Archiv des Autors: Pfr. Gerhard Metzger

Wenn Corona will, steht (wieder) vieles still, Update 220 vom 21.10.2020

Tägliche Gedanken in einer schwierigen Zeit von Pfr. Gerhard Metzger

Der Treber – äh Treser – äh Trester oder doch Schoten?

Gestern habe ich schon von unserer diesjährigen Apfelsaftaktion berichtet. Das Sammeln war diesmal wirklich keine Krise. Weil so viele Äpfel auf den Bäumen waren, wurden sehr schnell die Säcke voll. Das Problem war dann: Diese vielen Äpfel mussten versaftet werden in einer mobilen Presse. Sebastian war unser Chef und leitete sehr gut an. Um 7.30 Uhr stand er auf der Matte und die Vorbereitungen wurden getroffen. Ab 8.00 Uhr begann das Saften. Es endete erst gegen 17.00 Uhr – ohne Pause!!! Danach kam noch das Abwaschen und Saubermachen. Es war ein langer und arbeitsreicher Tag für alle freiwilligen Helfer/-innen. Ein großes Dankeschön dafür. Ein kleines Problem ergab sich. Wohin mit dem „Treser“? „Aber Gerhard, das heißt doch „Trester wurde mir zugerufen. Es ist der Abfall, der nach dem Pressen zurückbleibt.

Herbert Wendler holt sich einen Eimer „Apfeltrester“ für seine Hühner

Im Nachdenken darüber fiel mir ein, dass wir zu Hause „Treber“ gesagt haben. O.K. Es gibt doch immer mal gewisse Sprachunterschiede zwischen mir als Westmittelfranke und den einheimischen Ostmittelfranken.

Egal! Ich denke bei solchen Gelegenheiten immer an das vielleicht schönste Gleichnis, das Jesus erzählt hat. Die Geschichte vom „Verlorenen Sohn“ oder wie sie jetzt oft bezeichnet wird. Die Geschichte vom „Barmherzigen Vater“. Jedenfalls erzählt Jesus, wie der jüngere Sohn in die Fremde gegangen ist. Dort hat er sein Erbe verprasst und landete schließlich bei einem Bauern, um auf dem Acker die Säue zu hüten. Schon das war ein Affront. Denn für einen Juden sind Schweine unreine Tiere. Er darf nicht mit ihnen zusammen sein, sie nicht hüten und erst recht kein Schweinfleisch essen. Aber genau dorthin wird der jüngere Sohn gestellt: Auf den Acker mit Schweinen zusammen. Und dann gibt es diesen berühmten Vers, der diese Lage „ganz unten“ richtig verdeutlicht: „Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm“ (Lukas 15, 16).  Das Wort „Schoten“ ist eine Umschreibung dafür, dass die Schweine Allesfresser sind und damit auch der biologische Abfall gut bei ihnen aufgehoben ist.

Bei der Apfelaktion habe ich mehrmals mit der Hand diesen „Treser“, „Treber“ oder „Trester“ angefasst und daran gerochen. Vermutlich war der Geruch besser als damals beim „Verlorenen Sohn“. Immerhin: Dort ganz tief unten hat sich dieser junge Mann damals besonnen und sich an seinen Vater erinnert. Er hat sich aufgemacht und die Liebe des Vaters neu erfahren. Und an die besondere Liebe des Vaters und damit an die Liebe Gottes für uns Menschen, die sich in Jesus Christus zeigt, habe ich beim Pressen des Apfelsaftes gedacht. Und das ist doch immerhin eine gute Verbindung: Vom Pressen des Apfelsaftes sich der Liebe Gottes erinnern zu lassen mitten in einer Zeit, in der die Infektionszahlen durch Corona leider wieder steigen.

Wenn Corona will, steht (wieder) vieles still, update 220 vom 20.10.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Datteln waren es

Unsere Apfelsaftaktion ist beendet. Weil wir in diesem Jahr 50 Jahre selbständiges Pfarramt Altensittenbach mit Oberkrumbach feiern, wollten wir diese besondere Aktion durchführen. Vor genau drei Jahren feierten evangelische Christen 500 Jahre Reformation. Es wurde bei uns im Dekanat die Idee umgesetzt, einen Apfelsaft zu pressen mit einem schönen Aufkleber und dieses Getränk zu verkaufen. Wir haben viele seltene Apfelsorten vor allem auf dem sog. Anger stehen. Tatsächlich hatten wir es geschafft insgesamt 140 Beutel in 5-Liter-Packungen herzustellen und zu verkaufen. Damals gab es wenig Äpfel und gutes Wetter. Diesmal war es genau umgekehrt. Es gab sehr viele Äpfel und sehr schlechtes Wetter.

Die vielen Äpfel auf dem Boden sind sehr gut zu sehen.

Mit vereinter Hilfe haben wir es geschafft, insgesamt 260 Beutel wieder in 5-Liter-Packungen zu lagern und im kommenden Jahr zu verkaufen. Wenn ich die Äpfel anschaue, denke ich fast immer an den berühmten Spruch: „Mit solch einem Apfel hat die Eva den Adam verführt“. Kein Wunder, dass im Laufe der Zeit die Frauen immer ein wenig schlechter hingestellt wurden als das männliche Geschlecht.

Ich erinnere mich an Diskussionen, die mit dieser Geschichte ganz vorne aus der Bibel eine angebliche Überlegenheit des Mannes zur Frau begründen wollen. Also liebe Männer (und Frauen). Schaut einmal genau in die Bibel hinein. Dann werdet ihr lesen, dass von einem Apfel nirgends die Rede ist.

Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von seiner Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß“ (1. Mose 3, 6). Ich erinnere mich genau an den berühmten Professor für Altes Testament in Marburg, Otto Kaiser. Er wurde sehr laut und rief eindringlich in den Hörsaal: „Da ist von Frucht die Rede. Vom Apfel steht nichts da. Mit der Frucht sind die Datteln gemeint“. Diese Geschichte vertieft meine sonstige Beobachtung: Biblische Geschichten werden in die eigene Lebenswirklichkeit übertragen. Die Weihnachtsgeschichte sieht auf vielen Gemälden so aus als wäre sie irgendwo in Bayern in den Bergen geschehen. Jesus wird als Mensch mit weißer Hautfarbe dargestellt. Die Krippenszene erinnert mich oft an eine „Deutsche Weihnacht“ mit Schnee. Im Hintergrund singen die Engel „Stille Nacht“.

Es ist wichtig, dass Menschen die biblischen Geschichten in ihre Alltagswirklichkeit übertragen. Dann muss aber im Hinterkopf das Wissen stehen, dass es „real“ ganz anders war. Und dazu gehört eben, dass die Frucht, die Eva dem Adam gegeben hat, kein Apfel war. Außerdem hätte der Adam auch nein sagen können. Aber wer in dieser Szene hier theologisch argumentieren will, der müsste Tausende von Seiten in vielen Hunderten von Büchern lesen. Nicht einmal Theologiestudenten machen das. Es reicht, wenn jeder sich das klar macht: Es war nicht der Apfel, auch wenn er noch so gut schmeckt.

Wenn Corona will, steht (wieder) vieles still, Update 218 vom 19.10.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Frage nach der kollektiven Schuld

Die Frage nach der Schuld der Coronakrise tritt wieder stärker in den Mittelpunkt der Überlegungen. Grund dafür sind wohl die steigenden Zahlen der Infektionen und die Angst vor einem neuen Lockdown. Schauen Sie sich doch jetzt einmal die Überschrift an. Sie hat sich geändert und bringt meine neue Empfindung zum Ausdruck. Ein anderer Grund liegt vermutlich darin begründet, dass in wenigen Wochen die Wahl des neuen Präsidenten der USA stattfinden wird. Der jetzige Präsident, Donald Trump spricht nur vom „Chinavirus“. So benennt er die Krankheit auch nach seiner offenbar überstandenen Infektion.

Es ist immer wieder interessant für mich, das zu beobachten, wie mit dieser Schuldfrage umgegangen wird. Heute an diesem 19.10.2020 denke ich besonders daran. Denn heute vor genau 75 Jahren haben etliche Bischöfe und andere Christen der evangelischen Kirche die sog. „Stuttgarter Schulderklärung“ unterzeichnet. Darunter auch der spätere Bundespräsident Gustav Heinemann. Sie wurde viel diskutiert und es gab auch starken Widerspruch. Dieser liegt vor allem darin begründet, dass die Frage nach der sog. „Kollektivschuld“ abgelehnt wird. Ich finde diese dennoch interessant und wichtig, weil hier der Blick auf Gott gerichtet und eine ökumenische Dimension angesprochen wird. Was ich noch  besonders gut finde: Eine Welt des Friedens kann nur mit der Kraft des Hl. Geistes gebaut werden.

Der Text lautet:

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland begrüßt bei seiner Sitzung am 18.19. Oktober 1945 in Stuttgart Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen. Wir sind für diesen Besuch umso dankbarer, als wir uns mit unserem Volk nicht nur in einer großen Gemeinschaft der Leidenden wissen, sondern auch in einer Solidarität der Schuld.

„Mit großem Schmerz sagen wir: Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. Was wir unseren Gemeinden oft bezeugt haben, das sprechen wir jetzt im Namen der ganzen Kirche aus: Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.

Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang gemacht werden. Gegründet auf die Heilige Schrift, mit ganzem Ernst ausgerichtet auf den alleinigen Herrn der Kirche, gehen sie daran, sich von glaubensfremden Einflüssen zu reinigen und sich selber zu ordnen. Wir hoffen zu dem Gott der Gnade und Barmherzigkeit, dass er unsere Kirche als sein Werkzeug brauchen und ihnen Vollmacht geben wird, sein Wort zu verkündigen und seinem Willen Gehorsam zu schaffen bei uns selbst und bei unserem ganzen Volk.

Dass wir uns bei diesem neuen Anfang mit den anderen Kirchen der ökumenischen Gemeinschaft herzlich verbunden wissen dürfen, erfüllt uns mit tiefer Freude.

Wir hoffe zu Gott, dass durch den gemeinsamen Dienst der Kirchen dem Geist der Gewalt und der Vergeltung, der heute von neuem mächtig werden will, in aller Welt gesteuert werde und der Geist des Friedens und der Liebe zur Herrschaft komme, in dem allein die gequälte Menschheit Genesung finden kann.

So bitten wir in einer Stunde, in der die ganze Welt einen neuen Anfang braucht: Veni creator Spiritus! (Komm, Schöpfer Geist)“

Vom Korn zum Mehl

Trotz der Coronakrise mit den erforderlichen Abständen wurde auch in diesem Jahr ein Familiengottesdienst am Erntedankfest gefeiert. Einige haben sogar trotz Nasen-Mund-Schutz mitgesungen.

Hans-Christian Weiß zeigte anschaulich auf, wie aus dem Korn Mehl wird und schließlich Brot gebacken wird. Dabei hatte er einige verschiedene Getreideähren dabei. Jeder Teilnehmer hatte auch die Möglichkeit, auf ein Weizenkorn fest zu beißen und zu merken, wie sich ein Korn bei der Ernte anfühlt. Natürlich durfte am Ende nicht fehlen, dass jeder auch ein Stück Brot essen konnte. Am 2. Advent soll der nächste Familiengottesdienst stattfinden.

Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 217 vom 18.10.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Weitergeben, was Jesus tat und lehrte

Die Sponsoren brechen weg“. So lautet der Ruf vieler Vereine im Profi-Sport. Das hat sich in den letzten etwa 60 Jahren so entwickelt, dass die Vereine und die Ligen von bestimmten Sponsoren abhängig sind. Manche Ligen sind nach dem Sponsor benannt. Oft ist es so, dass ein Verein in die Versenkung verschwindet, wenn der Geldgeber wegbricht. Es ist ein System, das also „auf Kante“ genäht ist. In dieser Coronakrise wird das besonders offensichtlich. Der Bund wurde schon finanziell um Hilfe gerufen, damit der Profi-Sport überleben kann. Menschen haben bei dieser Art und Weise der Hilfe durchaus verschiedene Ansichten.

Grundsätzlich hat es aber sog. Sponsoren immer schon gegeben. Früher wurden z.B. Dichter und Künstler von Königen und Kaisern unterstützt. Sie haben „am Hof“ gearbeitet und wurden oft genug schnell fallen gelassen „wie eine heiße Kartoffel“, wenn sie Ansichten verbreitet haben, die dem Auftraggeber nicht genehm waren. Daher kommt dieser sinnige Spruch: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“. Ursprünglich war das auf die Minnesänger bezogen, die von Hof zu Hof wanderten und auf die Unterstützung von Regenten angewiesen waren.

Aber auch in der Bibel gibt es einen Hinweis darauf, dass Menschen mit Geld die Verbreitung des Evangeliums finanziell gefördert haben. Sie wollten, dass der Glaube an Jesus schnell und wahrheitsgemäß anderen Menschen bekannt wird. Dazu gehörte vermutlich auch Theophilus, der ganz am Anfang der Apostelgeschichte von Lukas erwähnt wird. Interessant ist die Motivation. „Den ersten Bericht habe ich gegeben, lieber Theophilus, von all dem, was Jesus von Anfang an tat und lehrte bis zu dem Tag, an der er aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den heiligen Geist Weisung gegeben hatteApg 1, 1 – 2).

Lukas berichtet dem Theophilus, nach welchen Grundsätzen er sein Evangelium und die Apostelgeschichte geschrieben hat. Immerhin waren das insgesamt 45 Kapitel des Neuen Testamentes. Damit ist das Werk des Lukas das Größte im Neuen Testament überhaupt. Ihm war wichtig, dass er von Anfang an bis zum Schluss berichtet und dass er nach seinem Sterben als der Lebendige und Auferstandene sich bei seinen Jüngern gezeigt hat. Er legt Wert darauf, die Apostel zu erwähnen. Sie verkörpern die 12 Stämme von Israel und Jesus zeigt sich als der, welcher eine Brücke schlägt von der Erwählung des Volkes Israels bis zu diesem Zeitpunkt. Lukas schreibt so einen großen umfassenden Bericht vom Wirken Jesu und der Entstehung der Kirche, die vor allem durch den Apostel Paulus vorangetrieben worden ist.

So haben wir bis heute einen bleibenden Eindruck, wie Gott den Hl. Geist an Pfingsten über die Jünger ausgegossen und so die Kirche Jesu Christi sich in der ganzen Welt ausgebreitet hat. Heute am 18.10. ist der Gedenktag des Heiligen Lukas und ich finde das sehr interessant, dass so viele Eltern ihren Söhnen wieder diesen Namen geben.

Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 216 vom 17.10.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Der Gottesträger

Es gibt ganz unterschiedliche Art und Weisen mit Lebenskrisen umzugehen. Vor allem dann, wenn es um Leben und Tod geht. Ein besonders Beispiel dafür ist der Kirchenvater Ignatius von Antiochien. Seine genauen Lebensdaten sind gar nicht bekannt. Soviel weiß man allerdings: Er war dort viele Jahre lang Bischof.

Er war schon sehr alt, als er vom römischen Kaiser Trajan verhaftet und nach Rom gebracht wurde. Dort sollte er im Circus Maximus von Löwen zerrissen werden. Auf dem Weg dorthin hatte er sich fest vorgenommen, andere Christen zu stärken und zu trösten. So traf er sich mit ihnen und versuchte sie zu ermutigen. Das tat er, obwohl er selbst Trost und Stärkung über den bevorstehenden Tod nötig gehabt hätte.

Wer solch einen Tod im Glauben stirbt, über den gibt es natürlich viele Legenden. So wird von ihm erzählt, dass er das kleine Kind war, das Jesus in die Mitte gestellt hat, als er sie aufforderte, wie die Kinder zu werden (Markus 10, 13 – 16). Sein Leben, Wirken und Sterben waren so beeindruckend, dass er den Beinamen „Theophorus“, der Gottesträger, erhielt. Mindestens sieben Briefe hat er geschrieben, die in der Theologiegeschichte eine große Rolle spielen, weil sie die Verhältnisse in der Kirche des zweiten Jahrhunderts sehr gut wiederspiegeln. Und nur weil er selbst kein Jünger von Jesus war in dessen Leben auf der Erde (Apostel), stehen diese Briefe nicht im Kanon der Bibel. Immerhin ist Ignatius für mich ein Zeuge dafür, dass auch mitten in Lebenskrisen der Glaube an Jesus Halt und Kraft geben kann. Und das ist jetzt wieder nötiger denn je. Heute am 17.10. feiern Christen seinen Gedenktag.

Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 215 vom 16.10.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Gugelmaicherl

Das ist immer wieder spannend in der Präparandengruppe. Denn irgendwann kommen wir auf die Kirchengemeinden zu sprechen und damit auch auf die Namen der Kirchen. Ich erinnere mich, dass dies in meiner eigenen Konfirmandenzeit Anfang der 70-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts noch anders war. Dass die Kirche von Habelsee dem Michael geweiht ist (siehe mein Update 198 vom 29.09.2020) habe ich von meinem Vater erfahren. Der Ortspfarrer kam nie darauf zu sprechen. Vermutlich wurde das als „katholisch“ abgetan. An meiner ersten Pfarrstelle in Weißenbach/Rhön von 1984 – 1988 hatte ich drei Kirchen. Keine Einzige davon hatte einen Namen.

Gegenwärtig ist das anders. Die Kirchennamen sind auch in evangelischen Gemeinden wieder wichtig und es wird darüber gesprochen. Bei der Nachfrage nach der Thomaskirche in Altensittenbach wissen die Jugendlichen in der Regel Bescheid. „Die Kirche ist wohl nach dem ungläubigen Thomas benannt“. Ja, so ist es. Dieser Jünger steht dafür Pate obwohl ich die Bezeichnung „ungläubig“ nicht mag. Aber das ist ein anderes Thema, auf das ich später einmal (kurz vor dem Weihnachtsfest) eingehen werde.

Schwieriger wird es bei der Frage nach dem Namen der Kirche in der Filialgemeinde Oberkrumbach. Immerhin: Der Name „Margaretenkirche“ ist gegenwärtig. Aber auf die Rückfrage, nach welcher Frau diese Kirche ihren Namen hat, passen viele. Vielleicht fällt dann doch dem einen oder anderen die Geschichte ein, nach der die Figur in der Dorfkirche genannt wird: Die „Gugelmaicherl“. Das ist die liebevolle Bezeichnung für die Kirchenpatronin.

Erzählt wird die Überlieferung, dass eine Margarete von Gugel die Tochter eines adeligen Geschlechts war. Sie weilte einst zu Besuch auf der Burg Hohenstein. Auf dem Heimweg kam sie in eine Krise. Denn sie verirrte sich im Wald. Da läutete das „Glöcklein“ der Kapelle Hirsdorf, einem später eingeäscherten Weiler, der am Weg nach Kirchensittenbach auf halbem Weg nahe dem Bach lag zum Abendgebet. Das abendliche Geläut half dem adeligen Fräulein, den Weg in die elterliche Behausung zu finden. Aus Dankbarkeit stiftete sie die Kirche zu Oberkrumbach. Ihre Ruhestätte soll sich an der Südseite des Kirchturms befinden. Der Sage nach hätten „Peganbrüder“ in ihrer Einsiedelei zu Hirsdorf dreimal täglich ihr Stundengebet in Gugeln gehalten. Das waren rote oder blaue Mänteln mit Kapuzen, die nur die Augen frei ließen (mit einem Nasen-Mund-Schutz zu Coronazeiten hätten sie wohl keine Probleme gehabt). In der besagten Kirchenstifterin und ihrer gleichfalls jungfräulichen Schwester hätten sie ihre Wohltäter gefunden.

Eine sehr schöne Geschichte, wie aus einer Lebenskrise etwas Gutes wurde. Leider ist diese Geschichte nur eine Legende. Denn ein Geschlecht von Gugel findet in den Urkunden keine Erwähnung. Und dass eine Margarete von Gugel heilig gesprochen worden ist und so zur Kirchenpatronin wurde, stimmt leider auch nicht. Aber es gab eine Margareta von Antiochia, die an der Wende vom 3. zum 4. Jahrhundert gelebt hat und schon mit 15 Jahren zur Märtyrerin wurde. Die Legende erzählt, wie ihr im Gefängnis ein Drache erschien, um sie zu verschlingen. Daher kommt vermutlich der „Lindwurm“ unter ihrer Figur. Sie machte schnell das Kreuzzeichen und wurde gerettet. Nicht gerettet wurde sie aber vor der Hinrichtung durch das Schwert. Auf dem Weg dorthin betete sie für ihre Verfolger. Sie ist die Heilige für Schwangere und Gebärende und ist deshalb eine der vierzehn Nothelfer, wie das in der berühmten Wallfahrtskirche „Vierzehnheiligen“ zu sehen ist.

Für mich bleibt es immer noch überraschend, dass ausgerechnet die Kirche in diesem kleinen Dorf nach ihr benannt ist. Heute am 16.10. ist ihr Namenstag. Und alle, die so heißen in allen abgewandelten Formen (z.B. Greta, Gretel o.ä.) dürfen sich freuen. Denn die deutsche Übersetzung lautet: „Die Perle“.

Das Wunder besungen

Trotz wenig verheißungsvollem Wetter und der Coronakrise mit allen notwendigen Hygienemaßnahmen feierten fast 50 Leute am Tag der Deutschen Einheit das 30-jüähriige Jubiläum der Wiedervereinigung im Rahmen der Aktion „Deutschland singt“ auf dem Gelände neben der Thomaskirche Altensittenbach. Im ganzen Land wurde diese Aktion des deutschen Bundesmusikerverbandes Chor & Orchester begangen. Dabei wurden bestimmte Lieder gesungen und damit Gott für die friedliche Revolution vor 30 Jahren gedankt. Viele Gebete gab es über den langen Zeitraum der getrennten Staaten. Schließlich ging von der Nikolaikirche in Leipzig der Hauptimpuls für die Wiedervereinigung aus. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, und Dr. Josef Schuster, der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, hatten für die Aktion die Schirmherrschaft übernommen.

In Altensittenbach spielte der örtliche Posaunenchor die Choräle und Volkslieder. Pfarrer Gerhard Metzger las Lobpsalmen und dankte Gott im Gebet für das Wunder vor 30 Jahren. Entgegen aller Wettervorhersagen hellte der Himmel während der Veranstaltung auf und die Anwesenden freuten sich über die gemeinsame Zeit.

Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 214 vom 15.10.2020

Tägliche Gedanken in einer schwierigen Zeit, heute von Dr. Mathias Kropf

Die Kraft der Worte

Im heutigen Update möchte ich eine wahre Begebenheit aus dem Leben des berühmten Erfinders Thomas Alva Edison (1847 – 1931) berichten. Ihm werden viele geniale Erfindungen in der Elektrotechnik (Gleichstrom), Telegrafie und sogar die erste Kohlefaden-Glühlampe (Glühbirne) zugeschrieben. Diese Geschichte aus den frühen Schultagen seines Lebens bewegt mich immer wieder! Ich habe sie aus dem Buch von Debora Sommer „blühe dort, wo du gepflanzt bist“ (ISBN 978-3-96362-019-5) entnommen:

Eines Tages kam Thomas Edison von der Schule nach Hause und gab seiner Mutter einen Brief. Er sagte ihr: „Mein Lehrer hat mir diesen Brief gegeben und sagte mir, ich solle ihn nur meiner Mutter zum Lesen geben.“ Die Mutter hatte die Augen voller Tränen, als sie dem Kind laut vorlas: „Ihr Sohn ist ein Genie. Diese Schule ist zu klein für ihn und hat keine Lehrer, die gut genug sind, ihn zu unterrichten. Bitte unterrichten sie ihn selbst.“

Viele Jahre nach dem Tod der Mutter, Edison war inzwischen einer der größten Erfinder des Jahrhunderts, durchsuchte er eines Tages alte Familiensachen. Plötzlich stieß er in einer Schreibtischschublade auf ein zusammengefaltetes Blatt Papier. Er nahm es und öffnete es. Auf dem Blatt stand geschrieben: „Ihr Sohn ist geistig behindert. Wir wollen ihn nicht mehr in unserer Schule haben.“ 

Edison weinte stundenlang und dann schrieb er in sein Tagebuch:

„Thomas Alva Edison war ein geistig behindertes Kind. Durch eine heldenhafte Mutter wurde er zum größten Genie des Jahrhunderts.“

Es war bekannt, dass Edison bereits seit seiner Kindheit Hörprobleme hatte und sein Leben lang schwerhörig war. Sehr wahrscheinlich, dass der Brief der Schule damit zusammenhing. Die Mutter von Edison erkannte jedoch trotz aller Hörbehinderung ihres Sohnes sein Talent. Sie hatte die Geistesgegenwart, den Inhalt des Briefes sofort in Worte der Ermutigung und des Segens für ihr Kind umzuwandeln. Schon der Apostel Paulus beschreibt in seinem Brief an die Philipper, was für unser Leben als Christen wichtig sein sollte: „Schließlich, meine lieben Brüder und Schwestern, orientiert euch an dem, was wahrhaftig, vorbildlich und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat. Beschäftigt euch mit den Dingen, die auch bei euren Mitmenschen als Tugend gelten und Lob verdienen.“ (Phil 4,8)

Es bleibt eine tägliche Herausforderung für uns, gerade in diesen Zeiten unsere Worte überlegt zu wählen! Seien wir uns bewusst, dass Gutes (Segen) aber auch Schlechtes (Fluch) in der Macht unserer Worte liegt (siehe Sprüche 18,21). Ein praktischer Lebensstil, der andere Menschen wertschätzend wahrnimmt und dies auch in Worten zum Ausdruck bringt, kann große Veränderungen bewirken – für diejenigen, die unsere Wertschätzung erhalten, aber auch für uns selbst. Noch einmal möchte ich Paulus zitieren. In seinem Brief an seinen Mitstreiter Timotheus spricht er genau über diese Kraft von Worten, die uns auferbauen: „Halte dich an das Vorbild der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe in Christus Jesus. Dieses kostbare Gut, das dir anvertraut ist, bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt.“  (2 Tim 1,13-14)

Wenn Corona will, steht (noch) manches still, Update 213 vom 14.10.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Erinnerungen an meinen Opa

Ein kleines Bübchen bin ich, drum wünsch ich kurz und innig, ein glücklich neues Jahr. Gesundheit Freud und Frieden, sei dir von Gott beschieden, wie jetzt so immerdar“. An dieses Gedicht denke ich jedes Mal, wenn meine Gedanken an meinem Opa Fritz zurückgehen. Er wohnte in Endsee, nur zwei Kilometer von meinem Heimatort Habelsee entfernt. Vor allem zu bestimmten festlichen Gelegenheiten fuhren wir hin. Dazu gehörte der Besuch am Neujahrstag. Das Gedicht von oben war jedes Jahr die Begrüßung. Dazu wurde die Hand gegeben, was ja in der „heißen“ Phase der Coronakrise nicht einmal bei engen Verwandten erlaubt war.

Mein Opa saß immer auf den gleichen Platz hinter dem Tisch auf der Eckbank. Er hatte eine Pfeife im Mund oder rauchte eine Zigarette der Marke Eckstein ohne Filter. In Erinnerung bleibt er für mich als ein gemütlicher älterer Herr, der immer freundlich und gutmütig war. Wenn er bei uns auf dem Bauernhof mitgeholfen hat, dann habe ich mich zu ihm in die Küche zum Abendessen gesetzt. Wir hatten Gespräche und freuten uns an Kartoffel, Wurst, Brot und Sauerkraut. Gerne hat er mich ermuntert, doch genügend von der Wurst zu essen. Mein Leibesumfang als Kind war deshalb ja auch nicht unerheblich. Nie habe ich ihn ärgerlich oder wütend erlebt. Er hatte anscheinend eine Altersmilde bekommen.

Denn Erzählungen von meinem Vater haben verraten, dass er auch anders sein konnte. Seine vier Kinder mussten diszipliniert aufstehen für die Schule oder zum Mithelfen auf dem Hof. Mein Opa Fritz war sehr gewissenhaft und der eigene Hof war sehr gut organisiert. Von meinem Vater kenne ich die Geschichte, dass eine Krise für ihn eine bestimmte Situation auf dem Feld war. Er kramte in seiner Tasche um sich eine Zigarette hervorzuholen. Aber dann kam es doch auch mal vor, dass er keine gefunden hat. Er hatte es in der Hektik der Arbeit schlicht und einfach vergessen, sich einen kleinen Vorrat anzulegen. Da wurde er richtig ärgerlich und mürrisch. Das hat mein Vater so oft erzählt, dass es offenbar richtig nachhaltig für ihn als Sohn war. Ich konnte mir diesen Ärger wegen Zigaretten bei meinem Opa nicht wirklich vorstellen.

In Erinnerung bleibt ein Landwirt aus einem kleinen Dorf, wie es für diese Zeit mitten im letzten Jahrhundert typisch war. Und so werde ich ihn in Erinnerung behalten. Gestern vor genau 42 Jahren ist er „alt und lebenssatt“ verstorben. Und wer davon noch mehr erfahren will, den verweise ich auf mein Update 120 vom 13.07.2020.