Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 77 vom 31.05.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Ich schreibe euch jetzt den griechischen Namen für 50 an die Tafel. Schaut einmal genau hin und versucht zu erkennen, welches für euch auch schon bekanntes Wort im Namen steht. Ich schreibe euch die Zahl in lateinischen Buchstaben hin“. Diese Ankündigung erweckt bei den Schüler/-innen der vierten Grundschulklasse in der Regel erhöhtes Interesse. Ich schreibe in Druckbuchstaben folgendes Wort: „PENTEKOSTE“. Zuerst sehe ich erstaunte Gesichter. „Schaut einmal auf den Anfangsbuchstaben. Dann schaut auf die letzten drei Buchstaben. Jetzt noch ein wenig mit Phantasie hinschauen und dann entdeckt jemand von euch das gesuchte Wort und soll es nennen“. Tatsächlich. Noch nicht ein einziges Mal wurde die Lösung nicht genannt. In diesem Wort „PENTEKOSTE“ steckt das Wort „Pfingsten“.

Für mich ist es immer wieder faszinierend, dass eine Zahl solch eine Wirkung hatte. Was da in Jerusalem genau 50 Tage nach Ostern  geschehen ist, hat nicht nur die Christenheit, sondern die ganze Welt verändert. Die Juden feierten an diesem Tag das Wochenfest, ein Erntedankfest. Schon so bald, weil es in der Klimazone von Vorderasien in der Regel zwei Ernten gibt. „Eine Zahl verändert die Welt“ – so könnte die Schlagzeile lauten.

Denn an diesem Tag haben sich die Jünger verändert. Vorher waren sie ängstlich und hielten sich vermutlich versteckt und zurückgezogen auf im „Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten“ (Apostelgeschichte 1, 13). Aber sie waren „alle stets beieinander einmütig im Gebet samt den Frauen und Maria, die Mutter Jesu, und seinen Brüdern“ (Apg 1, 14). Sie hatten die Verheißung von Jesus selbst. „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“ (Apg 1, 8). Aber noch war es nicht so weit. Noch mussten sie auf die Erfüllung des Wortes von Jesus warten, das er ihnen 10 Tage vorher auf dem Ölberg gegeben hatte.

Es ist ein Gleichnis für mich. Verheißungen Gottes werden nicht sofort erfüllt. Oft genug habe ich in meinem Leben auch warten müssen. Oft ist es auch anders gekommen. Aber immer galt es, im Gebet dem Wort Gottes zu vertrauen. Und fast immer hat es in mir eine Veränderung gegeben.

In der Pfingstgeschichte wird das überdeutlich. Der Heilige Geist fällt auf die Jünger, erfüllt das ganze Haus und die Jünger verändern sich. Aus den ängstlichen Männern werden bekennende Christen. Petrus tritt auf und redet mutig zu den Menschen auf der Straße. Die Jünger wurden „vom heiligen Geist erfüllt und fingen an, zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen“ (Apg 2, 4). In diesem Augenblickhat der Heilige Geist ganz von ihnen Besitz ergriffen. Es war ein besonderer Moment. Es ist wichtig, dass Christen solche ganz besondere Momente im Glauben mit Gott erleben. Das stärkt ihr Vertrauen in Gott und gibt ihnen Mut wie Petrus zu bekennen: „Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes“. Und vielleicht spüren das auch und nicht nur die Schüler/-innen einer vierten Grundschulklasse im Religionsunterricht.

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