Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 288 vom 28.12.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Verfolgt von Anfang an

Diese Geschichte ist wirklich eigenartig und kaum mit dem Verstand nachzuvollziehen. Wie oft hatte ich mit Menschen darüber auch schon diskutiert. Es ist die Erzählung, die nur im Matthäusevangelium steht: „Die Flucht nach Ägypten“ und „Der Kindermord des Herodes“. Mit dem Verstand ist das auch nicht zu begreifen, dass andere Kinder sterben müssen, nur damit Jesus gerettet wird. Ich kann natürlich viele Argumente bringen, um diesen sog. „Kindermord in Bethlehem“ zu verteidigen wie z.B. „Nur so konnte Jesus seinen Auftrag erfüllen“. Aber ganz ehrlich: Wirklich überzeugend klingt das dann nicht, eher rechtfertigend.

Wichtiger ist es wohl, auf den Textzusammenhang zu schauen. In der Fachsprache wird das „Kontext“ genannt. Und da sehe ich vor allem bei Matthäus, wie oft er Bibelstellen aus dem Alten Testament zitiert. Er will damit aufzeigen, dass das Geschehen um die Geburt von Jesus Erfüllung von vielen alttestamentlichen Weissagungen ist. Er will einen Bogen setzen von der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel zur Geschichte mit Jesus und seinem Leben und Wirken. Er will damit zeigen: Dieser Jesus kommt von Gott und wer an ihn glaubt, der hat das ewige Leben.

Und zum Leben von Jesus selbst gehört von Anfang an auch Verfolgung und leiden dazu. Selbst nach der Geburt wird das schon sichtbar. Das Leben von Jesus ist in Gefahr. Sein Leiden, Sterben und neues Leben gilt vom ersten Tag seiner Geburt. Deshalb gehört zu seinem Auftrag auch die Geschichte vom „Kindermord des Herodes“ dazu, auch wenn es gut überlegt sein sollte, ob und wann ich das Kindern erzählen kann. „In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen“ (Matthäus 2, 18 und 1. Mose 35, 19).

Leider weiß es kaum einer, dass der heutige 28.12. auch liturgisch als „Tag der unschuldigen Kinder“ benannt ist mit eigenen liturgischen Texten und Liedern. Die Kirche hat also von Anfang an die Schwierigkeiten mit diesem Text gesehen und den Kindern von Bethlehem in einer besonderen Art und Weise gedacht. Und grundsätzlich gilt, dass Herodes ein gerissener, aber schlauer König war. Aber davon morgen mehr.

Hanna Hümmer von der Christusbruderschaft Selbitz schreibt: „Göttliches Kind, du bist Mensch geworden, nichts ist dir fremd, nichts ist dir verborgen. Deine Liebe ist größer als alles Elend dieser Welt. Du wirkst hinein in das ärmste Dasein eines Kindes irgendwo in dieser Welt. Du trägst und birgst alle Kinder dieser Erde“.

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