Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 139 vom 01.08.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Sensenmann

„Sie kommen also aus der Landwirtschaft und sind Bauernsohn. Haben Sie davon auch eine Ahnung?“ Die Menschen im Ries sind zuerst einmal ein wenig skeptisch. Sie beäugen den neuen Mitbewohner ganz genau. Wir waren als Familie im Herbst 1988 gerade von Weißenbach in der Rhön nach Alerheim im Ries umgezogen. Am Abend des ersten Tages machten wir einen Spaziergang durch dieses wunderschöne Dorf, das im selben Jahr Bezirkssieger von „Unser Dorf soll schöner werden“ geworden war. Es ist ein sog. „Haufendorf“ mit breiten Straßen und wunderschönen Bauernhäusern. In zwei großen Baugebieten ziehen vor allem die Kinder der Einheimischen, so dass die Menschen mit wenigen Ausnahmen unter sich bleiben. Das Ries gilt als zweite Kornkammer Bayerns (als erste Kornkammer Bayern gilt das Gebiet um Straubing), der Boden ist sehr fruchtbar und der sog. Ha-Einheitswert relativ hoch.

Und dann kommt ein Pfarrer ins Dorf, der meint, er hätte selbst Ahnung von der Landwirtschaft. „Ich kann sogar mit der Handsense mähen. Habe ich schon als Kind gelernt“. Diese Antwort war für den Fragesteller überraschend und er antwortet: „Herr Pfarrer. Ich bin Meister der Landwirtschaft, ich habe das nicht gelernt und ich kann das auch nicht“. „Ja, dann machen wir eine Vereinbarung“ war meine Antwort darauf. „Ich mähe bei Ihnen mit der Sense ein Stück Wiese und Sie predigen einmal auf der Kanzel“. Zu diesem Deal ist es aber (leider) nie gekommen.

Natürlich habe ich bei meinen dortigen acht Jahren im Pfarramt oft die Handsense genommen. Ein Landwirt hat den großen Pfarrgarten 2-mal im Jahr gemäht und das Futter für seine Tiere genommen. Ein Rasenmäher war nicht nötig und ich habe an den Ecken mit der Sense gearbeitet. Hier in Altensittenbach haben wir dagegen nur einen ganz kleinen Grasgarten und der Rasenmäher ist notwendig. Meine Sense habe ich meiner großen Tochter gegeben. Sie hat einen fast ein Tagwerk großen Garten mit Brenneseln und typischen Blumen und alles noch mit Hanglage.

„Ich zeige Dir das Sensen und ich mache das nach so vielen Jahren heute selbst“. Das war mein Wunsch. Gesagt – getan. Heute am 01.08.2020 gemäht werden. Jedenfalls habe ich die Sense genommen und schon vor wenigen Wochen gemäht, gemäht, gemäht. Das gesamt Grundstück ist immerhin 2000 qm groß. Für mich ist es wichtig, mich mit solchen Arbeiten immer mal zu „erden“. Als Pfarrer möchte ich nicht den Kontakt zu anderen „normalen“ Menschen verlieren.

Und eines ist mir auch wichtig: Landwirte sollen die Möglichkeit haben, mit finanzieller Unterstützung solche Flächen zu bewirtschaften. Denn viele Landwirte, die intensive Landwirtschaft betreiben, kümmern sich auch um extensiv genutzte Flächen. Und vielleicht schafft das dann auch eine andere Einstellung zu dem in der Öffentlichkeit leider allzu häufig negativer Kritik über Landwirte in unserem Bundesland, die sowieso noch eine klein strukturierte Infrastruktur vorfinden. Ich denke an die Diskussionen beim Volksbegehren im letzten Jahr „Rettet die Bienen“. Da kann man ganz unterschiedlicher Meinung sein. Aber teilweise gingen die Beurteilungen über die Landwirte „unter die Gürtellinie“. Und wer damals auf die Landwirte nur geschimpft hat, dem würde ich mal das Mähen eines Grundstückes von einem Tagwerk (ca. 3.400 qm) in Hanglage mit der Handsense empfehlen. Dann hat er auch ein Recht zum Mitdiskutieren. Und er sollte auch mal diese AVP oder NVP im Internet lesen. Denn mit ihrer Arbeit sind die Landwirte Teil des Auftrages, der schon in der Bibel festgelegt ist. „Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte“ (1. Mose 2, 15).

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