Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 119 vom 12.07.2020

Tägliche Gedanken in einer schwierigen Zeit, heute von Lektorin Christl Schäfer-Geiger

Wie dick ist ein seidener Faden

Wenn jemand schwer krank war und wieder gesund wird, dann sagt man doch gerne, dass sein Leben am seidenen Faden hing. 

Meine Schwägerin hat uns vor ein paar Tagen besucht. Mit einem Glas Erdbeerbowle, die es nur einmal im Jahr gibt, haben wir angestoßen auf das Leben. Und dann kam die Erinnerung an ihre Herzoperation vor fünf Jahren. Es war eine geplante OP und weil immer etwas schief gehen kann, hat sie vorher noch vieles geregelt. Aber sie ging mutig und voller Zuversicht ins Krankenhaus und alles lief perfekt…. Bis zum Herzflimmern und der fünfprozentigen Überlebenschance. Da war die ganze Familie erst einmal vollkommen schockiert. In einem futuristischen Krankenhausbett, in dem sie ständig bewegt wurde, kämpften die Ärzte, die Physiotherapeuten, ihr Mann, ihre Kinder um ihr Leben. Aber letztendlich hat sie selber gekämpft um dieses bisschen Leben, das noch übrig war und sie hat gewonnen. 

Da fiel mir der berühmte „seidene Faden“ ein.

Seidenraupen werden auf Maulbeerbäumen gezüchtet und spinnen ihren Kokon. Aus diesem entsteht ein kilometerlanger feiner Faden. Dünn ist der Faden, aber sehr elastisch. An so einem hängt oft ein Leben. Wie schnell kann etwas passieren, das mich aus der Bahn wirft.

Nach dieser Unterhaltung war mir wieder klar, dass ich jeden Tag im Vertrauen auf Gott gehen will und dass ich jeden Tag mit Freuden nehmen will. Ich will mich nicht ärgern und nicht streiten. Wie schnell hänge ich vielleicht auch mal an diesem Fädchen, von dem ich dann nur hoffen kann, dass es genügend Elastizität hat.

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