Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 191 vom 22.09.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Gericht und Erbarmen Gottes

Hoffentlich haben sie vor drei Tagen das Update 188 gelesen. Ich habe davon gesprochen, warum sich die Menschen in Deutschland um den Jahreswechsel einen „Guten Rutsch“ wünschen und dass dies nichts mit „Rutschen“ o. ä. zu tun hat. Es stammt von dem jiddischen Neujahrsgruß „Rusch tob“. Die Juden in Deutschland wünschten sich damit einen „guten Anfang“ des neuen Jahres.

Weil die Juden nach dem Mondkalender gehen und nicht wie wir nach dem Sonnenkalender, ist ihr Neujahrstag nicht wie bei uns am 01.01. jeden Jahres. Er liegt in der Regel um den Herbstanfang. In diesem Jahr feierten sie diesen vom 19.09. auf den 20.09.2020. Für Juden beginnt der Tag am Abend gegen 18.00 Uhr und endet 24 Stunden später. Für sie ist der Neujahrstag vor allem der Jahrestag der Weltschöpfung durch Gott und damit auch der Jahrestag der Erschaffung von Adam. Es ist der Tag der Forderung, Bilanz zu ziehen über das moralische und religiöse Verhalten im abgelaufenen Jahr. Die Menschen treten mit Gebeten für eine gute Zukunft vor Gott. An diesem Tag beginnen die zehn „ehrfurchtsvollen Tage“, die mit dem Versöhnungsfest Jom Kippur enden. Weil dadurch an das Erbarmen Gottes erinnert wird, ist dieser Tag ein Freudentag. Um das auch hörbar zu machen, wird das sog. Schofar geblasen (siehe mein Update 50 v. 04.05.2020).

Ich finde diese Verbindung von „Gericht und Erbarmen Gottes“ mit der „Freude über Gottes Schaffen und Vergebung“ genial. Martin Luther hat von „Gericht und Gnade“ gesprochen. Und wenn nicht als zu Beginn eines Jahres kann das sehr deutlich werden. Dazu passt sehr gut auch der dazugehörige Segensspruch: „Ihr möget zu einem guten Jahr eingeschrieben werden“. Und das nehme ich in diesem Coronajahr noch mehr an als in sonstigen Jahren.

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