Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 76 vom 30.05.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Papa. Warum stehen denn Birken vor der Eingangstür der Kirche?“ Das war die Frage des siebenjährigen Gerhard an seinem Vater am Pfingstsonntag 1965. Rechts und links standen kleine Bäume mit dieser markanten weißen Rinde. Mein Vater hat mir dann erklärt: „Die Birken heißen auch noch Maien. Denke an den Maibaum, der auch eine Birke ist. Und die Buben stellen ihren Freundinnen am Abend vor dem 1. Mai eine Birke vor das Haus als Ausdruck ihrer Liebe. Und dann pass heute besonders auf die Lieder im Gottesdienst auf. Vielleicht wird das Lied „Schmückt das Fest mit Maien“ gesungen. Es ist eine Anspielung auf diesen Brauch“.

Natürlich habe ich besonders aufgepasst. Tatsächlich: Auf der Liedertafel war 107 angesteckt. Im alten Gesangbuch, das bis 1994 im Gebrauch war, stand dieses Lied bei dieser Nummer. Seitdem liebe ich besonders dieses Pfingstlied und es steht – Gott sei Dank – auch im neuen Gesangbuch unter der Nummer 135. Ich will es unbedingt morgen am Pfingstsonntag wieder singen lassen. Halt! Geht ja nicht! Dann soll es gespielt und vorgesungen werden.

Den Brauch, zu Pfingsten zwei kleine Birken an die Eingangstür der Kirche hinzustellen, habe ich auch in Altensittenbach vorgefunden. Richard Sperber hat von diesem Brauch gewusst und ihn gepflegt. Er war Stadtgärtner und hatte eine besondere Liebe zu Blumen und zur Natur. Auch sonst hat er sich rührend um solche Sachen gekümmert. Vor seiner Goldenen Konfirmation kam er zu mir und meinte: „Ich kümmere mich bei unserem Festgottesdienst um den Blumenschmuck in der Kirche“. Für die Weihnachtszeit hat er eine Krippe in besonderer Weise zusammengestellt und aufgebaut. Am 23.12.2017 und damit einen Tag vor dem Hl. Abend wurde er bei einer übergroßen Trauergemeinde kurz vor seinem 70. Geburtstag beerdigt.

Das Symbol der „Birke“ ist also ein Zeichen der Liebe nicht nur zwischen Menschen, sondern auch zwischen Gott und dem Menschen. Und weil diese Liebe eine Frucht des Hl. Geistes (Galaterbrief 5, 22) ist, finde ich diesen Brauch des Aufstellens von einer Birke am Pfingstfest sehr schön und wichtig.

Beim Lied selbst steht unten der Hinweis Ps 118,27. Es ist der Wochenpsalm vom Pfingstfest. Ich kann es aber nicht glauben, dass das Wort „Maien“ so in der Bibel steht. Also schaue ich mal in einem Bibelkommentar nach um den hebräischen Urtext zu ergründen. Ich lese: „Bindet den Festreigen mit Seilen bis an die Hörner des Altars“. Wahrscheinlich gab es im alten Israel einen heiligen Tanz und der Altar wurde umkreist. Bei diesem feierlichen Umgang wurden die Enden von Seilen um die Hörner des Altares geschlungen. Solch ein „Festreigen“ soll an Pfingsten veranstaltet werden. Wer hätte das gedacht? Ein Tanz im Gottesdienst! Ein Festreigen um den Altar!

Das trifft doch genau auf die Vorstellung, dass der Hl. Geist einen Menschen in Bewegung bringt. Schließlich wird der Geist Gottes im griechischen Urtext „Dynamis“ genannt. Von dort kommt auch unser Fremdwort „Dynamik“. Und das soll und kann der Geist Gottes in mir bewirken.

„Schmückt das Fest mit Maien, lasset Blumen streuen, zündet Opfer an. Denn der Geist der Gnaden hat sich eingeladen, machet ihm die Bahn! Nehmt ihn ein, so wird sein Schein euch mit Licht und heil erfüllen und den Kummer stillen.

Tröster der Betrübten, Siegel der Geleibten, Geist voll Rat und Tat. Starker Gottesfinger, Friedensüberbringen, Licht auf unserm Pfad. Gib uns Kraft und Lebenssaft, lass uns deine teuren Gaben zur Genüge laben“.

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