Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 342 vom 20.02.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Trauer um Luther

Heute ist der 20.02.2021. Heute vor genau 475 Jahren, am 20.02.wird der Trauergottesdienst für Martin Luther in der Kirche in Eisleben unter Leitung von Michael Cölius gefeiert. Danach setzt sich ein gewaltiger Zug um die Mittagszeit in Bewegung. Der Zug scheint endlos. In allen Dörfern, die der Zug berührt, läuten die Glocken und das Volk bildet Spalier zum Zeichen der Trauer. Gegen fünf Uhr des Nachmittages ist die Spitze des Zuges in Halle eingetroffen. Das Gedränge in der Stadt ist groß. Um sieben Uhr erreicht er die Kirche „Unserer lieben Frauen“. Das Gotteshaus ist voll. Sie singen den Psalm „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ mit „kläglichen, gebrochenen Stimmen mehr herausgeweint denn gesungen“. Die Leiche wird in die Sakristei gebracht und von etlichen Bürgern bewacht. Danach zieht der Tross am Morgen weiter und kommt am Montag in Wittenberg an. Das Trauergeleit wird von 65 Reitern angeführt. Hinter dem Leichenwagen sitzt seine Frau Katharina auf einem Wagen.

In der Schlosskirche wird der Sarg so hingestellt, dass er der Kanzel zugewandt ist. Bugenhagen predigt über 1. Thessalonicher 4, 14: „Denn so wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, also wird Gott auch, die da entschlafen sind, durch Jesum mit ihm führen“. Danach predigt Luthers Freund Melanchthon und der Sarg wird in das Grab direkt vor dem Altar hinabgelassen. Es hätte nicht viel gefehlt und das Grab wäre in Zeiten des Schmalkaldischen Krieges kurz darauf geschändet worden. Das war aber nicht der Fall und später wurde Melanchthon neben ihm begraben. Besucher der Schlosskirche zu Wittenberg können heute die beiden Gräber besichtigen und sich dieser beiden besonderen Männer erinnern.

Ich ende mit Worten der Frau von Martin Luther, Katharina Luther. Sie schreibt in einem Brief an ihre Schwägerin: „Wer wollte nicht billig betrübt und bekümmert sein um einen solchen teuren Mann, als mein lieber Herr gewesen ist, der nicht allein einer Stadt oder einem einzigen Land, sondern der ganzen Welt gedient hat. Derhalben ich wahrlich so sehr betrübt bin, daß ich mein großes Herzeleid keinem Menschen sagen kann, und weiß nicht, wie mir zu Sinn und Mut ist. Ich kann weder essen noch trinken, auch nicht schlafen. Und hätt ich ein Fürstentum und Kaisertum gehabt, sollt mir so leid nicht sein, hätt ich´s verloren, wie daß unser lieber Herrgott mir, und nicht allein mir, sondern der ganzen Welt, diesen lieben und teuren Mann genommen hat. Wenn ich daran denk, so kann ich vor Leid und Weinen – wie Gott wohl weiß – weder reden noch schreiben“.

Gott spannt leise seine Fäden – Gedanken zum Buch Ruth

Noch einmal beschäftigten sich die Teilnehmer/-innen von „Neugierig auf mehr-Geheimnis Bibel“ mit dem Buch Ruth im Alten Testament. In den Kapiteln zwei bis vier wird mit zarten Worten berichtet, wie sich Boas und Ruth mit Hilfe von Noomi näher kommen. Noomi inszeniert eine Liebesszene und ermuntert damit Boas, auf Ruth zuzugehen und „das Heft in die Hand zu nehmen“. Bevor es aber zur Hochzeit kommt, wird der andere Löser gefragt, ob er bereit ist, als Löser seinen Verpflichtungen nachzukommen. Der Löser war der Mann, der beim Tod seines Bruders die Witwe zu sich genommen hat und damit eine Versorgung sichergestellt war. Boas stand erst an zweiter Stelle, tritt dann als dieser Löser ein, weil der andere verzichtet hat. Boas kauft den Besitz von Noomi und heiratet Ruth. Beide bekommen den Obed als Sohn. Dieser wird der Vater von Isai, welcher der Vater vom späteren König David ist. Von David ausgehend führt die Linie direkt zu Josef, dem Mann von Maria in der Geburtsgeschichte von Jesus.

Die spannende Frage bleibt: Was wäre gewesen, wenn Ruth nicht mit Noomi nach Bethlehem gegangen wäre? Was wäre gewesen, wenn der erste Löser ein ja gesagt hätte? Was wäre passiert, wenn die Kuppelei von Noomi misslungen wäre? Fragen über Fragen, die sich der menschliche Verstand stellt. Die Geschichte zeigt, dass neben dem Geschehen in der sichtbaren Welt, Gott parallel seine Fäden in der unsichtbaren Welt zieht und die menschlichen Fragen völlig in den Hintergrund treten. Die geheime Botschaft dieser Geschichte ist besonders im dritten Kapitel, Vers 18 ausgedrückt: „Warte nun ab…wo es hinaus will….„. So handelt Gott noch bis heute. Erst im Rückblick sehe ich, warum Gott so und nicht anders handelt.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 341 vom 19.02.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die feste Burg und die gerissene Kupplung

Gestern hat sich der Todestag von Martin Luther gejährt. Vor genau 485 Jahren ist er in Eisleben gestorben. Sein Lied: „Ein feste Burg ist unser Gott“ wurde zum Bekenntnislied der Evangelischen. Es wird fast immer am Reformationsfest gesungen. Das Lied ist eine Vertonung von Psalm 46. Ich habe dazu eine ganz besondere persönliche Geschichte.

Im Sommersemester 1979 an der Augustana- Hochschule in Neuendettelsau wird das homiletische Seminar angeboten. Ich bin zwar erst im vierten Semester, hatte aber sehr viel Lust, schon so bald dieses Seminar zur Predigtlehre zu absolvieren. Die Mitstudenten/-innen waren bis zu drei Jahre älter als ich. Mich hat besonders interessiert, wie der neue Professor für Praktische Theologie, Richard Rieß, dieses Seminar leitet. Außerdem hatte ich als Student schon einige Predigterfahrung, weil die Pfarrer im Dekanat Rothenburg o/T mich mehrmals als Vertretung angefragt hatten.

Es war das erste Seminar dieser Art von Prof. Rieß an der kirchlichen Hochschule. Beim ersten Treffen fragte er gleich danach, wer als Erster sich eine Predigt mit einem Gottesdienst zutraut. Es war üblich, dass diese Seminarpredigten in ganz normalen Gottesdiensten an einem unbekannten Ort an einem Sonntag früh gehalten werden sollten. Niemand meldete sich. Da habe ich meine Hand gehoben und mich dafür bereit erklärt. Mir wurde die Predigt zu Psalm 46 zugeteilt. Ich sollte sie im Dorf Wernsbach b. Ansbach halten.

Um einen Eindruck von der Kirche zu erhalten, bin ich am Tag vor dem Gottesdienst dorthin gefahren und habe mir die Kirche angeschaut. Bei der Rückfahrt auf halbem Weg riss am Auto die Kupplung und ich stand auf der Straße. Es gab noch keine Handys. Ich bin ins nächste Dorf gelaufen, habe bei einer Familie geklingelt und meinen Freund Herrman angerufen. Er kam mit seinem Auto und mit einem Abschleppseil. Er hat mich nach Neuendettelsau in die Werkstatt geschleppt.

Es war schon spät am Abend, als ich Prof. Rieß angerufen habe um ihm den Vorfall zu schildern. Er war ganz bestürzt und fragte mich, ob ich trotz dieser Aufregung den Gottesdienst halten kann. „Ja, kann ich. Kein Problem. Ich wollte sie nur informieren“. Aber er war nicht so leicht zu beruhigen. Immer wieder sagte er mir, dass er hoffe, dass dieses Erlebnis nicht zu sehr meine morgige Gefühlslage bestimmen wird. Ich wiegelte ab und der Gottesdienst ging zu meiner vollsten Zufriedenheit von statten. Auch das Predigtnachgespräch mit den anderen vom Seminar in einer Gastwirtschaft lief sehr gut.

Ich denke mir bis heute: Vermutlich war der Professor nervöser als ich. Schließlich war es auch für ihn die erste Predigtbesprechung anlässlich solch eines Seminares in Neuendettelsau. Und ganz ehrlich: Diese ganze Coronapandemie macht mir mehr Kummer als das gerissene Kupplungsseil am Abend vor meiner Seminarpredigt.

Meine Schwägerin Silvia Dörr spielt das bekannte Lutherlied auf dem Klavier.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 340 vom 18.02.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Wir sind Bettler, das ist wahr

Heute ist der 18.02.2021. Heute vor genau 475 Jahren, am 18.02.1546 ist Martin Luther in seiner Geburtsstadt Eisleben. Er hat eine Mediation nach einem Streit der beiden Mansfelder Grafen gut zu Ende führen können. Noch drei Tag vorher (siehe mein gestriges Update Nr. 339) hat er in einem Brief an seine Frau seine Freude über die baldige Heimkehr zum Ausdruck gebracht.

Aber es sollte anders kommen. Wir kennen die Situation bis in kleinste, weil diese von Justus Jonas und Michael Cölius genau festgehalten worden sind. Am Tag vorher, den 17.02.1546 sollen die Verhandlungsergebnisse protokolliert werden. Luther scherzt mit den Worten: „Ich will heimziehen und mich in den Sarg legen und den Würmern den Leib zu verzehren geben!“. Diese sarkastischen Worte sollten bald Wirklichkeit werden. Abends gegen 8 Uhr geht er in sein Stüblein um zu beten und sich Schlafen zu legen. Seine beiden Söhne Martinus (14 Jahre alt) und Paulus (13 Jahre alt) folgen ihm. Plötzlich ruft Martin: „Mir ist so bange wie zuvor um die Brust!“ Seine beiden Freunde Justus Jonas und Michael Cölius geben ihm „Einhorn“ und reiben ihn mit warmen Tüchern ab. Martin fühlt Besserung. Um 9 Uhr schläft er etwa 90 Minuten. Er wacht auf und die Freunde sitzen immer noch am Bett. Er schläft bis die Uhr eins schlägt. Dann wacht er wieder auf und es friert ihn, obwohl die ganze Nacht das Feuer gebrannt hat. Luther sagt zu Jonas: „Ach, lieber Doktor Jonas, ich achte, ich werde hier zu Eisleben, wo ich geboren und getauft bin, bleiben“. Er legt sich das Bett und klagt, dass ihn die Brust sehr hart drückt. Die Anwesenden fühlen, dass der Atem des Todes durch das Haus weht. Die zwei Ärzte von Eisleben werden geholt, Simon Wild und Dr. Ludwig. Kräuter werden gebracht um ihn zu stärken. Luther aber antwortet: „Lieber Gott, mir ist weh und Angst, ich fahre dahin, ich werde nun wohl zu Eisleben bleiben. Es ist ein kalter Todesschweiß, ich werde meinen Geist aufgeben, denn die Krankheit mehret sich“. Er betet lange und endet mit den Worten: „Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist. Du hast mich erlöst, Gott der Wahrheit“. Die Chronisten schreiben: „Er tat einen tiefen, sanften Atem holen, mit dem er seinen Geist aufgab“.

Als es Tag geworden ist und die Spannung ein wenig nachgelassen hat findet man auf seinem Tisch einen Zettel von seiner Hand, wo er in einigen eilig hingeworfenen lateinischen Notizen die Unfähigkeit beklagt, in der Zeit eines menschlichen Lebens die Heilige Schrift zu begreifen, geschweige denn auszuschöpfen. Und dem fügt er in deutscher Sprache das Bekenntnis hinzu: „Wir sind Bettler, das ist wahr“. Und so gelten diese Worte als die letzten von Martin Luther.

Am 18.02.1996 waren es genau 450 Jahre her, dass Martin Luther gestorben ist. Überall wurden Gedenkgottesdienste gefeiert, weil es noch dazu ein Sonntag war. Ich habe den Gottesdienst damals ausschließlich mit Liedern von Martin Luther gefeiert. Ein besonderes Erlebnis für mich und den anderen Gottesdienstbesuchern.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 339 vom 17.02.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Auf ein Nimmer-Wiedersehen

Heute ist der 17.02.2021. Heute vor genau 475 Jahren, am 17.02.1546 weilt Martin Luther in seiner Geburtsstad Eisleben. Es haben ihn aber keine nostalgischen Gefühle hingetrieben. Im Gegenteil: Er hatte ganz schwierige Wochen hinter sich. Die beiden Mansfelder Grafen, die Herren seines Geburtsortes, sind zerstritten. Nachdem alle Versuche einer Einigung fehlgeschlagen sind, wird Martin Luther wie so oft in seinem Leben als Schiedsrichter angerufen. Heute würde man sagen: Er soll als Mediator fungieren.

Am 23.01.1546 nimmt er Abschied von seiner Frau, von seiner Familie und von seinen Freunden. Er reist von Wittenberg in seinen Geburtsort. Seine Lieben sollten ihn nicht mehr wiedersehen. Am 6. Februar beklagt er sich in einem Brief an Melanchthon über die festgefahrenen Verhandlungen: „Hier sitzen wir und liegen herum, müßig und geschäftig, lieber Philippus: müßig, indem wir nicht fertigbringen, geschäftig, indem wir Unendliches erdulden, da uns die Nichtswürdigkeit Satans übt“. Am 7. Februar schreibt er in einem Brief an seine Frau: „Meiner lieben Hausfrau Katharina Lutherin, Doktorin, Saumärkterin zu Wittenberg, meiner gnädigen Frau zu Händen und Füßen…Ich hatte heute im Sinn, den Wagen zu schmieren in meinem Zorn. Du kannst Dich damit trösten, dass ich Dich gerne lieben hätte, wenn ich könnte, Du weißt ja…“.

Am 10. Februar erzählt er „Der heiligen sorgfältigen Frau, Frau Katharina Lutherin, Doktorin, Zülsdorferin zu Wittenberg“ eine Geschichte, bei der er hätte leicht zu Tod kommen können. In seinem Gemach rieselt seit zwei Tagen über seinen Kopf Kalk und Lehm herab, bis sie Handwerker beauftragen, nach dem Rechten zu sehen. „Die rührten den Stein an mit zwei Fingern, da fiel er herab, so große wie eine langes Kissen und eine große Hand breit. Wir wollten nun gerne sofort los sein und heimfahren, wenn es Gott wollte! Amen. Eure Heiligkeit williger Diener M.L.“.

Aber Luther hält aus. Er bleibt in Eisleben und versucht vermutlich „über seine Kräfte hinaus“ zu schlichten. Endlich ist es am 14. Februar so weit. Der Streit ist geschlichtet. Er tut dies mit folgenden Worten kund: „Am Tag der Scholastica 1546. Meiner freundlichen lieben Hausfrau, Frau Katharina Lutherin von Bora, zu Wittenberg. Gnade und Friede im Herrn! Liebe Käthe, wir hoffen, diese Woche wieder heimzukommen, so Gott will. Gott hat große Gnade hier erzeigt“. Er ist bester Dinge. Er sorgt sich für das Wohl der Seinen und schreibt: „Ich schicke Dir Forellen, welche mir die Gräfin Albrecht geschenkt hat; die ist von Herzen froh über die Einigung“. Die Freude über die Vollendung des schwierigen Werkes der Mediation durchstrahlt den ganzen Brief. Er hat Vorfreude darauf, seine Frau nach der langen Trennung bald wieder zu sehen. Aber es sollte anders kommen.

Meine Schwägerin, Silvia Dörr, spielt auf dem Klavier das bekannte Weihnachtslied von Martin Luther „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Text und Melodie sind vom Reformator.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 338 vom 16.02.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Ein paar Krapfen und das war es dann schon

Heute ist der Faschingsdienstag 2021. Geboren und aufgewachsen in einem tief protestantischen Gebiet, war für uns als Kinder dieser Tag fast ein Tag wie jeder andere. Halt! Es stimmt nicht ganz. Wir haben uns als Kinder vor allem als Cowboys und Indianer verkleidet. In der Regel haben die Cowboys gegen die Indianer beim Kampf immer gewonnen. Irgendwie fühlten wir uns dieser Gruppe näher als den „Rothäuten“. Hoffentlich bekomme ich jetzt keinen Shitstorm, wenn ich diesen Begriff verwende.

Ganz ehrlich! Ich habe mich in dieser Rolle als Cowboy schon vor über 50 Jahren nicht wirklich wohlgefühlt. Ich war auf der einen Seite nicht das abenteuerlustige Kind. Ich habe mich lieber ein wenig im Hintergrund gehalten und zugeschaut. Im Gegensatz zum Sport gehörte ich da nicht zu den Anführern. Auf der anderen Seite kannte ich als Kind natürlich auch die Winnetoufilme. Irgendwann wurde mir der erste Teil dieser Filmreihe als Quartett geschenkt. Noch heute sind mir diese Karten im Kopf, wenn ich wieder einmal Winnetou I schaue. Die Sympathien bei diesen Filmen sind bei mir eindeutig bei den Indianern und ihren „weißen“ Helfern wie Old Shatterhand oder Sam Hawkins.

Das war für mich schon als Kind so. Aber das habe ich mit ungefähr neun Jahren nicht vor den anderen Spielkameraden thematisiert. Dafür war ich zu feige. Anders war es bei einem bestimmten Brauch am Faschingsdienstag. Wir sind als Kinder durch das kleine Dorf gezogen und haben Faschingskrapfen erhalten. Dumm war nur, dass diese auch zu Hause gebacken wurden. Kein Kind hatte wirklich Freude daran, wenn er noch zusätzlich etwa 10 Krapfen erhalten hat. Ich erinnere mich, dass manche Familien ein 50-Pfennig-Stück gegeben haben. Das war uns tatsächlich lieber. Es wanderte in die Spardose, die damals ein wichtiges Utensil war. Denn immerhin gab es dafür so ungefähr 3 % Zinsen. Nach heutigen Maßstäben war das eine Traumzahl.

Das war es dann auch mit dem Faschingsdienstag. Wir sind nirgends zu irgendwelchen Veranstaltungen oder gar Kinderfaschingsnachmittagen hingegangen. Das alles vermisse ich bis heute nicht. Ich bin also eher der typische protestantische „Faschingsmuffel“. Außerdem gab es noch keine Faschingsferien. Am Aschermittwoch ging die Schule nach zwei Tagen Pause wieder an. Und da galt es dann, die Schulvorbereitungen am Abend zu treffen. Und in diesem Jahr bekommen die Schüler/-innen ein klein wenig ein Feeling dafür, wie sich Faschingstage ohne Ferien anfühlen.

Das einzige Faschingsbild, das ich von mir gefunden habe

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 337 vom 15.02.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Das glaube ich jetzt nicht!!

Heute ist der Rosenmontag 2021. Vor genau acht Jahren fiel er am 11.02.2013 fast auf dasselbe Datum wie in diesem Jahr. Mein Frau und ich hatten es uns angewöhnt, am Montag (offiziell der freie Tag des Pfarrers) nach Hersbruck zu gehen und dort in der Pizzeria Zucca Barucca zu Mittag zu essen um den Tag bis zum Heimkommen von Simon gemeinsam zu verbringen. Manchmal waren wir auch in Nürnberg und ein Betreuer war pünktlich um 16.00 Uhr beim Heimkommen von Simon da.

Am Rosenmontag 2013 erlebte ich aber eine für mich große Überraschung. Wir saßen am Tisch und warteten auf das Essen. Am Nachbartisch saß der ehemalige Bürgermeister von Hersbruck, Wolfgang Plattmeier mit einigen Freunden. Offenbar war das am Montag Mittag für ihn Tradition. Plötzlich wendet er sich mir zu und sagt: „Herr Metzger, der Papst ist zurückgetreten“. Ich schaue ihn ungläubig an und meinte: „Das kann nicht sein. Benedikt XVI. hat am Ende der Zeit von Papst Johannes Paul II. als Kardinal Ratzinger gesagt, dass ein Papst nicht zurücktreten wird.

Nur Gott kann einen Papst abberufen“. Das waren seine Worte. Ich habe über diesen Satz, den er in der Osterwoche 2005 gesagt hat, oft nachgedacht. Ich sehe dann die Bilder des kranken und sterbenden Papstes vor mir, der 2005 an Ostern nicht mehr fähig war, den Segen „Urbi et Orbi“ zu sprechen. Und genau dieser Kardinal Ratzinger soll jetzt als Papst Benedikt XVI. zurückgetreten sein? Ich habe das für einen Faschingsscherz gehalten und das auch so gesagt. Aber Wolfgang Plattmeier zeigt mir sein Smartphone und ich lese diese Nachricht.

Ich kann es heute immer noch nicht glauben. „Wir sind Papst“ hatte die BILD am Tag nach der Wahl (19.04.2005) getitelt. Viele Deutsche waren stolz. Er war vor der Wahl auf der sog. „Pool-Position“ und hatte dann tatsächlich gewonnen. Für ihn galt nicht der berühmte Spruch: „Wer als Papst in das Konklave geht, der geht als Kardinal wieder heraus“. Schon damals lag der Argentinier Jorge Mario Kardinal Bergoglio auf dem zweiten Platz. Offenbar riet er aber dann dazu, Ratzinger zu wählen, damit das Konklave zu Ende gehen könnte. Seine Zeit kam dann acht Jahre später. Aber der Rücktritt von Benedikt XVI. ist für mich das nachhaltigste Erlebnis an einem Rosenmontag.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 336 vom 14.02.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

„Großer Gott, wir loben dich“ für das „Bier auf Hawaii“

Viele Updates habe ich jetzt geschrieben vom Sterbeprozess von Simon vor sieben Jahren. Jedes Jahr Anfang Februar werde ich besonders mit diesen Erinnerungen konfrontiert. Aber jetzt soll es dafür erst einmal genug sein.

Stattdessen stelle ich heute ein Rätsel. Was passiert da? Sie laufen einen Berg hoch und hören Musik. Ein schon älterer Mann spielt auf einem Akkordeon „Es gibt kein Bier auf Hawaii, es gibt kein Bier“. Sie laufen weiter auf einer Rundstrecke und kommen nach knapp einer halben Stunde wieder dort an. Der Musiker spielt „Großer Gott, wir loben Dich“. Sie laufen die Rundstrecke noch einmal und hören das Lied: „In München steht ein Hofbräuhaus“ auf dem Instrument. Sie stutzen ein wenig und laufen diese Rundstrecke noch einmal. Es erklingt „Ja, wenn der alte Peter“. Sie laufen zum sechsten und letzten Mal die Rundstrecke und hören das Lied: „Nun danket alle Gott“. Sie zeigen die Hand zum Gruß und der Musiker sieht, dass es ihnen gefällt.

Die Auflösung des Rätsels: Sie befinden sich auf der Nordic-Walking-Strecke am Tiergarten in Nürnberg. Sie walken insgesamt sechs Mal die Runde und waren dann knapp drei Stunden unterwegs bei einem Halbmarathon. So ist es mir im vergangenen September ergangen. Ich habe davon im Update Nr. 182 geschrieben. Dieses heutige Update hat die Nr. 336. Im evangelischen Gesangbuch stehen unter den Nummern um 330 viele solche Loblieder über Gott. Das hat mich zu diesem Update heute angeregt. Ich schmunzle heute noch, wenn ich an diesen Tag denke mit diesen unterschiedlichen Musikstücken. Aber ich habe es gleichzeitig auch als Ermunterung für diesen Laufwettbewerb gesehen. Ich habe mich auch gefreut, dass dieser Mann „mitten im Leben gestanden“ ist und solche weltliche und geistliche Musik dargeboten hat. Vermutlich gehört wirklich beides zusammen.

Großer Gott, wir loben dich; Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke. Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

Herr, erbarm, erbarme dich. Lass uns deine Güte schauen; deine Treue zeige sich, wie wir fest auf dich vertrauen. Auf dich hoffen wir allein: lass uns nicht verloren sein“.

Und zur musikalischen Auferbauung spielt jetzt meine Schwägerin Silvia Dörr dieses bekannt  Lied Nr. 331 aus dem evangelischen Gesangbuch.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 335 vom 13.02.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Gib mir die richtigen Worte

Meine Updates in den letzten Tagen haben mich selbst ziemlich aufgewühlt. Ich habe einige Rückmeldungen bekommen. Manche/r Leser/-in war dabei als Simon vor sieben Jahren gestorben ist. Ich hatte eine Gebetsgruppe, die von mir besonders in seinen letzten Tagen informiert worden ist. Da sind vermutlich nicht nur bei mir Erinnerungen hochgekommen. Das Gute daran war auch, dass ich diese meine Erinnerungen jetzt einmal niedergeschrieben habe und sie formuliert worden sind. Habe ich den richtigen Ton getroffen? Oder hat es eher so gewirkt, als müsste ich mich nach außen herausstellen? War manches voyeuristisch? Ich weiß es nicht. Manche Worte wirken auf Leser ja auch ganz unterschiedlich. Mit diesem Update 335 habe ich immerhin an 14 Tagen den/die Leser/-in miterleben lassen, wie das für mich und meiner Familie vor sieben Jahren war. Ab morgen werden auch wieder andere Themen im Mittelpunkt stehen bei meinen „Täglichen Gedanken“. Aber bei der einen oder anderen Gelegenheit komme ich doch noch einmal auf Simon zu sprechen. Schließlich fällt in diese kommende Zeit der Jahrestag seiner Beerdigung und auch sein Geburtstag. Deshalb soll für mich jetzt ein Lied von Manfred Siebald dieses Update beenden. Dieses Lied steht nicht nur über meine Worte bei den „Täglichen Gedanken“ in dieser Coronakrise. Es gilt für alle Worte, die Menschen sprechen.

Gib mir die richtigen Worte, gib mir den richtigen Ton.

Worte, die deutlich für jeden von dir reden – gib mir genug davon.

Worte, die klären, Worte, die stören, so man vorbeilebt an dir;

Wunden zu finden und sie zu verbinden – gib mir die Worte dafür.

Gib mir die guten Gedanken, nimm mir das Netzt vom Verstand,

und lass mein Denken und fühlen vor dir spielen so wie ein Kind im Sand.

Staunend und sehen, prüfend, verstehend nehm ich die Welt an von dir,

sie zu durchdringen, dir wiederzubringen – gib mir Gedanken dafür.

Gib mir den längeren Atem, mein Atem reicht nicht sehr wiet.

Ich will noch einmal verstohlen Atem holen in deiner Ewigkeit.

Wenn ich die Meile mit einem teile, der er alleine nicht schafft,

lass auf der zweiten mich ihn noch begleiten gib mir den Atem, die Kraft.

Das Lied wird von meiner Schwägerin Silvia Dörr gespielt.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 334 vom 12.02.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Der Freitagsweg zum Sportplatz

Heute ist der 12.02.2021. Heute vor genau sieben Jahren, am 12.02.2014 lautet die Losung der Herrnhuter Losungen: „Der Mensch hat keine Macht über den Tag des Todes“ (Prediger 8, 8). Wie wahr ist dieser Spruch auch in diesen Tagen!!

Weil heute ein Freitag ist, erinnere ich mich an viele Freitagnachmittage mit ihm. Ich habe schon vor zwei Tagen davon geschrieben, dass ich vor allem an Wochenenden viel mit ihm unterwegs war. Freitage hatten ein bestimmtes Ritual. Ich bin um 14.30 Uhr zur Jungschargruppe gegangen und war dort knapp eine halbe Stunde dabei. Ab 14.50 Uhr ging mein Blick aus dem Fenster in Richtung Nürnberger Straße. Irgendwann sah ich den Bus, der Simon nach Hause gebracht hat. Dann bin ich weggegangen um Simon in Empfang zu nehmen. Im Haus gab es in der Regel noch etwas zu Essen und zu Trinken. Dann habe ich mich mit ihm auf dem Weg gemacht.

Unser Weg ging in Richtung Sportplatz des SV Altensittenbach. Er liegt relativ nahe. Simon liebte es, beim Fußballtraining der Jugendlichen und beim Tennistraining zuzuschauen. Jedenfalls freute er sich darüber und lachte oft laut auf. In mir war manchmal auch ein wenig Wehmut. Weil ich selbst sportbegeistert bin, habe ich mir dann fast immer vorgestellt, wie es mit einem gesunden Simon wäre. Hätte er gerne Fußball oder Tennis gespielt? Wie hätte ich ihn unterstützen können? Es ist ja nicht nur bei mir so, dass ein Vater gerne mit einem Kind diese Begeisterung teilt und sich freut, wenn der Filius es gut macht. Das Gute an dieser Geschichte war, dass ich dann auch immer Kinder und Erwachsene aus der Kirchengemeinde getroffen habe und ein kleiner Plausch die Beziehung gefestigt hat.

Nach dem Tode hatte ich mir vorgenommen, das weiterzuführen. Es ist mir nicht so gelungen wie ich es gerne gehabt hätte. Irgendwie war dann die Erinnerung an dieses Ritual mit Simon so stark, dass es mich zu sehr aufgewühlt hat.