche Jesu Christi sich in der ganzen Welt ausgebreitet hat. Heute am 18.10. ist der Gedenktag des Heiligen Lukas und ich finde das sehr interessant, dass so viele Eltern ihren Söhnen wieder diesen Namen geben.

Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 216 vom 17.10.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Der Gottesträger

Es gibt ganz unterschiedliche Art und Weisen mit Lebenskrisen umzugehen. Vor allem dann, wenn es um Leben und Tod geht. Ein besonders Beispiel dafür ist der Kirchenvater Ignatius von Antiochien. Seine genauen Lebensdaten sind gar nicht bekannt. Soviel weiß man allerdings: Er war dort viele Jahre lang Bischof.

Er war schon sehr alt, als er vom römischen Kaiser Trajan verhaftet und nach Rom gebracht wurde. Dort sollte er im Circus Maximus von Löwen zerrissen werden. Auf dem Weg dorthin hatte er sich fest vorgenommen, andere Christen zu stärken und zu trösten. So traf er sich mit ihnen und versuchte sie zu ermutigen. Das tat er, obwohl er selbst Trost und Stärkung über den bevorstehenden Tod nötig gehabt hätte.

Wer solch einen Tod im Glauben stirbt, über den gibt es natürlich viele Legenden. So wird von ihm erzählt, dass er das kleine Kind war, das Jesus in die Mitte gestellt hat, als er sie aufforderte, wie die Kinder zu werden (Markus 10, 13 – 16). Sein Leben, Wirken und Sterben waren so beeindruckend, dass er den Beinamen „Theophorus“, der Gottesträger, erhielt. Mindestens sieben Briefe hat er geschrieben, die in der Theologiegeschichte eine große Rolle spielen, weil sie die Verhältnisse in der Kirche des zweiten Jahrhunderts sehr gut wiederspiegeln. Und nur weil er selbst kein Jünger von Jesus war in dessen Leben auf der Erde (Apostel), stehen diese Briefe nicht im Kanon der Bibel. Immerhin ist Ignatius für mich ein Zeuge dafür, dass auch mitten in Lebenskrisen der Glaube an Jesus Halt und Kraft geben kann. Und das ist jetzt wieder nötiger denn je. Heute am 17.10. feiern Christen seinen Gedenktag.