Das „verschwebende Sein“

Ein weiterer Abend in der Reihe „Bibel Input. Neugierig auf mehr“ beschäftigte sich mit der Geschichte von Elia im ersten Königsbuch im Alten Testament. Dort wird im 19. Kapitel das Leben dieses Propheten so eindringlich wie fast nirgends geschildert. Nach den Geschehnissen auf dem Berg Karmel flieht Elia in die Wüste. Isebel, die Frau von König Ahab will ihn umbringen, weil der Prophet für den Tod von 450 Baalspropheten verantwortlich war. Gleichzeitig bekannte sich das Volk Israel zum Gott Jahwe. 40 Tage und 40 Nächte geht Elia ohne zu essen und zu trinken. Am Berg Horeb (anderer Name: Sinai oder Gottesberg) sucht er Unterschlupf in einer Höhle. Dort will ihn Jahwe begegnen. Es kamen ein starker Wind, Erdbeben und Feuer. Aber Jahwe war darin nicht gegenwärtig. Dann kam ein „stilles, sanftes Sausen“ und Elia spürte darin, wie Gott jetzt ganz nah bei ihm war. Martin Luther hat diese Gegenwart Gottes sehr schön übersetzt. Wörtlich heißt es sogar, dass Gott in einer „hörbaren Stille“ war. Der große jüdische Religionsphilosoph Martin Buber hat das mit „verschwebenden Sein“ übersetzt. Das hebräische Wort ist kaum zu übersetzen. Aber inhaltlich bedeutet es, dass Gott nicht so sehr bei großen und lautstarken Treffen zu finden ist als vielmehr in der Stille und beim leisen Hören auf das biblische Wort.

Bei den Rückfragen nahm die Diskussion über die sog. Prädestinationslehre breiten Raum ein. Hintergrund war die Feststellung, dass auch Elia erst im Nachhinein die Gegenwart Gottes gespürt hat. Pfr. Gerhard Metzger verwies auf die Erfahrung von Mose aus dem zweiten Mosebuch 9, 16. Dort geht Jahwe an Mose vorüber, hält seine schützende Hand über ihn und Mose sieht im Nachhinein, wie Gott in seiner Nähe war. Der Apostel Paulus nimmt diese Geschichte im Römerbrief auf. „Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich. so liegt es nun nicht an jemandes wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen„. Dieses Wort zeigt, dass Gott beim Menschen immer der Handelnde ist, dass dieser zu ihm kommen und an ihn glauben kann. Letztlich können wir als Menschen das aber nie ganz begreifen!!

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