Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 350 vom 28.02.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Taufe und Konfirmation

Ich weiß nicht genau, ob und wie die Konfirmanden zu einem Mann stehen, welcher der Grund ist, warum es die Konfirmation überhaupt gibt: Martin Bucer. Eigentlich hieß er Martin Butzer oder auch Martin Butscher. Das weiß keiner so ganz genau.

Er war ein Zeitgenosse von Martin Luther und hat eine ähnliche Lebensgeschichte wie der große Reformator aus Wittenberg. Sein Vater war Büttner (Küfer) und stellte Fässer her. Er wurde wie Luther Mönch. Allerdings nicht bei den Augustinern, sondern bei den Dominikanern. Am 26.04.1518 kam es zur sog. Heidelberger Disputation. Bucer hatte einen positiven Eindruck von Martin Luther und wandte sich der protestantischen Theologie zu. Drei Jahre später wird er auf eigenen Wunsch aus dem Orden entlassen und findet Zuflucht bei dem protestantischen Ritter Franz von Sickingen. Auch Bucer heiratet wie Luther eine ehemalige Nonne: Elisabeth von Silbereisen. Wie Luther trifft ihn der Kirchenbann des Papstes und wird durch Kaiser Karl V. für vogelfrei erklärt. Er wird in Straßburg ordiniert und 1524 zum Pfarrer gewählt. Er nimmt eine führende Stellung im Aufbau des Kirchenwesens im gesamten südwestdeutschen Raum ein. Er versucht zwischen den verschiedenen protestantischen Parteien zu vermitteln und schaltet sich vor allem beim Abendmahlsstreit zwischen Luther und Zwingli ein. Er suchte ständig das Gespräch mit Luther und beteiligte sich auch an Vermittlungsgesprächen zwischen Katholiken und Lutheranern. Die Einführung der Reformation in Württemberg stand unter seiner Leitung und so ist er dort bis heute eher ein Begriff als für uns bayrische Lutheraner.

Um dem Einfluss der sog. Täuferbewegung zu begegnen, führte er die Konfirmation ein, die aber erst sehr viel später im Pietismus wichtig wurde. Wie Luther und seine Familie kämpfte er mit den Auswirkungen der Pest. Seine Frau Elisabeth und mehrere Kinder fielen dieser Seuche zum Opfer und er heiratete noch einmal. Er ging nach Straßburg zurück, musste aber 1549 die Stadt verlassen. Im Zuge der schmalkaldischen Kriege nach dem Tod Luthers (1546) kam es auch dort zur „Rekatholisierung“ durch Kaiser Karl V., die Bucer nicht mitgegangen ist. Er emigrierte nach England, lehrte an der Oxford-Universität und starb dort nach kurzer Krankheit am 1. März 1551 und damit morgen vor genau 470 Jahren. Der Tag vorher, der 28. Februar ist sein Namenstag im evangelischen Kalender.

Bucer hat zum ersten Mal den Gedanken entwickelt, dass getaufte Kinder später als Jugendliche nachträglich ihr eigenes „Ja“ zu ihrer Taufe sagen können. Damit wollte er einen Kompromiss zu den Vertretern der Täufer finden, welche gegen die Säuglingstaufe stehen und nur die sog. „Glaubenstaufe“ anerkennen. Und diese verschiedenen theologischen Lehren werden bis heute kontrovers diskutiert. „Seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen“ (Epheser 4, 3 – 6).

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