Wenn Corona will, steht (noch) manches still, update 165 vom 27.08.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Gott ist gegenwärtig

Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten und in Ehrfrucht vor ihn treten. Gott ist in der Mitte. Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge. Wer ihn kennt, wer ihn nennt, schlag die Augen nieder; kommt, ergebt euch wieder“.

Dieses bekannte Lied von Gerhard Terstegen steht unter der Nr. 165 im Evangelischen Gesangbuch. Es hat mich heute für das Schreiben von Update 165 inspiriert. Terstegen hat es 1729 in seinem “Geistlichen Blumengärtlein inniger Seelen“ veröffentlicht. Mit der Melodie von Joachim Neander gehört es für mich zu den schönsten alten Chorälen. Terstegen gehört zu den bedeutendsten evangelischen Mystikern überhaupt. Deshalb hat er viele Gegner gehabt und nur wenige seiner Lieder sind im Gesangbuch übernommen worden.

Evangelische Christen haben jahrelang einseitig Wert auf das Wort gelegt und andere Gedanken sind kaum zum Zug gekommen. Wer das Lied genau liest, dem fällt vermutlich vor allem der Vers fünf auf: „Luft, die alles füllet, drin wir immer schweben, aller Dinge Grund und Leben. Meer ohn Grund und Ende, Wunder aller Wunder: ich senk mich in dich hinunter. Ich in dir, du in mir, lass mich ganz verschwinden, dich nur sehn und finden“.

Terstegen beschreibt als letztes Ziel des Glaubens die Sehnsucht des mystischen Einswerdens mit Gott. Heute gehen auch viele evangelische Christen zu ignatianischen Exerzitien, üben das sog. Herzensgebet und üben in der Stille das „Hören auf Gott“. Ich bin darüber sehr froh. Mir selbst liegt die Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes sehr nahe und ich fühle mich wohl, wenn biblische Sprüche und Gedanken mein geistliches Leben bereichern. Aber das ist oft „kopflastig“. Gerhard Terstegen hilft mir, immer wieder zu sehen, dass das Wort der Bibel mich ganzheitlich betrifft.

Vor allem hilft mir dieses Lied auch daran festzuhalten, dass auch in Krisenzeiten die Gegenwart Gottes größer ist als alle Angst. Und wenn jemand in mystischer Versenkung diese Gegenwart Gottes in besonderer Art und Weise für sich spürt, finde ich das sehr gut. Gott hat viele Wege, Menschen anzusprechen. Und bei diesem Lied von Gerhard Terstegen wird der Abstand von Gott als personales Gegenüber zum Menschen ja nicht aufgehoben. Paulus sagt in seiner Areopagrede in Athen: „…fürwahr, er (Gott) ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir“ (Apostelgeschichte 17, 27b – 28a).

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