Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 127 vom 19.07.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Update 127 in der Coronakrise

Operation Walküre

Wie verhalte ich mich in einer gesellschaftlichen Krise? Welche Auswirkungen hat das auf mein persönliches Leben? Im Jahr 2020 spielt das nicht nur in diesen Coronazeiten eine Rolle, sondern auch rückblickend zum Ende des zweiten Weltkrieges. Denn seit 1945 sind genau 75 Jahre vergangen und immer wieder denke ich an Menschen, die damals die Entscheidung treffen mussten, wie sie sich konkret verhalten sollen. Vor zwei Tagen habe ich über den Prediger von Buchenwald geschrieben: Paul Schneider.

Der heutige Tag bleibt in Erinnerung an den Aufstand von Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20.07.1944. Die Menschen um ihn haben versucht, mit dem geplanten Attentat auf Adolf Hitler das Schlimmste zu vermeiden. Es ist ihnen nicht gelungen. Ein knappes Jahr vor Kriegsende versuchte dieser Kreis mit der „Operation Walküre“ durch einen Staatsstreich das Schlimmste zu verhindern. Dabei hat dieser Offizier eine tiefgreifende Lebensveränderung durchgemacht. Bei der Ernennung von Hitler 1933 zum Reichskanzler war er im Gegensatz z.B. von Dietrich Bonhoeffer ein glühender Verehrer des sog. „Führers“. Erst durch den zweiten Weltkrieg hat er dessen teuflisches Denken durchschaut und wohl zu spät die Auswirkungen des Nationalsozialismus gemerkt. Vorher gehörte er zu den großen Planern des deutschen Heeres und beteiligte sich z.B. aktiv im Oktober 1938 am deutschen Einmarsch im Sudetenland.  

Im Herbst 1943 und damit ziemlich spät suchte er bewusst Kontakt zu Hitlergegnern und organisierte das gescheiterte Hitlerattentat. Noch am Abend des 20. Juli 1944 wurden er und seine Mithelfer standesrechtlich erschossen. Sein berühmtes Zitat lautet: „Es ist Zeit, dass jetzt etwas getan wird. Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muss sich bewusst sein, dass er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterlässt er jedoch die Tat, dann wäre er ein Verräter vor seinem Gewissen…Ich könnte Frauen und Kindern der Gefallenen nicht in die Augen sehen, wenn ich nicht alles täte, dieses sinnlose Menschenopfer zu verhindern“.

Stauffenberg beruft sich bei seiner Tat auf sein Gewissen. Es hat ihn zur Umkehr in seinem Denken bewogen. „Kehret um und ihr werdet leben“ (Hesekiel 18,32). Er hat sein eigenes Leben trotz seiner inneren Umkehr nicht retten können, aber sein Gewissen hat ihn in der Krise des Niederganges am Ende des zweiten Weltkrieges handeln lassen. Auch der Apostel Paulus beruft sich immer wieder auf sein Gewissen, das er mit seinem Glauben an Jesus in Verbindung bringt. „Ich sage die Wahrheit in Christus und lüge nicht, wie mir mein Gewissen bezeugt im heiligen Geist“ (Römer 9, 1).

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