Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 390 vom 09.04.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Steine als Zeichen der Solidarität

Im vergangenen Jahr kurz nach dem Lockdown gab es überall diese schönen Bilder zu sehen. Kinder und Erwachsene haben Steine bemalt und diese in eine lange Reihe gelegt als Zeichen der Solidarität. Auf den Steinen waren oft auch zustimmende Sätze zu lesen oder kleine Gedichte. Eine besonders schöne Reihe habe ich in Olching beim Besuch der Familie meiner Tochter gefunden.

Als die Kontaktbeschränkungen wieder aufgehoben waren, konnten wir nach vielen Wochen endlich wieder hinfahren. Die dortige Stadt hat ein wunderbares Naherholungsgelände gebaut, das sog. Schwaigfeld. Spielplätze, Fußballplatz, Bocciabahn, Weisen, ein kleiner See. Und im vergangenen Jahr habe ich dort diese wunderbare Steinreihe gesehen und die Botschaften auf den Steinen gelesen. Die Steine waren sehr schön in einer Reihe gelegt und ich habe dieses Miteinander gespürt.

Im März 2021 war ich wieder dort. Gespannt war ich, ob die Steine immer noch da liegen. Es war so. Es gibt aber einen großen Unterschied. Die Steine liegen nicht mehr schön in Reih und Glied. Sie liegen wild durcheinander.

Es ist kein schöner Anblick mehr. Wenn ein Fremder kommen würde, der würde das vermutlich als „Unordnung“ bezeichnen und die Stadtverwaltung anrufen, dass sie doch besser aufräumen soll. Irgendwie war diese neue „Steinanordnung“ für mich ein Gleichnis für die jetzige Situation. Vor einem Jahr hielten die Menschen zusammen. Auch die Politiker bemühten sich, gemeinsame Entscheidungen zu tragen und den Menschen Hoffnung zu spenden. Ein Jahr später ist vieles anders. Es gibt ein Gegeneinander, ein hin und her. Ich spüre deutlich den Druck, bei der Bundestagswahl im September 2021 die eigenen Wählerschichten nicht zu vergraulen. Die Menschen um mich herum sind müde geworden vor lauter Coronamaßnahmen. Jeder hofft, irgendwie gut über die Krise zu kommen. Die Impftermine sind auf der einen Seite sehr begehrt, andere lehnen sie ganz ab. Ich selbst spüre in mir eine große Verunsicherung. Ich hoffe nur, dass diese Steine von Olching wenigstens symbolisch nicht ganz „auseinanderfliegen“ als Zeichen einer auseinanderdriftenden Gesellschaft.

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