Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 162 vom 24.08.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Bartholomäusnacht

Es war eine der schwersten Krisen für evangelische Christen überhaupt. Es war die Nacht vom 23.08. zum 24.08.1572 und damit heute vor genau 449 Jahren. Es war ein Pogrom an den französischen Protestanten. Deshalb ging dieses Ereignis als die Bartholomäusnacht ein. Sie wird auch die „Blutnacht“ genannt. Der französische Admiral Gaspard de Coligny und weitere Führer der Hugenotten wurden in dieser Nacht grausam getötet. Die Ermordung war klug ausgedacht. Denn die Führer waren alle anlässlich der Hochzeit des Protestanten Heinrich von Navarra mit Margarete von Valois in Paris versammelt. Die Hochzeit sollte zur Versöhnung dienen und bewirkte genau das Gegenteil.

Es ist das zentrale Ereignis der sog. Hugenottenkriege. Durch die Straßen von Paris zog sich eine Welle der Gewalt, die sich über ganz Frankreich ausbreitete und den etwa 3000 Protestanten zum Opfer fielen. König Franz I. hatte 1535 erstmals Protestanten in Paris verbrennen lassen. Es kam auch später zu weiteren Ausschreitungen. Das alles verhinderte aber nicht, dass die reformierte evangelische Kirche in Frankreich vermutlich über eine Millionen Anhänger hatte. Ein Augenzeuge berichtet: „Da setzte überall in Paris ein Gemetzel ein, dass es bald keine Gasse mehr gab, auch die allerkleinste nicht, wo nicht einer den Tod fand, und das Blut floss über die Straßen, als habe es stark geregnet. Schon war der Fluss mit Leichen bedeckt und ganz rot vom Blut“. Dennoch gingen die Religionskämpfe weiter und führten zum berühmten Edikt von Nantes im Jahr 1598. Darin wurden den Protestanten politische Sonderrechte zugebilligt.

In der Oberstufe im Gymnasium haben wir im Deutschunterricht in der 11. Klasse das Reclam-Heft zur Bartholomäusnacht gelesen und besprochen. Ich war sehr betroffen und gleichzeitig spielt seitdem der 24.08. in meinem Leben bis heute eine gewisse Rolle. Ich war überrascht und erstaunt, dass die Kirche in Alfeld eine Bartholomäuskirche ist und dort noch – wie nur in wenigen Kirchengemeinden hier im Hersbrucker Land – die Kirchweih nach dem Heiligengedenktag gefeiert wird. Es ist immer der Sonntag, der dem Bartholomäustag am nächsten liegt.

Ich kann jetzt besser verstehen, warum die Hugenotten mit einer unglaublichen Zähigkeit auch später in anderen Ländern Fuß gefasst und eigene Gemeinden gegründet haben wie z.B. in Erlangen. Dort steht bis heute am Busbahnhof die Hugenottenkirche.

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