Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 308 vom 17.01.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Von der kleinen Stadt aus die große Welt bewegen

Ich bin mit dem Seniorenkreis unterwegs. Wir fahren nach Spalt. Manche wissen es nicht, dass dieser kleine Ort ein wichtiger Ort für die Reformationsgeschichte ist. Als Student habe ich gelernt, dass Spalatin von dort kommt. Der Name verrät seinen Geburtsort.

Er war der Kanzler von Friedrich dem Weisen. Aber beim Rundgang durch dieses kleine Städtchen komme ich sehr ins Staunen. Ich erfahre, dass ohne diesen Mann vermutlich keine Reformation möglich gewesen wäre. Er wurde als Georg Burkhardt am 17.01.1484 geboren. Er war der uneheliche Sohn von Georg Burghardt (der selbe Vorname) und einer Frau unbekannten Namens. Vermutlich war Georg Burghardt aber nicht sein leiblicher Vater. Schnell wird deutlich, dass dieses Kind hochbegabt ist. Im Rundgang in Spalt wurde mir erzählt, dass sein Vater ein hochrangiges Mitglied im dortigen Kloster war. Vielleicht ist sogar der Abt sein Vater gewesen. Das würde jedenfalls erklären, warum er so intelligent war und warum er so mit Geld gefördert wurde. Damit war er also keineswegs ein Kind einer Frau „unbekannter Herkunft“. Es ranken sich also etliche Geschichten um seine Geburt.

Er kam an die Sebaldusschule nach Nürnberg und studiert später an der Universität Erfurt. In Philosophie erwarb er sich den akademischen Grad Baccalaureus. 1502 kommt er an die neu geschaffene Universität nach Wittenberg. Er studiert danach Theologie in Erfurt und wird zum Priester geweiht. 1508 wird er Erzieher des späteren Kurfürsten Johann Friedrich. 1514 wird er Hofkaplan bei Friedrich dem Weisen und dessen Beichtvater und wichtigster Berater.

Spalatin war ein glühender Anhänger der Lehre von Martin Luther. Vermutlich ist es auf ihn zurückzuführen, dass der Kurfürst Friedrich sich so für den Reformator eingesetzt hat. Das ist für mich zusammenfassend sehr interessant: Ohne den Einfluss von Spalatin hätte der Regent nicht so Luther unterstützt. Ohne ihn wäre es nicht zur Entführung von Luther auf die Wartburg gekommen und der Reformator wäre vielleicht durch die Reichsacht von Kaiser Karl V. getötet worden.

Oft sind es anscheinend Menschen, die im Hintergrund stehen und dennoch Weltbewegendes erreicht haben. Ein uneheliches Kind – vielleicht eines Abtes – wird von Gott benutzt, um Geschichte zu schreiben. Aber hatten wir ähnliche krumme Wege nicht auch bei der Geburt von Jesus?

Heute vor genau 537 Jahren, am 17. Januar 1484 ist Spalatin geboren und genau einen Tag vor seinem 61. Geburtstag, am 16.01.1545 ist dieser besondere Mann in Altenburg gestorben. Deshalb ist der gestrige 16. Januar auch sein Gedenktag im evangelischen Kalender.

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