Wenn Corona will, steht (wieder) vieles still, Update 229 vom 30.10.2020

Das Reformationsfestkind

Mit dem Gedenktag der Reformation ist das so eine Sache. Der 31.10. ist in den „fünf neuen Ländern“ ein Feiertag und in den Bundesländern Bremen, Hamburg und Niedersachsen. Ansonsten fristet er ein eher bescheidenes Nebendasein. In Bayern steht natürlich der Allerheiligentag viel mehr im Mittelpunkt. Die evangelischen Christen in unserem Bundesland feiern in der Regel am Sonntag darauf ihr Reformationsfest. Manchmal gibt es auf Dekanatsebene einen gemeinsamen Gottesdienst am Reformationstag. In diesem Jahr fallen Reformationsfest und Allerheiligentag zusammen. Von der gewohnten Reihenfolge wird manchmal auch abgewichen, wenn der 30.10. ein Sonntag ist. Dann wird in vielen Kirchengemeinden ein Tag vor dem Jubiläum das Reformationsfest gefeiert.

Das war auch 1983 der Fall. Und dieses Datum des 30.10.1983 war für mich persönlich das wichtigste und eindrücklichste Reformationsfest. Denn am Tag vorher kamen bei meiner Frau die Wehen und die Geburt unseres ersten Kindes stand an. Am Abend gegen 22.00 Uhr sind wir in die Frauenklinik nach Erlangen gefahren. Allerdings hatte es unser Kind überhaupt nicht eilig zu kommen. „Herr Metzger, da fahren Sie erst mal wieder heim und wir rufen Sie dann an. Das wird noch ein wenig dauern“. Das war die Aussage der Krankenschwester. Was sollte ich tun? Weil ich nur 3 km weit entfernt gewohnt habe, bin ich auf den Vorschlag in Absprache mit meiner Frau eingegangen. Zu Hause bin ich auch tief und fest eingeschlafen.

Kurz vor 3.00 Uhr hat dann das Telefon geklingelt. Ich fahre hin und es hat noch fast sechs Stunden gedauert bis unsere erste Tochter gegen 9.00 Uhr auf die Welt kam. Die Freude war natürlich riesengroß. Solch eine Geburt ist wie ein großes Wunder, das nicht zu beschreiben ist. Es war zwar keine große Krise, aber doch eine große Anstrengung für Frau und Kind, bis das neue Leben endlich auf der Welt war. Heute feiert sie den 37. Geburtstag. Kinder, wie die Zeit vergeht. „Warum habt Ihr denn Euer Kind nicht Martina genannt, wenn es am Reformationsfest zur Welt gekommen ist“? wurde ich immer wieder gefragt. So viel Liebe zu Martin Luther war dann doch nicht. Aber es ist für mich und meiner Frau wohl das unvergesslichste Reformationsfest in unserem Leben gewesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.