Wenn Corona will, steht (fast) alles still, Update 26 vom 10.04.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Konfirmation bei uns in Altensittenbach sollte am 19.04.2020 stattfinden. Sie ist abgesagt worden. Meine Gedanken gehen zurück an das letzte Samstagtreffen mit der Gruppe. Wie immer kurz vor der Konfirmation stand als Thema auf dem Programm: „Jesus vergibt mir meine Schuld“. In der Regel wählen wir als Einstieg die Überlegung, wo Jugendliche sich sonst nicht so ganz an Recht und Ordnung halten. Also z.B. „Ich schreibe in der Schule ab“, „Ich gehe bei rot über die Ampel“, „Ich fälsche eine Schulnote“ usw. Dann versuchen wir den Übergang zu finden, dass es bei diesem Thema weniger um moralische Schuld geht oder um bestimmte Übertretungen bei weltlichen Gesetzen. Es geht vielmehr darum, dass die Beziehung von Gott zu uns Menschen unterbrochen ist. Es geht darum, dass Jesus durch sein Leben und Sterben am Kreuz diese Beziehung zu Gott wieder in Ordnung bringt und mir vergeben wird. Ich muss nicht mit Schuldgefühlen weiterleben. Vor einigen Jahren haben wir uns dabei als Impuls ausgedacht, dass die Jugendlichen Jesus wie einen Verbrecher suchen sollten ohne dass sie das vorher wissen. Früher war es ja so, dass Steckbriefe ausgehändigt wurden. Ich selbst erinnere mich an die RAF-Zeiten in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. In jedem noch so kleinen Dorf hingen die Plakate mit Bildern und Texten der Gesuchten aus. Gesagt, getan. Wir geben den Konfirmanden solch einen „WANTED-Zettel“ und sie sollten aufgrund eines Textes den Verbrecher malen, so dass das gesamte Blatt ausgehängt werden könnte. Der Text des Verbrechers lautet: „Er ist weder stattlich noch schön. Wir fanden ihn unansehnlich und er gefiel uns nicht. Er wurde von allen verachtet und gemieden. Er war von Krankheit und Schmerzen gezeichnet. Seinen Anblick konnten wir kaum ertragen. Wir wollten nichts von ihm wissen und haben ihn verachtet„. Im Folgenden ein Bild, das ein Konfirmand in diesem Jahr gezeichnet hat.

Sieht doch ganz schön furchterregend aus, oder?

Jede/r aus der Gruppe malt sein Bild, legt es auf den Boden und erklärt es. Wenn das alle getan haben, kommt ein/e Mitarbeiter/-in und legt ein Bild mit Jesus am Kreuz hin und ich sage: „Ihr habt jetzt Jesus gemalt“. Großes Erstaunen – Stille – danach nur ein paar wenige Kommentare. Die innere Vorstellung vom Aussehen des Gesuchten und die Auflösung ist nur schwer zu begreifen. Die Beschreibung des Gesuchten sind Worte aus Jes 53, 2b – 3 nach der „Hoffnung für alle“. Dieses sog. vierte Gottesknechtlied beim Propheten Jesaja hat schon den Christen in der „Urgemeinde“ ermöglicht, das Kreuzigungsgeschehen zu begreifen und in einen Zusammenhang mit der Verheißungsgeschichte Gottes zu bringen. Sie erkannten: Das, was mit unserem Meister (Rabbi) geschehen ist, können wir als Erfüllung der Worte aus dem Alten Testament begreifen. Das hilft auch mir, den heutigen Karfreitag so anzunehmen, wie das im Neuen Testament beschrieben ist. Es hilft mir, den Sinn des Kreuzes zu verstehen. Interessant ist für mich, dass dieses mal etliche Konfirmanden den Gesuchten mit „Teufelshörner“ gemalt haben. Haben Sie das eher aus Spaß gemacht? Oder haben Sie unbewusst etwas davon gespürt, dass dieser Gesuchte also Jesus – etwas mit der Macht der Finsternis zu tun hat und wie er diese durch den Kreuzestod besiegt hat.

Das wollte ich bei unserem letzten Treffen noch fragen. Dazu ist es aber leider durch die Coronakrise nicht mehr gekommen.

„Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartet wäre. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt (Jes 53, 4 – 5).

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