Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 174 vom 05.09.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Gut oder Böse?

„Einer für einen – alle für einen“. Das war der Leitsatz der drei Musketiere. Ich habe davon gestern geschrieben. So schön dieser Satz klingt und auch richtig ist. Als Erwachsener habe ich mich vor allem als Pfarrer in Alerheim von 1988 – 1996 ein bisschen mehr mit dem 30-jährigen Krieg befasst. Irgendwie hat mir die Rolle von Kardinal Richelieu als der böse Schurke nicht gefallen. Die Rollen sind in diesem Film zu klar und eindeutig verteilt und ich wollte die geschichtlichen Ereignisse hinter diesen Film näher anschauen.

Kardinal Richelieu war Premierminister mitten in diesen grausamen Krieg des 17. Jahrhunderts. Weil der damalige französische König Ludwig XIII. wohl ein eher schwacher Regent war, musste sich Richelieu um die Stärkung der Zentralmacht kümmern. Diese lag im politischen Kampf mit den Habsburgern und damit mit dem „Heiligen Römischen Reich deutscher Nation“. Die Fehde zwischen Frankreich und Deutschland reicht also weit zurück. Der Kardinal war ein kluger Staatsmann und sehr guter Stratege. Als die Schweden die Schlacht bei Nördlingen am 5./6. September 1634 verloren hatten, erkannte Richelieu die Gefahr für sein Land. Als katholischer Kardinal schickt er militärische Truppen gegen den Papst und den katholisch geprägten Habsburgern.

Spätestens an dieser Stelle wird sichtbar, dass selbst der 30-jährige Krieg kein „Konfessionskrieg“ oder „Glaubenskrieg“ war. Allerdings wird die Religion oft missbraucht, um Emotionen und Ängste zu schüren (siehe mein Update 141 vom 03.08.2020). Kardinal Richelieu war also keinesfalls der Böse, wie er im Film „Die drei Musketiere“ hingestellt wird. Er hat seine Verantwortung als Ministerpräsident wahrgenommen und klug politisch gehandelt. Er war auch nicht der finstere Gegenspieler des Königs. Das erkenne ich auch daran, dass er von König Ludwig XIII. eine eigene militärische Leibwache erhalten hat. Natürlich hat er politische Gegenspieler ausgeschaltet. Er hat die Hugenotten bekämpft, die in Frankreich zu der Zeit einen Art „Staat im Staate“ hatten.

Diese Seite von Kardinal Richelieu will ich nicht leugnen. Auf der anderen Seite ist es diesem katholischen Staatsmann zu verdanken, dass nicht ganz Europa und vor allem auch nicht ganz Deutschland wieder rekatholisiert wurde. Vielleicht denken Sie daran, wenn der Film „Die drei Musketiere“ wieder einmal im Fernsehen läuft. Und wie bin ich auf diese Impulse gekommen? Am 09.09.1585 und damit fast genau heute vor 435 Jahren ist dieser Staatsmann geboren und hat in diesem Jahr ein Jubiläumsjahr. War er gut? War er böse?

Und warum denke ich jetzt an Bil Gates? Vor fünf Jahren hat er eine große Stiftung gegründet. Sein Ziel ist es, dass vor allem Kinder in ärmeren Ländern durch Impfungen geholfen werden soll, damit sie keine Krankheiten bekommen sollen, die für sie lebensgefährlich sind. Jetzt wurde er für viele zum großen Feindbild. Die Coronaepidemie ist nur ein Fake, damit seine Sichtweise der Welt sich durchsetzen kann. Mit dem Forschen nach einem Impfstoff gegen den Virus hat er die Möglichkeit, diese Welt „zu erobern“ und eine Art Weltmacht zu installieren. Ich habe diese Ansicht auch von einigen Christen gehört. Es wird auf das Interview mit ihm in der Tagesschau im April dieses Jahres verwiesen. Ich habe es mir angehört. Diese Behauptung über ihn finde ich darin nicht bestätigt. Ist er gut? Ist er böse. Auch hier gilt vermutlich das Wort von Jesus aus dem Matthäusevangelium: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“ (Mt 7, 1).

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