Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 294 vom 03.01.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Liturgisch wird der heutige Sonntag „Zweiter Sonntag nach dem Christfest“ genannt. Unter normalen Umständen würde heute zum letzten Mal am Ende des Gottesdienstes das bekannte Weihnachtslied „O du fröhliche“ gesungen werden. Vermutlich ist es neben „Stille Nacht, heilige Nacht“ das bekannteste Weihnachtslied überhaupt. Es klingt fröhlich und vielen wird es dann im Herzen warm. Pure Freude erklingt aus dieser Melodie und dem Text.

Umso erstaunter war ich, als ich die dahinterstehende Geschichte gelesen habe. Der Text stammt von Johannes Daniel Falk. Er lebte von 1768 – 1826. Die Entstehung des Liedes hat mit allem anderen zu tun, nicht aber mit Freude. Es ist ein Lied mitten in der Krise. Es ist 1816 entstanden. Johannes Daniel Falk hat innerhalb kurzer Zeit vier seiner sieben Kinder an Typhus verloren. Er gründete in Weimar das „Rettungshaus für verwahrloste Kinder“. Den dort aufgenommenen Kindern widmete er das heutige Weihnachtslied. Die Melodie stammt aus einem sizilianischen Marienlied. Interessant ist, dass dieses Lied mehr als die drei uns bekannten Strophen hat. Ursprünglich sollte es neben dem Weihnachtsfest auch die beiden anderen Hauptfesten der Christenheit beschreiben: Ostern und Pfingsten.

Deshalb heißt es in zwei anderen Strophen: O du fröhlich, o du selige, gnadenbringende Osterzeit! Welt liegt in Banden, Christ ist erstanden. Freue, freue dich, o Christenheit“.

O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Pfingstenzeit! Christ, unser Meister, heiligt die Geister: Freue, freue dich, o Christenheit“. Und ganz ehrlich: Das beeindruckt mich schon, wie Johannes Daniel Falk unter dem Eindruck von vier gestorbenen Kinder und der schlimmen Zeit der napoleonischen Kriege dieses Lied mit dieser Freude schreiben kann. Da wird er für mich zum Vorbild in unserer Coronakrise.

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