Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 156 vom 18.08.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Armut von Klara v. Assisi

„Da es offenbar ist, dass der Mangel am Nötigsten Euch nicht schreckt und Derjenige, der die Vögel des Himmels ernährt und die Lilien des Feldes kleidet, nicht versäumen wird, Euch Nahrung und Kleidung zu geben, willfahren Wir Eurer Bitte und genehmigen Euch durch Apostolische Gnade, in äußerster Armut zu leben. Ferner wird Euch durch vorliegendes Schreiben genehmigt, niemals gezwungen werden zu dürfen, irgendwelche Besitzungen annehmen zu müssen“. Das war der Text, den Klara v. Assisi dem Papst Gregor IX. abgerungen hat. Dieser besuchte sie und wollte mit ihr eine Ordensregel vereinbaren. Der Text ist das Ergebnis des Gesprächs.

Er ist sehr ungewöhnlich und auch für meine Ohren kaum nachzuvollziehen. „Ein Recht auf Armut“ zu haben. Ich erkenne darin das radikale Handeln dieser Frau. Der nachfolgende Papst Innozenz IV. kam ebenfalls zu ihr um eine Regel für den Orden zu erwirken. 1247 schickte er den von ihm formulierten Text nach Assisi. Klara war nicht zufrieden. Sie formuliert: „Weder Häuser, noch Ländereien, noch was sonst es sei, sollen sich die Schwester aneignen, sondern als Fremde und Pilger sollen sie hier auf Erden Gott dienen, in Demut und Armut, und mit Vertrauen ihre Zuflucht zu den Almosen nehmen. Dass sie sich wohl hüten mögen, deswegen zu erröten! Ist doch der Herr selbst für uns auf dieser Erde arm geworden“. Der Papst nimmt ihr die Beichte ab und sagt danach: „Gebe Gott, dass ich es ebenso wenig nötig hätte wie du“. Am 9. August 1253 unterschreibt der Papst die Bulle, die Klaras Regel bestätigte. Schon zwei Tage später ist sie dann gestorben. Aber sie hatte erreicht, was sie wollte. Die Zähigkeit ihres Willens lässt sich an der Tatsache erkennen, dass sie die letzten zwanzig Jahre ihres Lebens häufig krank und bettlägerig war. Durch ein Loch im Boden konnte sie in ihrem Lager die Gottesdienste ihrer Mitschwester mitfeiern. Ihre letzten Worte waren: „Herr Gott, gelobt seist du, dass du mich erschaffen hast“.

An diesem Ort lebte Klara die letzten Jahre ihres Lebens direkt über der Kapelle in San Damiano

Insgesamt dreimal stand ich im meinem Leben an diesem Lager, das heute sehr gut in San Damiano zu besichtigen ist. Und jedes Mal war ich tief angerührt vom Leben dieser Frau, für die in Assisi die Klarakirche gebaut worden ist. Sie enthält ein besonderes Kreuz, aber davon mehr im Oktober.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.