Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 196 vom 27.09.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die eingemauerte Bibel

Als es den St. Gotthard-Tunnel noch nicht gab, zog eine Gruppe von Maurern aus der Gegend von Lugano nach der Innerschweiz, weil sie dort mehr Geld verdienen konnten. Unter ihnen war Antonio. Eine Dame bot ihm eine schöne, in Leder gebundene Bibel zum Geschenk an. Er nahm sie mit, aber gelesen hat er nicht darin. Bei seiner Arbeitsstelle in Glarus musste er beim Bau eines großen Hauses mithelfen. Beim Verputzen einer Mauer sah er ein Loch, das noch zugemauert werden musste. Plötzlich fiel ihm die Bibel ein, die er in seinem Sack hatte und er sagte zu den Kameraden: „Jungs, ich weiß jetzt einen schönen Spaß. Ich stecke die Bibel in dieses Loch“. Die Bibel ging knapp hinein, nur der Einband wurde etwas beschädigt.

Am 10. Mai 1861 wütete in Glarus ein großer Brand. Die ganze Stadt war eine schreckliche Ruine. Ein Maurerpolier aus Norditalien, Johannes, hatte den Auftrag, ein noch neues Haus, das teilweise eingestürzt war, zu untersuchen. Er klopfte mit seinem Hammer und plötzlich fiel ein Brocken Mörtel herunter. Zu seinem Erstaunen fand er ein Buch, das in die Mauer eingeklemmt war. Er zog es heraus. Es war eine Bibel. Das war doch wirklich sonderbar. Johannes fing in seiner Freizeit an, fleißig in der Bibel zu lesen. Durch dieses Lesen fand er zum Glauben an Jesus.

In seiner Freizeit ging er mit einem Koffer voll Bibeln in die Dörfer der Umgegend, um diese zu verkaufen. So kam er auch in die Gegend, wo Antonio wohnte. Auf einem Jahrmarkt errichtet er einen Stand mit Bibeln. Als Antonio vorbeischlenderte, blieb er stehen und sagt: „Oh, Bibeln, die habe ich nicht nötig! Da brauche ich bloß nach Glarus zu gehen, denn da habe ich noch eine, die in einer Wand eingemauert ist“. Ernst sah Johannes den jungen Mann an. Ihm war sofort alles klar und er sagte: „Seien sie vorsichtig, junger Mann, Spotten ist leicht, aber was würden Sie sagen, wenn ich ihnen diese Bibel zeigte“. „Du kannst mir nichts vormachen“, sagte Antonio, „ich würde sie sofort wiedererkennen; denn ich habe sie gezeichnet. Und ich sage dir. Selbst der Teufel kriegt sie nicht aus der Mauer!“ Johannes holte die Bibel hervor und fragte: „Kennen Sie das Zeichen, mein Freund?“ Antonio war sprachlos, als er die beschädigte Bibel sah. Aber sein Hass gegenüber Gott steigerte sich noch mehr und Johannes bekam von Antonio und seinen Freunden Schläge und Tritte.

Eines Tages fiel Antonio von einem 17 m hohen Gerüst. Er kam schwerverletzt ins Krankenhaus. Johannes erfuhr das und besuchte ihn. Antonios Herz blieb wie ein Stein. Johannes aber besuchte ihn jede Woche. Tatsächlich begann Antonio in der Bibel zu lesen. Allmählich begann das Herz von Antonio aufzuweichen. Seine Seele war genesen, aber seine Hüfte blieb lahm. Seine frühere Arbeit konnte er nicht mehr tun. Er fand leichtere Arbeit, und später führte er eine glückliche Ehe mit der Tochter des Johannes. Sein Schwiegervater war nun gleichzeitig sein Freund. Nach seinem Tod galt seinen Kindern diese eingemauerte Bibel als das schönste Erbstück.

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