Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 85 vom 08.06.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Heute haben wir den 08.06.2020. Das ist mitten in den Pfingstferien. Viele haben sich schon an die neuen Lockerungsbeschlüsse der Regierungen gewöhnt. In Gesprächen höre ich die Hoffnung auf Veränderung der Situation. Das Krankensystem hat den Test bestanden und die ganz düsteren Voraussagen sind – Gott sei Dank – nicht eingetroffen.

Auch in meinen Texten spiegeln sich langsam aber sicher zwei Richtungen: Rückblick was in den letzten Wochen war mit all den Befürchtungen – Ausblick nach vorne mit allen Erwartungen. Ich merke das auch dadurch, dass ich wieder schwerer Menschen per Telefon erreiche. Vermutlich fast jede/r Pfarrer/-in hat sich am Beginn des Lockdwons überlegt, wie Präsenz erhalten werden kann. In den ersten beiden Wochen habe ich Büroarbeiten aufgearbeitet. Im Nachhinein frage ich mich, wann ich die bei „normaler“ Arbeit in der Passionszeit hätte tun können. Schließlich fallen in dieser Zeit auch die Vorbereitungen zu den Osterfeierlichkeiten.

Dann kam der 1. April und bei mir stand die Frage an, wie ich Kontakt zu Menschen halten kann. Meine Idee war: Alle Geburtstagskinder von 1 – 100 anzurufen. Gut. Hundertjährige hatte ich nicht. Aber es waren im April 109 und im Mai 124. Insgesamt also 233. Das sind genau 17 % aller Gemeindemitglieder aus Altensittenbach und Oberkrumbach. Ich bin froh und dankbar, dass kein einziger sich überrumpelt gefühlt hat. Die meisten Angerufenen haben sich sehr gefreut. Etwa 10 Personen habe ich mit einer Karte oder per Mail kontaktiert, weil ich keine Telefonnummer hatte.

Zum 31.05.2020 habe ich diese Aktion beendet. Ich selbst stehe wieder in  Vorbereitung vor allem von Gottesdiensten und in den Pfingstferien vertrete ich insgesamt vier Kollegen. Fast bin ich ein wenig traurig, dass die Zeit für die Telefonanrufe nicht mehr da ist. Es war eine schöne Erfahrung für mich, auch mit Leuten zu reden, mit denen ich vorher oft kein einziges Wort gesprochen hatte.

Natürlich hat Jesus nicht ein Telefon im Blick gehabt, als er die Jünger aussandte. Aber ein Wort war mir bei jedem Anruf ganz wichtig: Den Segen Gottes ins Haus zu bringen. Jeder Angerufene sollte hören und merken, wie wichtig er für Gott ist. Jesus hat zu seinen Jüngern gesagt: „Wenn ihr in ein Haus kommt, sprecht zuerst: „Friede sei diesem Haus“. (Lukas 10, 5). Und diesen Segenswunsch an so viele Menschen weiterzugeben, war mir ganz wichtig.

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