Wenn Corona will, steht (fast überall) wieder alles still, Update 286 vom 26.12.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Der Stein des Anstoßes

Herr Metzger, ich habe einen Zahn verloren“. Das hat eine Schülerin Monate später zu mir gesagt. Sie war da schon gar nicht mehr in der Grundschule in Altensittenbach. Was war geschehen? Ich hatte in der vierten Klasse die Geschichte von Stephanus erzählt und besprochen. Es lässt sich dann nicht verhindern, dass auch das Ende des ersten Märtyrers genannt und gelesen wurde. In der Regel sind die Schüler/-innen sehr aufmerksam. Vermutlich hatten sie diese Geschichte noch nie gehört.

Wir haben uns ausführlich in die Gedanken und in die Gefühle von Stephanus hinein versetzt. In diesen Unterrichtsstunden kommen wir dann auch auf Verfolgung von Christen in heutiger Zeit zu sprechen. Etwa 200 Millionen Christen sind davon weltweit betroffen. Ihr einziges Vergehen ist, dass sie an Jesus als Christus glauben. Der jährliche Weltverfolgungsindex von „Open Doors“ zeigt das überdeutlich.

Die Schüler/-innen waren so beeindruckt, dass sie in der Pause die Steinigung des Stephanus nachgespielt haben. Ich habe das nicht bemerkt und weiß bis heute nicht, wie sie das genau gemacht haben. Sie haben mir im Nachhinein nur erzählt, dass eine Mitschülerin den Stephanus gespielt hat und mit Steinen beworfen wurde. Offenbar hat ein Stein ihren Mund getroffen und ein Zahn wurde so verletzt, dass er gezogen worden ist. Mittlerweile sind diese Schüler/-innen schon von mir konfirmiert worden. Und mehrmals sind wir auf diese Begebenheit zu sprechen gekommen. Immerhin bin ich wirklich dankbar, dass die Eltern dieses Mädchen sich nicht bei mir beschwert haben. Ich konnte ja nichts dafür und ich hatte auch keine Pausenaufsicht. Ich bin aber froh, dass die „Steinigung des Stephanus“ auf dem Pausenhof in Altensittenbach nicht noch mehr Schaden angerichtet hat.

Aber heute am 26.12., am Gedenktag des Stephanus, fallen mir diese Gedanken natürlich ein. Und ich denke auch daran, wie es möglich war, dass Stephanus damals diese Kraft aufbringen konnte, so stark und fest an Jesus zu glauben: Es war die Kraft des Heiligen Geistes. Stephanus hat einen Blick in die unsichtbare Welt machen können und konnte handeln wie Jesus. Das erkenne ich an den folgenden Worten: „…und sie steinigten Stephanus, der reif den Herrn an und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Er fiel auf die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (Apostelgeschichte 7, 59 – 60).

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