Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 436 vom 25.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Klare Perspektive – voller Erfolg!

Wieder einmal kann ich das mir selbst gegebene Versprechen in der Coronakrise nicht einhalten. Beim Update 393 vom 12.04.2021 bin darauf eingegangen, dass Juri Gagarin genau 60 Jahre vorher als erster Mensch im Weltraum war. Einmal hat er die Erde umrundet und ist sicher auf der Erde gelandet. Die Regierung in Moskau hat gejubelt, die Regierung in Washington war tief traurig. Den Wettlauf im Kalten Krieg schien die UDSSR zu gewinnen.

Aber der Präsident der USA, John F. Kennedy hat sich nicht unterkriegen lassen und hat heute vor genau 60 Jahren, am 25.05.1961 das ehrgeizige Ziel verkündigt, dass Amerika noch in diesem Jahrzehnt eine bemannte Crew zum Mond schicken wird. Vor sechs Wochen war ich der Meinung, dieses Jubiläum nicht mehr in einem Update würdigen zu müssen. Tatsächlich sind aber meine Artikel noch nicht (ganz) zu Ende, auch wenn ich das Ziel genau vor mir sehe.

Was mich an den Worten von Kennedy fasziniert ist, dass er ein klares Ziel mit einer klaren Perspektive genannt hat. Damit gingen alle Anstrengungen in dieselbe Richtung. Das hat einen enormen Innovationsschub ausgelöst nach dem Motto: „Konkurrenz belebt das Geschäft“. Mir wird deutlich, welche Kräfte bei solch einer klaren Ansage ausgelöst werden. Am 20.07.1969 haben sich die Worte des Präsidenten erfüllt. Er war da schon längst nicht mehr am Leben. Er hat selbst nicht mehr erlebt, was er durch Worte vorbereitet hat. Die Impfstoffe gegen das Coronavirus sind in einem einzigartigen Tempo entstanden. Teils wurde zusammengearbeitet, teils war es eine Konkurrenzkampf. Ich hoffe, dass diese enorme Kraftanstrengung für die Menschen auf der Welt zum Guten führt und nicht Spätfolgen dieses Tempos zu merken sein werden.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 435 vom 24.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Der Brunnen

Endlich ist es wieder soweit. Der Brunnen in Oberkrumbach wurde erneuert. Er war im letzten Jahr so beschädigt worden, dass er kaum noch erkennbar war. Bei einem Gottesdienst ist mir aufgefallen, dass er wieder sehr schön saniert worden ist.

In Oberkrumbach markiert dieses „Bauwerk“ den Mittelpunkt des Dorfes. Am Ende des letzten Jahres habe ich das besonders erfahren und auch darüber geschrieben. Denn dort trafen sich die Menschen zu den Gottesdiensten am 3. Advent (Familiengottesdienst), am Hl. Abend und zum Jahresschlussgottesdienst. Die Verantwortlichen überlegen zurzeit, ob das nicht auch Tradition werden könnte. Ich bin gespannt, zu welchem Ergebnis die Einwohner und der Kirchenvorstand gelangen. Aber vielleicht finden in Zukunft an diesem Ort öfters mal Gottesdienste statt. Vor genau 10 Jahren zum 1000-jährigen Fest des Dorfes saßen etwa 250 Menschen auf Bänken um den Brunnen, um mit dem damaligen Regionalbischof Stefan Ark Nitsche dieses Fest gebührend mit Gott zu feiern.

In der Bibel spielt der „Brunnen“ eine sehr große Rolle. Es sprengt den Rahmen, einzelne Bibelstellen aufzuzählen. Soviel hier an dieser Stelle, denn immerhin war der zerstörte Brunnen in der Dorfmitte durchaus auch eine Krisensituation für die Oberkrumbächer mitten in der Coronakrise. Brunnen ist natürlich ein Ort für „Wasser, Quelle, lebendiges Leben“. Es ist auch ein Ort, an dem Gott in besonderer Art und Weise Menschen in Krisensituationen anspricht.

Ich denke an Hagar. Sie wurde von Sarah in die Wüste verstoßen, als diese selbst ein Kind bekam. Aber Gott hat sich ihr angenommen und seine Nähe verheißen. „Und sie nannte den Namen des HERRN, der mit ihr redete: Du bist ein Gott, der mich sieht. Denn sie sprach: Gewiss hat ich hier hinter dem hergesehen; der mich angesehen hat. Darum nannte man den Brunnen „Brunnen des Lebendigen, der mich sieht“ (1. Mose 16, 13 – 14). An einem Brunnen sieht der Knecht von Abraham zum ersten Mal Rebekka und wählt sie aus als Frau für Isaak (1. Mose 24). So ist der Brunnen auch ein Ort der Liebe. In diesem Kapitel wird auch dieses Bild erwähnt, dass Feinde einen Brunnen zuschütten wollen.

„Kein Wasser haben“ bedeutete kraftlos und hilflos zu sein. „Da zog Isaak von dannen und schlug seine Zelte auf im Grunde von Gerar und wohnte da und ließ die Wasserbrunnen wieder aufgraben, die sie zur Zeit Abrahams, seines Vaters, gegraben hatten und die die Philister verstopft hatten nach Abrahams Tod…“ (1. Mose 26, 17 – 18). So ist „Brunnen“ auch ein Synonym dafür, nicht gleich aufzugeben, wenn geistliche Prozesse immer wieder angegriffen werden.

Dafür brauche ich dann aber auch das Wissen, dass bestimmte geistliche Wege auch von Gott sind. Vielleicht am Bekanntestes ist auch die Geschichte aus Johannes 4. Jesus trifft die Samariterin am Jakobsbrunnen in Sychar. Im Gespräch mit der Frau wird deutlich, dass beide zuerst von einem verschiedenen „Wasser“ reden. Jesus meint lebendiges Wasser, die Frau meint reales Wasser zum Trinken. Schließlich weist Jesus die Frau darauf hin, dass die Kraft des Hl. Geistes mit „lebendigen Wasser“ identifiziert werden kann. Dieses 4. Kapitel aus dem Johannesevangelium gibt deshalb grundlegende Aussagen wieder, wie Jesus bei einem Menschen wirken kann und durch die Kraft des Hl. Geistes handelt. Und praktisch jedes Mal, wenn ich an dem Dorfbrunnen in Oberkrumbach vorbeifahre oder vorbeilaufe, habe ich die Worte Jesus aus dem Johannesevangelium im Kopf: „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Johannes 4, 24).

Der Brunnen in der Dorfmitte von Oberkrumbach.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 434 vom 23.05.2021

Tägliche Gedanken in einer schwierigen Zeit, diesmal von Prädikant Alexander Krause:

An einem Montagmorgen Anfang Januar kam ich schon früh ins Büro. Ich war da schon irgendwie geladen. Ich kann nicht mehr genau sagen, warum, aber Sie können sich sicher vorstellen, dass die letzten Monate nicht immer so einfach waren.
Zwei Kolleginnen haben mich dann am Gang begrüßt und sich gewundert, warum ich so früh da war.

Das hat dann das Fass zum Überlaufen gebracht. Ich hatte mich angegriffen gefühlt, fühlte mich in der Not, mich zu rechtfertigen. Was fällt denen eigentlich ein? Ich hab’ schließlich Gleitzeit, kann ich doch selbst entscheiden, wann ich zu arbeiten anfange, und außerdem bin ich der Fachbereichsleiter, was mischen die sich eigentlich ein! WAS GEHT DIE DAS AN?

Und so rauschte ich an den beiden vorbei, stapfte in mein Arbeitszimmer und fing an, zu arbeiten – immernoch sauer.

Nach einiger Zeit – mir lassen solche Situationen dann meistens keine Ruhe mehr – habe ich das Gespräch mit der einen Kollegin gesucht.

Gott sei Dank! Denn, wie sich herausstellte, war das alles ein Missvertständnis. Die beiden hatten mich eigentlich nur fragen, nicht angreifen, nicht kritisieren und sich schon gar nicht einmischen wollen.

Doch bei mir hatte sich irgendwie der ganze Stress der letzten Monate entladen. Und ja, auch etwas Frustration war mit dabei.

Wenn zwei Menschen miteinander kommunizieren, dann ist es Glückssache, wenn sie einander verstehen. Denn jeder Mensch geht mit seiner eigenen Sprache in ein Gespräch.
So bringe ich meinen Charater, mein Temperament, meine Vorgeschichte, so wie ich Sprache als Kind gelernt habe, so wie ich die Sprache verwende, meine Erziehung, so wie ich gerade drauf bin, wer eben auch gerade vor mir steht, worum es geht und so weiter; all das bringe ich mit in das Gespräch.

Aber natürlich nicht nur ich! Sondern auch mein Gegenüber bringt all das mit. Im einen Fall klappt das gut, unser jeweiliges Gepäck ergänzt sich – bzw. behindert sich wenigstens nicht –, wir verstehen die Sprache des anderen und das Gespräch gelingt.

Im andern Fall passt es nicht zusammen. Man kann sich nicht riechen, das Gespräch ist zu Ende ist, bevor es angefangen hat. Wir verstehen einander nicht.

In solchen Begebenheiten zeigt sich die Zerworfenheit des menschlichen Lebens: Die Puzzlestücke im menschlichen Leben passen nicht immer zusammen.

Echte, aufrichtige und wahrhaftige Kommunikation wird schwierig,
wenn sie von Verletzungen,
Minderwertigkeitsgefühlen,
Ängsten
beeinträchtigt wird.

An Pfingsten denken wir daran, dass uns Jesus einen Tröster geschickt hat:

Der Geist von Gott weht wie der Wind
auf Flügeln voller Frieden;
Wie Atem, der uns Leben gibt,
hat er uns Ruh beschieden;
wie Luft, die im Sturme aufersteht,
dass alle Gewalt zu Ende geht,
und kühle Brise weht.

Der Geist von Gott wie Feuer brennt,
wie züngelnder Flammen Gebilde,
das Unrecht verzehrt und den Hass versengt,
wie Glut voll Treu und Milde:
ein Hoffnungsfunke in der Nacht,
ein tröstlich Licht, das über uns wacht,
das Liebe uns gebracht.

Verborgen wirket Gottes Geist
Mit sanften, zarten Händen,
wie Mutter uns die Wege weist,
wo Angst und Trauer enden:
sie gibt uns Mut hindurchzusehn
und aufeinander zuzugehn,
umhüllt uns mit Verstehn.

Susanne Kramer

Amen.


Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 433 vom 22.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit (Dieser Artikel erscheint heute in der HZ als „geistliches Wort“.

Eine Frau, die Mut macht

Ich schlage am 15. Mai, heute vor einer Woche die Nürnberger Nachrichten auf. Eine interessante Meldung war: „Eine Frau, die Mut macht“. Ein Artikel und ein Kommentar befassten sich mit der neuen Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland, Anna-Nicole Heinrich.

Mit gerade einmal 25 Jahren hat sie dieses Amt übernommen. Sie kam ursprünglich aus Thüringen und hatte keinerlei religiöse Erfahrungen im Elternhaus gemacht. Sie erzählt, wie sie durch die Grundschule und mit positiven Erfahrungen in der Kirchengemeinde zum Glauben an Jesus gefunden hat. Der Kommentator, Hans Böller, meint: „Es war deshalb mutig, die 25 Jahre alte Anna-Nicole Heinrich zur Präses zu wählen, eine junge Frau aus einer kirchenfernen Arbeiterfamilie, die den Weg in die Kirche über die Heilsbotschaft fand und jenseits aller strukturellen Debatten den Halt betont, den eine Gemeinschaft der Gläubigen geben kann – vielleicht gerade in einer rasant sich verändernden Welt, in der viele Menschen nach Halt, nach Orientierung suchen. Wenn ihr wollt: Die Kirche ist da für euch, für euch alle, ihr könnt dort finden, was ihr nirgendwo sonst findet…Menschen wie sie findet, wer sich auf die Kirche einlässt, in vielen Gemeinden, an der Basis, im gelebten Glauben…Es gibt gute Gründe, die Kirche zu verlassen. Aber es gibt auch gute Gründe, sie zu mögen“.

Auf derselben Seite findet sich ein Kommentar von Michael Husarek über den Antisemitismus in Deutschland. Nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen im Nahen Osten ist er wieder stark aufgeflammt.

Rechts oben auf derselben Seite 2 findet sich eine wirklich witzige Karikatur von Thomas Plaßmann. Eine Mutter sagt zu ihrem Sohn: „Bald ist Pfingsten! Weißt du, was da gefeiert wird?“ Die Antwort des Sprösslings lautet. „Dass die Außengastronomie wieder öffnet?“.

Ich denke, alle drei Meldungen und Meinungen hängen mit der Frage dieser Woche zusammen: Was bedeutet Pfingsten im Leben der Menschen? Welche Bedeutung hat dieses Fest in unserer Gesellschaft? Es bedeutet, dass das Wirken Gottes diese Welt und meine Person verändert. Die neue Präses wurde von Gott zum Glauben geführt ohne „frommes“ Elternhaus. Andere Menschen haben ihr gezeigt, was Jesus bedeutet. Christen sind geprägt davon, dass Jesus aus dem Volk der Juden stammt und wir ein christlich-jüdisches Erbe haben, das Christen nicht verleugnen sollen.

Pfingsten zeigt mir: Gott verändert durch seinen Heiligen Geist. Das war bei den Jüngern vor fast 2000 Jahren schon so. Sie haben die Angst verloren und haben begeistert von ihren Erfahrungen mit Jesus erzählt. Das war damals wie heute in einem Umfeld, das weniger auf Jesus als eher auf sich selbst geschaut hat. Im zweiten Brief an Timotheus fasst der Apostel das so zusammen: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Timotheus 1, 7). Es ist schön, dass die Nürnberger Nachrichten diese Tatsache auf der ihr eigenen journalistischen Art und Weise würdigen.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 432 vom 21.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Allmachtsphantasien der Menschheit

Vor mir liegt die Hersbrucker Zeitung (Regionalausgabe der Nürnberger Nachrichten) vom 04.02.2021. Auf der Seite 23 lese ich den erstaunlichen Bericht des Virologen Hendrik Streeck. Er denkt in großen historischen Zusammenhängen und sagt: „Manchmal kommt mir die Zeit vor wie die vierte Kränkung der Menschheit. Sigmund Freud hat das formuliert: Die ersten Kränkungen waren, dass der Mensch doch nicht im Mittelpunkt des Universums steht, dass wir irgendwie vom Affen abstammen und dass wir triebgesteuert sind“.

Und dann bringt er diese Sätze von Sigmund Freud in den Zusammenhang der Coronakrise. „Gerade kränkt uns, dass wir als technologisierte Gesellschaft nicht Herr über dieses kleine Virus werden. Die notwendigen Souveränität, damit umzugehen, hätten die Menschen bislang noch nicht erlernt“. Diese Sätze beeindrucken mich und ich denke: „Da war doch was in der Bibel, das ich damit vergleichen kann. Das kommt mir doch irgendwie in einem anderen Zusammenhang bekannt vor“. Ja, natürlich. Es ist die Geschichte vom sog. „Turmbau zu Babylon“. Im 11. Kapitel des ersten Mosebuches ist sie zu finden. Sie gehört wohl zu den bekanntesten Geschichten aus dem Alten Testament.

Sie wird oft zitiert, wenn es um die Sehnsucht des Menschen nah Allmacht geht. „Lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen…“ (V. 4b). Interessant ist die Motivation zu diesem monumentalen Bauwerk. Die Menschen wollen sich damit einen Namen machen. Sie wollen damit prahlen, was ihnen alles gelingen kann. Heute würden wir sagen: Sie wollen zeigen, was die wissenschaftliche Erkenntnisse alles erreichen kann. Dann wird vom HERRN berichtet wie er dieses Vorhaben kommentiert: „…nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! (V. 6b – 7).“

Der Mensch hat Allmachtphantasien und diese Coronakrise zeigt, dass diese oft genug gegen Gott gerichtet sind. Ich sage oft zu dieser Geschichte: Die Menschen bauten sich einen Turm, nicht um zu Gott zu kommen, sondern um an Gott heranzukommen und sich über ihn setzen zu können. Das wird aber nicht gelingen. Und ich würde mich freuen, wenn viele Menschen und besonders Wissenschaftler das auch ohne solch einer Krise erkennen würden, dass Gott immer noch größer ist als jeder menschliche Verstand.

Kein Wunder, dass der Text aus dem 11. Kapitel des ersten Mosebuches im Rahmen des Pfingstfestes als Lesung bzw. als Predigttext zugeordnet ist. Denn bei den Überlegungen zur Kraft des Hl. Geistes geht es immer auch darum, dass ich als Mensch das Handeln Gottes erkenne und anerkenne.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 431 vom 20.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Draußen vor der Tür

Wer kennt nicht dieses Schild: „Wir müssen draußen bleiben“. Meistens ist dieser Hinweis vor einem Geschäft zu sehen und ein Hund ist abgebildet. In der Zeit der Coronapandemie bin ich mir immer mal so vorgekommen: ich muss draußen bleiben. Vor allem im Bereich der Gastronomie und bei verschiedenen Geschäften des Einzelhandels war das der Fall. Ich selbst war mit meiner Frau vor dem 1. Advent 2021 zwei Wochen in Quarantäne. Dann hieß es für uns: „Wir müssen drinnen bleiben“. Das ist aber nur ein andere Ausdruck für denselben Sachverhalt: Menschen müssen draußen bleiben. Denn wer drinnen bleiben muss in Quarantäne, der ist von der Gesellschaft ausgeschlossen. Ich habe von Menschen gehört, die mehrmals in die Quarantäne geschickt wurden. Vor allem bei Schüler/-innen ist das passiert.

„Draußen bleiben zu müssen“. Das hat etwas Hartes an sich. Es bedeutet: Ich gehöre nicht mehr dazu. Ich darf mich nicht am Leben beteiligen. Ich bin isoliert. Ich bin einsam. Das Stück „Draußen vor der Tür“ ist wohl das bekannteste Werk von Wolfgang Borchert, der genau heute vor 100 Jahren, am 20.05.1921 in Hamburg geboren ist. Einen Tag vor der Uraufführung am 21.11.1947 ist er mit gerade einmal 26 Jahren gestorben. Er beschreibt in diesem Stück die Geschichte des Kriegsheimkehrers Beckmann, dem es nach dreijähriger Gefangenschaft nicht gelingt, sich wieder ins Zivilleben einzugliedern. Er bleibt von der Gesellschaft ausgeschlossen und erhält auf seine Fragen keine Antwort.

Ich befürchte, dass es ähnliche Geschichten auch nach der Coronapandemie geben kann und wird. Manche werden neu aufleben und aktiv werden. Andere aber haben solch einen psychischen Knacks erhalten, dass sie damit vielleicht ihr Leben lang leben müssen. Ich hoffe, sie werden lernen, damit umzugehen und mit vielen Gesprächen und Therapie in den Alltag zurückfinden.

Wolfgang Borchert war selbst Opfer des Krieges. Am 23.02.1942 kehrte er von einem Postengang mit einer Schussverletzung zurück. Der linke Mittelfinger musste amputiert werden. Seine Vorgesetzten äußerten den Verdacht der Selbstverstümmelung. Er selbst wurde mit Diphterie in ein Lazarett verlegt. Nach dem Krieg kam er gesundheitlich nicht mehr auf die Beine. Seine Leber war durch andauernde Ernährungsmängel stark geschädigt.

Ich ende mit dem wohl bekanntesten Gedicht dieses Schriftstellers:

Ich möchte Leuchtturm sein in Nacht und Wind – für Dorsch und Stint – für jedes Boot – und bin doch selbst ein Schiff in Not“.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 430 vom 19.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Gott, Du hast mich nicht fallen gelassen

In dieser Coronakrise habe ich viele Gespräche geführt. So mancher hat mir von seinen Ängsten und Befürchtungen erzählt. Es ging dabei nicht nur um gesundheitliches Wohlbefinden, sondern auch um Ängste angesichts der Staatsschulden und einer bevorstehenden Inflation. Einmal hat mich ein ganz persönlicher Brief erreicht, der mich sehr berührt hat und der heute im Mittelpunkt des Updates stehen soll. Er wurde mir schon im April 2020 zugestellt. Irgendwie hat es immer nicht gepasst für diese Seite. Aber nachdem diese Coronakrise noch nicht zu Ende ist, kommt jetzt der Inhalt.

Sehr geehrter Herr Metzger,

…möchte meine Lebenserfahrungen mit unserem Gott, wie schon vor ein Jahr versprochen, aufzeichnen. Lieber Gott, ich war oft am Rand eines Absturzes gestanden und Du hast mich nicht fallen lassen, oder ich wurde von Dir aufgefangen. Einmal bin ich tief gestürzt und wurde wieder wachgerüttelt. Dafür ein herzliches Dankeschön. An meiner Beerdigung wünsche ich ein Lied, mit Begleitung auf der Orgel: „Nun danket alle Gott“. Als Kind musste ich öfters in den Keller um was zu holen. Ich zündete einen Holzspan an, dann hatte ich Licht.

„Lieber Gott, ich war oft am Rand eines Abgrundes gestanden und Du hast mich nicht fallen lassen oder ich wurde von Dir aufgefangen. Einmal bin ich tief gestürzt und ich wurde von Dir zurückgeholt und wach gerüttelt. Dafür ein herzliches Dankeschön.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 429 vom 18.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Leute halt´s zsamm

Vermutlich wäre ich nie an den Ort gekommen, wenn unser Kind Simon nicht diese unheilbare Krankheit gehabt hätte. Aber so war vor allem meine Frau etliche Mal mit ihm im Kinderhospiz in Bad Grönenbach. Dieser Ort liegt ganz nahe an der Autobahn A 7 gleich nach Memmingen. Mitten im Allgäu liegt die Ortschaft in einer wunderbaren Gegend. Ich habe bei meinem gestrigen Update über Sebastian Kneipp schon ein wenig über diesen Marktflecken geschrieben. Das dortige Kinderhospiz St. Nikolaus half den kranken Kindern und ihren Angehörigen, auch mal auszuschnaufen und selbst aufzutanken.

Irgendwann habe ich dann erfahren, dass ganz in der Nähe die Ortschaft Legau liegt. Ich wusste, dass dort Rapunzel Naturkost GmbH entstanden ist und noch heute seinen Hauptsitz hat. Einmal sind wir auch dorthin gefahren und haben von außen den Originalbus besichtigt, mit dem vor fast 50 Jahren Müsli ausgefahren wurde. Heute ist RAPUNZEL ein großer Betrieb. Immer wieder fallen mir Prospekte von diesem Bio-Pionier in die Hände. Neulich habe ich richtiggehend geschmunzelt als ich eine Seite von RAPUNZEL vom Sommer 2020 in der Hand hielt. Dort hieß es: „Leut halt´s zsamm! Will a jeder was Extras ham, nutzt´s blos dem Feind, drum Leut halt´s zsamm“. Darunter wird erklärt, dass dieses Wort auf einem Etikett des Rapunzel Original Müsli von 1977 stand nach einem Inflationsgeldschein aus Altusried von 1920.

Ich war erstaunt, dass sich bestimmte Themen immer wiederholen. Die Angst vor einer gewaltigen Inflation ist ja jetzt nicht unbegründet. Ich hoffe, dass es dazu nicht kommen wird. Und noch mehr hoffe ich, dass der Aufruf von vielen Menschen „befolgt“ wird. Und sollte jemand dieses Wort nicht verstehen, hier noch der Text auf Hochdeutsch wie es auch auf dem Prospekt zu lesen ist: „Leute, haltet zusammen. Wenn jeder nur an sich denkt, trägt das nicht zum Wohl der Gemeinschaft bei. Darum Leute, haltet zusammen!“ Und das gilt erst recht für Christen. „Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig“ (1. Petrus 3,8).

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 428 vom 17.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Vom VW-Bus zum Millionenunternehmen

Bad Grönenbach. Kennen Sie diesen Ort? Wer auf der A 7 in Richtung Füssen und/oder Oberstdorf fährt, der liest diesen Namen gleich nachdem er an Memmingen vorbeigefahren ist. Direkt an der Ausfahrt auf der linken Seite fallen große Hallen mit einem riesigen Betriebsgelände auf. Dort lagert RAPUNZEL ihre Lebensmittel, die dann weitergebracht werden. Wenn ich daran denke, dass diese Firma 1974 entstanden ist, weil ein Ehepaar einen Bauernhof in Pestenacker (Oberbayern) gekauft hat. Ein Startkapital von 3.000,– DM war damals nötig. Heute hat der Betrieb einen jährlichen Umsatz von knapp 200 Millionen Euro. 1985 kam der Umzug in eine ehemalige Molkerei in Legau. Der erste VW-Bus kann noch heute dort besichtigt werden.

Vor zwei Jahren wurde in diesem Ort der berühmte Milchviehstallskandal aufgedeckt. Auf mindestens zwei Milchhöfen wurden untragbare Zustände entdeckt und haben andere Michbauern in Misskredit gebracht, die vorbildlich Milch erzeugen.

Bis 2007 hat mir dieser Ort wenig gesagt und ich bin nicht sehr oft daran vorbeigefahren. Aber dann spielte er bis 2013 für unsere Familie eine sehr große Rolle. Dort wurde das erste Kinderhospiz in Bayern gebaut, das St. Nikolaus-Kinderhospiz. Meine Frau und ich fuhren mit unserem kranken Sohn Simon im Frühjahr 2007 dort hin und bis zum Jahr 2013 haben vor allem meine Frau und Simon dort schöne Tage verbracht.

Ich weiß noch, wie ich beim ersten Mal mit meinem Sohn an der Hand vom Kinderhospiz zum Marktplatz gegangen bin. Ich habe gestaunt, dass überall Bilder von Sebastian Kneipp hingen. Verschiedene Läden sind nach ihm benannt. Diesen berühmten Pfarrer habe ich bis zu diesem Zeitpunkt nur mit Bad Wörishofen in Verbindung gebracht. Ich habe nicht schlecht gestaunt, dass Sebastian Kneipp in Bad Grönenbach eine Anstellung als Knecht hatte. Seinem weitläufigen Verwandten, Kaplan Matthias Merkle hat er es zu verdanken, dass dieser seine besondere Begabung erkannt, ihn in Latein unterrichtet und so auf das Gymnasium vorbereitet hat. Erst mit 27 Jahren begann er 1848 mit dem Studium der Theologie in Dillingen. Er litt vermutlich unter Tuberkulose und entdeckte das Buch „Unterricht von Kraft und Würkung des frischen Wassers in die Leiber der Menschen“ von Johann Siegemund Hahn. Er therapierte sich damit selbst und wurde wieder gesund.

Bei seinem weiteren Studium in München behandelte er heimlich erfolgreich Mitstudenten. Sein Wirken blieb nicht unerkannt und er bekam Probleme mit seinen Vorgesetzten. Schließlich wurde er Geistlicher im Kloster Wörishofen. Er konnte seine Tätigkeit als Priester und Kurheiler dort ausbauen und wurde berühmt. Kneipp sprach sich bei Vorträgen gegen die „moderne, krankmachende Lebensweise“ aus und in Donauwörth wurde der erste Kneipp-Verein gegründet. Papst Leo XIII. gab ihm eine Audienz und ließ sich von ihm behandeln. Er starb am 17. Juni 1897 im Alter von 76 Jahren an einem Tumor im Unterleib. Schon zu Lebzeiten bis heute gibt es Verfechter und Gegner seiner Wassertherapie.

Am Anfang der Coronakrise im März 2020 gab es vor allem auch von Seiten der Befürworter viele Hinweise, wie Menschen mit dem neuen Virus anhand der Behandlungsmethode von Kneipp umgehen können. Heute vor genau 200 Jahren, am 17.05.1821 ist Sebastian Kneipp in Stephansried bei Ottobeuren geboren.

Wenn Corona will, steht (für Genesene und Geimpfte) noch weniger still, Update 427 vom 16.05.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Ein kleines Kind wird zum Vorbild für andere

Gestern habe ich mein Erlebnis in meiner „Krise“ der griechischen Sprachprüfung beschrieben. Seit dem habe ich eine besondere Beziehung zu dieser Wundergeschichte der „Speisung der 5000“ und versuche, es von allen Seiten zu betrachten.

Wichtig ist mir in letzter Zeit eine besondere Person geworden, die scheinbar eine Randfigur ist. In Wirklichkeit ist sie aber entscheidend für den gesamten Ausgang. Dieses Wunder wäre sonst niemals passiert. In Johannes 6, 9 heißt es: „Es ist ein Kind hier, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische, aber was ist das für so viele?“. Ich stelle mir die Situation konkret vor. Von 5000 Männer ist in V. 10 die Rede. Vermutlich waren es mit Frauen und Kindern also noch sehr viel mehr. Sie lagerten sich um Jesus zu hören. Irgendwann aber wurden sie hungrig. Sie hatten nichts zu essen dabei. Anders bei diesem Kind. Es hatte fünf Gerstenbrote und zwei Fische mitgenommen. Es hätte diese Wegzehrung für sich behalten können. Es hätte denken können: „Gott sei Dank habe wenigstens ich vorgesorgt. Dann kann ich mich wenigstens satt essen. Reicht sowieso nicht für alle“. Aber das macht dieses Kind nicht!! Es geht zu den Jüngern und zeigt ihnen den Vorrat. Die Jünger bleiben skeptisch. Aber immerhin sagen sie es Jesus weiter. Jetzt hätte das Kind seinen Essensvorrat zurückfordern oder nicht hergeben können. Aber das Kind vertraut alles den Jüngern an und die fünf Brote und zwei Fische werden zu Jesus gebracht. Dann geschieht das Wunder und alle werden schließlich satt. Am Ende bleiben sogar noch zwölf Körbe mit Brocken übrig. Am Ende liegt das Wunder darin, dass Jesus sozusagen „überreich“ beschenkt. Er gibt mehr als wir brauchen.

Dieses ganze Wunder hängt an der selbstlosen und uneigennützigen Haltung dieses einen Kindes. Ich frage mich: Wo sind diese „Kinder“ jetzt zu sehen und zu bemerken mitten in dieser Coronakrise? Es gibt sie. Vielleicht bemerken Sie in ihrem Bekanntenkreis Menschen, die sich so verhalten oder verhalten haben direkt nach dem Lockdown. Sie haben dann ein gutes Werk getan. Vielleicht haben sie auch mit ihrem Verhalten bewirkt, dass wie in der biblischen Geschichte Wunder passiert sind. Denn auch hier gilt wie bei allen Wundergeschichten: Wunder sind ein Zeichen für das Wirken von Jesus in diese Welt. Durch ein Wunder soll Jesus als Herr erkannt werden. Er will keinen weltlichen Machtanspruch. Er will damit auf die Königsherrschaft Gottes mitten in dieser Welt hinweisen. Deshalb entzieht sich Jesus den Menschen am Ende der Geschichte. Sie wollen ihn zum irdischen „Brotkönig“ machen. Aber das war und ist nicht sein Auftrag, den er von seinem himmlischen Vater erhalten hat.