Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 326 vom 04.02.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Sterbebegleitung beginnt

Heute ist der 04.02.2021. Heute vor genau sieben Jahren, am 04.02.2014 lautet der Lehrtext der Herrnhuter Losungen: „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau“ (Galaterbrief 4, 4).

Es ist ein Dienstag. Meine Frau ist in Bamberg und ich gehe meiner Arbeit als Pfarrer in Altensittenbach nach. Im Terminkalender stehen zwei Stunden Schulunterricht, Gespräche mit der Sekretärin und zwei Beerdigungsgespräche. Ich habe diese auf die Mittagsstunden gelegt. Die Beerdigungen sollten am Wochenende sein. Bei den Gesprächen habe ich den Angehörigen mitgeteilt, dass wegen Simon auch noch etwas dazwischenkommen könnte. Aber ich wollte diese Information nur als „Vorsichtsmaßnahme“ weitergeben. Am Abend hatte ich noch einen Elternabend für die Konfirmation in Oberkrumbach geplant.

Ich komme gegen 14.00 Uhr nach Hause und werde von einer Tochter mit den Worten empfangen: „Papa. Es gab einen Anruf aus der Klinik. Die Ärzte können Simon nicht mehr helfen. Er wird das diesmal nicht mehr überleben“. Ich erstarre kurz. Gleichzeitig muss ich meine Gedanken gut sortieren. Was sollte ich jetzt tun? Welche Handlungen sind jetzt dran? Ich rufe den zuständigen Dekan an und erkläre ihm die Situation. Er meinte, ich solle mir die nächsten Tage frei machen und an der Seite von Simon und meiner Frau sein. Er übernehme die Beerdigungen. Ich solle ihm Stichworte sagen und Telefonnummern geben. Neben dem Dienstag abend mit dem Konfirmandeneltern in Oberkrumbach, war das Vorbereitungsgespräch mit den Konfirmandeneltern am Mittwoch in Altensittenbach geplant. Ich rufe jeweils eine Konfirmandenmutter an und bin bis heute dankbar, dass beide sich bereit erklärt haben, den Abend zu leiten. Ich denke noch an die beiden Gottesdienste am darauf folgenden Sonntag in den beiden Kirchengemeinden. Es sollte einen Predigttausch geben. Ich sollte in der Stadtkirche und in der Spitalkirche in Hersbruck predigen. Aber auch das habe ich noch hinbekommen.

Dann hieß es Koffer packen, Gitarre und das Liederheft „Feiert Jesus, I“ mitnehmen. So ausgerüstet kam ich tatsächlich gegen 21.30 Uhr in der Klinik in Bamberg an und habe auf Simon geschaut. Da lag er. Der Mund und die Augen waren zu. Er hat mit einer Maske gut geatmet und die Sauerstoffsättigung war sehr gut. Ich konnte wenig später meine Frau ablösen und am Bett von ihm wachen. Wie würde diese Nacht sein? Ich nahm die Gitarre und habe ihm Lieder vorgespielt und gesungen. In seinem Geist sollte wenigstens das Lob Gottes erklingen.

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