Wenn Corona will, steht (noch mehr) still, Update 234 vom 04.11.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Aller Anfang ist (nicht) schwer

Vor vier Tagen habe ich davon geschrieben, welches Reformationsfest für mich das Wichtigste war: die Geburt meiner ersten Tochter. 1984 erlebte ich ein weiteres besonders Reformationsfest am 04.11.1984 und damit genau heute vor 36 Jahren. Mit meinen 26 Jahren wurde ich im Dekanat Lohr am Main in der Pfarrer Weißenbach-Detter-Heiligkreuz als Pfarrer z. A. (zur Anstellung) eingeführt.

Ein paar Monate vorher saßen die Pfarramtskandidaten/-innen im Predigerseminar in Neuendettelsau. Der Leiter und spätere Regionalbischof von Regensburg, Gottfried Preißer hat das ganz spannend gemacht. Er hat jeden Einzelnen mit Namen genannt. Dann hat er ein paar Worte von Vorzügen und Gaben von ihm/ihr genannt. Und erst danach hat er verlesen, auf welche Pfarrstelle er/sie kam. Ich war ungefähr in der Mitte dran. Er nannte den Ort und ich hatte keine Ahnung, wo der liegen könnte. Die Rhön hatte mir bis dorthin nichts gesagt. Dann kam ein paar Tage später der Blick in das Amtsblatt und ich erfuhr die ersten Neuigkeiten aufgrund der Ausschreibung. Schon ein Jahr war diese alt und niemand hatte sich darauf gemeldet. Die drei Kirchengemeinden suchten einen musikalischen Pfarrer, der gerne auf einer Dorfpfarrstelle wirken wollte. Vermutlich haben diese beiden Wünsche den Ausschlag des Landeskirchenamtes für mich gegeben. Gottfried Preißer sagte noch: „Die Meisten von Ihnen kommen auf sehr schwierige Pfarrstellen“. Ich war auch darunter.

Seit etwa sieben Jahre war diese Pfarrstelle nicht richtig besetzt. Ich war wirklich gespannt, ob und wie die Menschen mich aufnehmen würden. Dazu kam mein junges Alter. Fast alle Mitglieder in den drei Kirchenvorständen waren sehr viel älter als ich. Ich wurde am Anfang genau angeschaut und mit Vorsicht betrachtet. Schließlich brachte ich ganz andere Impulse ein als meine Vorgänger. Aber im Nachhinein sage ich immer wieder: „Die Anfangszeit war ein sehr hartes Brot. Es war aber auch meine erste Liebe“. Dass ich nach meiner Zeit als Pfarramtskandidat die Pfarrstelle nach vier Jahren verlassen habe, hatte rein persönliche Gründe. Mein Lehrvikar wurde inzwischen Dekan und hat mich für sein Dekanat geworben mit einer Pfarrstelle mit ganz anderen Perspektiven. Nach sehr langem Hin und Her habe ich mich zum Wechseln entschlossen.

Noch heute habe ich sehr gute Beziehungen nach Weißenbach-Detter-Heiligkreuz, auch wenn diese vor allem telefonisch getätigt werden. Im Nachhinein denke ich sehr gerne an die Menschen dort zurück. Und heute nach 36 Jahren sind einige Konfirmanden/-innen aktive Gemeindemitglieder und bringen sich z.B. im Kirchenvorstand ein. Ich erkenne daraus: Es ist nicht alles umsonst an Impulsen, die ich weitergegeben habe. Und das soll alle Menschen in verantwortlichen Positionen stärken, die nicht immer sofort ein fruchtbares Ergebnis sehen.

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