Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 398 vom 17.04.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Knickt Martin Luther ein?

Heute ist der 17.04.2021. Heute vor genau 500 Jahren, am 17.04.1521 ist Martin Luther am zweiten Tag auf dem Reichstag zu Worms. Für 16.00 Uhr ist Luther in den Sitzungssaal bestellt worden. Auf verstohlener Art und Weise durch Hinterzimmern wird das getan. Als Grund wird angegeben, dass das Volk ihn nicht belästigen soll. In Wahrheit will man keine Ovationen für Luther aufkommen lassen. Aber die Menge bemerkt seine Ankunft, schiebt sich in den Saal und muss mit Gewalt hinausgedrängt werden. Viele erklettern die umliegenden Dächer, um einen Blick in den Saal des Bischofshofes zu erhaschen. „Mönchlein, Mönchlein. Du gehst jetzt einen Gang, den mancher unserer Obersten auch in unserer ernstesten Schlachtordnung nicht gegangen ist. Bist du rechter Meinung und deiner Sache gewiß, so geh in Gottes Namen und sei nur getrost, Gott wird dich nicht verlassen“. Diese berühmten Worte sprach Georg von Frundsberg, ein Landsknechtoberst.

Der Sitzungssaal war bis zum letzten Platz gefüllt. Dann beginnt das Verhör jeweils in lateinischer und deutscher Sprache. Kaiser Karl V. versteht kaum, was gesprochen wird, weil er nur französisch fließend sprechen kann. Der Orator des Kaisers beginnt mit der Anklage: „Die Kaiserliche Majestät hat dich, Martin Luther, aus zwei Gründen befohlen. Erstens damit du die Bücher, die unter deinem Namen bekannt sind, hier an dieser Stelle als von Dir geschrieben anerkennst; zum weiteren, ob du etwas aus ihnen widerrufen willst“. Die Titel der Bücher werden vorgelesen. Jetzt kommt es zur Überraschung! Luther antwortet zaghaft und so, als habe ihn plötzlich alle Sicherheit verlassen. Er gibt zu, dass er alle Bücher, die genannt wurden und aufgestapelt sind, als die seinen anerkenne. Mit Zitaten aus der Schrift, die er aber unsicher vorträgt, bittet er wegen der Beantwortung der zweiten Frage, ob er zu dem Inhalt der Bücher stehe, um Bedenkzeit.


Seine Gegner wundern sich und seine Anhänger sind bitter enttäuscht. Sie hatten gedacht, er würde sofort mit eindringlichen Worten entgegnen. Luther wird eine Bedenkzeit von einem Tag bewilligt und soll am nächsten Tag zur gleichen Zeit wieder erscheinen. Im Saal bricht eine gewaltige Unruhe aus. Beim Verlassen ruft man ihm ermunternde Worte nach: „Habe ein mutiges Herz, Martin! Selig ist der Leib, der dich getragen hat!“ In seiner Klosterstube angekommen, drängen sich die Freunde und versuchen ihn aufzumuntern. Martin schreibt einen Brief an seinen Freund Cuspian in Wien u.a. mit folgenden Worten: „Ich komme mitten aus dem Trubel der Sitzung. Sie fragen mich, ob ich meine Bücher widerrufen wolle. Aber ich werde in Ewigkeit auch keine Silbe widerrufen, wenn Christus mir beisteht“. Danach zeigt er sich gutgelaunt, macht Späße und trinkt seinen Wein dazu.

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