Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 281 vom 21.12.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Ungläubig oder doch nur voller Fragen?

Es ist nicht das erste Mal, dass der Jünger Thomas bei diesen Updates erwähnt wird. Er spielt in Altensittenbach eine große Rolle, weil die Kirche nach ihm benannt wird. Dabei kommt er in der Bibel relativ schlecht weg. Schon Kinder der 4. Klasse sprechen vom „ungläubigen“ Thomas.

Das erinnert an die Geschichte, die „nur“ beim Evangelisten Johannes im 20. Kapitel erzählt wird. Jesus ist seinen Jüngern nach der Auferstehung mehrmals erschienen. Bei der ersten Begegnung war aber der Jünger Thomas nicht unter ihnen. Die anderen erzählten danach natürlich begeistert die Begegnung mit dem Auferstandenen. Jesus hatte ihnen den Friedensgruß zugesprochen. „Friede sei mit euch. Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nehmet hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten“ (V. 21 – 23). Thomas staunte ungläubig und konnte diese Geschichte nicht glauben. „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger n die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich es nicht glauben“ (V. 25).

Nach acht Tagen waren die Jünger – diesmal mit Thomas – wieder zusammen und Jesus tritt bei verschlossener Tür mitten unter sie. Nach dem Friedensgruß geht er auf Thomas zu und bittet ihn, seine Hand in die Seite von ihm zu legen. „Sei nicht ungläubig, sondern gläubig“ (V. 27b) spricht Jesus zu ihm. Diese Aufforderung von Jesus führt zu dieser Bezeichnung vom „ungläubigen“ Thomas.

Interessant ist, dass Thomas sofort bekennt: „Mein Herr und mein Gott“ (V. 28). Nirgends wird in der Bibel erwähnt, dass er dieser Aufforderung von Jesus Folge geleistet und seine Hand in die Wundmale an der Seite gelegt hat. Er hat sein Bekenntnis also allein durch die Gegenwart des Auferstandenen abgelegt. War er ungläubig im herkömmlichen Sinn? Doch wohl nicht!! Er hat es nur genau wissen wollen. Er wollte sich nicht mit „frommen Sprüchen und Erlebnissen“ abspeisen lassen. Er wollte sehen, erleben, hören, fühlen, erkennen.

Finde ich gut! Auch mir ist es wichtig, dass Menschen diesen Auferstandenen selbst konkret erleben in ihrem Leben. Sie sollen nicht nachplappern, was andere sagen. Sie sollen selbst Erfahrungen mit Jesus machen und spüren, dass dieser Jesus als der Lebendige auch noch heute wirkt. Aus diesem Grunde spreche ich lieber vom „fragenden“ Thomas, der die Wahrheit wissen will und konkrete Erfahrungen mit Jesus sucht.

Thomas hat diese innere Begeisterung für Jesus so gelebt, dass er später vermutlich über den Irak und dem Iran bis nach Indien gekommen ist. Dort soll er als Märtyrer gestorben sein und seine Grabstätte liegt in Mylapore in Südindien. Über dem Grab steht die St. Thomas Basilica. Am 21.12. feiern evangelische Christen seinen Gedenktag. Die Kirche in Altensittenbach ist nach ihm benannt. Und das gibt mir den Impuls, darüber morgen zu schreiben.

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Ein Gedanke zu „Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 281 vom 21.12.2020

  1. Erich Söhnlein

    Lieber Gerhard,
    die letzten, die nach Indien gekommen sind, um dort plötzlich Christen vorzufinden, mit den sie überhaupt nicht gerechnet hatten, waren die Portugiesen (ziemlich zur gleichen Zeit, als Brasilien „entdeckt“ wurde um 1500 rum). Ich stelle mir da die Gesichter der Seefahrer vor, die mit Jesuiten-Padres an Bord, bereit mit Bibel und Schwert zur Zwangschristianisierung, merken, dass da schon jemand schon vorher da war. Und der Glaube, den sie vorfanden, war genauso an Jesus, den gekreuzigten und auferstandenen. Thomas hat genauso wie Paulus, den Jesus gepredigt, den er selbst kannte.
    Und für mich als jemand, der in der Nachfolge Jesu steht, ist es auch wichtig und wohltuend, dass es nicht nur die Paulinische Linie und die Bibel, so wie sie im 4. Jhd. kanonisiert wurde, sondern auch alternative Missionspfade, die aber genauso auch von Jesus selbst ausgegangen sind. Das festigt im Glauben, das schafft Nachweise. Denn auch ich bin gerne jemand, der „Wunden“ sehen will, der Beweise haben will. Einfach weil es mir bei meiner Argumentation hilft, auf etwas verweisen zu können, das nicht nur aus einer Quelle stammt. So gesehen, hilft Thomas mit seinem Fragen und seiner mutigen Mission in den indischen Raum, unsere Zweifel im Hier und Jetzt zu beantworten.
    Übrigens, jetzt noch eine Vermutung, die ich mal gehört hatte, die ich aber nicht beweisen kann, weil ich in Sachen Buddhismus gar nicht fit bin: Die Mission von Thomas hat in vielen Teilen auch den Fortgang und die Ideen des Buddhismus beeinflusst. Stichwort Nächstenliebe.

    VLG aus Brasilien,
    Erich

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