Archiv des Autors: Pfr. Gerhard Metzger

Wenn Corona will, steht (überall wieder) fast alles still, update 278 vom 18.12.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Update 278 in der Coronakrise von Pfr. Gerhard Metzger

Das Evangelium hat Sprengkraft

Übermorgen feiern Christen den 4. Advent. Es ist ein ganz besonderer Sonntag. An diesem letzten Sonntag vor dem Hl. Abend wird als Evangeliumslesung ein Text aus dem Lukasevangelium vorgeschlagen: Lukas 1, 26 – 56. Maria, die Mutter von Jesus rückt in den Mittelpunkt. Ein Engel verkündigt ihr die Schwangerschaft von Jesus. Im weiteren Verlauf wird erzählt, wie Maria ihre Tante Elisabeth trifft, die ebenfalls schwanger mit Johannes ist. Ab Vers 46 steht der sogenannte „Lobgesang der Maria“. Es lohnt sich sehr, diesen Text zu lesen. Er ist hochpolitisch. „Gott übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf…“. Der Text zeigt mir, dass das Evangelium Sprengkraft hat und eine Umkehr von Machtverhältnissen fordert, wenn diese nicht dem Willen Gottes entsprechen.

Ich bin froh und dankbar, dass ich in einer Demokratie lebe und keiner Willkür ausgesetzt bin. Ich bin verunsichert und verärgert, dass leider offenbar auch bei uns, Reiche immer reicher und Arme immer ärmer werden. Die sog. „Mittelschicht“ fällt weg. Hoffentlich kann diese Coronapandemie vielen Politikern dafür die Augen öffnen. In Gesprächen merke ich, dass nicht viele Christen diese fast revolutionäre Botschaft durch den Lobgesang von Maria kennen und erstaunt sind, wenn sie diesen Text lesen. Für mich ist auch erstaunlich, wie diese politische Botschaft eingebettet ist in einem Lobpreis, ganz am Anfang der Geschichte mit Jesus. Weitere zwei solcher Lobpreislieder am Anfang des Weges mit Jesus folgen unmittelbar darauf. Zacharias singt diesen nach der Geburt seines Sohnes. Er findet sich ebenfalls im Evangelium des Lukas im ersten Kapitel in den Versen 67 – 79 und wird „Lobgesang des Zacharias“ genannt.

Im zweiten Kapitel wird die Geschichte von der sogenannten Darstellung Jesu im Tempel erzählt. Die Geschichte findet sich ab Vers 21. Darunter lese ich den sog. „Lobgesang des Simeon“ in den Versen 29 – 32. Schon ganz am Anfang im Leben von Jesus spielte also das Lob Gottes eine sehr große Rolle. Daran will ich denken mitten in einer Krise, in der mir das Lob Gottes immer schwerer fällt.

Wenn Corona will, steht (überall wieder) fast alles still, Update 277 vom 17.12.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

„Herr Metzger, feiern die Juden auch Weihnachten?“ Diese Frage habe ich immer wieder einmal gehört. Tatsächlich gibt es das jüdische Fest „Chanukka“, das durchaus an christliche Bräuche von Weihnachten erinnert. Es ist ein achttägiges Lichterfest und während der gesamten Zeit wird immer eine Kerze mehr angezündet. Die Zusammenhänge zu unserer Adventszeit und dem Anzünden der Adventskerzen sind sichtbar. Geschichtlich hat dieses Fest allerdings nichts mit dem Glauben an Jesus zu tun. Es geht zurück auf ein Geschehen aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert.

Chanukka erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels im Jahr 164 v. Chr. Die Makkabäer beendeten die Herrschaft des Seleukidenreiches über Judäa und führten den traditionellen jüdischen Tempeldienst wieder ein. Vor allem beseitigten sie den Zeus-Altar. Der Glaube sollte wieder ganz auf den Gott Jahwe ausgerichtet sein. Der siebenarmige Leuchter, die Menora, sollte niemals erlöschen. Am Ende des Krieges war nur noch ein Krug geweihtes Öl vorhanden, das gerade mal einen Tag gereicht hätte. Dann aber geschieht ein Wunder: Das Licht brennt acht Tag bis neues geweihtes Öl hergestellt worden war. Daran erinnern die Lichter des Leuchters Chanukka („Weihung, Einweihung“).

Auch wenn der Tempel in Jerusalem durch die Zerstörung im Jahr 70 n. Chr. nicht mehr steht, so erinnert dieses achttägige Fest an ein Wunder, das ich mir jetzt in dieser Coronapandemie auch wünschen würde. In diesem Jahr wird es vom 11.12. bis zum 18.12.2020 gefeiert. Wir befinden uns damit am Ende dieses besonderen jüdischen Festes, das – wie Weihnachten – an ein besonderes Handeln Gottes an seinen Menschen erinnert.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 276 vom 16.12.2020

Tägliche Gedanken in einer schwierigen Zeit, heute von Silvia Dörr

Als ich diesen Film von unserem Dirigenten des Laienorchesters bekam, war ich tief beeindruckt. Schon alleine der Beginn mit dieser unglaublichen Ruhe und in welcher Besonnenheit mit dem Holz verfahren wird.

Ich wohne im Wittgensteiner Land.

Hier hört man in diesem Jahr ständig die Motorsägen und riesige Fahrzeuge transportieren Unmengen von Holz zu Lagerstellen (Die Landschaft verändert sich , bedingt durch den Borkenkäfer, dramatisch).

Martin Schleske habe ich in einem Vortrag und in einem Seminar in einem Kloster persönlich kennen gelernt.

Über diesen Film lernt man ihn etwas kennen. 

Wenn man sein erstes Buch: „Der Klang“ liest, umso mehr.

Der unglaublichste Moment für mich in diesem Film ist das Öffnen der neuen Geige.

Diese hoch präzise Arbeit diese Geige herzustellen und sie ist fertig, man erwartet den Klang, den man in die Geige infiltriert hat und erkennt: „nicht das was ich mir vorgestellt habe.“ Die Geige wieder zu öffnen!

Wenn die Geige eine Seele hat , wie der Titel des Filmes sagt, hat Martin Schleske in ihre Seele hineingeschaut und diese verändert, um einen perfekten Klang zu bekommen .

Seine Arbeit wird belohnt mit dem Klang der neuen Geige, die viele Seelen berühren wird beim Zuhören.

Ich vermisse in diesem Jahr die Zeiten der Konzerte, die Orchesterproben, die bedingt durch Corona nicht möglich waren.

Es kommt mir der Gedanke, wird beim Hören der Musik die Seele berührt (mal mehr mal weniger) aufgrund der Seele eines Instrumentes?

Lassen wir unsere Seele auch öffnen und verändern?

Es wäre schön, wenn sich viele Leser diesen Film  in Ruhe einmal anschauen würden.

Es lohnt sich.

https://www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/die-seele-der-geige-film-mit-frank-peter-zimmermann-100.html

Wenn Corona will, steht (in Bayern) fast alles still, Update 275 vom 15.12.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Der Glasi

Sehr viel wird jetzt von Sterbenden geschrieben. Das liegt daran, dass die Zahl der Toten durch den Coronavirus auch in Deutschland ziemlich in die Höhe geschnellt ist. Daneben gibt es aber auch Nachrichten über Verstorbene, die sehr alt geworden sind und deren Zeit einfach zu Ende gegangen ist.

Dazu gehört für mich die Meldung vom letzten Dienstag. „Oberkirchenrat i. R. Theodor Glaser ist gestorben„. Diese Mail habe ich vom Pressesprecher der bayrischen Landeskirche erhalten. Dieser Mann spielte in meinem Leben eine besondere Rolle. Während meiner Zeit nach dem ersten Examen (Vikariatszeit) und danach war er der Personalreferent des Landeskirche. Das Besondere daran war, dass er einen Menschen einmal gesehen hat und dann Gesicht und Namen immer zuordnen konnte. So merkte er sich weit über tausend Pfarrer/-innen persönlich. Ein Dekan hat einmal zu mir gesagt (und das hat er humorvoll und wertschätzend gemeint): „Was für die DDR die Stasi, ist für die bayrische Landeskirche der Glasi„.

Glasi“ war der Spitzname diese Mannes für uns Pfarrer/-innen. Wenn er auf mich zugegangen ist, hat er mich sofort mit „Herr Metzger“ angesprochen. Das war eine unglaubliche Leistung. Dabei habe ich ihn keine 10-mal im Leben gesehen. Er war bei all seiner Funktion als Personalreferent und Vertreter des Landesbischofs ein bescheidener Mensch geblieben. Ich erinnere mich noch an eine bestimmte Szene beim zweiten Examen. In der mündlichen Prüfung im Fach „Liturgik“ wurde ich vom Prüfer (ein Dekan aus Nürnberg) nach alternativen Gottesdienstmodellen gefragt. Ich nannte einige und am Schluss sagte ich: „Ich weiß nicht, ob sie das auch gut kennen. Aber ich habe Erfahrungen mit charismatischen Gottesdiensten gemacht„. Dabei muss man wissen, dass diese Gottesdienste damals in den 70-er und 80-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sehr häufig in Nürnberg gefeiert wurden. Theodor Glaser saß bei der Prüfung hinten auf einen Stuhl und hörte zu. Danach war ich kaum aus der Tür als er auf mich zu kam und meinte: „Herr Metzger, kann ich sie heute Nachmittag sprechen? Ich will mit Ihnen über die Geistliche Gemeindeerneuerung (GGE) reden. Sie kennen sich anscheinend ganz gut aus„.

Ich staunte und hatte durchaus ein „mulmiges“ Gefühl. Das war aber ohne Grund. Er fragte mich nach einzelnen Personen und wollte wissen, was ich von der GGE grundsätzlich halte. Das gipfelte in den Satz: „Meinen Sie, die Landeskirche muss davor Angst haben oder denken Sie, das ist eine gute Sache?“ Ich war verblüfft! Der Personalreferent und Prüfungsvorsitzende fragt einen Vikar danach, wie die Landeskirche mit der GGE umgehen soll!! Ich habe die GGE gelobt und ihre Stärken herausgestellt. Ich habe ihm klar gemacht, dass jegliche Angst völlig unbegründet ist. Es ist eine wichtige geistliche Erneuerungsbewegung. Die Landeskirche könne froh sein, dass dadurch auch innerhalb der Landeskirche Menschen eine Heimat finden, die diese Spiritualität suchen würden. Und wenn diese Gruppe Raum in der Landeskirche erhält, werden vermutlich auch weniger charismatische Christen in Freikirchen wechseln.

Es war für mich ein angenehmes Gespräch auf Augenhöhe. Er hat mich ernst genommen. Heute freue ich mich, dass Lobpreis, hörendes Gebet, Prophetisches Reden und andere Geistesgaben einen Platz in unserer Landeskirche haben. Und vielleicht hat der unscheinbare Vikar im Gespräch mit dem Personalreferenten im Sommer 1984 einen kleinen Teil dazu beigetragen. Gestern ist dieser aufrechte Mann im Alter von 88 Jahren beerdigt worden.

Wenn Corona will, steht (in Bayern) fast alles still, Update 274 vom 14.12.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Leuchtende

Ich sehe noch die Bilder vor mir. Ich war in der Hauptschule. Im Fernsehen wurden plötzlich Bilder aus Schweden gezeigt von Mädchen, die auf dem Kopf Kerzen trugen. Menschen feiern das Luciafest wurde mir gesagt. Erst später habe ich mich näher damit beschäftigt.

Der gestrige Tag, der 13. Dezember ist der Gedenktag der heiligen Lucia habe ich erfahren. Interessant für mich war auch, dass vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders der 13. Dezember in Schweden der kürzeste Tag des Jahres war. Nirgends wird das Brauchtum zu diesem Fest intensiver gefeiert als in Schweden. Interessant ist die Geschichte dieser Heiligen. Von ihr wird berichtet, dass sie um der freien Hände willen einen Kerzenkranz auf dem Kopf trug, wenn sie andere heimlich mit Lebensmitteln versorgte. Sie wurde zur christlichen Märtyrerin und starb der Überlieferung zufolge 304 n. Chr.an einem Dolchstoß in den Hals. Wie viele andere Christen war sie um 300 n. Chr. (sog. diokletianischen Verfolgung) standhaft in ihrem Glauben an Christus und musste ihr Leben mit etwa 20 Jahren lassen.

Die Bilder vom Brauchtum erinnern mich sehr an unser Weihnachtsfest. Der Name Lucia bedeutet ja auch „Die Leuchtende“. So feiern vor allem die nordeuropäischen Länder gewissermaßen schon neun Tage vor dem Hl. Abend das Weihnachtsfest mit viel Licht. Und das ist genaue das, was vermutlich viele von den Leser/-innen sich jetzt auch wünschen. Denn in diesem Jahr gibt es um das Weihnachtsfest nicht nur viel Licht, sondern leider auch sehr viel Schatten.

Wenn Corona will, steht (in Bayern) fast alles still, Update 272 vom 12.12.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Das Kind in der Grippe liegend

Heute ist der Samstag vor dem dritten Advent. In meinem Terminkalender steht: 10.00 Uhr, Präparandengruppe. Aber die bayrische Regierung hat verfügt, dass sich solche Präsenzgruppen nicht mehr treffen dürfen. Deshalb fällt dieses Treffen aus. Wer meine Updates genau liest und dabei die Überschrift nicht übersieht, der hat gemerkt, dass seit dem 09.12.2020 steht: „Wenn Corona will, steht (in Bayern) fast alles still“.

Und damit nähere ich mich der Überschrift von ganz am Anfang. Heute gehen aber meine Gedanken an den geplanten Inhalt bei der Präparandengruppe. In diesem Jahr haben wir zwei besonders gute Gruppen bei den Konfirmanden und Präparanden. Die meisten Jugendlichen sind sehr aufmerksam und ich wünsche mir, dass alle recht viel für ihr Leben mitbekommen. Vor allem auch: Sie sollen etwas spüren davon, warum Jesus als der Sohn Gottes in die Welt gekommen ist. Am heutigen Samstag hätten wir über die biblischen Geschichten zur Geburt von Jesus geredet. Mit den Konfirmanden ist uns das noch gelungen.

Dabei werden dann u.a. die ersten beiden Kapitel bei Matthäus gelesen und das zweite Kapitel bei Lukas. Vorher wird überlegt, was zum Weihnachtsfest unbedingt dazu gehören sollte. Fast jedes Jahr wird dabei die „Krippe“ erwähnt. Ein/e Jugendliche/r schreibt die einzelnen Antworten auf und immer wieder habe ich dann „Grippe“ gelesen. In diesem Jahr haben wir vor dem Niederschreiben darüber geredet, dass an Weihnachten 2020 „Krippe“ und „Grippe“ keinen Gegensatz darstellen. Denn vom „Grippenvirus“ ist diesmal auch die „Krippe“ von Weihnachten geprägt.

Umso erstaunlicher war die Diskussion darüber, was „wirklich“ zu Weihnachten gehört und was Beiwerk ist, aber dennoch uns in der Advents- und Weihnachtszeit prägt. Es ist erstaunlich, wie ernst und focusiert junge Menschen darüber sprechen können. Ich habe mich darüber gefreut, dass die „Protokollantin“ dann tatsächlich ganz bewusst „Grippe“ auf den Zettel geschrieben hat. Denn das gehört in diesem Jahr wirklich dazu, auch wenn ich darauf sonst verzichten kann und Weihnachten auch ohne Corona hoffentlich im kommenden Jahr gefeiert werden kann. „Und sie (Hirten) kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen“ (Lukas 2, 16).

Wenn Corona will, steht (in Bayern) fast alles still, Update 271 vom 11.12.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Nacht ist vorgedrungen

Als ich die Geschichte von Jochen Klepper das erste Mal in meinem Leben gehört habe, war ich tief betroffen und innerlich gespalten. Wie sollte ich diesen Menschen einordnen? Viele seiner nur 39 Lebensjahre (und damit wurde er genauso alt wie Dietrich Bonhoeffer) waren eine einzige Krise!! Als Pfarrerssohn besuchte er das Evangelisch-Humanistische Gymnasium in der Kreisstadt Glogau. Später studierte er ab 1922 Evangelische Theologie in Erlangen und ein Jahr später in Breslau. Er hatte einen sehr labilen Gesundheitszustand mit Kopfscherzen und Schlafstörungen. Deshalb verzichtete er darauf, Pfarrer zu werden. Er arbeitete ab 1927 als Journalist, Hörfunkautor und Schriftsteller. Mit seiner Familie zog er 1931 nach Berlin und begann im selben Jahr ein Tagebuch zu schreiben.

Es ist die Quelle seines Lebens bis zu seinem Tod. Aus ihm erfahren wir seine inneren Gedankengänge, seine Freuden und seine Ängste. Mit der Machtübernahme der Nazis spitzte sich seine Lebenskrise zu. Er war Mitglied der SPD gewesen und seine Frau Johanna war Jüdin. Er geriet unter Druck durch die Nürnberger Rassegesetze und musste sein persönliches Familienleben mit der Mehrheitsmeinung der Gesellschaft irgendwie in Einklang bringen. Er wendete sich noch mehr seinem Glauben an Gott zu und begann das Tagebuch mit dem Bibelwort der Herrnhuter Losungen.

Er schrieb wohl seine bedeutendste Schrift: der Roman „Der Vater“. Darin beschreibt er den Konflikt zwischen dem preußischen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. und dessen Sohn Friedrich II., dem späteren „Alten Fritz“, der bis heute als Friedrich der Große in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Offenbar war seine Intention, ein Bild eines Königs zu entwerfen, der in allem nach Gott fragt und sich als „ersten Diener im Staat“ begreift.  Er sollte das Gegenbild zum Führerkult des Nationalsozialismus sein.

Sein privater Konflikt, eine 13 Jahr ältere Jüdin geheiratet zu haben, spitzte sich zu. Es nützte auch nichts, dass sich seine Frau am 18.12.1938 hat taufen lassen. Er war kurze Zeit Soldat, wurde aber wegen seiner „nichtarischen Ehe“ im Oktober 1941 aus der Wehrmacht entlassen. Ein Jahr später scheiterte die Ausreise der jüngsten Tochter. Ende des Jahres 1942 musste eine Entscheidung in seinem persönlichen Leben her. Entweder seine Ehe wurde zwangsweise geschieden oder alle kommen ins Gefängnis oder werden in ein KZ deportiert. Nach langem Ringen entschloss sich die Familie zum Freitod. In der Nach vom 10. Auf den 11. Dezember 1942 haben sie sich durch Schlaftabletten gemeinsam das Leben genommen. Der letzte Eintrag in sein Tagebuch gehört zu den berühmtesten neueren persönlichen Überlieferungen von Schriftstellern überhaupt: „Nachmittags die Verhandlung auf dem Sicherheitsdienst. Wir sterben nun – ach, auch das steht bei Gott – Wir gehen heute Nacht gemeinsam in den Tod. Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben“.

Im neuen evangelischen Gesangbuch stehen viele Lieder von ihm. Nicht selten wird „Ja, ich will euch tragen“ (EG 380) vor allem bei Beerdigungen gewünscht. Aber nachdem sein Todestag genau heute vor 78 Jahren war, soll vor allem an sein Adventslied erinnert werden (EG 16): „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern! Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein. Noch manch Nacht wird fallen auf Menschenleid und –schuld. Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte, hält euch kein Dunkel mehr, von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her“.

Wenn Corona will, steht (in Bayern) fast alles still, Update 270 vom 10.12.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Bulle des Papstes brennt

Bei meinem Update 258 vom 28.11.2020 habe ich davon geschrieben, wie der römische Gesandte Aleander Bücher von Martin Luther verbrennen hat lassen. Luther hat den Kampf angenommen und schlägt zurück. Am 10. Dezember 1520 und damit genau heute vor 500 Jahren sind in Wittenberg überall Zettel angeschlagen, in denen die studentische Jugend aufgerufen wird, „sich sogleich gegen neun Uhr des Vormittags an der Kirche zum Heiligen Kreuz außerhalb der Mauern unserer Stadt“ einzufinden, „…denn vielleicht ist nun die Zeit gekommen, zu der der Antichrist offenbar gemacht werden muß“.

Überall erscheinen Trupps studentischer Jugend. Ein Scheiterhaufen wird errichtet. Es tritt eine merkwürdige Stille ein. Dann steckt Johann Agricola den Scheiterhaufen in Brand. Eine Tribüne ist errichtet worden. Es werden die sog. Dekretalen ins Feuer geworfen. Sie fassen das gesamte kanonische Recht der Römischen Kirche zusammen. In ihnen wird alles erklärt, was Gläubige in ihrem Leben beachten sollen. Es regelt die Zinsen, die Ehe, das Eigentum, die Lehnsherrschaft. Es enthält Vorschriften über die Sakramente.

Dieses Verbrennen ist ein Akt, dass dieses römische Recht außer Kraft gesetzt werden soll. Es ist ein Angriff auf die Kirche selbst und damit auf den Papst. Dann hebt Luther eigenhändig die Bannandrohungsbulle hoch und wirft diese ins Feuer. Er ruft mit weithin tragender Stimme dazu: „Weil du den Heiligen des Herrn betrübt hast, deshalb betrübe dich das ewige Feuer“. Dann eine kurze Stille. Danach lauter Jubel aus Hunderten von jungen Kehlen. Die Professoren mit Luther an der Spitze gehen durch das Tor zur Stadt zurück. Der weitere Tag geht wie bei einer Volksbelustigung weiter. Man holt sich einen riesigen Bauernwagen, besetzt ihn mit maskierten Studenten und singt Lieder. Auf dem Wagen steht ein Trompeter. Es geht zum Hof des Gymnasiums. Von überall werden Bücher des Papstes und von katholischen Theologen zusammengetragen und in ein riesiges Fass gestopft. Unter großem Geschrei geht es wieder zurück zum Richtplatz vor den Mauern der Stadt. Der Wagenlenker steigt auf die Tribüne und verliest der immer wieder auflachenden und mit Zurufen nicht kargenden Menge Teile der Bulle. Irgendwann geht dieser aufregende Tag zu Ende. Das Feuer aber brennt noch in die Nacht hinein, denn die Studenten haben Bierfässer herangerollt, um den Tag würdig zu beschließen.

Luther jedenfalls hat den Kampf mitten in der Lebenskrise aufgenommen. Er selbst schreibt darüber. „Ich habe des Papstes Bücher und die Bulle verbrannt, zuerst zitternd und betend, aber jetzt freue ich mich darüber mehr als über irgendeinen anderen Tag meines ganzen Lebens“.

Wenn Corona will, steht (in Bayern) fast alles still, Update 269 vom 09.12.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Wie eine gute Idee missbraucht werden kann

Walle! Walle manche Strecke, dass zum Zwecke, Wasser fließe und mit reichem, vollem Schwalle zu dem Bade sich ergieße“. Wer kennt sie nicht – diese Zeilen aus dem Zauberlehrling von Johann Wolfgang v. Goethe. Ich fiebere richtiggehend mit, wenn ich den Text wieder einmal durchlese. Der alte Hexenmeister hat sich weggegeben und der Lehrling hat sich eigenständig ans Werk gemacht. So geht der Besen los und bringt das Wasser vom Ufer zum Becken. Leider hat der Lehrling das Wort zum Beenden vergessen und der Besen hört nicht auf. „Immer neue Güsse bringt er schnell herein. Ach! Und hundert Flüsse stürzen auf mich ein“. Selbst als der Besenstock geteilt wird, hört es nicht auf. Im Gegenteil! Es wird schlimmer! Jetzt laufen zwei Besenteile und bringen das Wasser herbei, das zur nicht mehr beherrschbaren Flut wird. Im letzten Augenblick kommt der Meister herbei und bringt alles zum Stoppen.

In der achten Klasse der Realschule in Rothenburg o/T habe ich das Gedicht lernen dürfen/müssen. Der Deutschlehrer war ein begeisterter Kenner der Geschichte und fragte: „Welcher Satz ist der Wichtigste in diesem Gedicht?“ Ich spürte, dass er nach geschichtsträchtigen Daten fragte und meldete mich: „Die ich rief die Geister werd ich nun nicht los“ war meine Antwort. Das gab natürlich Rückfragen und eine lange Diskussion in der ganzen Klasse.

Ich habe sofort den Namen „Alfred Nobel“ genannt. Für mich ist dieser Mann der Protagonist schlechthin für diese wichtigste Aussage vom Zauberlehrling. Und das, obwohl Alfred Nobel ein Jahr nach dem Tod des größten deutschen Dichters im Jahr 1833 erst geboren wurde. Aber manche Aussagen überdauern Zeit und Geschichte. Er hat 1866 das sog. „Dynamit“ erfunden. Ihm gelang es, das Nitroglycerin sicher zu entzünden mit der von ihm 1863 entwickelten sog. Initialzündung. Jahrelang experimentierte er damit. Neben seinem Bruder Emil kamen dabei viele Menschen um das Leben. Er wollte aber unbedingt einen handhabungssicheren Sprengstoff entwickeln, weil er davon überzeugt war, dieser würde der Menschheit vor allem in den Bergbaugebieten helfen. Er hatte zwar eine Ahnung davon, dass dieser gleichzeitig für Kriegszwecke verwendet werden könnte. Er konnte aber die große schlimme Wirkungsgeschichte seiner Entdeckung nicht vorausahnen.

Am Ende seines Lebens sah er das Unheilvolle aber kommen. In seinem Testament vom 27.11.1895 führte er fast sein gesamtes Vermögen einer Stiftung zu. Er bestimmte, dass die Zinsen aus dem Fonds jährlich als Preis an diejenigen ausgeteilt werden sollten, „die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben“. Er nannte fünf Gebiete: Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Frieden. Die Gründung der Nobel-Stiftung erfolgte im Jahr 1900 und ein Jahr später, am 10.12.1896 und damit genau morgen vor 124 Jahren ist Alfred Nobel in Sanremo in Italien gestorben.

Mitgiftspende

In der Coronapandemie dürfen Gottesdienste gefeiert werden. Am 2. Advent war in diesem Jahr das Fest des Hl. Nikolaus. Deshalb stand dieser Heilige im Mittelpunkt des Familiengottesdienstes. Hans-Christian und Bernadette gestalteten gemeinsam die Feier. Es konnten sogar Lieder gesungen werden. „Lasst uns froh und munter sein“ konnte natürlich bei diesem Thema nicht fehlen. Hans-Christian Weiß erzählte u.a. zwei Legenden von diesem besonderen Bischof.

Darunter war auch die Geschichte, wie Nikolaus in drei aufeinanderfolgenden Nächten je einen großen Goldklumpen durch das Fenster eines Zimmers warf. So hatte der Vater seiner drei Töchter genug Mitgift zusammen und den Trauungen stand nichts mehr im Wege. Aufgrund dieser Legende wird der Heilige oft mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln dargestellt. In Erinnerung an diese Mitgiftspende stellen Kinder am Vorabend des Nikolaustages ihre geputzten Stiefel vor die Haustüre und hoffen, dass der Nikolaus auch ihnen ein Gabe hinterlässt. Interessant ist, dass der Nikolaustag vor allem in katholisch geprägten Gegenden zu Hause ist. In evangelisch geprägten Gegenden wird eher an den Nussmärtel oder Pelzmärtel erinnert. Dieser kommt am 11.11., weil er den St. Martin erinnert. Der gesamte Gottesdienst wurde wunderbar musikalisch begleitet durch Familie Utz, bei denen auch schon alle vier Kinder eifrig mitgewirkt haben.