Wenn Corona will, steht (noch mehr) still, Update 248 vom 18.11.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Der Buß- und Betttag!!!!

Er gehört zu einer meiner ersten lustigen Theologensprüche, die ich gehört habe. Er lautet: „Buß- und Bettag. Die Glocken läuten. Die Gemeinde erhebt sich – aus ihren Betten“. Zugegeben. Der Vergleich von „Beten“ und „Betten“ liegt nahe. Und es gab sicherlich viele Menschen, die aus dem Buß- und Bettag einen „Betttag“ gemacht haben.

In meiner Erinnerung als Kind und Jugendlicher hat sich eingenistet, dass dieser Feiertag ein evangelischer Feiertag war. Tatsächlich: Erst ab 1981 wurde er für alle in ganz Bayern gefeiert. Vorher war er nur in den Regionen ein gesetzlicher Feiertag, in der die Mehrheit der Menschen in Bayern evangelisch waren. Es verhielt sich also so wie bis heute mit dem Fest Maria Himmelfahrt am 15.08. für katholische Christen (siehe mein Update vom 15.08.2020). Deshalb war der Protest von evangelischer Seite bei Abschaffung dieses Feiertage sehr viel größer als von katholischer Seite. Die Meinung war: „Typisch. Die wollen uns einen evangelischen Feiertag wegnehmen. Da sieht man wieder einmal um die Macht der katholischen Kirche“. Tatsächlich war es so, dass zum Ausgleich für die Pflegeversicherung ab 1995 aus diesem Tag ein „geschützter“ Feiertag wurde. Arbeitnehmer können sich frei nehmen, wenn sie zu Gottesdiensten gehen. Und die Arbeitgeber wollten einen Tag nehmen, der jedes Jahr ein Arbeitstag war und nie auf das Wochenende gefallen ist. Weil keine Schule an diesem Tag ist, bieten seither die Kirchen Bibeltage für Kinder an. Das wird auch ganz gut angenommen und die Eltern können gut zu ihrer Arbeit gehen.

In meinem Heimatdorf Habelsee hatte der Buß- und Bettag eine herausragende Stellung. Denn in diesem tiefprotestantischen Teil unseres Bundeslandes wurde zweimal im Jahr Abendmahl gefeiert. Einmal während der Passionszeit und einmal am und um den Buß- und Bettag. Das hat auch mich geprägt. Und ich spüre das noch immer vor allem in unserer Filialgemeinde in Oberkrumbach. An diesem Tag sind abends um 20.00 Uhr sehr viel mehr Menschen im Gottesdienst als an einem „normalen“ Sonntag.

Inhaltlich ist dieser Tag sowieso wichtig ob als Feiertag oder ohne. Denn kaum ein anderer Tag bringt zum Ausdruck, was Martin Luther in seiner ersten der 95 Thesen sagt: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: „Tut Buße“ usw. (Matth. 4, 17) hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll“.

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