Archiv des Autors: Pfr. Gerhard Metzger

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 316 vom 25.01.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Warum heißt der Neandertaler so?

Ich will mit euch über unsere Vorfahren reden“. Dieses Eingangswort unseres Lehrers in der 5. Klasse der Hauptschule hat mein Interesse geweckt. Ich dachte noch: Was kommt jetzt? Geht es über Affen? Oder geht es über biblische Texte? Wird er von Adam und Eva reden? Aber ich bin doch jetzt nicht im Religionsunterricht? Der Lehrer zeigte ein Bild von einem Neandertaler. „So sahen unsere Vorfahren aus. Schaut genau hin und entdeckt die Unterschiede zu uns. Wir werden die Homo Sapiens genannt“. Im Laufe der nächsten Unterrichtsstunden haben wir dann viel gelernt.

Ich habe mir nicht sehr viel von damals gemerkt. Aber das bleib in meinem Kopf: Der Neandertaler hatte eine andere Kopfform und ist vor ungefähr 40.000 Jahren ausgestorben. Eine kleine Nebenbemerkung des Lehrers ist mir auch noch in Erinnerung: „Der Neandertaler war nicht sehr klug“. Übrigens: Der Neandertaler hat vermutlich 300 000 Jahre gelebt! Ob wir, die Homo Sapiens, das auch einmal schaffen werden bei diesem Raubbau mit der Schöpfung!!!!!????

Viele Jahre lang habe ich mich damit nicht mehr beschäftigt. Ich war schon Pfarrer als mir eine Predigt zum Lied. „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ in die Hände fiel. Ich staunte nicht schlecht. Der Liederdichter dieses Liedes, Joachim Neander, ist der Namensgeber dieses Vorläufers heutiger Menschen. Er war Sohn eines Pfarrers und studierte selbst reformierte Theologie in Bremen. 1674 wurde er Rektor der Lateinschule in Düsseldorf. Er verfasste viele Texte und Lieder. Inspiriert wurde er vor allem bei seinen Spaziergängen in der eindrucksvollen Schlucht der Düssel bei Mettmann. Und genau dort wurde der erste Neandertaler gefunden.

Ihm zu Ehren wurde dieser Urmensch deshalb „Neandertaler“ genannt. Schon mit 29 oder 30 Jahren ist Joachim Neander gestorben. Obwohl noch so jung, hat er viele beachtliche und bekannte Liedtexte hinterlassen. Allein sechs Lieder finden sich im EG (Evangelischen Gesangbuch). Der bekannteste Choral ist das oben genannte Lied, das unter den Nr. 316 bzw. 317 (ökumenischer Text) zu finden ist. Deshalb heute dieses Update. Und wie oft habe ich schon gedacht: Warum hat Gott diesen begnadeten Liederdichter in solch jungen Jahren sterben lassen? Wie viele Lieder hätte er noch schreiben können, die wir noch heute kennen würden? Wie viele Melodien von ihm würden wir noch heute singen können? Aber das weiß nur Gott allein. Zum Beispiel beim Lied „Wunderbarer König“ (EG 327) stammen Text und Melodie von ihm.

Wunderbarer König, Herrscher von uns allen, lass dir unser Lob gefallen. Deine Vatergüte hast du lassen fließen, ob wir schon dich oft verließen. Hilf uns noch, stärk uns doch; lass die Zunge singen, lass die Stimme klingen. Himmel, lobe prächtig deines Schöpfers Taten mehr als aller Menschen Staaten. Großes Licht der Sonne, schieße deine Strahlen, die das große Rund bemalen. Lobet gern, Mond und Stern, seid bereit, zu ehren einen solchen Herren“.

Dieses Lied wird gespielt von meiner Schwägerin Silvia Dörr

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 315 vom 24.01.2021

Tägliche Gedanken in einer schwierigen Zeit, heute von Pfr. Dr. Siegfried Schwemmer (Hintergrund ist die Tatsache, dass heute der erste Abendmahlsgottesdienst in der Thomaskirche in Altensittenbach geplant war. Der Text zum Update passt wunderbar zum Thema)

Lebensfreude

Ich war noch nicht lange Pfarrer, als bei einer Abendmahlsfeier der Wein zur Neige ging: Eine komische Situation, die wir beheben konnten, weil ein Kirchenvorsteher schnell nach Hause lief und eine Flasche Wein aus seinem Keller holte. Mit Verzögerung konnte die Feier des Heiligen Mahles fortgesetzt werden.

An diese Begebenheit muss ich denken, wenn ich lese, dass Jesus mit seiner Mutter und den Jüngern auf einer Hochzeit in Kana war (Johannes 2,1-12): Als sie fröhlich feierten, ging der Wein aus. Die Gäste saßen auf dem Trockenen. Da ließ Jesus Wasser in Krüge füllen und verwandelte das Wasser in sechshundert Liter besten Wein. Das Johannesevangelium berichtet: Es war das erste Zeichen, das Jesus tat. Dieses Zeichen der Freude steht wie ein Vorzeichen über dem Leben Jesu.

Jesus weiß, wie sehr die gekelterten Früchte des Weinstocks zu dieser Freude beitragen. Der Weinberg, der Weinstock, die Weinrebe sind fester Bestandteil in seiner Verkündigung. Jesus aß und trank mit Zöllnern, Sündern und mit seinen Jüngern. Er musste sich den Vorwurf gefallen lassen, ein Fresser und Weinsäufer zu sein (Matthäus 11,19). Jesus war immer Herr seiner Selbst. Aber er hatte Freude am Leben.

Schon der Beter des Psalms sagt: Der Wein erfreut des Menschen Herz (Psalm 104,15). Im Buch Jesus Sirach lesen wir: Der Wein erquickt die Menschen, wenn man ihn mäßig trinkt! … Er ist geschaffen, dass er die Menschen fröhlich machen soll. Der Wein, zur rechten Zeit getrunken, erfreut Herz und Seele (Sirach 31,32-35).

Der Weinstock war vor mehr als 2000 Jahren das „edelste Produkt des palästinischen Kulturlandes“, und der vergorene Saft seiner Trauben ein uraltes Kultgetränk. Als Mose Spione in das Land Kanaan schickte, um die Lebensbedingungen dort zu erkunden, brachten sie eine riesige Traube mit, die zwei Männer kaum schleppen konnten: Der Beweis, dass in diesem Land Milch und Honig flossen. Seit dem Auszug aus Ägypten gehörte das Trankopfer zu jedem Brand- und Friedensopfer. Und beim Passahmahl gab und gibt es, neben dem ungesäuerten Brot, Wein. Auch zu dem letzten Passahmahl, das der Jude Jesus mit seinen Freunden in Jerusalem feierte, gehörte „das obligatorische Trinken von Wein“ (Roloff, Weinstock, in: Reclams Bibel Lexikon, 578).

Brot und Wein sind die Zeichen für das Heilige Mahl, das Christen am Tisch ihres Herrn feiern. Christus verbindet sich mit den elementaren Lebensmitteln, und er wird eins mit unserem Körper:

Christus inkarniert seinen Geist in die Materie. Er nimmt das Brot und sagt: Ich bin das Brot des Lebens (Johannes 6,30-35). Bei seinem letzten Mahl deutet er auf das Brot und sagt: Das bin ich, das ist mein Leib (Markus 14,22). Wenn wir in der Eucharistie seinen Leib empfangen wird er eins mit uns.

Ebenso zeigt Christus auf den Weinstock und auf seine Früchte und sagt: Ich bin der Weinstock (Johannes 15,1-8). Die reifen Trauben, die geerntet und gekeltert werden, sind Zeichen für seinen Tod, für sein Blut, das er vergießt. Beim letzten Mahl mit seinen Jüngern nimmt er den Kelch mit Wein und sagt: Das ist mein Blut, das für viele vergossen wird (Markus 14,24). Wenn wir in der Eucharistie sein Blut trinken, wird es zu unserem Blut.

Das Heilige Mahl ist ein Lebensmahl. Es ist Ausdruck der Lebensfreude. Wenn wir Christus essen und trinken, dann haben wir Anteil an seinem Leben. Sein Leib wird zu unserem Leib. Das ist die Wandlung!

Aus: Siegfried J. Schwemmer, Mut zur Veränderung. Christsein in der Gegenwart, KDP 2020, S. 135f.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 314 vom 23.01.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Ein Tritt in den Hintern?

Das war für mich eine sehr interessante Situation. Ich war 1988 nach Alerheim/Ries gekommen. Eines der ersten organisatorischen Dinge war die Erfahrung des sog. „Predigerkreises“. Insgesamt vier Pfarrer trafen sich regelmäßig und besprachen miteinander den Gottesdienstplan. Die Regel war, dass etwa alle zwei Wochen „getauscht“ wurde. So war ich fast alle zwei Wochen an einem anderen Ort als Prediger eingeteilt. Die Gemeindemitglieder haben uns als kollegial wahrgenommen und sich über „Abwechslung“ gefreut.

Schon bei der ersten Besprechung wurden auch Lektoren und Prädikanten eingeteilt. „Bei diesem Lektor musst Du Dich um eine Fahrtgelegenheit kümmern. Er fährt kein Auto“ sagten meine Kollegen als ein bestimmter Name genannt wurde. „Aber das ist kein Problem, das wissen die Verantwortlichen und kümmern sich um Abholen und „Zurückfahren“. Ich telefoniere mit diesem Prediger und er nennt mir in einem Nebensatz: „Ich bin ein Mennonit“. Ich staune. Ich hätte nie gedacht, dass jemand im Ries zu dieser Freikirche gehört, mit der die lutherischen Landeskirchen ein Abkommen getroffen hatten.

Also schaue ich in meinen Unterlagen nach und entdecke viele interessante Informationen. Die Mennoniten gehen auf den niederländisch-friesischen Theologen Menno Simons zurück. Mit neun Jahren hat er schon beschlossen, Pfarrer zu werden. Am 26. März 1524 wurde er zum Priester geweiht. Über seine ersten Jahre äußerte er sich später kritisch. Nach eigenen Angaben führte er in den ersten Jahren als Pfarrer en ausschweifendes Leben, das von Glücksspiel und Alkohol geprägt war. Dann kamen bei ihm Zweifel an der katholischen Abendmahlslehre. Er studierte u.a. die Schriften von Martin Luther und deswegen wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Dies gipfelte in den Erlass der Behörden vom 14.10.1529, dass schon der Besitz reformatorischer Schriften mit dem Tode bestraft werden würde.

Wenige Jahre später hinterfragte Menno Simons auch die Kindertaufe und schloss sich der sog „Täuferbewegung“ an. Er lehnte ab diesem Zeitpunkt die Praxis der Kindertaufe ab. Die niederländischen und norddeutschen Täufer wurden nach ihm benannt und bald als Mennoniten bezeichnet und später wurde daraus eine evangelische Freikirche.

Bei meinem Theologiestudium in Marburg 1980 sagte der Professor der Kirchengeschichte bei einem Seminar: „Menno Simons wollte Luther seine Lehre darstellen um eine gemeinsame Strategie zu finden. Luther hat ihm wegen seiner Ablehnung der Kindertaufe mit dem Fuß einen Tritt in den Hintern gegeben und ihm so vor die Tür gesetzt“. Ich habe diese Geschichte nirgends gelesen. Ich weiß also nicht, ob sie stimmt. Aber eindrücklich ist sie schon. Ich bin froh, dass der Umgang zwischen Landeskirche und Freikirche jetzt ein ganz anderer ist. Heute vor genau 460 Jahren, am 23. Januar 1561 ist Menno Simons in Wüstenfelde bei Bad Oldeslohe gestorben. Deshalb ist der heutige 23.1. sein Gedenktag.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 313 vom 22.01.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Vom Schurken zum Glauben an Jesus kommen

Wie spricht Gott Menschen an, damit sie zum Glauben an Jesus kommen? Diese Frage beschäftigt viele Christen. Es gibt verschiedene Impulse und Möglichkeiten, denen sich Verantwortliche bedienen. Ich erinnere mich an meine Jugendzeit in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Fast jedes Jahr wurden in der Nähe meiner Heimat Evangelisationen angeboten und Menschen sind zum Glauben gekommen. Ich selbst habe von Kind an den Glauben an Jesus kennengelernt in der Familie, in der Schule und in der Jugendgruppe des CVJM. Ich bin sozusagen mit dem Erwachsenwerden in den Glauben an Jesus „hineingekommen“. Auch wenn ich manche Glaubensprägungen von damals „hinter mich gelassen habe“, möchte ich diese Zeit in meinem Leben auch im Rückblick nicht vermisst haben.

Daneben kenne ich Menschen, die auf einer eher radikalen Art und Weise zum Glauben gefunden haben. Sie waren im Leben „ganz tief unten“ und hatten dann Begegnungen mit Gott auf ganz verschiedene Art und Weise. Ich erinnere mich an Menschen wie Joe Scharwächter, genannt „Halleluja-Joe“. Er war ein Zuhälter und verbrachte fast 10 Jahre seines Lebens im Gefängnis. Dort kam er zum Glauben und wurde schließlich Pastor der Heilsarmee. Es kam zu einem erneuten Absturz, zu Ehebruch und Scheidung. Und wieder kam es zu einem Neuanfang mit Gott.

Warum ich das in diesem Update erzähle? Am 23.01.1790 und damit genau morgen vor 231 Jahren wurde das Schiff „Bounty“ eigenmächtig in Brand gesetzt, um jede von See aus sichtbare Spur zu vernichten. Die Geschichte der „Meuterei auf der Bounty“ gehört wohl zu den faszinierendsten Geschichten überhaupt und wurde mehrmals im Film umgesetzt. Am 18. April 1789 gab es die berühmte Meuterei an Bord. Kapitän Bligh wurde mit 18 treuen Mannschaftsmitgliedern im Pazifik auf einem kleinen Beiboot ausgesetzt und rettete sich und die anderen nach Timor. Die Meuterer dagegen segelten mit dem neuen Kapitän und Meutereianführer Fletcher Christian wieder nach Tahiti zurück. Einige bleiben dort (und wurden später alle entdeckt), die anderen flüchteten zu den Pitcairn-Inseln im südlichen Pazifik. .

Als Kind von 10 Jahren habe ich den Film mit Marlon Brando in der Hauptrolle gesehen Meine Sympathien galten sofort den Meuterern. Inzwischen weiß ich, dass die Navigationskünste von Kapitän Bligh unübertroffen sind und er nur dadurch viele Menschenleben retten konnte. Als 1814 die Insel Pitcairn „entdeckt“ wurde, hat nur noch ein einziger der Meuterer überlebt: John Adams. Er war ein Straftäter und flüchtete mit der Bounty vor den Gerichten. Ab 1800 war er zusammen mit zehn polynesischen Frauen und 23 Kindern der einzige Erwachsene auf der Insel. Er fand den Glauben an Gott und bildete eine christliche Gemeinschaft. Deshalb wurde er begnadigt und gilt bis heute als geistiger Gründervater der Inselgemeinschaft. Der einzige Siedlungsort auf Pitcairn lautet bis heute Adamstown. So ist dieser Mann „auf Umwegen“ vom Straftäter zum Christen geworden, dem die Leute auf dieser Insel noch heute viel verdanken. Jedes Jahr am 23.1. verbrennen die Einwohner von Pitcairn zu Ehren der Bounty ein Schiff zur Erinnerung an dieses Geschehen. Und ich stelle fest, wie Gott aus Krisen etwas Gutes machen kann. Und das erhoffe ich mir auch von dieser Coronakrise.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 312 vom 21.01.2021

Tägliche Gedanken in einer schwierigen Zeit, heute von Dr. Mathias Kropf

Geh aus mein Herz…

Der Text eines bekannten Sommerliedes von Paul Gerhardt (1607–1676) „Geh aus mein Herz und suche Freud“ hat mich zum Schreiben dieser Zeilen angeregt. Ich fand die folgende Geschichte im Internet als ich für meine Frau Elena nach Informationen zu dem Text dieses Liedes für ihre Arbeit im Sigmund Faber Haus Hersbruck suchte. Erstmals erschien der Text und die Melodie zu diesem Lied 1653 in der fünften Auflage von Johann Crügers Gesangbuch. Johann Crüger (1598 – 1662) war seiner Zeit ein beliebter Komponist bekannter protestantischer Kirchenlieder und sozusagen der Hauptkomponist der Texte von Paul Gerhardt. Das folgende Gespräch zwischen Paul Gerhardt und dem Leiter des Schulchores in Mittenwalde (Brandenburg) habe ich stark verkürzt und überarbeitet. Den vollständigen Originaltext findet man unter: https://www.frieder-harz.de/pages/rel.paedagogische-beitraege/erzaehlen/die-geschichte-des-monats/2018/juli-2018-geh-aus-mein-herz.php

Und so beginnt diese Geschichte: „An einem Sommertag im Jahr 1653 sind zwei Männer unterwegs von der Stadt Mittenwalde in Brandenburg zu einem der nahe gelegenen Dörfer. Der eine ist Pfarrer Paul Gerhardt, der Stadtpfarrer von Mittenwalde, der andere ist der Leiter des Schulchors, der oft mit den Schulkindern in den Gottesdiensten singt. Pfarrer Gerhardt muss sich auch um die Dörfer im Umkreis der Stadt kümmern, und dazu gehört der Unterricht an den Schulen. Aus diesem Grund sind die beiden unterwegs.                                                                             

Der Kantor spricht zum Pfarrer Paul Gerhardt: „Sie können den Menschen so viel Tröstendes sagen – mit Ihren Worten, Gedichten und vor allem mit Ihren wunderbaren Liedern. Immer wieder kommen neue dazu. Ich übe sie sehr gerne mit den Kindern ein. Wir singen sie dann im Gottesdienst und üben sie mit der Gemeinde. Wie im Nu sind sie dann wie ein neues Goldstück in der Schatzkiste unserer Kirchenlieder, mit der Sie uns so sehr bereichern“.

Paul Gerhardt lächelt bescheiden und meint dann: „Gott hat mir die Gabe zum Dichten geschenkt, und von dieser Gabe teile ich gern aus“. Der Kantor antwortet: „Es sind so schöne Lieder, die uns das ganze Jahr hindurch, an Sonn- und Werktagen begleiten. Wir sind auch stolz darauf, dass sie bei uns in Mittenwalde entstehen und dann bald darauf im ganzen Land gesungen werden“.

Dann, nach einer längeren Gesprächspause, meint der Lehrer: „Ein wunderbarer Morgen ist es heute. An solchen Tagen gehe ich gerne mit den Kindern hinaus ins Freie. Wir hören, lauschen und schauen. Es ist ein wahres Gottesgeschenk, wie nach den schlimmen Kriegszerstörungen* wieder so viel Schönes wächst und gedeiht“.  [*Dreißigjähriger Krieg (1618 – 1648)]

Paul nickt und meint: „Mir bedeutet das Leben in und mit der Natur auch sehr viel“. So gehen sie schweigend weiter, lauschen und schauen. Sie hören das Morgengezwitscher der Vögel, das durch keine anderen Geräusche gestört wird, hören das Gesumm der Bienen und Hummeln, die eifrig nach Blüten suchen. Dazu kommt dann auch das Plätschern eines Baches, an dem sie gerade entlang gehen. Der Blick schweift weit über die Landschaft.

Dann meint Pfarrer Gerhardt: „Ich freue mich sehr, dass Sie mit den Kindern dieses Lauschen und Schauen einüben. Da können wir viel von Gottes Kraft spüren, die alles in der Natur durchdringt. Sie lässt immer wieder so viel Schönes wachsen und schenkt uns Freude, für die wir Gott danken können. Sie erinnert uns so auch daran, dass Gott viel Wunderbares für uns bereit hält, das wir jetzt noch gar nicht sehen und wissen, sondern nur erahnen können“. Der Lehrer hört aufmerksam zu, was Pfarrer Gerhardt sagt und meint dann ganz vorsichtig: „Sind das vielleicht schon Gedanken zu einem neuen Lied? Erlebe ich da gerade die Entstehung eines Sommerliedes mit, in dem es ums Lauschen und Schauen, um Danken und Loben geht?“ Paul Gerhardt lacht: „Sie können wohl Gedanken lesen“, und dann murmelt er leise vor sich hin: „Geh aus, mein Herz und suche Freud…“. Bis hier hin die Geschichte.

Mich hat in dem sehr einfühlsamen Dialog zwischen Paul Gerhardt und dem Kantor der Satz bewegt, wo es heißt: „Wir hören, lauschen und schauen“! Vieles können wir lauschend und sehend in der uns umgebenden Schöpfung mit allen Sinnen wahrnehmen. Einen schönen Bibelvers verbunden mit einer wunderbaren göttlichen  Verheißung finden wir in dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther im zweiten Kapitel.

Vers 9: „Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.“

Hier geht es auch ums Hören, Lauschen und Sehen, aber in eine ganz neue Dimension, die für unsere Sinne nicht direkt zugänglich ist. Es ist die Welt unserer Herzen, zu der wir im Glauben und im Gebet Zugang haben. Paulus bezieht sich in dem Vers 9 aus seinem ersten Korintherbrief auf einen Bibeltext des Propheten Jesaja. Dieser hatte schon vor etwa 2700 Jahren Gottes Verheißung für die, die IHN lieben nieder geschrieben: „Auch hat man es von alters her nicht vernommen. Kein Ohr hat gehört, kein Auge hat gesehen einen Gott außer dir, der so wohl tut denen, die auf ihn harren.“ (Jes 64,3)

Das Wort „harren“, dass hier Luther verwendet, wird meist in der Bedeutung von „sehnsüchtig auf ein bestimmtes Ereignis warten“ gebraucht. Lernen wir wieder auf Gottes leise Impulse in unseren Herzen zu lauschen und zu hören! ER hat uns verheißen, dass Seine Schafe Seine Stimme hören werden (Joh 10,27). Die uns umgebende Natur mit ihrer Vielfalt an Farben und Formen, die Paul Gerhardt in seinem Sommerlied so wunderbar beschreibt, möchte uns dazu immer wieder ein inspirierender Wegweiser sein! Jeder Vers in diesem Lied ist schon ein kleines Gebet, das sich zum Himmel empor schwingt und von unserem Schöpfer ganz sicher vernommen wird:

„Mach in mir deinem Geiste Raum,

dass ich dir werd´ ein guter Baum,
und lass´ mich Wurzel treiben.

Verleihe, dass zu deinem Ruhm,
ich deines Gartens schöne Blum

und Pflanze möge bleiben.“

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 311 vom 20.01.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Palliativ betreute Menschen impfen?

Viele Hoffnungen werden jetzt auf die verschiedenen Impfstoffe gesetzt. Offenbar haben viele Wissenschaftler auf der ganzen Welt zusammengearbeitet und so wurden im Schnellverfahren verschiedene Vakzine entwickelt. Viele Länder haben eine besondere Impfstrategie entworfen. Deutschland gehört auch dazu. Zuerst sollen die Menschen, Ärzte und Pfleger/-innen in den Alten- und Pflegeheimen geimpft werden. Neben Erfolgen gibt es nach den ersten Tagen auch negative Rückmeldungen. So sind einige Bewohner dieser Heime einige Tage nach der Impfung an Corona erkrankt und gestorben. In einer Woche wurden mir sechs Beerdigungen für unseren Friedhof gemeldet. Es sind alles Menschen, die zuletzt in einem Heim gelebt haben und an Corona gestorben sind.

Vorgestern habe ich dann eine besondere Meldung gelesen: „Geimpfte Bewohnerin in einer stationären Palliativstation nach der Impfung an Corona erkrankt und gestorben“. Diese Schlagzeile hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich habe selbst schon mehrere Leute seelsorgerlich betreut, die palliativ behandelt worden sind. Dieser Lebensabschnitt bereitet einen Menschen auf das Sterben vor. Helfer/-innen sind da und begleiten 24 Stunden. Jederzeit kann ein Arzt gerufen werden, der sofort kommt. Viele Menschen in diesem Stadium haben diese Begleitung sehr geschätzt im Wissen: Mein eigenes Sterben steht unmittelbar vor der Tür.

Bei den verschiedenen Verstorbenen in letzter Zeit war kein einziger dabei, der trotz Corona einen „schlimmen“ Tod hatte. Mittels Medikamente konnte sehr gut geholfen werden, so dass der Sterbende ohne Schmerzen in Ruhe „einschlafen“ konnte. Ich bin darüber dankbar trotz aller Trauer für die Angehörigen. Deshalb bin ich mir nicht sicher, ob es eine gute Entscheidung ist, Menschen bei Palliativbehandlung zu impfen und womöglich einer zusätzliche Coronainfizierung auszusetzen. Ich weiß auch nicht, ob diese Impfung immer im Sinne des Patienten geschehen ist.

Oder ist es vielleicht Ausdruck dafür, dass ich als Mensch machtlos gegenüber den Tod bin und mit allen Mitteln versuche, diesen „nicht wahr werden zu lassen“. Ich denke daran, dass ich bei fast jedem Beerdigungsgespräch die bekannten Worte aus dem Psalm 91, 12 bete: „HERR, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“. In diesen Tagen ist mir dieser Gedanke wieder viel bewusster als sonst. Beim Gebet füge ich dann immer auch noch hinzu: „… und dir nachfolgen“. Und das ist mir ganz wichtig.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 310 vom 19.01.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Der Christbaum ist der schönste Baum, den wir auf Erden kennen

Wir haben es tatsächlich geschafft. Alle haben zusammengeholfen. Strenge Hygienevorschriften haben uns geleitet. Und damit hat alles geklappt: die sog. Christbaumaktion.

Es war für mich eine der allerersten neuen Erfahrungen, als ich im Herbst 1996 nach Altensittenbach kam. „Herr Pfarrer, gleich nach den Weihnachtsferien findet die Christbaumaktion statt. Das ist wirklich eine tolle Aktion und ein wenig Geld kommt auch zusammen“. So wurde mir das vorgestellt. Vor allem Konfirmanden und Jugendliche sind an diesem Tag gefragt. Die „Versprechen“ wurden mehr als gehalten. Das Dorf wird in einzelne Bezirke eingeteilt und Gruppen mit bis zu vier Leute gehen zu den Häusern und fragen nach Christbäume, die entsorgt werden müssen. Danach werden Bäume zu Sammelstellen getragen und von dort zum Häckseln abgeholt.

In den ersten Jahren erlebte ich so manches Chaos. Vor allem hinterher. Denn es gab Würstchen oder Pizza zum Essen. Dann erlebte ich zwei Jahren hintereinander, dass die Pizza teilweise durch den Gemeinderaum geworfen wurde. Da war sicherlich auch ein wenig jugendlicher Übermut dabei. Aber es war für mich der Grund, eine andere Art und Weise für das „Hinter her Essen“ zu überlegen. Seit vielen Jahren macht nun der Jugendreferent Viktor Ambrusits Langos zum Essen, das vielen Jugendlichen sehr lieben und der Knoblauchgeruch hängt tagelang im Haus. Wer das nicht mag, kann Brezen essen. Manche Jugendliche vernaschen auch noch die Süßigkeiten, die sie erhalten haben.

In diesem Jahr war alles anders. In den Gruppen konnten nur zwei Leute laufen und Mund-Nasen-Schutz war natürlich Vorschrift. Es durfte auch keinen direkten Kontakt zu den Leuten im Haus geben. Es kamen aber dennoch 151 Bäumen zusammen und damit sogar vier mehr als im vergangenen Jahr. Da sind wir stolz und glücklich. Seit einigen Jahren beteiligt sich der Verein „Sittenbächer Kirwa e.V.“ an dieser Aktion. Ich bin dafür sehr dankbar. Dieser Verein spielt in meinem Leben an einer ganz anderen Stelle noch eine große und unvergessliche Rolle. Aber dazu mehr im Update 322 am 31.01.2021.

Mit dem Christbaum geht es so wie mit vielen anderen Symbolen. Sie haben einen teilweise heidnischen Ursprung und wurden mit dem Glauben an Jesus uminterpretiert und auf Christus bezogen. Manche lehnen das ganz ab. Ich meine aber, dass das durchaus gestattet ist. Denn auch schon vor dem Leben von Jesus auf dieser Welt, hat Gott diese Welt geschaffen und Menschen haben sich gefragt: Woher komme ich und wohin gehe ich? Immergrüne Bäume verkörperten schon im alten Ägypten das ewige Leben. Die Römer bekränzten zum Jahreswechsel ihre Häuser mit Lorbeerzweigen. Wann das Aufstellen des Christbaumes ein allgemein üblicher Brauch im Christentum wurde, weiß niemand so ganz genau. 1605 gibt es darüber im Elsass eine Aufzeichnung. 1611 schmückte Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien erstmals einen Weihnachtsbaum mit Kerzen. Ich verweise gerne neben dem „Immergrünen“ darauf, dass die Zweige wie Kreuze angeordnet sind und damit ein Hinweis auf Karfreitag und Ostern zu sehen ist. Als Kind und Jugendlicher habe ich gelernt: Der Christbaum wird bis zum 06.01. „angezündet“. Irgendwann im Studium habe ich dann erfahren, dass die Weihnachtszeit bis zu „Lichtmess“ geht (02.02.). Und das habe ich dann auf allen meinen drei Pfarrstellen auch so eingeführt.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 309 vom 18.01.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Wie wichtig manchmal Papierfetzen sind?

Was ist die Bibel wert? Kann ich ihr und dem Text trauen? Oder sind da Märchen aus uralten Zeiten zu Papier gebracht? Welche alten schriftlichen Überlieferungen gibt es? Viele Theologen und Archäologen sind dieser Frage nachgegangen.

Darunter war auch Konstantin von Tischendorf. In Leipzig studierte er von 1834 an Theologie und Philologie. Promotion und Habilitation folgten. Ihn interessiert aber vor allem die Textgeschichte des Neuen Testamentes. Er wollte unbedingt einen gesicherten Bibeltext haben. Mein Professor für Neues Testament in Neuendettelsau, August Strobel, hat erzählt, dass von Tischendorf ein ungewöhnlich scharfes Auge hatte. Er unternahm viele Reisen, um den Text des Neuen Testamentes auf den ältesten Handschriften zu finden. Die Regel heißt: Je näher an den Originalquellen, desto glaubwürdiger der Text. Er ahnte, dass ein möglicher Ort für diese Suche das Katharinenkloster auf der Sinai-Halbinsel sein könnte. Schließlich war dieses Kloster eines der ältesten überhaupt.

Insgesamt dreimal verbrachte er eine längere Zeit an diesem Ort. 1844 hat er offenbar 86 Blätter gefunden, diese aber im Kloster zurückgelassen. Um diese zurückzuholen, unternahm er zwei weitere Reisen dorthin. Prof. August Strobel hatte einen Sinn für Dramatik und erzählte auf spannende Art und Weise dieses Ereignis. Ob das immer so genau gestimmt hat? Ich weiß es nicht. Aber es hört sich gut an. Strobel berichtete davon, dass von Tischendorf 1859 bei seiner letzten Reise zum Kloster nach vielen Tagen Besuch abreisen wollte. Er war nicht zufrieden mit seinen Forschungen. Am Abend vorher sieht er einen Klosterbruder mit einem Eimer durch das Kloster gehen. Tischendorf redet mit ihm und fragt nach dem Inhalt. Der Mönch meint, dass er ein paar alte Papierfetzen entsorgen will. Tischendorf schaut sich das genauer an und bittet um das Papier. Er findet genau das, wonach er schon seit Jahren gesucht hat. Diese Geschichte hört sich doch wirklich gut an, oder? Vermutlich wurden ihm aber vom Klostervorsteher diese Textteile gezeigt.

Es wird die berühmteste und genaueste griechische Überlieferung zum neuen Testament: der Codex Sinaiticus. Ob diese Geschichte meines Professors wirklich so stimmt, weiß ich nicht. Aber sie passt zu diesem Mann und auch zur weiteren Geschichte dieses Fundes. Von Tischendorf will die Handschrift dem russischen Zar Alexander II. zum 1000. Jubiläums der russischen Monarchie schenken. Das war im Jahr 1862. 1869 wurde eine Schenkungsurkunde des Codex an den Zaren unterzeichnet. Bis heute fordern die Verantwortlichen des Katharinenklosters den Codex zurück und betrachten ihn als ihr Eigentum. Am 27.12.1933 verkauft ihn Stalin an das Britische Museum in London für 100.000 Pfund und kommt damit an Devisen, um seinen Fünfjahresplan zu finanzieren. Noch 1975 wurden neue Manuskriptfragmente bei Aufräumungsarbeiten im Kloster entdeckt.

Sie alle zeigen, wie wertvoll und glaubwürdig der Text des Neuen Testamentes ist. Es gibt kein anderes antikes Buch, das so genau überliefert ist wie das Neue Testament. Von keinem anderen Buch haben wir solche alte Überlieferungen. Selbst die Texte zum römischen Reich oder der “Gallische Krieg“ von Julius Cäsar sind nicht so alt und gesichert wie der zweite Teil der Bibel. Historisch betrachtet ist auf den Text des Neuen Testamentes absoluter Verlass. Aber natürlich gilt auch hier: Der Text ist nur ein Weg, in Jesus den Christus zu erkennen. Heute vor genau 206 Jahren, am 18.01.1815 ist Konstantin von Tischendorf in Lengenfeld im sächsischen Vogtlandkreis geboren.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 309 vom 18.01.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Was ist der neutestamentliche Text wert?

Was ist die Bibel wert? Kann ich ihr und dem Text trauen? Oder sind da Märchen aus uralten Zeiten zu Papier gebracht? Welche alten schriftlichen Überlieferungen gibt es? Viele Theologen und Archäologen sind dieser Frage nachgegangen.

Darunter war auch Konstantin von Tischendorf. In Leipzig studierte er von 1834 an Theologie und Philologie. Promotion und Habilitation folgten. Ihm interessiert aber vor allem die Textgeschichte des Neuen Testamentes. Er wollte unbedingt einen gesicherten Bibeltext haben. Mein Professor für Neues Testament in Neuendettelsau, August Strobel, hat erzählt, dass er ein ungewöhnlich scharfes Auge hatte. Er unternahm viele Reisen, um den Text des Neuen Testamentes auf den ältesten Handschriften zu finden. Die Regel heißt: Je näher an den Originalquellen, desto glaubwürdiger der Text.

Er ahnte, dass ein möglicher Ort für diese Suche das Katharinenkloster auf der Sinai-Halbinsel sein könnte. Schließlich war dieses Kloster eines der ältesten überhaupt. Insgesamt dreimal verbrachte er eine längere Zeit an diesem Ort. 1844 hat er offenbar 86 Blätter gefunden, diese aber im Kloster zurückgelassen. Um diese zurückzuholen, unternahm er zwei weitere Reisen dorthin. Prof. August Strobel hatte einen Sinn für Dramatik und erzählte auf spannende Art und Weise dieses Ereignis. Ob das immer so genau gestimmt hat? Ich weiß es nicht. Aber es hört sich gut an.

Strobel berichtete davon, dass Tischendorf 1859 bei seiner letzten Reise zum Kloster nach vielen Tagen Besuch abreisen wollte. Er war nicht zufrieden mit seinen Forschungen. Am Abend vorher sieht er einen Klosterbruder mit einem Eimer durch das Kloster gehen. Tischendorf redet mit ihm und fragt nach dem Inhalt. Der Mönch meint, dass er ein paar alte Papierfetzen entsorgen will. Tischendorf schaut sich das genauer an und bittet um das Papier. Er findet genau das, wonach er schon seit Jahren gesucht hat.

Diese Geschichte hört sich doch wirklich gut an, oder? Vermutlich wurden ihm aber vom Klostervorsteher diese Textteile gezeigt. Es wird die berühmteste und genaueste griechische Überlieferung zum neuen Testament: der Codex Sinaiticus. Die Erzählung meines Professors passt zu diesem Mann und auch zur weiteren Geschichte dieses Fundes.

Tischendorf will die Handschrift dem russischen Zar Alexander II. zum 1000. Jubiläums der russischen Monarchie schenken. Das war im Jahr 1862. 1869 wurde eine Schenkungsurkunde des Codex an den Zaren unterzeichnet. Bis heute fordern die Verantwortlichen des Katharinenklosters den Codex zurück und betrachten ihn als ihr Eigentum. Am 27.12.1933 verkauft ihn Stalin an das Britische Museum in London für 100.000 Pfund und kommt damit an Devisen, um seinen Fünfjahresplan zu finanzieren. Noch 1975 wurden neue Manuskriptfragmente bei Aufräumungsarbeiten im Kloster entdeckt. Sie alle zeigen, wie wertvoll und glaubwürdig der Text des Neuen Testamentes ist.

Es gibt kein anderes antikes Buch, das so genau überliefert ist wie das Neue Testament. Von keinem anderen Buch haben wir solche alte Überlieferungen. Selbst die ältesten noch vorhandenen Texte zum römischen Reich oder der “Gallische Krieg“ von Julius Cäsar sind nicht so alt und gesichert wie der zweite Teil der Bibel.

Historisch betrachtet ist auf den Text des Neuen Testamentes absoluter Verlass. Aber natürlich gilt auch hier: Der Text ist nur ein Weg, in Jesus den Christus zu erkennen. Heute vor genau 206 Jahren, am 18.01.1815 ist Konstantin von Tischendorf in Lengenfeld im sächsischen Vogtlandkreis geboren.

Christbaumaktion

Trotz oder vielleicht sogar wegen der Coronapandemie haben auch in diesem Jahr viele Haushalte in Altensittenbach ihre ausrangierten Christbäume den fleißigen Helferinnen und Helfer der evangelischen Kirchengemeinde Altensittenbach übergeben. Es wurden genau 151 Bäume gesammelt und damit sogar vier mehr als m letzten Jahr. Es wurden die strengen Sicherheitsmaßnahmen eingehalten, so dass die Christbäume ohne Gefahr für die Mitarbeiter/-innen eingesammelt werden konnten.

Auf dem Bild sind Stefan Neuner auf dem Wagen mit dem Fahrer Stefan Sperber zu sehen.

Pfr. Gerhard Metzger freute sich wieder über das sehr große Engagement des Vereins „Sittenbächer Kirwä“. Der erste Vorsitzende des Vereins, Stefan Neuner, hatte das hervorragend organisiert. Dadurch konnten die vielen Bäume in knapp zwei Stunden durch die Helfer und den beiden Fahrern Stefan Sperber und Jonas Schwarz nach Ellenbach zur Familie Walter zum Häckseln gebracht werden. Wir bedanken uns auf diesem Weg noch einmal bei allen, die einen Christbaum uns zur Verfügung gestellt haben.