Wenn Corona will, steht (noch mehr) still, Update 264 vom 04.12.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Zu neuem Leben aufblühn

Herr Metzger, ich schlage vor, wir machen einen Familiengottesdienst zum Nikolaus. Schließlich ist zwei Tage vorher der Nikolaustag“. Das war eine sehr gute Idee vom Mitarbeiter für den Familiengottesdienst am 2. Advent 2019. Aber ich habe ein wenig vorausgedacht und ihm – nichtwissend um die kommende Coronakrise – vorgeschlagen: „Das machen wir dann im nächsten Jahr. Da fällt der Nikolaustag auf den Sonntag. Wie wäre es denn mit einer anderen Heiligengeschichte, z.B. dem Barbaratag“.

Ich hatte eine kleine Ahnung von den „Barbarazweigen“, die dann genau zu Weihnachten aufblühen sollen. Aber ich wusste nicht viel von dieser Heiligen. „Gut, mache ich. Aber da muss ich mir wohl überlegen, wie ich das den Kindern übermitteln soll. Die Geschichte von der Hl. Barbara ist sehr dramatisch“. „Das schaffen sie schon. Sie können doch so gut erzählen“. Meine Antwort hat ihn ermutigt, dies zu versuchen. Er hat es sehr gut hingebracht. Und ich habe mich zum ersten Mal mit dieser besonderen Heiligen auseinandergesetzt.

Es ist eine Lebensgeschichte voller Krisen ohne Happy End. Barbara lebte im 3. Jahrhundert in Nikomedien (Kleinasien). Als junge Frau hat sie alle Verehrer zurückgewiesen und besuchte eine Gruppe junger Christen, die sich trotz der Christenverfolgung durch den Kaiser heimlich trafen. Sie selbst wurde Christin. Ihr Vater Dioscuros gefiel das gar nicht. Er sperrte sie in einen eigens dafür gebauten Turm ein. Der Vater peinigte sie um sie umzustimmen. Aber weil Barbara am Glauben an Jesus festhielt, beschloss der Vater sie umzubringen. Dioscuros brachte seine Tochter zum römischen Statthalter und sie wurde zum Tod verurteilt. Die Legende erzählt, dass ihr kurz vor ihrem Tod ein Engel erschienen ist, der sie in ein schneeweißes leuchtendes Gewand hüllte. Angeblich hat der Vater selbst die eigene Tochter enthauptet und wurde kurz darauf vom Blitz erschlagen.

Egal, was historisch oder legendhaft erzählt wird, Barbara ist ein Beispiel für die grausame Christenverfolgung kurz nach 300 n. Chr. Und ich kann sehr gut verstehen, dass Christen die Toleranz von Kaiser Konstantin (313 n. Chr.) regelrecht „herbeigesehnt“ haben und dieser Kaiser so verehrt worden ist. Das Brauchtum will es, dass am heutigen Barbaratag Zweige ins Wasser gestellt werden. Wenn sie am Weihnachtsfest aufblühen, dann wird das als gutes Zeichen für die Zukunft gewertet. Sie sollen auch den Glanz verdeutlichen, den die Geburt von Jesus als Erlöser gebracht hat. Erzählt wird, dass Barbara einen verdorrten Kirschbaumzweig mit Tropfen aus ihrem Trinknapf benetzt hat. Sie fand Trost darin, dass der Zweig in der Zelle blühte und sie sagte: „Du schienst tot, aber bist aufgeblüht zu schönem Leben. So wird es auch mit meinem Tod sein. Ich werde zu neuem, ewigen Lebens aufblühn“. Solch eine Zuversicht auf Gott mitten in der Lebenskrise ermutigt auch mich in den gegenwärtigen Zeiten.

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