Archiv des Autors: Pfr. Gerhard Metzger

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 298 vom 07.01.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Welches Sternzeichen hast Du?

Herr Metzger, würden sie auch etwas in mein Freundebuch schreiben?“ Manchmal kommen Schüler mit diesem Wunsch zu mir. Meist sind es Schülerinnen. Ich erinnere mich dann immer an meine eigene Kinderzeit. Diese Bücher wurden damals „Poesiealben“ genannt. Und schon vor 50 Jahren waren es vor allem die Mädchen, die solche Erinnerungen haben wollten. Damals war ich nicht sehr darüber begeistert, wenn ich solch ein Buch erhalten habe. Auf einer leeren Seite sollte irgendein sinniger Spruch geschrieben werde. Ich hatte und habe heute noch eine „Klaue“. Noch heute spiegeln mir Gemeindemitglieder, dass ich eine völlig a-typische Schrift für einen Pfarrer habe. Vermutlich wurde ich als sehr kleines Kind vom Linkshänder zum Rechtshänder „umgelernt“. Denn viele Dinge mache ich mit links, z.B. Brot schneiden.

Meine Mutter zog in den Poesiealben gerade Linien und ich schrieb meistens mit Druckschrift, damit es wenigstens einigermaßen zu lesen war. Schon damals fielen mir diese „sinnigen“ Sprüche ins Auge wie z.B. „Das eine sag ich dir, sei immer lieb zu mir“. In Erinnerung bleibt mir auch der folgende Spruch: „Sei immer fröhlich, sei immer froh, wie der Hops im Haferstroh“. Wer kennt heute noch Haferstroh? Über Geschmack lässt sich da trefflich streiten. Dann gab es noch diese besonderen Bildchen, die überall auf den beiden Seiten beklebt worden sind. Meistens habe ich „das Werk“ nur mit tatkräftiger Hilfe von meiner Mutter vollenden können.

Heutzutage ist es einfacher. In den Freundebüchern werden gezielt Fragen gestellt und diese können auch von mir mehr oder weniger gut beantwortet werden. „Dein Lieblingsbuch“, „Dein Lieblingsessen“, Deine Lieblingsfernsehsendung“, „Dein Lieblingslied“. Und dann kommt fast in jedem Buch eine ganz besondere Frage: Die Frage nach dem Sternzeichen. Offiziell bin ich „Widder“. Aber das schreibe ich da nie hinein. Ich habe mich mit der Astronomie und Astrologie näher befasst. Sie kommt vor allem aus Babylon. Und dieses Volk wusste schon um 800 v. Chr., dass die Erde sich um die Sonne dreht. Kaum zu glauben, dass diese Erkenntnis noch 2.300 Jahre später in Europa nicht bekannt war. Aber durch die sog. Ekliptik haben sich auch die Sternbilder verändert. Das wurde aber nie rezipiert. Seit Beginn der Astrologie haben sich so die Sternbilder um etwa einen Monat nach hinten verschoben.

Aber mir geht es um etwas anderes. Ich gebe bei der Frage nach dem Sternzeichen immer folgende Antwort: „Stern von Bethlehem“. Meist ruft das eine Diskussion nach sich. Und genau das ist meine Motivation für diese Antwort. Der Stern von Bethlehem hat den Menschen den Weg zur Krippe gezeigt. Und das soll er auch heute noch tun. Das Sternzeichen des Sterns von Bethlehem zeigt, wer der Christus, der Heiland der Welt ist. Und wer das erkennt, der hat tatsächlich auf das richtige Sternzeichen gesetzt. „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten“ (Matthäus 2, 2).

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 297 vom 06.01.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Darf Melchior schwarz sein?

Diese Schlagzeile hat es immerhin auf die zweite Seite der Nürnberger Nachrichten vom 12.10.2020 gebracht. „Melchior aus Kirche verbannt. Streit um Heilige Drei Könige. Wie rassistisch ist die Gestaltung des Melchior in der Krippe des Ulmer Münster?“. Die Autoren von dpa stellen die Frage, ob die Darstellung der Heiligen Drei Könige mit dem schwarzen Melchior rassistisch sein kann.

Darüber ist in der Kirchengemeinde in Ulm eine heftige Debatte entbrannt. Der dortige Dekan Ernst-Wilhelm Gohl begründet seine Sicht mit folgender Aussage: „Die Holzfigur des Melchior ist etwa mit seinen dicken Lippen und der unförmigen Statur aus heutiger Sich eindeutig als rassistisch anzusehen“. Also soll der Melchior aus der dortigen Krippe verschwinden. Das schlägt Wellen. Selbst der Sprecher des Bistums Regensburg ist da anderer Meinung. Er bewertet diese Darstellung keineswegs als rassistische Meinungsäußerung.

Das hat man also davon, dass man nachträglich den drei Weisen Namen gegeben und sie auch noch mit persönlichen Merkmalen gekennzeichnet hat. Dabei war das alles so gut gemeint. Die drei Männer sollten die damals bekannten Erdteile darstellen: Europa, Asien und Afrika. Deshalb ist der Melchior auch als schwarzer Afrikaner gekennzeichnet. Freunde haben mich persönlich aufgeklärt, dass so nicht mehr gesagt werden darf. Das heißt jetzt „dunkel pigmentiert“. Die Farbe Schwarz gilt als rassistisch. Kann ich durchaus nachvollziehen.

Aber viel wichtiger ist für mich, dass die Hautfarbe keine Wertigkeiten nach sich zieht. Deshalb begrüße ich den Debattenbeitrag von Heinrich Bedford-Strohm, dem Ratsvorsitzenden der EKD und bayr. Landesbischof. Ich zitiere: „Für mich ist entscheidend, ob mit der Darstellung unterschiedlicher Hautfarben implizit oder explizit unterschiedliche Wertigkeiten zugeschrieben werden. Bei den Heiligen Drei Königen geht es um hochstehende Persönlichkeiten, die zusammen mit den armen Hirten zur Krippe kommen. Unterschiedliche Wertigkeiten werden hier gerade nicht zugeschrieben. Im Gegenteil“.

Ich weiß nicht genau!! Aber irgendwie habe ich den Verdacht, dass bei dieser Debatte um den „Melchior“ wieder einmal grundsätzlich gegen kirchliche Traditionen vorgegangen wird. Denn bei mir gibt es nur Menschen, die mir nahe stehen und die mir ferne sind. Und das hat mit der Hautfarbe überhaupt nichts zu tun. Der Kommentator der Zeitung zu diesem Artikel, Alexander Jungkunz, weist darauf hin, dass z.B. der Begriff „Mohr“ früher nicht abwertend war. Im Gegenteil: Er erinnert daran, dass Mauren das pharmazeutische Wissen nach Europa gebracht haben und es deswegen viele „Mohren-Apotheken“ gibt.

Und dieses Stück Geschichte sollte ebenso wenig gelöscht werden wie die Geschichte vom Besuch der Weisen aus dem Morgenland in Bethlehem, auch wenn es keine Heilige, keine Drei und erst recht keine Könige waren. Der Tagesspruch zum heutigen Epiphaniasfest lautet: „Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint jetzt“ (1. Johannesbrief 2, 8b).

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 296 vom 05.01.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Weder drei noch Heilige und erst recht keine Könige

Morgen feiern wir das sog. „Epiphaniasfest“. Kaum jemand kennt dieses Fest mit diesem Namen. Fast alle sagen dazu „Fest der Hl. Drei Könige“. Aber auch dieses Fest ist nur in Bayern, in Baden-Württemberg und in Sachsen-Anhalt ein gesetzlicher Feiertag.

Wenn ich mit Jugendlichen und Erwachsenen darüber rede, dann höre ich noch: „Da kamen doch Kaspar, Melchior und Balthasar zu Jesus und beteten ihn an“. Mancher kennt auch noch die nachfolgende Geschichte, dass ein Engel ihnen beim Rückweg einen anderen Weg wies, damit der König Herodes Jesus nicht finden kann.

In der Konfirmandengruppe nehmen wir oft einen ganzen Samstagvormittag her und schauen uns die Weihnachtsgeschichten genauer an. Dabei liest eine Gruppe die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2 und die andere Gruppe die Weihnachtsgeschichte aus Matthäus 1. Es gibt das erste Erstaunen: Die Hl. Drei Könige stehen ja gar nicht in der bekannten Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium mit den Hirten und dem Stern. Bei den Krippenspielen wird das alles zusammengefasst und es sieht so aus, als würde das in einer Geschichte stehen. Dann staunen die Jugendlichen, dass nicht von Königen die Rede ist und dass auch die Zahl drei nicht vorkommt. Es war offenbar eine Karawane, die von Mesopotamien (dem heutigen Irak) nach Jerusalem gezogen ist. Das alles ist eine sehr gute Möglichkeit, den jungen Menschen auf die Parallelstellen vor allem im Matthäusevangelium hinzuweisen. Sie lesen dann 4. Mose 24, 17; Ps 72, 10 und 15; Jes 60, 6 (Mit dem Land „Saba“ ist allerdings vermutlich das heutige Land Jemen gemeint).

Und schon gibt es ein Gespräch, warum die Weihnachtsgeschichte so und nicht anders beim Evangelisten Matthäus steht. Denn wie kein anderer Evangelist betont er den Zusammenhang vom Alten Testament zur Geschichte von Jesus. Nur noch im Buch der Offenbarung wird dieser Zusammenhang noch stärker und klarer herausgearbeitet. Die Jugendlichen lernen, dass im Mittelpunkt gar nicht so stark das tatsächliche Geschehen der Geburt von Jesus steht, sondern der Zusammenhang, dass der himmlische Vater von Jesus der ist, der sich als der Gott Jahwe dem Volk Israel vorgestellt hat und er der treue Gott für die Juden bis zum heutigen Tag ist. Er hat seinen Sohn Jesus auf die Erde gesandt, damit Menschen erkennen, dass in ihm Vergebung und Gnade geschenkt ist. Natürlich gibt es bei den Jugendlichen dann von mir auch den Hinweis, dass die Reliquien der Weisen aus dem Morgenland im Kölner Dom begraben sein sollen. Aber das ist dann ein anderes Thema.

Persönlich muss ich innerlich immer ein wenig schmunzeln, wenn ich zu anderen sage: Wir feiern das Fest Hl. Drei Könige, obwohl die Namen nicht bekannt sind (und damit können es keine Heilige sein), es keine drei Leute waren und erst recht keine Könige. „Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des HERRN Lob verkündigen“. (Jesaja 60, 6).

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 295 vom 04.01.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die drei Weisen und die Frau

In diesem Jahr habe ich viele Gedichte und Geschichten um das Weihnachtsfest erhalten. Es war Lustiges dabei und dann wieder Geschichten zum Nachdenken. Ich habe durchaus Sinn für Beides. Eine Geschichte hat mich aber besonders angesprochen. Das ist die Geschichte „Die drei Weisen und die Frau“. Sie stammt von Katja Süß und diese Erzählung will ich heute weitergeben:

„Was die alten Geschichten nicht erzählen, ist, dass mit den drei Weisen, die das Kind suchten und fanden, auch eine Frau unterwegs war. Mit den drei Männern folgte sie dem Stern, befragte Herodes und kam nach Bethlehem. Aber dort ging sie nicht mit in das Haus, nur durch ein Fenster sah sie das Kind mit seiner Mutter und die drei, die vor dem Neugeborenen niederknieten, ihre Schätze auftaten und ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe schenkten, als habe sie nicht damit zu tun.

Bald wandte sie sich um, ging raschen Schrittes davon. Sie hatte ihren Sinn schon auf die Heimat gerichtet, aber plötzlich hielt sie inne und lief zurück, zurück zum Kind. Den Stern brauchte sie nicht mehr, denn der Ort war noch in ihrem Herzen. Und jetzt kniete auch sie vor dem Neugeborenen nieder und reichte ihm ihre Gabe: ihren Wanderstab.

Nimm meine Starrheit“, sagte sie. „Mein unerlöstes Bestreben, alles richtig zu machen, meine Angst, man könne mir einen Fehler nachweisen. Mit deinen Augen vermag ich zu sehen, wie ich dadurch viele Menschen zurechtweise und auf Distanz halte. Du kleingewordener Gott, du vollkommene Liebe zum unvollkommenen, lehr mich deinen Blick. Lehr mich sein wie du“.

Sie schaute das Kind an und ahnte: Der Same war gelegt, das Neue konnte wachsen in ihr. Noch im Hinausgehen zögerte sie: „Und wenn ich jetzt stolpere – ohne Stock, ohne Stütze…?“ Doch ehe sie die Frage beendet hatte, wusste sie: „Dann stehe ich wieder auf. Ich kann jederzeit zurückkehren zu diesem Kind, zu diesem neuen Anfang. Jeden Tag, jede Minute werden Kinder geboren, und mit jedem von ihnen beginnt das Leben neu. Jeden Augenblick neu kann aus meinem Nein ein Ja werden – ein Ja zu dem, was ist. Jetzt kehre ich wirklich auf anderem Weg heim“, dachte sie und ging“.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 294 vom 03.01.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Liturgisch wird der heutige Sonntag „Zweiter Sonntag nach dem Christfest“ genannt. Unter normalen Umständen würde heute zum letzten Mal am Ende des Gottesdienstes das bekannte Weihnachtslied „O du fröhliche“ gesungen werden. Vermutlich ist es neben „Stille Nacht, heilige Nacht“ das bekannteste Weihnachtslied überhaupt. Es klingt fröhlich und vielen wird es dann im Herzen warm. Pure Freude erklingt aus dieser Melodie und dem Text.

Umso erstaunter war ich, als ich die dahinterstehende Geschichte gelesen habe. Der Text stammt von Johannes Daniel Falk. Er lebte von 1768 – 1826. Die Entstehung des Liedes hat mit allem anderen zu tun, nicht aber mit Freude. Es ist ein Lied mitten in der Krise. Es ist 1816 entstanden. Johannes Daniel Falk hat innerhalb kurzer Zeit vier seiner sieben Kinder an Typhus verloren. Er gründete in Weimar das „Rettungshaus für verwahrloste Kinder“. Den dort aufgenommenen Kindern widmete er das heutige Weihnachtslied. Die Melodie stammt aus einem sizilianischen Marienlied. Interessant ist, dass dieses Lied mehr als die drei uns bekannten Strophen hat. Ursprünglich sollte es neben dem Weihnachtsfest auch die beiden anderen Hauptfesten der Christenheit beschreiben: Ostern und Pfingsten.

Deshalb heißt es in zwei anderen Strophen: O du fröhlich, o du selige, gnadenbringende Osterzeit! Welt liegt in Banden, Christ ist erstanden. Freue, freue dich, o Christenheit“.

O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Pfingstenzeit! Christ, unser Meister, heiligt die Geister: Freue, freue dich, o Christenheit“. Und ganz ehrlich: Das beeindruckt mich schon, wie Johannes Daniel Falk unter dem Eindruck von vier gestorbenen Kinder und der schlimmen Zeit der napoleonischen Kriege dieses Lied mit dieser Freude schreiben kann. Da wird er für mich zum Vorbild in unserer Coronakrise.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 293 vom 02.01.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Nomen est omen

Gestern war der Neujahrstag für 2021. Ich habe viele Grüße erhalten mit den Worten: „Hoffentlich wird dieses Jahr besser als 2020“. Ganz ehrlich: Das wünsche ich mir auch. Ich erinnere mich an meine Kindheit, dass der Neujahrsgottesdienst nach heutigen Maßstäben relativ gut besucht war. Gegenwärtig verlieren sich die Gottesdienstbesucher an diesem Tag in einer fast leeren Kirche.

Manche fragen mich: „Warum wird überhaupt am Neujahrstag ein Gottesdienst gefeiert?“ Das hat zuerst einmal damit zu tun, dass Christen zum Ausdruck bringen wollen, das vor einem liegende Jahr unter Gottes Schutz zu stellen. Das bringt nach meiner Meinung kein anderes Lied so zum Ausdruck wie EG 62: „Jesus soll die Losung sein, da ein neues Jahr erschienen. Jesu Name soll allein denen heut zum Zeichen dienen, die in seinem Bunde stehn und auf seinen Wegen gehn“.

Dass Christen am Neujahrstag (immer noch?) einen Gottesdienst feiern, hängt auch damit zusammen, dass dieser Tag der sog. „Tag der Beschneidung und Namensgebung von Jesus“ ist. Seine Eltern lassen ihn nach jüdischer Tradition genau eine Woche nach der Geburt beschneiden. Bis heute ist dieser Ritus für Juden ein Zeichen des Bundes Gottes mit seinem Volk Israel. Im ersten Buch Mose im 17. Kapitel wird erzählt, wie Gott in seiner Begegnung mit Abraham dieses Zeichen als Vergewisserung des Bundes angeordnet hat.

Für Martin Luther war der zweite Teil dieses Tages natürlich wichtiger: Die Namensgebung von Jesus. Dieser Name kommt vom Hebräischen „Joschia“. Die lateinische Form „Josua“ ist vielen bekannter. Denn Josua war der Nachfolger von Mose. Er hat das Volk Israel in das gelobte Land Kanaan geführt. Viele Kinder heißen auch in Deutschland mittlerweile „Josua“ oder „Joschua“. Die Bedeutung ist: „Gott hilft“. Und das benötige ich nicht nur im neuen Jahr 2021, sondern jeden Tag. Aber in dieser Zeit vielleicht ganz besonders.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 292 vom 01.01.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die gute Tat am Neujahr

Als Pfarrer habe ich natürlich schon viele Gottesdienste an Neujahr erlebt. In manchen Kirchengemeinden und vor allem in Freikirchen werden keine Gottesdienste mehr an diesem Tag gefeiert. Die Menschen sind „feiermüde“ vom Silvester. Bei uns in Altensittenbach kommen zwischen 15 – und 20 Gottesdienstbesucher/-innen. Wenn ich im Kirchenvorstand nach diesem Tag frage, erhalte ich bis zum heutigen Tag die Antwort: „Für manche Menschen ist es der schönste Gottesdienst im Jahr. So ruhig ist sonst kein anderer Gottesdienst“. Das stimmt vermutlich.

Vor meinem Dienst als Pfarrer habe ich jahrelang jährlich an irgendeinem Ort die Orgel gespielt. Meine Erinnerungen gehen deshalb an jedem Neujahrstag an ein besonderes Erlebnis vom 01.01.1979. Gestern habe ich über die Umstände beim Übergang von 1978 auf 1979 geschrieben. Es waren chaotische Straßenzustände. So fahre ich also zu Beginn des Jahres 1979 mit dem Auto von Habelsee in Richtung Oestheim. Der Gottesdienst war für 9.00 Uhr geplant. Um rechtzeitig anzukommen, allen Unabwägbarkeiten durch den Schnee auszuweichen und um noch ein wenig vorher üben zu können, bin ich um 6.30 Uhr!!!!! losgefahren. Die Strecke beträgt ungefähr 25 km. Die Autobahn A 7 war noch nicht durchgehend gebaut und ich musste die B 25 nehmen.

Kurz vor Insingen sah ich vor mir ein Auto im Straßengraben liegen. Der Fahrer stand verzweifelt auf der Straße und wollte Hilfe erhalten. Tatsächlich gelang es uns, mit dem Seil nach etlichem hin und her das Auto herauszuziehen. Es ging aber nicht mehr los. Also gab es noch eine Starthilfe mit dem Kabel. Letztlich gelang es uns beiden, das Auto wieder zu starten. Der Fahrer war natürlich überglücklich und bedankte sich herzlich bei mir. Ich habe fast eine Stunde dadurch verloren. In der ganzen Zeit fuhr kein anderes Auto vorüber. Wer fährt auch schon am Neujahrstag gegen 6.30 Uhr mit seinem Auto auf einer Bundesstraße zwischen Rothenburg o./T und Insingen?

Immerhin hatte ich einen Menschen helfen können und kam auch noch rechtzeitig zum Üben und Orgelspielen in der Kirche an. Solch eine gute Tat am Neujahrstag um einen Menschen in seiner Krise helfen zu können!! Ich war durchaus ein wenig stolz. Kein Wunder, dass ich das bis heute nicht vergessen habe und an jedem 1.1. daran denke.

Hannah Hümmer von der Christusbruderschaft Selbitz schreibt zum Jahresbeginn: „Das erste Wort und das letzte Wort des Jahres ist dein Name, Jesus Christus, dein Name, in dem alle Liebe lebt, in dem unsere Heimat ist und in dem unsere ganze Hoffnung liegt. Du bist das A und das O, der Anfang und das Ende der Zeit“.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 291 vom 31.12.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Temperatursturz

Ich sitze am 31.12.1978 um 22.00 Uhr in der Jakobskirche in Rothenburg. Mein Orgellehrer, KMD Hans Helmut Hahn gibt wie jedes Jahr ein Silvesterkonzert und gestaltet so für Liebhaber der klassischen Orgelmusik einen schönen Übergang in das neue Jahr. Für die Jahreszeit bin ich relativ „leicht“ angezogen. Es hat 10 Grad plus und nichts deutet darauf hin, dass sich das grundlegend verändern würde. Zu Dritt hatten wird vor Jahren mit dem Orgel lernen angefangen und standen kurz vor dem Absolvieren der sog. externen musikalischen C-Prüfung in Bayreuth. Wir hatten vereinbart, gemeinsam diesen Jahresübergang so zu gestalten und lauschten den Orgelklängen unseres Lehrers.

Nach knapp 90 Minuten gingen wir aus der Kirche um den weiteren Abend zu feiern. Außen angekommen staunten wir. In dieser gut einer Stunde gab es einen Temperatursturz von 20 Grad. Es war bitterkalt und es fing zu schneien an. Noch heute steht im Internet, dass dies der schlimmste Schneesturm der vergangenen 100 Jahren in Deutschland war und dass in manchen Gegenden sogar 20 Grad minus gemessen wurden. Das war also dann ein Temperatursturz von bis zu 30 Grad nach unten.

Für mich stand fest: Jetzt einfach möglichst sicher und dennoch schnell nach Hause kommen. Es gelang mir noch relativ gut. Diese 12 km konnte ich noch gut bewältigen durch vorsichtiges Fahren. Meine Gedanken hingen aber schon an den Morgen des neuen Jahres. Ich war eingeteilt als Orgelspieler in der Kirche in Oestheim. Dort hatte ich ein paar Wochen vorher meine erste Predigt in einem Sonntagsgottesdienst gehalten (siehe mein Update 193 vom 24.09.2020). Mein Gedanken waren: Ich muss morgen möglichst früh losfahren um gut dort anzukommen. 25 km! Normalerweise dauert das eine halbe Stunde. Außerdem hatte ich kaum Zeit zum Üben gehabt. Das muss ich auch noch einberechnen. Im Nachhinein haben sich diese Überlegungen als sehr gut herausgestellt. Aber davon dann morgen mehr.

Hannah Hümmer von der Christusbruderschaft Selbitz schreibt: „Du Anfang und Ende der Zeit, zu dir kommen wir in den letzten Stunden des Jahres. Du hast deine Arme über uns gebreitet in dem zu Ende gehenden Jahr. Deine Liebe hat uns getragen. Auch im neuen Jahr wirst du bei uns sein und uns vorausgehen. Du bist die Mitte, und du wirst das Ende aller Dinge sein.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 290 vom 30.12.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

War Weihnachten vor 2000 Jahren ruhig und staad?

Es war in diesem Jahr tatsächlich ein stilles und „staades“ Weihnachtsfest. Komisch für mich war, dass in den letzten Jahren einige Zeitgenossen mit mir darüber diskutiert haben, dass es in der Advents- und Weihnachtszeit viel zu laut war. „Man sollte doch auf das Eigentliche“ von Weihnachten hinweisen, das waren oft genug die Antworten. Dieselben Menschen haben sich in diesem Jahr bei mir beschwert, dass es diesmal so „ruhig“ war. Tja!! Offenbar kann man es tatsächlich keinem recht machen.

Ich fahre am 19.12. gegen 19.30 Uhr zum Unteren Markt nach Hersbruck. Ein wichtiger Brief muss eingeworfen werden im Wissen, dass nur die beiden Briefkästen direkt am Postamt am Sonntag früh geleert werden. Ich laufe durch den Ort, an dem in „normalen“ Jahren genau zu dieser Zeit am Samstag vor dem 4. Advent Hochbetrieb herrscht. Denn auf diesem Platz findet sonst der Hersbrucker Weihnachtsmarkt statt. In diesem Jahr herrscht hier absolute Stille. Ich begegne keinen Menschen. Ich laufe etwas langsamer und atme diese Ruhe und diese Stimmung ein. Ich versuche, das alles positiv wahrzunehmen und daran zu denken, dass diese „himmlische Ruhe“ angenehm sein kann.

Wenn ich sonst mit Menschen über die Advents- und Weihnachtszeit rede, dann wende ich oft ein, dass damals vor gut 2000 Jahren auch keine Ruhe geherrscht hat. Der Kaiser Augustus hatte eine Volkszählung befohlen. Jeder sollte in seine Heimatstadt reisen. Josef und Maria fanden keine Herberge. Alles war voll und hektisch. Vermutlich ging es in Bethlehem zu wie in einer Touristenstadt am Abend: laut, Menschen haben geschrien, Händler waren auf den Straßen, Räuber und Betrüger waren unterwegs. Wenn es also heutzutage zum Weihnachtsfest laut und schrill ist, dann liegt das näher an der ursprünglichen Weihnachtsgeschichte als die diesjährige Situation. Und gespannt bin ich, wenn in zwei Jahren genau zur Adventszeit die Fußballweltmeisterschaft in Katar über die Bühne gehen wird. „Sightseeing von Fußball bei Glühwein, Plätzchen und Heizungspilze“. Na, das hat uns gerade noch gefehlt!!

Dann ist vermutlich erst recht nötig, wie das Hanna Hümmer von der Christusbruderschaft Selbitz so ausgedrückt hat: „…und wenn dein Leben wie eine arme Bruchbude, wie ein alter Stall ist, liegt darüber die Verheißung, dass da „das ewig Licht“ hereingeht und von da aus durch alle Ritzen und Luken hinausdringt und in die Nacht der Menschheit hineinleichtet…

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 289 vom 29.12.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Der Herr Rotes aus der Weihnachtsgeschichte

Ich kenne den Herrn Weißes“. Tatsächlich habe ich diese Antwort auch schon einmal erhalten auf die Frage in der Schule, wer eine Person aus der Weihnachtsgeschichte nennen kann. Natürlich fallen schnell die Namen „Jesus“, „Maria“, Josef“. Vielleicht auch noch „Hirten“ und manchmal auch „Kaspar“ für einen der sog. drei Hl. Könige!! Aber bei der Nennung von „Herrn Weißes“ musste ich doch kurz nachdenken bis ich auf „den Trichter“ kam. „Du meinst wohl den „Herodes“. Ich schmunzle bei den Gedanken, dass der „Herr Rotes“ äh „Herodes“ leicht mit dem „Herrn Weißes“ verwechselt werden kann nach dem Motto: „Ich wusste es doch, dass an Weihnachten eine Farbe mit im Spiel ist.

Dabei ist die Geschichte von Herodes alles andere als lustig. Er war König in Palästina „von Römers Gnaden“. Diese hatten das Gebiet 63 v. Chr. erobert. Durch geschicktes Taktieren mit den Römern konnte Herodes ein relativ gutes Eigenleben in Judäa führen. Er hatte einen „guten Riecher“ dafür, welcher römische Herrscher an die Spitze kommt. So wechselte er immer wieder einmal die Seiten und konnte sich sehr gut behaupten. Er ließ den Tempel zum dritten Mal bauen und versöhnte sich so mit der eigenen religiösen Elite. Gleichzeitig tat er alles, um nicht gegen die römischen Herrscher agieren zu müssen.

Er wurde „der Fuchs“ genannt und das sagt alles. Auch in den biblischen Geschichten ist das sehr gut herauszulesen. Die sog. Weisen aus dem Morgenland lässt er Jesus finden um einen möglichen aufstrebenden Nebenherrscher von Anfang an zu zerstören. Er ist vermutlich im Jahr 4. V. Chr. gestorben und wurde fast 70 Jahre alt. Von diesem Datum aus wissen wir, dass Jesus ungefähr 4 – 6 v. Chr. geboren wurde. Das deckt sich auch mit der Geschichtsschreibung von der Konjugation von Jupiter und Saturn (siehe mein Update 280 vom 20.12.2020). In die Geschichte ist er als „jüdischer Klientelkönig Roms“ eingegangen. Engel Gottes halfen Josef, damit Herodes das Leben von Jesus nicht zerstören konnte. Aber letztlich gehört auch dieser jüdischer Herrscher zur Geburtsgeschichte von Jesus.