Wenn Corona will, steht (fast) alles still, Update 61 vom 15.05.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

„Die kalte Sophie hat ihren Namen wieder einmal alle Ehre gemacht“. Wie oft habe ich schon als Kind diesen Spruch mit allen Abwandlungen von meinem Vater gehört. Bei der Wettervorhersage waren für einen Bauern diese sog. „Bauernregeln“ wichtiger als Wettervorhersagen. Der 15. Mai spielte dabei immer eine besondere Rolle. Auch heute Nacht und der Blick heute früh am 14.05.2020 nach draußen verrät mir, dass die Bauernregel 2020 voll zugetroffen hat. Es ist nass, kalt und windig. Der Wetterbericht hat sogar Nachtfröste in bestimmten Lagen gemeldet. „Vor Nachtfrost du nicht sicher bist, bis Sophie vorüber ist“. Das ist die wichtigste Regel für den heutigen Tag der Hl. Sophie. Sie beschließt den Reigen der sogenannten Eisheiligen. Ihre Namen klingen seltsam, aber irgendwie auch wieder charmant. Mamertus – Pankratius – Servatus – Bonifatius – Sophia. Ich war fasziniert, dass mein Vater sogar die lateinischen Namen auswendig vorsagen konnte.

In der heutigen Zeit ist der Name Sophia in den letzten Jahren zum häufigsten Vornamen in Deutschland geworden. Dabei weiß man gar nicht so viel über das Leben der bekannten Eisheiligen. Immerhin soll sie 304 n. Chr. bei der letzten schweren Christenverfolgung durch den römischen Kaiser Diocletian als Märtyrerin gestorben sein. Dieser römische Kaiser war gar nicht so sehr grundsätzlich gegen Christen eingestellt. Aber er war ein ausgezeichneter Organisator und kluger Politiker. Er hat das Reich in einer Art und Weise geführt, die auch noch heute beim Führen eines Landes als Vorbild im Hintergrund steht. Vor allem legte er Wert auf eine straffe, zentrale Organisation mit klaren Strukturen. Und da passte es einfach nicht, dass Christen die Weltordnung mit ihrer eigenen Art des Glaubens durcheinander brachten. Aber schon keine 10 Jahre später änderte sich für die Christen grundsätzlich alles mit dem Sieg von Konstantin d. Großen gegen seine Widersacher. Aber davon einmal später mehr.

Sophia“, die „Weise“, die „mit Weisheit gesegnete“. Auch in der Bibel gibt es verschiedene Bücher, die dieses Thema beleuchten. Neben einigen Weisheitspsalmen sind das vor allem das Buch der Sprüche, der Prediger Salomo und das Hohelied Salomo. Viele bekannte Sprichwörter stammen aus diesen Teilen der Bibel. Haben sie etwa gewusst, dass das Sprichwort „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“ aus dem Buch der Prediger im 10. Kapitel, Vers 8 stammt und auch im Buch der Sprüche 26, 27 zu finden ist. Mir gefällt der Name Sophia und das nicht nur, weil meine Enkeltochter so heißt und die ich hoffentlich noch heute abend nach über 10 Wochen wieder einmal sehen kann. Ich finde es grundsätzlich wichtig, Entscheidungen des Lebens weise zu fassen.

Das gelingt nicht immer, weil oft die Emotionen mit mir „durchgehen“. Bei Einführung des Internets bin ich mehrmals in diese Falle getappt: Ich habe eine Information gelesen oder von einem anderen erhalten. Ich war emotional so aufgewühlt, dass ich sofort per Mail geantwortet habe. Früher habe ich den Brief erst mal in Ruhe lesen müssen, dann habe ich eine oder mehr Nächte darüber geschlafen. Dann waren die ersten Emotionen „verraucht“ und ich konnte sachlich antworten. Jetzt nach fast 20 Jahren Umgang mit Internet habe ich „meistens“ gelernt, abzuwarten und notfalls erst einmal anzurufen bevor ich etwas schreibe. Klug mit „Weisheit“ umgehen.

Kein Wunder, dass im Buch der Sprüche im 8. Kapitel die Weisheit als Gottes Liebling und als erste Tat der Schöpfung Gottes bezeichnet wird. „Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war…als er die Erde noch nicht gemacht hatte…da war ich als sein Liebling bei ihm, ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit“. Welch einen Sonderplatz erhält die Weisheit bei Gott, dem Schöpfer. Diese Weisheit im Angesicht Gottes wünsche ich jetzt allen Menschen, die Entscheidungen in dieser Coronakrise treffen müssen. In der HZ war gestern ein Interview mit dem Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl zu lesen mit seiner eigenen Ansicht zur gegenwärtigen Lage. Hat er Recht? Ich weiß es nicht. Da lese ich dann doch lieber als Ausgleich diesen wunderbaren Weisheitsspruch aus dem Buch der Sprüche. „Es ist besser ein Gericht Kraut mit Liebe als ein gemästeter Ochse mit Hass“ (Spr. 15, 17).

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