Archiv des Autors: Pfr. Gerhard Metzger

Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 389 vom 08.04.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

In der Welt habt ihr Angst

Den folgenden Beitrag habe ich vor einem Jahr kurz nach dem Osterfest geschrieben. irgendwann hatte ich gedacht: Den brauchst du jetzt nicht mehr. Aber ich habe mich (wieder einmal) getäuscht. Ein Jahr später hat er nichts von seiner Aktualität verloren und ich werde ihn hiermit veröffentlichen.

In dieser Coronakrise gibt es einen großen Vorteil. Ich habe mehr Zeit zum Wandern. Ich laufe z.B. in der näheren Umgebung mit meiner Frau und habe mehr Zeit zum Schauen und Staunen über die Schöpfung. Interessant ist, was so alles zu entdecken ist. Bei solch einem Spaziergang habe ich an einem Baum diesen interessanten Zettel gefunden.

Die Botschaft ist Mut machend. Offenbar wollte jemand im öffentlichen Raum solch einen Zuspruch weitergeben. Und das Thema „Angst“ ist auch wirklich greifbar. Natürlich wissen wir jetzt, dass die Höhe der möglichen Todesopfer um das Osterfest sich nicht so entwickelt hat wie befürchtet. Aber die eigene Einstellung dazu hängt auch davon ab, ob ich selbst einen Betroffenen kenne oder nicht. Ist diese Coronakrise also eher weit weg von mir oder kommt sie mir nahe. „Angst“ ist ja ein bestimmtes Phänomen, das mit meiner Person zu tun hat. Beispiel: Mit dem Auto von Hersbruck nach Reichenschwand zu fahren (3 km) ist statistisch gesehen sehr viel gefährlicher als mit dem Flugzeug von Nürnberg nach London. Dennoch kenne ich Leute, die täglich diese Autostrecke bewältigen, aber sich auf keinen Fall in ein Flugzeug setzen würden. Angst hat also damit zu tun, ob ich diese scheinbar selbst steuern oder vermeiden kann. Es ist ein psychologisches Problem. Ich habe in meinem Leben immer wieder Christen getroffen, die zu mir gesagt haben: Ein Christ darf keine Angst haben. Er hat ja Jesus, der mir alle Angst nimmt.

Ich schaue in die Bibel und mir fällt vor allem die vermutlich vielen Leser/-innen bekannte Stelle auf: Christus spricht: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Johannes 16, 33). Wie oft haben sich Verstorbene diesen Jesusspruch als Beerdigungstext gewünscht! Jesus sagt eben nicht: Ihr dürft keine Angst haben! Angst ist ein Zeichen von Unglaube! Wer Angst hier im Leben hat, dem fehlt Vertrauen zu Christus! Das sind nur drei Aussagen zu diesem Thema, die ich mir immer wieder anhören musste. Ich denke, dass solche Aussagen selbst Zeichen von Angst sind. Bin ich richtiger Christ? Wie reagiert Jesus darauf, wenn ich doch Angst habe?

Solche Aussagen zeigen mir, dass offenbar das eigene Gottesbild von Angst geprägt ist. Dabei heißt „Evangelium“ auf Deutsch „Gute Botschaft“. Persönlich habe ich mir angewöhnt, bei Durchsicht einer von mir geschriebenen Predigt jede Formulierung von „müssen“ zu streichen. Ich muss erst mal gar nichts machen, denn Gott hat in Jesus alles für mich getan. Und er kennt auch meine Ängste und Nöte. Er hat die Welt überwunden. Das heißt: Jesus verweist darauf, dass Glaube und Vertrauen zu ihm mehr ist als was in dieser Welt zu sehen und zu erkennen ist. Er überwindet die Angst dadurch, dass er auf seine Kraft verweist. Aber noch lebe ich in dieser Welt. Und damit darf und kann ich meine Ängste formulieren. Und die Botschaft am Baum eines mir unbekannten Zeitgenossen kann mir helfen zu sehen, dass die Angst nicht das letzte Wort haben wird. „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir, weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit“ (Jesaja 41, 10). Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: „Gott gibt Zeiten der Sorge und Angst und Gott gibt Zeiten der Freude“.

Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 388 vom 07.04.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Johann Heinrich Wichern – der Gründer der Inneren Mission

Jedes Kind ist etwas Einzigartiges, so dass ihm eine individuelle Pflege und Behandlung zustehe. Der Mensch habe die Fähigkeit, sich zum „Guten“ zu entscheiden oder aber seine Neigung zum „Bösen“ auszuleben. Der Mensch ist eine freie Persönlichkeit, deshalb sollen Kinder und Jugendliche in Freiheit erzogen werden. Die Erlösung zum „Guten“ kann nur durch den christlichen Glauben geschehen“. Ich finde diese Grundsätze sehr interessant. Sie klingen sehr modern, sind aber schon über 150 Jahre alt. Sie haben dazu geführt, dass sie Teil einer ganzen Bewegung geworden sind.

Sie stammen von Johann Heinrich Wichern, der heute vor genau 140 Jahren, am 07.04.1881 in Hamburg gestorben ist. Im evangelischen Kalender ist das deshalb sein Gedenktag. Sein Erziehungskonzept ist eingebettet in die Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts und geprägt vom sog. „Wiedergeburtserlebnis“. Es geht darum, dass Menschen sich bewusst für Jesus als ihren Herrn entscheiden und ihr Leben und Handeln davon geprägt ist.

Mit 25 Jahren hat Wichern 1833 das „Rauhe Haus“ gegründet. Es hatte den Zwecke, verhaltensauffällige oder straffällige gewordene Hamburger Kinder aufzunehmen. In diesem Rettungsdorf lebten die Kinder nach dem Familienprinzip in Wohngruppen und wurden auf eine Lehre im Handwerk oder auf eine Tätigkeit als ‚Dienstmädchen vorbereitet. Später begann der Umbau zu einer Schulstadt mit Angeboten für Kinder mit Lernschwierigkeiten. 1839 wurde es um das „Brüderhaus“ für den Ev. Verein der „Inneren Mission“ erweitert. Neben der individuellen Verantwortung des Einzelnen sieht er auch die Politik des Staates in der Pflicht, verwahrlosten Kindern und Familien zu helfen. Er hat viele Grundsätze und Erziehungskonzepte geschrieben und umgesetzt. Bekannt ist er vor allem auch durch die Einführung des Adventskranzes geworden. Als Kind ist mir schon hängen geblieben, dass die „Rummelsberger“ sich von ihm ableiten. Das hat auch damit zu tun, dass der Patenonkel meines Vaters eine Zeit lang Leiter des „Auhofes“ war, der bis heute von den Rummelsbergern geleitet wird.

Im Revolutionsjahr 1848 hielt Wichern seine berühmte Rede auf dem ersten evangelischen Kirchentag in Wittenberg. Sie hat über fünf Stunden gedauert. Wichern hat frei geredet und darin die Notwendigkeit der Inneren Mission begründet. Jedem neuen Kind sagte Wichern bei der Begrüßung zu Beginn des Wohnens im „Rauhen Haus“: „Mein Kind, dir ist alles vergeben. Sieh um dich her, in was für ein Haus du aufgenommen bist. Hier ist keine Mauer, kein Graben, kein Riegel, nur mit einer schweren Kette binden wir dich hier, du magst wollen oder nicht, du magst sie zerreißen, wenn du kannst, diese heißt Liebe und ihr Maß ist Geduld. Das bieten wir dir, und was wir fordern, ist zugleich das, wozu wir dir verhelfen wollen, nämlich, dass du deinen Sinn änderst und fortan dankbare Liebe übest gegen Gott und den Menschen“.

Ostern feiern – trotz Corona

Lange wurde darüber diskutiert, ob um das Osterfest Gottesdienste präsentisch gefeiert werden können. Vor vier Wochen wurde vom gesundheitspolitzischen Sprecher der SPD, Karl Lauterbach prophezeit, dass wir mit Sicherheit an Ostern einen Inzidenzwert von 300 haben werden sollte es keinen großen Lockdown geben. Dieser wurde dann beschlossen und von der Kanzlerin wieder zurückgenommen. Ich finde das bemerkenswert und spreche meine Hochachtung dafür aus, dass eine solch hochgestellt Politikerin einen Fehler zugibt. Der Inzidenzwert ist bei rund 130 und damit nicht einmal halb so hoch wie von Karl Lauterbach prognostiziert. In einem Gottesdienst darf nicht gesungen werden und alle müssen FFP-2-Masken tragen. Es kann also nichts passieren. ich danke allen, die zu einem oder mehreren Gottesdiensten gekommen sind und ich danke allen, die auf irgendeine Art und Weise zur Gestaltung beigetragen haben.

Am Karfreitag haben wir in zwei Gottesdiensten dem Tod von Jesus gedacht. Am Morgen wurden traditionelle Choräle gespielt und die Texte gesprochen. Am Nachmittag wurden neue geistliche Lieder von CD gespielt. sogar das Hl. Abendmahl konnten wir unter strengen Hygienebedingungen feiern.

Am Karfreitag steht auf dem Altar nur das Kreuz mit der Dornenkrone, der Bibel und den Abendmahlsgeräten

Am Karsamstag feiern unter normalen Umständen junge Leute die sog. „Osterwache“. Sie treffen sich um 21.00 Uhr im Jugendhaus. Während der ganzen Nacht gibt es Aktionen, Lieder, Essen, Spiele, Gebetszeiten usw. Sie endet mit der Feier der Osternacht in der Thomaskirche mit den Gottesdienstbesuchern, die dazu um 5.30 Uhr kommen. Diese Osterwache war in diesem Jahr nicht möglich. Als Ersatz wurde ein Vitamin C-Gottesdienst für junge Leute um 18.00 Uhr gefeiert, der sehr gut besucht war.

Die Mitarbeiter/-innen für die Osternacht hatten sich viele Gedanken gemacht um diese Feier durchführen zu können. Es wurde ein schlüssiges Konzept gefunden. Die Lieder kamen über Handy und die Texte und symbolische Handlungen wurden „coronatauglich“ vorgetragen. So hat jeder Besucher seine Osterkerze mitnehmen können und sogar die Osterglocken konnten verteilt werden. Am Schluss wurde die Osterfahen wieder gehisst.

In der Kirche musste die FFP-2-Maske getragen werden, aber es war dennoch eine stimmungsvolle Feier.
Die Osterfahne im Licht einer Osterkerze
Einige Gottesdienstbesucher am Ende der Osternacht draußen am Friedhof vor der Osterfahne.

Am Ostersonntag und Ostermontag gab es dann die Gottesdienste zu „normalen“ Zeiten um 9.30 Uhr. Sie waren in diesem Jahr schlechter als sonst besucht und der Posaunenchor durfte nicht spielen. Dennoch war es gut, dass die Osterbotschaft durch die Gottesdienste weitergegeben werden konnte. Das war u.a. auch den Ostergruß vor dem Pfarrhaus der Fall. Ich musste ein wenig kriminalistisches Gespür aufwenden um zu erfahren, wer in diesem Jahr den Ostergruß aufgemalt hat.

Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 387 vom 06.04.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Gott kennen ist Leben

Es war am letzten Dienstag, den 30.03.2021. Ich fahre mit dem Fahrrad zu einem Haus und werfe einen Brief in den Briefkasten. Mit dieser Nachricht teile ich einem neuzugezogenen Gemeindemitglied mit, dass ich ihn gerne besuchen würde, aber das aufgrund der Coronapandemie zur Zeit nicht geht. Ich kündige mich an, sobald die Infektionslage das wieder erlaubt.

Nach dem Briefeinwurf drehe mich mit dem Fahrrad um und will wegfahren. Da kommt ein Mann auf mich zu und fragt, was ich hier mache. Ich erkläre ihm alles. Aber er ist nicht zufrieden. „Das kann jeder sagen. Ich werde mich über sie erkundigen“. Da hatte ich es wieder. Ich war diesem Mann nicht bekannt, obwohl er aus der Stadt Hersbruck in den Ortsteil Altensittenbach gezogen ist. Auch wenn ich mehr als 24 Jahre jetzt hier bin, gibt es noch genug Leute, die mich nicht kennen.

Ich denke in diesem Augenblick schmerzlich an meinen 12 Jahren in zwei Dorfgemeinden zurück. Dort hat niemand nach vier Wochen meine Identität sich bestätigen lassen müssen. Ich erinnere mich an eine Szene etwa sechs Wochen nach meinem Start hier in Altensittenbach im November 1996. Es hatte geschneit und ich wollte nicht mit dem Fahrrad einen Besuch abstatten. Ich bin zu Fuß etwa einen Kilometer dem „Hagen“ hinaufgegangen. Nach dem Besuch war ich etwas knapp für einen neuen Termin dran. Da kam mir ein Auto entgegen und ich hob meine Hand. Vielleicht würde ich ja mitgenommen werden. Die Fahrerin hält und fragt durch die Fensterscheibe, wer ich bin und was ich will. „Können Sie mich mitnehmen zum Pfarrhaus neben der Kirche. Ich bin etwas spät dran zu einem nächsten Termin“. Die Frau schaut mich ein wenig ungläubig an und meint: „Ich kenne sie nicht. Sie müssen leider laufen“. Dieses Erlebnis hat mir zum ersten Mal verdeutlicht, dass ich nicht mehr auf einem Dorf wohne. Altensittenbach ist mit seinen gut 2000 Einwohnern kein Dorf mehr, aber auch noch keine Stadt. Der andere muss mich kennen, damit ich mit ihm in Kontakt bzw.in eine Beziehung kommen kann. Das ist mir nicht nur am vergangenen Dienstag wieder einmal deutlich geworden.

Gleichzeitig unterstreichen diese Erlebnisse, was schon in der Bibel ausgedrückt worden ist. „Gott kennen ist Leben“. Beim Christival 1988 in Nürnberg war dieser Buchtitel das Programm für die ganzen Tage. Nirgends ist diese Tatsache in der Bibel intensiver ausgedrückt als beim Evangelisten Johannes. Leider lassen vermutlich viele Menschen Jesus auf der Straße stehen, weil sie ihn nicht wirklich kennen. Sie haben von ihm in der Schule gehört und vielleicht noch in der Konfirmandengruppe oder in der Firmgruppe oder im biblischen Unterricht. Aber ihn wirklich zu kennen bedeutet: Mit ihm in Beziehung treten, ihn in das eigene Leben lassen, zu entdecken wie er mein Leben führt. Das alles erfordert auch den Willen, sich mit Jesus auseinanderzusetzen. Das geht nicht so nebenbei. „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen“ (Johannes 17, 3).

Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 385 vom 04.04.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Die Frauen am Grab von Jesus erleben eine Überraschung

Heute ist der Ostersonntag 2021. Ich schaue mir den Beitrag von vor einem Jahr an (Update 28) und die dazugehörigen Bilder. Niemals hätte ich gedacht, dass ich an Ostern 2021 immer noch diese Updates wegen Corona schreiben kann, will und „muss“.

Aber im Gegensatz zum vorgestrigen Karfreitag hatte ich sofort eine Idee. Es liegt an meinem Lieblingsbild zu Ostern. Es ist das Stoffbild von Gisela Harupa. Diese Künstlerin malt nicht. Sie legt Stoffteile hin und formt daraus wunderbare Bilder. Sie zeichnen sich durch besonders helle und eindrückliche Farben aus.

Auch bei diesem Osterbild ist das der Fall. Die drei Frauen machen sich noch in der Dunkelheit auf um an dem Leichnam von Jesus einen letzten Dienst zu übernehmen. Die Frauen werden sogar mit Namen genannt. „Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging“ (Markus 16, 1 – 2).

Sehr schön ist diese Tageszeitbeschreibung vom Evangelisten von der Künstlerin ins Bild gebracht worden. Ganz hinten rechts ist das Grab zu sehen, das im Dunkeln liegt. Aber der helle Schein trägt die Osterbotschaft schon in sich. Es wird nicht Dunkel bleiben. Das Licht von Ostern bricht hindurch. Schnell fällt Kindern beim Betrachten des Bildes auf, dass unten Menschen zu sehen sind. „Zählt mal nach und nennt mir die Anzahl“ lautet dann mein Arbeitsauftrag. Sie kommen auf die Zahl 11 und verbinden das mit den Jüngern von Jesus. Ihre Gesichter sind noch traurig und voller Schmerz. Auch die Jünger stecken mitten im Leid über den Tod von Jesus.

Bald wird das anders sein. Die Frauen hören von einem Engel, dass Jesus den Tod besiegt hat. „Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stäte, wo sie ihn hinlegten“ (Markus 16, 6). Dann werden die Frauen beauftragt, diese Osterbotschaft weiterzutragen. Das geschieht bis heute. Und so bekennen Christen bis zum heutigen Tag: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden“.

Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 384 vom 03.04.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Osternacht unter Coronabedingungen? Ein spannendes Unternehmen!

Heute ist der Karsamstag. Als wäre es gestern gewesen, erinnere ich mich an mein Update vom letzten Jahr (Update 27). Die Nummern bei den Updates bewegten sich noch im zweistelligen Bereich und ich hatte die Hoffnung, dass die Menschen im Sommer wieder relativ „normal“ leben könnten. Vor einem Jahr stand ich in der leeren Kirche und war ein wenig trübsinnig. Es gab keine Vorbereitungen für die Osterfeiertage mit Hinlegen der Osterkerzen für die Besucher der Osternacht. Mein Blick war auf das Parament für die Passionszeit gerichtet und so fühlte ich mich auch.

Jetzt ein Jahr später können wir immerhin nach längeren Diskussionen Gottesdienste feiern unter „strengen Hygienevorschriften“. Wir dürfen nicht singen und jeder muss eine FFP-2-Maske tragen. Heute Nachmittag treffen sich die Mitarbeiter/-innen für den Osternachtgottesdienst. Bei der Vorbereitung haben wir es tatsächlich hinbekommen, diese Feier unter den aktuellen Vorgaben zu gestalten. Wie wird die Atmosphäre sein, wenn beim Einzug der Osterkerze nicht gesungen werden darf? Auch der Lobpreisteil fällt weg. Immerhin können wir aber freudige traditionelle und neue Osterlieder spielen!

Und ehrlich: Ostern findet auch unter diesen Umständen statt. Denn Jesus lässt sich nicht aufhalten durch menschliche Anordnungen. Die Jugendlichen haben von Karsamstag auf Ostersonntag die sog. „Osterwache“ gefeiert. Ab 21.00 Uhr haben sie die ganze Nacht auf den Ostermorgen „gewartet“ mit verschiedenen Aktionen, Gebeten, Osterfeuer, Lieder etc. Das ist dieses Jahr auch nicht möglich. Aber immerhin wird ein Vitamin C-Gottesdienst für junge Leute um 18.00 Uhr gefeiert.

Hanna Hümmer von der Christusbruderschaft Selbitz schreibt zu diesem Karsamstag: „In der göttlichen Liebe ist kein Tod. Das Opfer der Liebe ist stärker als der Tod. Du bist da, wo wir sind, du Gott des Lebens. Auch in der Hölle bist du da. Du trägst uns durch die Fluten, die das Leben bedrohen. Du trägst uns durch Tiefen der Anfechtung und Angst. In dir sind wir geborgen. Wir danken dir“.

Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 383 vom 02.04.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Das Kreuz am Wachtfelsen

Heute ist Karfreitag. Mir fällt nichts ein, was ich so auf Anhieb auf dieser Seite schreiben kann und will. Dass Karfreitag mit dem Wort „Kar“ = „Weinen“ zu tun hat? Wissen viele Menschen schon. Dass die Jünger mit dem wichtigen Bibelabschnitt aus Jesaja 53 (dem sog. „Gottesknechtlied“) das Kreuzigungsgeschehen gedeutet haben? Habe ich auch schon mehrmals erwähnt. Im Update 26 vom 10.04.2020 (Karfreitag!!) habe ich davon ausführlich geschrieben, wie wir das in der Konfirmandengruppe mit Bildern diskutieren. Dass es Länder gibt, die den Karfreitag nicht nur als „ernsten“ Feiertag nehmen, sondern als einen Tag der Freude, weil Jesus für uns gestorben ist und ich alle meine Schuld bei ihm unter das Kreuz ablegen darf und kann! Auch das ist nicht neu, schließlich nennen die Engländer diesen Tag „Good Friday“.

Was könnte ich also heute für einen Impuls setzen, wo ich doch nach 365 Updates am 14.03.2021 enden wollte. Jetzt muss ich so aufpassen, dass ich mich nicht wiederhole. Noch in Gedanken zeigt mir meine Frau ein Bild aus einer WhatsApp-Gruppe. Ein Mitglied hat dieses Bild gepostet. Zu sehen ist das Gipfelkreuz in der Nacht am Wachtfelsen bei Kirchensittenbach. Das Kreuz leuchtet durch Solarstrom. Die Solarzellen laden sich am Tag auf und das Kreuz leuchtet weit in die Landschaft hinein.

Mitten in der Dunkelheit ist das Kreuz weit zu sehen – ohne Worte. Vielleicht ist das ein guter Weg, den Karfreitag im Herzen zu bewegen. Ein Blick genügt. Das Kreuz steht fest – mitten in der Dunkelheit des Lebens strahlt es auf und ist weit zu erblicken. „Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben“ (Johannes 3, 14- 15).

Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 382 vom 01.04.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Zickenkrieg beim Abendmahl

Das gehört zu meinen schwierigen Erfahrungen im Leben, wenn ich bei Frauen nach dem Alter gefragt werde. Da kann ich nur alles falsch machen. Rate ich das Alter zu hoch, dann gibt es einen mürrischen Blick zurück. Rate ich das Alter zu niedrig, dann passt das auch nicht. Ich habe mir angewöhnt, bei ganz jungen Frauen eher ein wenig höher zu raten und bei älteren Frauen eher ein wenig zu niedrig. Aber auch das ist mir nicht immer in meinem Leben gelungen.

Wie gut hatte es da doch der Pfarrer in meiner Heimatgemeinde in Habelsee. Heute am Gründonnerstag denke ich daran. Als Kind und Jugendlicher habe ich das erlebt, dass fast jedes Gemeindemitglied zweimal im Jahr zur Beichte m. Hl. Abendmahl gegangen ist. Sowohl im Frühjahr als auch im Herbst waren immer drei dieser Gottesdienste angesetzt. Auch ohne WhatsApp-Gruppe sprach es sich genau herum, wann die Unverheirateten, wann die Verheirateten und wann die „alten Menschen“ zum Abendmahl gehen (sie wurde auch dann so genannt, wenn sie noch verheiratet waren).

Spannend war es bei den „alten Menschen“. Dort wurde streng nach Frauen und Männer getrennt. Die Frauen gingen allein, die Männer auch. Aber jetzt kam das Entscheidende. Die Frauen gingen zum Hl. Abendmahl nach Alter. Wehe eine Frau stand von links nach rechts an einer Stelle, bei der eine andere Frau links von ihr jünger war. Dann wurde auch mal mit den Armen ein wenig gerudert und noch Platz getauscht. Ein kluger Pfarrer hat das genau beobachtet und schnell gemerkt, sollte bei einer Frau eine falsche Altersangabe in den Büchern stehen. Ganz ehrlich! Wenn ich das nicht selbst erlebt hätte, würde ich diese Zeilen nicht glauben. Die Feier des Hl. Abendmahls als Überprüfung des Alters!! Mein Kommentar dazu: Gott hat Humor – vermutlich mehr als wir Menschen auf der Erden zusammen.

Das Wort zum Tag stammt von Hanna Hümmer von der Christusbruderschaft Selbitz: „Jesus, du Bruder der Menschen, als alles am Zerbrechen war, hat du unter den Jüngern dein Heiliges Mahl gestiftet. In deiner größten Schwachheit hast du die Erlösung der Welt vollbracht. Du schenkst uns mitten im Zerbruch den Durchbruch zu neuem Leben“.

Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 381 vom 31.03.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Der kleine Diktator in mir?

Gestern habe ich von meinen Erfahrungen bei den Zoom-Konferenzen berichtet. Ich war am Anfang sehr skeptisch und konnte mir das nicht vorstellen. Das hat sich im Laufe der Pandemie in diesem Jahr gewandelt. Nicht dass ich diese besser finde als präsentische Sitzungen. Aber sie haben eben auch den Vorteil, dass weit entfernt wohnende Interessierte sich zuschalten können. In den Kirchengemeinden sind oft auch Menschen Mitglieder, die nicht vor Ort wohnen und sonst oft auch weite Fahrten auf sich nehmen müssen, um dabei sein zu können. Das gilt vor allem für Mitarbeiterbesprechungen und/oder für Sitzungen des Kirchenvorstandes.

Mittlerweile war ich auch ein paar Mal der sog. „Host“. Es ist der „Wirt“, der bestimmen darf. Ich habe gestern davon geschrieben, dass dieser Host entscheidet, wer hineingelassen werden darf und „wer draußen bleibt“. Es gibt noch eine weitere „gemeine“ Möglichkeit, bei der der Host andere Teilnehmer „ärgern“ kann. Er kann Zoomteilnehmer stummschalten. Sogar bei allen kann er es machen. Wenn ihm ein Beitrag nicht gefällt, dann schnell ein Klick und schon ist der Redner nicht mehr zu hören.

Ein Host kann auch einen Co-Host bestimmen. Dieser kann dieselben Funktionen anwenden wie ein Host. Wenn der Co-Host aber mit seinen Möglichkeiten zu weit geht, dann wird ihm diese Funktion entzogen. Bei diesen Zeilen ertappe ich mich dabei, dass mir das offenbar Spaß macht. Steckt in mir ein kleiner „Diktator“, ein „Bestimmer“, ein „Alleinregent“ und wenn es nur bei einem Zoom-Meeting ist? Ich erschrecke über mich. Da habe ich mich zuerst dagegen gewehrt, dann mühsam gelernt und jetzt finde ich daran Spaß!!

Offenbar hat die Bibel Recht, wenn sie davon spricht, dass Menschen gerne „wie Gott sein wollen“. Das hat schon die Schlange zu Adam und Eva gesagt. Natürlich wird ein Host nicht „wie Gott“ handeln können. Martin Luther hat diese Haltung mit „eingekrümmt auf sich selbst“ bezeichnet, wenn er dies bei sich und anderen entdeckt hat. Da wird es für mich Zeit, dass irgendwann die Coronapandemie sich dem Ende neigt und Präsenzsitzungen möglich werden.

Aber ein klein wenig „Host“ spielen geht danach vielleicht doch noch? Denn ein bisschen bestimmen können, wer will das nicht? Ich ende diesmal mit einem Witz. Ein Mann kommt zum Psychiater und bitte um Hilfe. „Ich denke oft ich bin wie Gott“. So erklärt er sein Leiden. Der Psychiater beruhigt ihn und antwortet: „Jetzt legen Sie sich erst mal auf die Couch und dann erzählen Sie mir mal, wie Ihr Leiden begann“. Der Patient legt sich hin und sagt: „Am Anfang schuf ich Himmel und Erde“!!!!!!

Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 380 vom 30.03.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Wolle mer ihn reinlasse?

Wolle mer se reinlasse“. Ich bin kein „Mänzer“ und kenne die rheinische Frohnatur auch nicht so genau. Ich höre davon bei Erzählungen und vor allem: Ich erinnere mich an meine Kinderzeit und der Gewohnheit, zwei Fernsehsendungen in der Faschingszeit im Familienkreis geschaut zu haben. „Mainz bleibt Mainz“ und eine Woche später „Mainz, wie es singt und lacht“. Oder wurden die beiden Sendungen umgekehrt gesendet? Egal! Irgendwann wurden sie eh zusammengelegt!! Ich habe sie mir bis heute gemerkt. Und von den beiden Hauptprotagonisten Margit Sponheimer und Ernst Neger sind mir die Bilder und Lieder noch ganz stark in Erinnerung. „Am Rosenmontag bin ich geboren“ hat ja noch einen guten Text. Aber bei den beiden Hauptliedern von Ernst Neger „Humba Tätärä“ und „Rucki Zucki“ kann ich nur sagen. Die sind so einfach, dass sie wirklich schon wieder sehr gut sind und immer noch gesungen werden. Und dann stimme ich froh mit ein. Vor allem „Rucki Zucki“ wurde bei fast jedem Tanzabend beim „Zufallswalzer“ irgendwann gesungen. Ja, ja – die Jugenderinnerungen!!

An diesen wunderbaren Spruch von den Karnevalssitzungen habe ich in letzter Zeit mitten in dieser Coronapandemie öfters gedacht. Denn auch in unserer Kirchengemeinde haben wir bei vielen Treffen auf Zoom umgestellt und damit virtuelle Sitzungen veranstaltet. Am Anfang war ich ganz skeptisch. Die allererste Sitzung war für mich grauenvoll. Ich irrlichterte herum zwischen den einzelnen Funktionen. Mal war der Bildschirm groß, dann wieder klein, dann der Ton weg und manchmal auch das Video. Irgendwann saß ich wie ein Kaninchen vor der Schlange und habe gar nichts gemacht. Aber noch bin ich nicht zu alt um nicht noch dazuzulernen. Dann gab es den ersten Versuch, einen Link zu versenden. Das endete im Chaos! Aber auch da habe ich nicht aufgegeben. Und jetzt macht es mir manchmal richtig Spaß, mittels Zoom mit anderen zu kommunizieren.

Manchmal bin ich auch der sog. Host. „Der Wirt“ (warum muss alles auf Englisch ausgedrückt werden?) leitet die Sitzung. Am Anfang hat er eine interessante Funktion. Es wird der Name eines Teilnehmers genannt, der im virtuellen „Warteraum“ ist. Der Host hat die Möglichkeit, ihn reinzulassen oder ihn abzuweisen. Welch eine Möglichkeit, unliebsame Teilnehmer einfach im Warteraum „sitzen zu lassen“. Ich frage nicht die anderen Teilnehmer mit der Frage bei der Mainzer Faschingsgesellschaft. Aber im Innern ist der Gedanke dann doch bei mir: „Will ich diesen Teilnehmer auch wirklich reinlassen?“. Zwangsläufig muss ich das bei Sitzungen tun. Aber ob das ein Host immer auch mit dem Herzen will??

„Wolle mer ihn reinlasse“. Interessant ist für mich, dass diese Frage auch schon in der Bibel an entscheidender Stelle genannt wird, auch wenn es sich nicht um eine Faschingsveranstaltung handelt. Im Gegenteil. „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir“ (Offenbarung 3, 20). Da steht doch Jesus tatsächlich im Warteraum des Lebens eines Menschen und will hineingelassen werden. Werde ich ihn reinlassen? Ich könnte das auch so ausdrücken: „Siehe, ich bin in deinem Warteraum. Wenn du merkst, wer ich bin und du auf diese Meldung klickst, dann komme ich hinein, um deinem Meeting beizutreten und mit dir zu kommunizieren. Ich werde mit dir dein Leben feiern. Dieses Meeting soll nicht beendet werden“. Ich bin immer wieder überrascht, welche moderne Sprache des Glaubens in dieser Coronapandemie gefunden wird.