Archiv des Autors: Pfr. Gerhard Metzger

Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 90 vom 13.06.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Heute vor genau 55 Jahren, am 13.06.1965 ist der vielleicht bekannteste jüdische Religionsphilosoph Martin Buber gestorben. Wie viele jüdische Gelehrte seiner Zeit hatte er mit den Wirren der Judenverfolgung durch das Nazi-Regime zu kämpfen. Er konnte sich aber rechtzeitig absetzen und so sein Leben und sein Werk retten. Als sein wichtigstes Werk gilt „Ich und Du“. Darin beschreibt er in philosophischen Worten, wie wichtig in dieser Welt die Beziehung der Menschen untereinander und mit Gott ist. Er spricht davon, dass Grundworte nicht Einzelworte sind, sondern Wortpaare. Das eine Grundwort ist Ich-Du, das andere ist das Wortpaar Ich-Es. Erst die Begegnung mit einem menschlichen Gegenüber, dem „Du“ oder mit der dinglichen Welt, dem „Es“ ermöglicht eine Abgrenzung des „Ich“ von seiner Umwelt.

Das klingt ein wenig hochwissenschaftlich. Ich versuche es in einfachen Worten zu erklären. Ein Mensch ist erst Mensch, wenn er in einer wirklichen und intensiven Beziehung zum anderen lebt. Dann kann es zu einem wirklichen Gespräch kommen. Das ist der Ansatz für eine Beziehung des Menschen mit Gott. Buber beschreibt das wörtlich so: „Die verlängerte Linien der Beziehungen schneiden sich im ewigen Du“. Der Mensch wird dadurch sprachfähig und kann in einem Gespräch mit Gott eintreten.

Hoffentlich ist das immer noch nicht zu kompliziert. Aber am Anfang der Coronakrise hatten viele Menschen nur noch über das Telefon oder über das Internet miteinander Kontakt. Viele Menschen sind vereinsamt oder haben sich in eine Scheinwelt zurückgezogen. Ich habe viele Infos erhalten, wie Menschen mit diesen körperlichen Abbruch der Beziehungen leben und „überleben“ können. Das Problem der Beziehungen untereinander ist heutzutage klar erkannt. Martin Bubers Schrift zu dieser Thematik ist aber schon 1923 erschienen, also vor knapp 100 Jahren. Da wurden solche Probleme noch kaum thematisiert. Er war seiner Zeit um mindestens 50 Jahre voraus. Und dass konkrete Treffen stärker meine Beziehungen vertiefen als über irgendwelche technische Geräte, haben jetzt viele Menschen erkannt, auch wenn die digitale Kommunikation durch die gegenwärtige Krise noch mehr gefördert werden wird.

Dem Apostel Paulus war beides immer wichtig. Konkrete Treffen mit den Christen der Gemeinden und Kontakt über Briefe, um seine Gefühle zu benennen und um seine Gedanken weiterzugeben. So hat er die Gemeinden besucht und hat mit ihnen auch mit Briefen Kontakt gehalten. Das wird besonders im Brief an die Philipper deutlich. Immerhin war das die erste Gemeinde, die er in Europa gegründet hat. „Ich bin aber hoch erfreut in dem Herrn; dass ihr wieder eifrig geworden seid, für mich zu sorgen, ihr wart zwar immer darauf bedacht, aber die zeit hat es nicht zugelassen….ihr habt wohl daran getan, dass ihr euch meiner Bedrängnis angenommen habt. Denn ihr Philipper wisst, dass…keine Gemeinde mit mir Gemeinschaft gehabt hat im Geben und Nehmen als ihr allein“ (Philipper 4).

Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 89 vom 12.06.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Morgen wird das Update 90 seit dem 16.03.2020 geschrieben. Eine wirklich lange Zeit. Ein wirkliches Ende ist dennoch noch nicht in Sicht. Wie reagiere ich darauf? Es ist ganz unterschiedlich. Und ich bin immer mal hin- und hergerissen. Es wechseln sich Hoffnung und Bangen in mir ab. Manchmal sehe ich Licht am Tunnel und dann höre ich wieder von der Kanzlerin, dass die Pandemie erst am Anfang steht.

Ich denke bei der Zahl 90 vor allem an Sarah, der Frau von Abraham. Ich habe sie schon einmal im Update 25 erwähnt. Der Name ihres Sohnes Isaak bedeutet: „Sie lachte“. Grund war, dass sie in ihrem hohen Alter noch ein Kind bekommen sollte. Sie war zu der Zeit tatsächlich schon 90 Jahre alt und Abraham war 99. Was viele nicht wissen ist, dass auch Abraham über diese Verheißung gelacht hat. „Da fiel Abraham auf sein Angesicht und lachte und sprach in seinem Herzen: Soll mir mit hundert Jahren ein Kind geboren werden, und soll Sara, neunzig Jahre alt, gebären?“ (1. Mose 17, 17). Beide hatten die Hoffnung auf einen Sohn schon längst aufgegeben und konnten offenbar nur noch mit Humor (und Spott) reagieren. Sarah hatte ja die Magd Hagar dem Abraham gegeben, damit diese ein Kind von ihm bekommen sollte. Das war Ismael.

Aber das Verhältnis von Sarah zu diesem Kind war sehr schwierig. Wer kann es verdenken? An dieser Geschichte lerne ich, gegen den Augenschein zu vertrauen, dass Gott gegen alle Vernunft handeln und wirken kann. Gegen den äußeren Augenschein steht er zu seiner Verheißung. Deshalb sollten wir nicht nachlassen, im Gebet und in der Hoffnung zu vertrauen, dass er zu seinen Verheißungen steht. Daran kann und will ich mich jetzt auch in dieser Coronakrise festhalten. Sarah haben meine Frau und ich auch unser zweites Kind genannt. Die Bedeutung des Namens lautet: „Fürstin“. Und das soll sie für uns und unserer Familie immer sein.

Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 88 vom 11.06.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Situation

Heute müsst ihr alle dabei sein. Ihr erlebt etwas Besonderes“. Diese Ankündigung eines anderen Jungen aus unserem Dorf Habelsee hat mich als 5-jähriger zum Erstaunen gebracht. Was war geschehen? Im Dorf war ein Mann gestorben. Das war nichts Besonderes. Normal war auch, wie die Dorfkinder damit umgegangen sind. Alle Schulkinder sangen im „Beerdigungschor“. Dieser wurde vom Dorflehrer geleitet. Das gehörte zu seinen Pflichten. Aber diese Aufgabe auszuführen war gar nicht so leicht.

Es gab in den 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bei uns noch keine Leichenhalle. Der Tote wurde zu Hause im Wohnzimmer für drei oder vier Tage aufgebahrt. Die Bewohner des Dorfes versammelten sich vor dem Wohnhaus und zogen in einem langen Zug vom Haus direkt Richtung Friedhof zum Grab. Vorneweg die Schulkinder, die in der Regel bekannte Beerdigungschoräle sangen. Die Kinder, die noch nicht in der Schule waren, durften nicht auf das Friedhofsgelände. Warum das so war, wusste keiner. Vermutlich wollten die Erwachsenen Kindern, die noch nicht in die Schule gingen, eine Beerdigung nicht zumuten.

So versteckten wir uns während der Bestattung draußen hinter der Friedhofmauer. Als Grundsatz galt: Die Erwachsenen durften uns nicht sehen!! Also haben wir uns wie Cowboys und Indianer versteckt so als würden die Erwachsenen nicht wissen, dass wir heimlich zuschauen. Aber an diesem Tag sollte ja etwas „Besonderes“ sein. Meine spannungsvolle Erwartung sollte nicht enttäuscht werden. Im Friedhof stand nicht der auch schon mir bekannte evangelische Pfarrer im schwarzen Talar. Es war ein Mann mit weißem Umhang und zwei Kinder mit ebenfalls weißen Umhängen. Ab und zu nahm der Mann ein Art Seil mit einem runden „Etwas“ und schlenkerte dieses in die Luft, so dass sich ein komischer Duft verbreitete. Ich war zuerst verwirrt und sprachlos. Nach einer Weile fragte ich die anderen, wer dieser Mensch sei und ob jemand diesen schon einmal gesehen hat. Die Antwort war: „Das ist ein Marsmensch“. „So sieht also ein Marsmensch aus“ – war mein Gedanke.

Und noch heute denke ich immer wieder an diese Geschichte in meiner Kindheit zurück, wenn ich irgendwas vom Mars höre. Zur Zeit laufen Pläne, dass vielleicht in 30 Jahren Menschen zum Mars fliegen könnten. Und wer weiß, vielleicht sehen sie dann Marsmenschen, die wie katholische Priester aussehen. Immerhin: So habe ich bei der Beerdigung des einzigen katholischen Einwohners von Habelsee zum ersten Mal Ministranten gesehen.

Warum mir gerade heute diese Gedanken gekommen sind? Weil katholische Christen heute den Fronleichnamstag feiern. In dem streng evangelischen Westmittelfranken haben die evangelischen Bauern an diesem Tag gearbeitet. Zu ihrer Ehrenrettung muss aber gesagt werden, dass dieser Festtag für einen Landwirt immer in die arbeitsreiche Zeit Mai/Juni fällt. Aber die Wertschätzung der Eucharistie bzw. der Feier des Hl. Abendmahles können evangelische Christen hier gut von den katholischen Christen lernen.

Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 87 vom 10.06.2020

Tägliche Gedanken in einer schwierigen Zeit, heute von Elena Kropf, Teil 2

Viele Bewohner haben mir erzählt, dass dieses Bild sehr schön geworden ist. Ein Bewohner sagte stolz, dass er den Wasserfall im Hintergrund des Bildes mit gemalt hat. Ein anderer Bewohner, der nicht beim Malen dabei war, fragte mich, ob ich dieses Bild allein gemalt hätte? Ich sagte ihm, dass dieses Bild unter meiner Leitung  mit verschiedenen Bewohnern gemeinsam entstanden ist. Wieder ein anderer Rollstuhlfahrer war tief beeindruckt vom Bild und sagte, dass ihn dieses Bild besonders anspricht und eine tiefe, innere Freude vermittelt. Ich freue mich immer wieder, dass dieses Bild mit den verschiedensten Farben und dem ausdrucksstarken Motiv so vielen Bewohnern inneren Frieden und Freude bringt.

Für mich ist es eine tägliche Ermutigung, wenn sich die von mir betreuten Bewohner kreativ und mit Freude beschäftigen. Ich versuche in meinem täglichen Dienst die anstehenden Aufgaben immer so einfach wie möglich umzusetzen. Für den Beginn des Malens zeichnen wir das Bild in der richtigen Größe mit Bleistift vor. Danach teile ich die Bewohner auf verschiedene Gebiete des zu malenden Bildes auf. So hat jeder Bewohner, der mit malen möchte, seinen eigenen Bildausschnitt, den er oder sie dann individuell gestalten kann. Das heißt, es können mehrere Bewohner an verschiedenen Stellen des Bildes gleichzeitig arbeiten: das ist der Vorteil eines großen Bildformates. Ich wähle dann die Farben für den entsprechenden Bildausschnitt aus und danach malen alle Beteiligten die vorgezeichneten Formen aus. So können sie Gottes Schöpfung in Farbe und Form auf ihre ganz individuelle und persönliche Art und Weise miterleben.

Wenn das gesamte Bild dann am Ende fertig ausgemalt ist, ergänze ich noch die Details. Oft frage ich die Bewohner, ob es schwierig für sie war, dieses Bild zu malen. Hier kommt immer die gleiche Antwort, dass es eben nicht schwierig war.

Ich verbinde mit dem Kreuz Christi Hoffnung, Erlösung, Vergebung und Gottes Liebe.

Eine passende Bibelstelle fand ich im Johannesevangelium Kapitel 3:

„Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh 3,16)  Das Kreuz zeigt mir, dass ich lernen darf, an die vergebende Liebe Gottes zu glauben und damit auf diese Liebe in meinem Leben zu vertrauen! Und diese Liebe ist mit der Person Jesus Christus eng verbunden! Nur ER war es, der unschuldig für uns ans Kreuz gegangen ist. Ich bemühe mich, eine persönliche Beziehung zu Gott durch Gebet, Musik, Meditation aber auch im täglichen Dienst aufzubauen. In solchen Momenten des gegenseitigen Miteinanders kann ich Seine liebevolle Zuwendung und Führung durch Seinen Geist besonders gut spüren. Denn Gott ist kein sichtbarer Mensch, sondern Geist, der mit unseren normalen Sinnen nicht erkannt werden kann. Deshalb hat ER auch zu uns gesagt, dass wir uns IHM nur im Geist und in der Wahrheit nahen können (Joh 4,24). Die Wahrheit steht in Seinem Wort, unserer Bibel. In Wahrheit anbeten und damit IHM nahen, heißt für mich, dass ich mit aufrichtigem Herzen zu IHM gehen kann. Dabei ist Gebet für mich wie ein Dialog, wo ich mit Gott spreche, aber auch ER zu mir spricht. Solche Augenblicke Seiner Gegenwart, wo ER sich mir durch ein Wort, eine Bibelstelle oder einen inneren Impuls offenbart, sind mir besonders wertvoll.

Bezüglich der aktuellen Situation mit dem Coronavirus ist das Bild eine Inspiration für mich, Gott zu gefallen, ein reines Herz zu haben und mich in Seiner Liebe geborgen zu fühlen. Dieses Kreuz ist deshalb auch eine Herausforderung für mich, mein Herz immer wieder zu IHM hin auszurichten und so auch lernen von seelisch belastenden Situationen in meinem Leben loszulassen. Die Bibel nennt dies Reinigung unserer Herzen. Jesus sagte in Seiner berühmten Bergpredigt in Matthäus Kapitel 5: „Glücklich sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen.“ (Mt 5,8)

Abschließend möchte ich festhalten, dass unser Bild vom „Kreuz Christi“ gerade wegen der starken Besuchseinschränkungen im Rahmen der Ausbreitung des Coronavirus unter vielen Bewohnern das Gemeinschaftsgefühl gestärkt hat. So ist dieses Bild auch ein Zeichen für die gegenwärtige Situation von Kontaktverboten und geforderten Abständen geworden. Der Abgrund zwischen den beiden Ufern, über den nur das Kreuz führt, wird zu einem versöhnenden Symbol zwischen einem „Hier“ des Altenheims und einem „Dort“ der Außenwelt, der Angehörigen und der ganzen Familie. Das Kreuz schafft hier eine Verbindung, so empfinden es unsere Bewohner, die durch die Liebe und Treue Gottes ganz nah in unseren Herzen zu spüren ist.

Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 86 vom 09.06.2020

Tägliche Gedanken in einer schwierigen Zeit, heute von Elena Kropf, 1. Teil

Gedanken zum Bild vom „Kreuz Christi“ im Sigmund Faber Haus Hersbruck

Bevor ich zu meinen eigentlichen Gedanken zum Bild vom „Kreuz Christi“ komme möchte ich mich und meine Arbeit kurz vorstellen.

Mein Name ist Elena Callejas Correa und ich arbeite als Betreuungsassistentin im Sigmund Faber Haus Hersbruck. Mit viel Freude kann ich täglich erleben, wie sich der Tagesablauf der Bewohner durch liebevolle Betreuung positiv gestalten lässt. Viele Bewohner haben neben ihren „normalen“ Altersbeschwerden massive Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson, Demenz und Zustand nach Schlaganfall mit verschiedenen körperlichen Lähmungen. Einige von ihnen können nur noch mit dem Rollstuhl bewegt werden. Trotz solcher vielen Herausforderungen in meiner Arbeit arbeite ich sehr gern und versuche ein Stück Miteinander gerade in Coronazeiten für die älteren Menschen zu verwirklichen. Meine Meinung ist, dass eine Arbeit, die man mit Freude und Hingabe tut nur halb so schwer fällt. Erleichtert bin ich, dass wir als Team mit der organisatorischen Leitung gut zusammenarbeiten.  

Nun zu meinen eigentlichen Gedanken und Erlebnissen beim gemeinsamen Malen des Bildes vom „Kreuz Christi“. 

Dieses große Bild (2mx1,50m) soll an das alljährliche Osterfest erinnern, dass wir in dem Gedenken an den Tod aber auch die Auferstehung von Jesus Christus feiern. Dies haben auch die Bewohner oft zum Ausdruck gebracht, indem sie sagten, dass das Bild sie immer wieder an das Leiden Jesu aber auch an die Vergebung unserer Schuld erinnere. Ich bin froh, dass das Kreuz für viele Menschen ein wichtiges Symbol für ihre Erlösung ist! Viele der Bewohner haben eine Leidensgeschichte von Krankheit und Not hinter sich und wissen, dass es sich unter Gottes Trost zufriedener leben lässt. Mein Mann, Dr. Mathias Kropf, hat mir dazu ein wunderbares Wort eines berühmten Mönches (Zisterzienser) beigesteuert: „Das Kreuz ist eine Last von der Art, wie es die Flügel für die Vögel sind. Sie tragen sie aufwärts.“ (Bernhard von Clairvaux 1090 – 1153)

Die beiden entgegen gesetzten Seiten des Bildes sind sehr deutlich zu sehen: einmal die linke, dunkle Seite und zum anderen die rechte, Licht durchflutete Seite. Beide Seiten sind nur durch das Kreuz über einen tiefen und unüberbrückbaren Abgrund verbunden. Beim Betrachten des liegenden Kreuzes über den Abgrund kommt mir eine Bibelstelle in den Sinn, wo Jesus Christus sagt, dass nur ER dieser Weg zu  Gott, dem Vater, ist (Joh 14,6). Das Kreuz ist somit auch ein Symbol für den Weg  von unserem irdischen Sein hinüber zu Gottes Herrlichkeit. Jeder, der will darf diesen Weg über das Kreuz und damit über den trennenden Abgrund hinweg gehen. Gott lädt jeden Menschen dazu ein! Ein einfaches und ehrliches „Ja!“ aus unserem Herzen reicht schon aus. Das hat viel mit kindlichem Vertrauen auf Seine Wege zu tun. Unser himmlischer Vater hilft uns im Leben immer wieder, aus Traurigkeit und Einsamkeit hinaus in Sein Licht zu kommen. Der Liedermacher Manfred Siebald lässt es in einem Lied so erklingen:

„Es geht ohne Gott in die Dunkelheit, aber mit Ihm gehen wir ins Licht. Sind wir ohne Gott, macht die Angst sich breit, aber mit ihm fürchten wir uns nicht.“ 

Wenn ich mich mit den Bewohnern unterhalte, sagen sie oft, dass sie mit dem „Licht“ auf der rechten Seite des Bildes die tägliche Fürsorge Gottes verbinden. Darauf vertrauen sie und dies erbitten sie auch in ihren Gebeten. Mich überrascht, dass unsere Bewohner trotz starker Behinderungen immer wieder zum Malen motiviert sind; eine Frau mit starken Gelenkschmerzen hat trotzdem mit gemalt. Eine andere kranke Bewohnerin, die fast blind ist, hatte auch Interesse am Malen, obwohl sie sich gerade wegen ihrer Behinderung schwer tut. Außerdem haben zwei Bewohnerinnen mit Parkinson ebenso unter erschwerten Umständen mit gemalt. Eine andere Bewohnerin, die nicht mit gemalt hat, ist immer wieder zu mir gekommen und hat gesagt, dass dieses Bild im Andachtsraum ihr besonders gut gefällt und sie immer wieder zur Meditation anregt. Das Kreuz Christi ist dabei für sie nicht nur eine Quelle der Kraft, sondern schenkt außerdem viel Frieden für ihre Seele. Sie sagte dann noch zu mir, dass sie hofft, dass wir gemeinsam noch weitere Bilder malen können.

Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 85 vom 08.06.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Heute haben wir den 08.06.2020. Das ist mitten in den Pfingstferien. Viele haben sich schon an die neuen Lockerungsbeschlüsse der Regierungen gewöhnt. In Gesprächen höre ich die Hoffnung auf Veränderung der Situation. Das Krankensystem hat den Test bestanden und die ganz düsteren Voraussagen sind – Gott sei Dank – nicht eingetroffen.

Auch in meinen Texten spiegeln sich langsam aber sicher zwei Richtungen: Rückblick was in den letzten Wochen war mit all den Befürchtungen – Ausblick nach vorne mit allen Erwartungen. Ich merke das auch dadurch, dass ich wieder schwerer Menschen per Telefon erreiche. Vermutlich fast jede/r Pfarrer/-in hat sich am Beginn des Lockdwons überlegt, wie Präsenz erhalten werden kann. In den ersten beiden Wochen habe ich Büroarbeiten aufgearbeitet. Im Nachhinein frage ich mich, wann ich die bei „normaler“ Arbeit in der Passionszeit hätte tun können. Schließlich fallen in dieser Zeit auch die Vorbereitungen zu den Osterfeierlichkeiten.

Dann kam der 1. April und bei mir stand die Frage an, wie ich Kontakt zu Menschen halten kann. Meine Idee war: Alle Geburtstagskinder von 1 – 100 anzurufen. Gut. Hundertjährige hatte ich nicht. Aber es waren im April 109 und im Mai 124. Insgesamt also 233. Das sind genau 17 % aller Gemeindemitglieder aus Altensittenbach und Oberkrumbach. Ich bin froh und dankbar, dass kein einziger sich überrumpelt gefühlt hat. Die meisten Angerufenen haben sich sehr gefreut. Etwa 10 Personen habe ich mit einer Karte oder per Mail kontaktiert, weil ich keine Telefonnummer hatte.

Zum 31.05.2020 habe ich diese Aktion beendet. Ich selbst stehe wieder in  Vorbereitung vor allem von Gottesdiensten und in den Pfingstferien vertrete ich insgesamt vier Kollegen. Fast bin ich ein wenig traurig, dass die Zeit für die Telefonanrufe nicht mehr da ist. Es war eine schöne Erfahrung für mich, auch mit Leuten zu reden, mit denen ich vorher oft kein einziges Wort gesprochen hatte.

Natürlich hat Jesus nicht ein Telefon im Blick gehabt, als er die Jünger aussandte. Aber ein Wort war mir bei jedem Anruf ganz wichtig: Den Segen Gottes ins Haus zu bringen. Jeder Angerufene sollte hören und merken, wie wichtig er für Gott ist. Jesus hat zu seinen Jüngern gesagt: „Wenn ihr in ein Haus kommt, sprecht zuerst: „Friede sei diesem Haus“. (Lukas 10, 5). Und diesen Segenswunsch an so viele Menschen weiterzugeben, war mir ganz wichtig.

Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 83 vom 06.06.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit (dieser Artikel ist auch erschienen im Landwirtschaftlichen Wochenblatt vom 20.05.20216

Das Einmaleins Gottes

Das war für mich als Schüler der 6. Klasse Hauptschule immer eine besondere Stunde. Die Lehrerin spielt mit uns die sog. Rechenleiter. Immer ein Mädchen kämpfte gegen einen Jungen. Die Pädagogin nannte eine Rechenaufgabe. Wer diese zuerst im Kopf lösen konnte, dessen Mannschaft erhielt einen Punkt. Kopfrechnen war meine Lieblingsbeschäftigung und so blieb ich am Schluss immer übrig und auf der anderen Seite war ein besonders schlaues Mädchen. Mit 11 Jahren hat mich am anderen Geschlecht auch nur das interessiert, dass wir Jungs den Wettkampf gewinnen.

Rechnen und Mathematik ist logisch und dennoch auch irgendwie kompliziert. Vor allem auch dann, wenn es um das Einmaleins Gottes geht. Morgen feiern Christen das Fest Trinitatis. Es wird auch Dreieinigkeitsfest genannt. 1 + 1 + 1 = 1. Wie viele schlaue Vorlesungen hörte ich darüber in meiner Studienzeit, wie viele Diskussionen gab es zu diesem Thema in meiner Tätigkeit als Pfarrer, wie viel Kopfschütteln sah ich bei anderen Menschen, wenn ich versucht habe, das zu erklären?

Es ist auch nicht leicht zu verstehen und ich denke an ein biblisches Wort von Paulus aus dem Römerbrief: „O welch eine Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes“ (cap 11,33). Aber diese Lehre von der Dreieinigkeit Gottes ist auch eine philosophische und theologische Aussage. Dabei ist das vielleicht sogar einfacher zu nehmen als auf dem ersten Blick zu sehen.

Gott ist immer der einzige Gott. Von Anbeginn der Schöpfung – auf seinem Weg mit dem Volk Israel – mit seinem Sohn Jesus Christus – mit Kreuz und Auferstehung! Gott ist und bleibt der Eine. Aber auf verschiedene Art und Weise wird er für uns Menschen sichtbar und greifbar. Gott, der Schöpfer: Er hat diese Welt ins Leben gerufen und schenkt dir Leben auf dieser Erde. Gott, in seinem Sohn Jesus Christus: Wir müssen unsere Sorgen und Probleme, unsere Schuld und inneren Verletzungen nicht alleine und ständig mit uns herumtragen. Er – Jesus – hat sie für uns ans Kreuz geheftet. Gott, mit seinem Heiligen Geist: Er lässt uns nicht allein auf dem Weg des Glaubens. Er schenkt uns seine Kraft, die uns Freude schenkt und uns trägt in schweren Stunden. Er wohnt in uns. „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1. Kor 3, 16).

Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 82 vom 05.06.2020

Tägliche Gedanken in einer schwierigen Zeit, heute von Pfr. Dr. Christian Weitnauer

Rallentando“ soll man manche Passagen auf dem Klavier spielen. „Langsamer werdend“. „Rallentare“ soll man sein Auto in Italien, „verzögern“, wohl meistens: bremsen. Nicht, weil Bremsen so schön ist, nicht, um die Bremsen zu testen, nein, sondern weil eine scharfe Kurve kommt oder ein Stau. Und zur Zeit gilt für vieles im Leben: „Rallentando“: Langsamer! Corona around!

Rallentare“: Nicht gleich zehn Pfund Nudeln und drei mal acht Rollen Klopapier einkaufen, sondern morgen, übermorgen ein Pfund, und Klopapier erst, wenn nur noch drei Rollen daheim sind. Man kann sogar dazulernen und seine Toilettenhygiene nach islamischem Muster weitgehend mit Wasser und mit wenig Papier durchführen. Langsamer kommunizieren und reagieren. Nicht gleich die neuesten Schuldzuweisungen weitererzählen, sondern morgen, vielleicht übermorgen, oder gar nicht. In meiner Schulzeit galt: Wenn ein Schüler dem Chef eine Beschwerde vortragen wollte, sollte er das möglichst nicht am Tag des auslösenden Ereignisses, sondern erst am nächsten Tag tun. Über Nacht waren die ersten Emotionen verraucht und eine sachlichere Darstellung des Problems möglich.

Rallentare“: Weniger, nein, gar nicht treffen sollen wir uns dieser Tage, jedenfalls uns nahekommen. Termine verschieben wir, Feiern, Konfirmationen, Trauungen, Taufen. Schmerzlich, aber offenbar unumgänglich. Vieles muss liegenbleiben, einiges wird gar nicht mehr stattfinden. Gottesdienste, so hat unsere Regierung festgestellt, sind keine zwingend notwendigen Veranstaltungen. Vorbei die Zeiten, als Buß‐ und Bettage von der Regierung angeordnet wurden. Unser Leben ist durcheinander, jedenfalls was unsere Planungen angeht. Unsere Kinder und Enkel*innen brauchen uns deutlich mehr als sonst. Und unsere Eltern, Großeltern und alle, die sich noch mehr in Acht nehmen sollen als wir selbst. Ur‐menschlich, dass wir nun von Gott ein „Accelerando“ erwarten. Schnell machen soll Gott, schneller! Wir sind nicht die Ersten mit solchen Erwartungen. „Eile, Herr, mir zu helfen“, so lesen wir mehrmals in den Psalmen. Urmenschlich dürfen wir sein vor Gott. „Hilfe! Mach schnell, Gott! Sonst geht hier so viel den Bach runter! Pläne zerrinnen und wir sind alle ein bisschen wie im Gefängnis. Und bei nicht ganz wenigen Mitmenschen droht das Geld knapp zu werden.“

Ich wünsche uns, dass wir den cantus firmus unseres Lebens in diesen Tagen nicht überhören, zwischen Rallentando und Accelerando: „Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl“. Geschrieben von Paul Gerhardt in der Nachkriegszeit 1653 (EG 361 Befiehl du deine Wege, Vers 7).

Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 81 vom 04.06.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Gott hat den Mose im hohen Alter in eine neue Berufung gestellt. Mose hatte die Fähigkeit, das zu erkennen, weil er das Zeichen Gottes in Form eines brennenden Dornbusches, der nicht verbrannt ist, bemerkt hat. Diese Geschichte wird den Kindern im Religionsunterricht in der vierten Klasse erzählt. In der Regel sind sie davon fasziniert. Schon das äußere Drumherum ist merkwürdig. Auch dass ein brennender Dornbusch nicht verbrennt, ist mit dem Verstand nicht zu begreifen. Bei Rückfragen dazu sage ich: „Was meinen die anderen dazu?“ Die Antwort lautet fast immer: „Gott kann das schon. Er ist ja Gott. Der Mose sollte dadurch doch aufmerksam werden“.

Ich finde, das ist eine gute Antwort. Spannend wird es, wenn die Antwort von Mose auf seine Berufung von Gott überdacht wird. Mose fragt nach den Namen von Gott? Der Name zeigt etwas vom Charakter des anderen. „Nomen est omen“ sagt dazu der Lateiner. Luther übersetzt die Antwort Gottes mit „Ich werde sein, der ich sein werde“ (2. Mose 3, 15. Im hebräischen Urtext steht nur ein einziges Wort: „JHWH“. Im Hebräischen werden keine Vokale geschrieben. Wir umschreiben diese vier Buchstaben mit „Jahwe“. Die hebräische Schreibweise wird deshalb auch „Tetragramm“ genannt. Luther übersetzt konsequent mit „HERR“, also mit vier Großbuchstaben um der hebräischen Form nahe zu kommen. Bei der Übersetzung mit „Ich werde sein, der ich sein werde“ stehe ich in der Gefahr, das Sein Gottes zu beschreiben. Das ist aber nicht gemeint. Es geht nicht um eine Beschreibung des Seins von Gott. Das Gebot, „sich kein Bildnis von Gott zu machen“ (2. Mo 20,) ist ganz wichtig. Ich soll mir Gott nicht vorstellen.

Gemeint ist mit Jahwe eine Beschreibung der Beziehung. Ich frage die Kinder danach, wie sie den Gottesnamen übersetzen können, damit eine Beziehung ausgedrückt werden kann. Ich bin immer wieder überrascht, wie das gelingt. Sie formulieren als deutsche Übersetzung den Namen „Jahwe“ dann so: „Ich bin für Dich da“, „Du kannst mir vertrauen“, „Ich lasse Dich nicht allein“, „Ich bin an jedem Ort, wo Du auch bist“, „Du brauchst keine Angst mit mir haben“, „Ich bin dein himmlischer Vater und du bist mein Kind“. Ich finde, dass die Schüler/-innen der vierten Klasse gut den Gottesnamen beschreiben. Zuletzt schlage ich eine Brücke zum Neuen Testament und verweise auf die letzten Worte von Jesus an seine Jünger im Matthäusevangelium. An dieser bekannten Stelle hat Jesus den Gottesnamen Jahwe sehr gut mit folgenden Worten übersetzt: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matth. 28, 20b).

Wenn Corona will, steht (noch) vieles still, Update 80 vom 03.06.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Da steht er nun. Auf einem Hirtenstock gebeugt schaut er in die Gruppe der Schafe. Er ist 80 Jahre alt (deshalb beim Update 80) und sein Leben hat er scheinbar hinter sich gebracht. Was hat er noch zu erwarten? Weil alles ruhig ist, kreisen seine Gedanken zu vielen Lebensstationen zurück. Hat er alles richtig gemacht? Hätte er in bestimmten Situationen anders handeln sollen? Hätte er eine Karriere haben können? Hat er seine Berufung verfehlt? Gut, er konnte eine Familie gründen und Menschen hat er Lebenssicherheit gegeben. War es das schon? In diesem Alter – was sollte noch kommen?

Er schaut auf und stutzt. Irgendetwas ist heute anders. Ja, da vorne blitzt etwas auf. „Habe ich noch nie hier gesehen. Muss ich mir mal näher anschauen“ – so denkt er sich. Weil die Schafe ruhig sind, traut er sich einige Schritte in Richtung dieser Helligkeit zu machen. Er erkennt, dass es sich um ein Feuer handelt. Aber es brennen immer wieder in der Wüste solche Sträuche bei starker Sonneneinstrahlung. Er versinkt wieder in seinen Gedanken und schaut erst nach einer Weile wieder auf. „Das gibt es doch nicht. Das Feuer ist immer noch da“. Sein Interesse wächst.

Er macht etwas, was für einen Hirten nicht sein darf. Er verlässt die Herde und geht auf das Feuer zu. Diese besondere Erscheinung gilt seine ganze Aufmerksamkeit. „Es wird mit der Herde schon nichts sein“ – denkt er noch. Das Feuer brennt und brennt. Als er schon ziemlich nahe getreten ist, hört er eine Stimme und sieht im Feuer einen Engel. Es ist die Stunde zu seiner Berufung. „Mose! Mose! Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land! Ich bin der Gott, deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“.

Der Mann ist Mose. Er erkennt sofort, dass jetzt in diesem Augenblick die Stimme Gottes direkt zu ihm spricht. Deshalb verhüllt er sein Angesicht vor der besonderen Gegenwart Gottes. „Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen…Ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Land in ein gutes und weites Land, in eine Land, darin Milch und Honig fließt…so gehe du nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst“.

Mit 80 Jahren bekommt Mose diesen Auftrag. Er hatte mit seinen Lebenszielen vielleicht schon abgeschlossen. Er hatte sich damit abgefunden, dass er statt einer Laufbahn als Prinz beim ägyptischen König „nur“ ein Hirte geworden war. Aber er hat im entscheidenden Moment die Stimme Gottes gehört und ein Ja gefunden. Und darauf kommt es an, egal wie alt ich bin und welchen Beruf ich gelernt oder ob ich mit Lebenszielen schon abgeschlossen habe. Vielleicht hat Gott immer noch eine neue Berufung für Dich. Und dabei gilt es durchaus eigene Widerstände zu überwinden. Das war auch bei Mose der Fall. Und diese besondere Geschichte ist im 2. Buch Mose im 3. Kapitel sehr schön nachzulesen. Aber dazu mehr beim morgigen Update.