Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 406 vom 25.04.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Welcher Markus ist denn gemeint?

Es ist der 11.04.2021. Ich sitze an diesem Sonntag nach dem Osterfest relativ entspannt am Computer. An diesem Weißen Sonntag ging es bis 2019 bei mir „hoch her“. An diesem Tag wird unter normalen Umständen die Konfirmation in Altensittenbach gefeiert. In diesem Jahr lasse ich den Tag ruhig angehen und nehme mir viel Zeit, mit meiner Frau im Molsbachtal von Förrenbach nach Molsberg hinauf und hinunter zu gehen.

An diesem Tag interessieren mich aber auch besonders die Nachrichten. Es wird davon berichtet, dass sich Markus Söder und Armin Laschet auf eine Vorgehensweise bei der Nominierung des Kanzlerkandidaten geeinigt haben. Beide treten vor die Kameras und geben Statements ab. Mein Smartphone „läuft heiß“ und am Abend schaue ich die Tagesschau. Am nächsten Morgen fällt mir ein, dass irgendwann im April der Gedenktag des Hl. Markus ist. Ich hatte aber nicht mehr den genauen Tag im Kopf. Also google ich und gebe ein: „Markus“. Es öffnet sich „Markus Söder„. Gut, kann ich durchaus verstehen. Ich gebe ein: „Gedenktag von Markus“. Schon öffnet sich „Gedenktag von Markus Söder“. Ich staune. Ist er schon ein Heiliger und hat einen eigenen kirchlichen Gedenktag? Ich klicke an und sehe den Hinweis auf die Gedenkfeier an die Corona-Tote in Bayern vom 23.03.2021.

Ich mache einen dritten Versuch und gebe ein: „Evangelist Markus“. Jetzt habe ich das erhoffte Ergebnis. Heute am 25. April feiert auch die evangelische Kirche seinen Gedenktag. Er ist vermutlich am 25.04.68 in Alexandrien als Märtyrer gestorben. Die koptische Kirche sieht ihn als den ersten Papst. In Erinnerung sind mir die vielen Diskussionen in der „Alten Kirche“, wie Jesus als Sohn Gottes und als Mensch verstanden werden kann. Das ist wirklich kompliziert und erspare ich mir hier. Bei meinem mündlichen Examen war ich zu diesem Thema ein Fachmann. Es war mein Spezialgebiet.

Was mich als Pfarrer viel mehr interessiert ist die Tatsache, dass dieser Evangelist fast die Mission des Paulus verhindert hat. Zu Beginn der sog. „ersten Missionsreise“ war Markus mit Paulus und Barnabas unterwegs. Aber schon ganz am Anfang kam es offenbar in Perge zum Konflikt und Markus trennte sich von ihnen (Apostelgeschichte 13, 13). Dass dieser Streit tiefer ging, entnehme ich aus dem Bericht zu Beginn der sog. zweiten Missionsreise. Paulus will mit Barnabas wieder aufbrechen und zuerst einmal die Gemeinden besuchen, die bei der ersten Missionsreise gegründet worden sind. Barnabas wollte dazu auch wieder Markus mitnehmen. Paulus war nach den Erfahrungen bei der ersten Reise strikt dagegen. Der Konflikt eskalierte und die beiden haben sich getrennt. Paulus wendet sich in Richtung Europa, Barnabas geht nach Zypern und in Richtung Osten. „Und sie kamen scharf aneinander, so dass sie sich trennten. Barnabas nahm Markus mit sich und fuhr nach Zypern. Paulus aber wählte Silas und zog fort, von den Brüdern der Gnade Gottes befohlen“ (Apostelgeschichte 15, 39 – 40).

Was ich daran interessant finde: Gott hat nach dem Streit alle drei gesegnet. Sowohl Paulus als auch Barnabas haben viele Menschen zu Jesus geführt. Und Markus gilt bis heute als Gründer der koptischen Kirche (Ägypten) und wird dort sehr verehrt. Nicht immer muss ein Streit oder ein Konflikt in ein Chaos führen. Manchmal reinigt solch eine Krise die Situation und es entsteht Neues. Hoffentlich auch in der Coronapandemie!

Bekannt ist Markus bei den Meisten von uns vermutlich durch die Markuskirche in Venedig. Immerhin war ja auch Papst Johannes XXIII. dort Patriarch bevor er zum Oberhaupt der Römisch-Katholischen Kirche gewählt wurde. Was ich noch spannend finde: Der Evangelist Markus ist auch Schutzpatron der Insel Reichenaus am Bodensee.

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