Wenn Corona will, steht (fast) alles still, Update 57 vom 11.05.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Das war eine sehr schöne Überschrift auf der ersten Seite der Hersbrucker Zeitung am 01.05.Väter dürfen dabei sein„. Worum ging es? Nürnberger Geburtskliniken lockern das strenge Besuchsverbot, das bisher wegen Corona gegolten hat, damit Schwangere nicht allein sind.

Bei dieser Überschrift habe ich sofort an Erzählungen meines Vaters gedacht. Damals Ende der 50er-, Anfang der 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durften Männer nicht bei einer Geburt im Krankenhaus in Rothenburg o/T dabei sein. Im ganzen Dorf gab es nur ein Telefon an der dörflichen Poststelle. Mein Vater hat meine Mutter bei den einsetzenden Wehen in das Krankenhaus gefahren, hat sie dort „abgesetzt“ und musste wieder nach Hause fahren. Er hat dann ganz normal gearbeitet. Irgendwann kam der Mann von der Poststelle in den Hof mit der freudigen Nachricht. Bei meiner älteren Schwester hat mein Vater die Nachricht zur Kenntnis genommen und hat weiter gearbeitet. Am Abend ist er dann bei meiner Mutter vorbeigefahren und hat sich mit ihr gefreut.

Dann kam das zweite Kind zur Welt. Das war ich. Der Anfang ähnelte der Situation wie bei meiner Schwester. Mein Vater war gerade beim Ausmisten des Schweinestalles. Aber bei der Nachricht: „Du hast einen Buben“, hat mein Vater sofort die Arbeit eingestellt. Es gab eine Katzenwäsche und dann schnell ins Krankenhaus. Vielleicht könnte manch ein/e Leser/-in eine ähnliche Geschichte erzählen. Als ich die Geburt unseres ersten Kindes (eine Tochter!!) einem Gemeindemitglied sagte, antwortete er mit: „Naja, Hauptsache gesund“.

Im Hersbrucker Regionalteil wird dann die berührende Geschichte einer Hebamme erzählt wie sie werdende Mütter vorher und nachher begleitet. Sie erzählt von ihrer Freude, auch in Coronazeiten werdende Mütter zu helfen. Mich erinnert das daran, wie die Bibel den Vorgang beschreibt, wenn Menschen zu Jesus finden. Es findet eine geistliche „Neugeburt“ statt. Gott verwandelt durch den Glauben einen Menschen und schenkt ihm neues Leben. „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2. Korintherbrief 5, 17) so nennt das Paulus.

Manche Christen gebrauchen auch die Formulierung „Wiedergeburt“. Ich tu mich damit ganz schwer. Denn ich habe relativ viele Gespräche mit Menschen, die einen buddhistischen Hintergrund haben. Sie verstehen Wiedergeburt als eine Reinkarnation. Aber das ist damit genau nicht gemeint. Manche gebrauchen das Wort „sein Leben Jesus übergeben“. Aber dann muss ich auch erst erklären, dass ich damit nicht das „übergeben“ im umgangssprachlichen Gebrauch meine. Ich mag die Formulierung“neu geboren werden“ oder „Jesus soll jetzt Herr in meinem Leben sein“. Durch den Glauben werde ich geistlich eine neue Person, die von Jesus geprägt ist und die sich auf seine Gnade und Vergebung verlassen kann. Paulus hat das an anderer Stelle so ausgedrückt: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben“ (Galaterbrief 2, 20). Aber diese Gedanken will ich morgen gerne noch etwas weiterspinnen.

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