Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 356 vom 06.03.2021

Tägliche Gedanken in einer schwierigen zeit, heute von Dr. Mathias Kropf

Ruhe für unsere Seelen

Heute Morgen hat mich ein Ausspruch des österreichischen Lyrikers Hugo von Hofmannsthal (1874-1929) bewegt. Er schreibt in einem Brief an den deutschen Kunsthistoriker und Unternehmer Eberhard Freiherr von Bodenhausen: „Es gibt viel Trauriges in der Welt und viel Schönes. Manchmal scheint das Traurige mehr Gewalt zu haben, als man ertragen kann, dann stärkt sich indessen leise das Schöne und berührt wieder unsere Seele.
Ich finde, dass dies sehr gut zu unserer gegenwärtigen Situation passt: viele Menschen suchen in diesen bewegten Zeiten verstärkt nach inneren Frieden. Denn die all gegenwärtige, oft instrumentalisierte Angst bedrückt einen jeden von uns wenn auch in unterschiedlichen Maße.

Die Frage nach Geborgenheit für unser Herz und unsere Seele verwechseln wir dabei nur allzu leicht mit Fragen nach persönlicher Gesundheit sowie familiärer oder materieller Sicherheit. Und so sehr diese Fragen mehr als verständlich sind, bringen sie uns allein noch mehr in innere (seelische) Nöte. Wir merken, dass der Druck unserer Lebensumstände dadurch eher noch zunimmt. Und so wird die Sehnsucht unserer Seele nach echter Geborgenheit immer größer…

In dem obigen Zitat von Hugo von Hofmannsthal schreibt er von einem Geheimnis: wie das „Schöne“, das unser Schöpfer in uns hinein gelegt hat, uns immer wieder berühren möchte. Die Frage ist nur, lassen wir dies zu? Darf Seine Liebe heute unsere Seele berühren? Finden wir noch Ermutigung in Seinem Wort? Schwierige Zeiten gab es schon immer auf dieser Erde und so lesen wir bereits im Alten Testament bei dem Propheten Jeremia diese ermutigende Aussage: „So spricht der Herr: Tretet hin an die Wege und schaut und fragt nach den Wegen der Vorzeit, welches der gute Weg sei, und wandelt darin, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele!“ (Jer 6,16)

Die Bibel zeigt uns hier sehr deutlich, dass wir echte Ruhe und Geborgenheit für unsere Seele nur in dem Weg zurück zu Gottes Versprechen in Seinem Wort finden!  Dies hat aus meiner persönlichen Erfahrung viel damit zu tun, dass wir Schritt für Schritt ein inniges Vertrauen zu Gottes Wegen für unser Leben lernen. So wie Schatten und Licht zusammen gehören, so werden wir auch durch Täler und Höhen auf dieser Erde gehen lernen und hoffentlich innerlich wachsen gerade in den widrigen Umständen! ER hat uns verheißen, dass ER uns nicht verlässt und sofern wir in Seiner Vergebung und Liebe bleiben, auch widrige Umstände uns zum Besten dienen werden. Dies geschieht meistens nicht sofort, sozusagen von heute auf morgen, sondern ist mit einem Wachstumsprozess mit und durch uns verbunden. In diesen Prozess werden wir erkennen, dass Ruhe und Gelassenheit ein Geschenk des Himmels ist! Je mehr wir IHM vertrauen und Seine Verheißungen in unseren Herzen bewegen, desto mehr kommen wir in diesen übernatürlichen Frieden Jesu hinein. Denn Gott wird ganz sicher alle Seine Verheißungen erfüllen, so wie es Dietrich Bonhoeffer einmal treffend gesagt hat, aber nicht alle unsere Wünsche!

Am Ende der Zeiten werden wir spätestens Antworten auf alle Fragen bekommen, nach deren Beantwortung wir hier auf Erden uns so sehr gesehnt haben! IHM, der Alles geschaffen hat und in Seinen Händen hält – auch, wenn es manchmal nicht danach aussieht – dürfen wir ganz gewiss vertrauen! Auf einem Schild las ich einmal einen starken Satz: „Wer will… findet Wege! Wer nicht will… findet Ausreden!“ Deshalb: Lasst uns von den Ausreden in unserem Leben endlich zu den Wegen Gottes zurück finden!

Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 355 vom 05.03.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Worauf bauen wir?

Heute ist der erste Freitag im März. Das ist für Christen auf der ganzen Welt ein besonderer Tag. An diesem Tag wird der „Weltgebetstag der Frauen“ gefeiert. Es ist die größte ökumenische Bewegung überhaupt.

Als Kind war mir das gar nicht so bewusst. Es lag vermutlich daran, dass es in meinem Heimatort Habelsee fast keinen katholische Christen gab. Ich habe darüber ja schon öfters geschrieben und mancher meiner Leser/-innen haben mit Schmunzeln meinen Beitrag Nr. 88 vom 11.06.2020 gelesen. Ich habe als Kind einen katholischen Priester als „Marsmenschen“ wahrgenommen. Ich erinnere mich noch an meine Zeit als sog. „Läutbube“. In der Präparanden- und Konfirmandengruppe war ich wie die anderen Jungs (für Mädchen war das verboten!!) eingeteilt, vor Gottesdiensten zu läuten und den Klingelbeutel zu tragen. Aber am Weltgebetstag der Frauen sagte die Mesnerin: „Denkt dran, für Euch ist dieser Gottesdienst heute verboten. Nicht einmal der Pfarrer darf kommen. Das macht alles die Pfarrfrau“. Das waren klare Worte und so wurde das in vielen Gemeinden gehandhabt. Später haben dann die Gemeinden verzweifelt dafür geworben, dass dazu auch Männer kommen können und dass dieser Gottesdienst von Frauen vorbereitet ist und nicht für Frauen. Aber es war und ist wohl zu spät. Männer verlieren sich in diesem ökumenischen Gottesdienst bis heute sehr selten. Immerhin: Ich darf jetzt als Pfarrer (und Mann) auch dabei sein. Sogar vorbereiten und durchführen darf ich ihn mit den „weiblichen“ Mitarbeiterinnen.

Das nenne ich wirklich „Gleichberechtigung“. Was mir besonders daran gefällt: Ich höre von Ländern, die ich vorher nicht kannte. Das wäre auch in diesem Jahr der Fall gewesen: Frauen aus Vanuatu haben die Liturgie vorbereitet. Hand aufs Herz! Hätten Sie gewusst, wo das liegt? Es ist ein Südseeparadies mit exotischen Fischen und Korallen, Traumstrände und tropischen Regenwald mit Überfluss an Früchten und freundlichen Gesichtern. Es hat 83 Inseln und liegt irgendwo zwischen Australien, Neuseeland und den Fidschiinseln, also am anderen Ende der Welt.

Die hauptverantwortliche Mitarbeiterin in unserer Kirchengemeinde hat in den letzten Jahren immer sehr schöne und interessante Power-Point-Präsentationen zum Land und zum Thema erstellt und wir haben den Gottesdienst im Gemeindehaus gefeiert. Das ist in diesem Jahr wegen Corona nicht möglich. Eine abgespeckte Form vor allem „nur mit Lesen“ wollten wir nicht. Singen ist ja auch nicht möglich. So haben wir uns dazu entschlossen, diesen Gottesdienst nicht als Präsenzgottesdienst in Altensittenbach zu feiern. Stattdessen können die Frauen in Hersbruck sich das digital anschauen.

Das ist schade. Denn das Thema wäre in diesem Jahr besonders interessant: „Worauf bauen wir?“ Das ist jetzt mehr denn je die Grundfrage für mich und wohl auch für die Gesellschaft. Als das Thema vor einigen Jahren ausgesucht wurde, war Corona völlig unbekannt. Jetzt ist der Virus allgegenwärtig und hoffentlich stellen sich viele Verantwortliche diese Frage: „Worauf bauen wir?“ Und wird dabei auch die Antwort der Bibel wahrgenommen? Denn dort heißt es z.B. „Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen“ (Psalm 127, 1a). Und natürlich steht über allem auch das Wort des Paulus: „Ein anderes Fundament kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“ (1. Korinther 3, 11).

Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 354 vom 04.03.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

So können sich die Zeiten ändern

Vor mir liegt die Hersbrucker Zeitung (Regionalausgabe der Nürnberger Nachrichten) vom 16.02.2021. In der Sparte „Kultur“ lese ich die Überschrift. „Ja, sie war ein Luder“. Dann gibt es einen fast ganzseitigen Artikel zu einer der wohl berühmtesten Frauen der Zeitgeschichte, Lola Montez. Genau vor 200 Jahren, am 17.02.1821 ist sie als Tochter eines britischen Offiziers geboren. Sie wurde nur 39 Jahre alt, aber sie hat die Welt vor ungefähr 160 Jahren bewegt wie kaum eine andere Frau.

Wegen ihr musste der bayrische König Ludwig I. vom Thron abdanken. Nur kurz hatte sie eine Mätressenaffäre mit dem bayrischen König, der selbst mit Theresa verheiratet war und neun Kinder hatte. Er war 35 Jahre älter als sie und ließ sich auf diese Liason ein. Das ist überall nachzulesen und auf den Bildern ist sie als eine schöne Frau dargestellt, die auch von anderen Männern bewundert wurde. Die genaue Geschichte kann jeder mindestens im Internet nachlesen.

Warum ich sie hier erwähne? Der Grund liegt darin, dass diese kurze Affäre mir auch in diesen Coronazeiten etwas aufzeigt. Ludwig I. schreibt an seinen Freund Freiherrn von der Tann am Anfang der Liebesgeschichte folgende Zeilen über Lola Montez: „Ich kann mich mit dem Vesuv vergleichen, der für erloschen galt, bis er plötzlich ausbrach. Ich glaubte, ich könne nie mehr der Liebe, Leidenschaft fühlen, hielt mein Herz für ausgebrannt. In des Himmels Höhen erhob es mich, meine Gedanken wurden reiner, ich wurde besser“. Ich spüre aus diesen Worten die Leidenschaft des Mannes, der seine Verantwortung für die Familie völlig vergaß.

Nach der Affäre nur zwei Jahre später dann folgende Zeilen des „alternden Lovers“: „Hätt ich doch nie und nimmer Dich gesehen! Für dich gegeben ich mein letztes Blut. Durchdrangest mich mit namenlosen Wehen, Du meines Lebens glühendste Liebesglut! Mit Untreu hast Du meine Treu vergolten. Du wollt´s mein Geld, Du wolltest meine Macht, die Du bewirket, dass mir alle grollen, verwandelst das Dasein mir in Nacht. Der Jahre langer Traum ist nun verschwunden, in einer Öde bin ich jetzt erwacht, vorüber ist, was ich gefühlt, empfunden, doch um die Krone bleibe ich gebracht“.

So schnell kann es gehen. Da wird jemand in den Himmel gehoben und dann bricht alles wieder auseinander. Die Realität holt Menschen grausam ein. Ich habe an diese Geschichte in der Coronakrise öfters gedacht und wusste nicht um das „Jubiläum“ dieser Frau, dieser irischen Tänzerin. Ludwig I. hat sie ja sogar zur Gräfin Marie von Landsfeld erhoben. Aber schnell ist sie gefallen.

Verschiedene Statements von Politikern und Wissenschaftlern am Anfang der Coronakrise haben bestimmte Männer und Frauen viele Sympathiepunkte gebracht und sie wurden „wie in den Himmel gehoben“ ohne dass sie das oft wollten. Wird das auch noch der Fall sein, wenn die Krise noch länger dauert und weiterhin Opfer von den Menschen verlangt? Das war damals vor knapp einem Jahr die Frage. Sie ist es jetzt immer noch da, ja noch bedrängender. Ich bin gespannt, wie Politiker jetzt handeln und wie die Menschen darauf reagieren werden.

Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 353 vom 03.02.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Rapunzel – lass dein Haar herunter

Vor mir liegt die Hersbrucker Zeitung (Regionalausgabe der Nürnberger Nachrichten) vom 03.02.2021. Auf der ersten Seite lese ich in der Rubrik „GANZ NEBENBEI…“ die Überschrift: „Rapunzel ohne Friseur“. Der Autor Alexander Jungkunz beschreibt den Zusammenhang vom Märchen Rapunzel mit der Situation der Friseure in der Coronakrise.

18 Jahre wird Rapunzel in Quarantäne geschickt und muss in einem Turm aushalten – ohne Friseur. Als sie freikommt, drängt ihr Vater, der König, sie zu sozialer Distanz: Keine Kontakte zu den Untertanen, keine Reisen zur Grenze. Dort wuchern nämlich wilde Stacheln! 2010 wurde dieses anschauliche Märchen von Disney verfilmt. Und jetzt das Interessante: Das Königreich heißt im Film – Corona!!!!  Das ist wirklich Stoff für Verschwörungstheorien. Also alles geplant? Alexander Jungkunz schließt mit den Worten: „Die Regie führte damals aber nicht Bill Gates, der Film wurde nicht von der WHO gefördert. Und er ist das, was manche angesichts der Krise gern auftischen an Gerüchten: ein Märchen. Ein „echtes“.

Soweit die Nürnberger Nachrichten. Als ich das gelesen habe, gingen meine Gedanken sofort an einen Mann in der Bibel, der wegen seiner langen Haaren auch eine Lebenskrise meistern musst: Simson. Im zweiten Teil des Richterbuches ist seine Geschichte zu lesen. In den Geschichten über ihn zeigt sich sehr schnell, dass seine gewaltige Kraft ein Geheimnis hat: seine langen Haare!! Im 16. Kapitel des Buches benutzen die Feinde, die Philister, seine Frau Delila, um Simson niederzuringen. Diese „Mata Hari“ des Alten Testamentes entlockt ihm schließlich, dass seine Kraft an seinen langen Haaren hängt, die noch nie geschnitten wurden. Delila lässt ihn deshalb in der Nacht seine Haare abschneiden und als die Philister kommen, hat er seine vorher wunderbare Kraft nicht mehr. Die Philister nehmen in gefangen und stechen ihm die Augen aus. Er wird in Ketten gelegt und muss die Mühlsteine drehen.

Aber die Feinde wissen nicht, warum ihm die Kraft verlassen hatte und seine Haare wachsen nach. Eines Tages soll er vor den Fürsten der Philister seine „Späße“ machen, also vorgeführt werden. Simson aber nimmt seine ganze Kraft zusammen (die er durch die nachwachsenden langen Haare wieder hatte) und reißt die zwei Mittelsäulen des Hauses nieder. Das Haus fällt auf die Fürsten der Philister und begräbt sie unter sich. Simson stirbt natürlich dadurch selbst, aber rettet mit dieser Handlung sein Volk.

Wer weiß, wenn das mit den geschlossenen Friseurläden so weitergegangen wäre, dann wären vielleicht viele Männer und Frauen gestärkt durch die langen Haare aus der Coronakrise heraus gekommen. Aber abgesehen davon: Wenn mehr Menschen wie Simson nach der Coronapandemie reden würden, soll es mir recht sein. „HERR HERR, denke an mich und gib mir Kraft, Gott…“ (Richter 16, 28a). Wie gut, dass die Friseurladen vorgestern wieder aufmachen konnten. Die Rapunzels unter uns verschwinden und die Angst vor Simson muss jetzt auch keiner mehr haben.

Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 352 vom 02.03.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Als Prediger „unterwegs sein“

Das war für mich etwas Besonderes. Ich kam 1996 nach Altensittenbach und hörte, dass es in Hersbruck mehrere Freikirchen geben würde. Darunter die sog. „Evang. Methodistische Christuskirche Hersbruck“. Ich hatte zwar von den Methodisten schon im Studium kurz etwas gehört, aber Genaueres kannte ich nicht. Da war es gut, dass diese Freikirche kurz vorher mit den Lutheraner eine Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft vereinbart hatten.

So konnte ich Kontakt zu dieser Freikirche aufnehmen und wir hatten mehrmals Kanzeltausch. Einmal wurde mir sogar die Leitung des Hl. Abendmahles gestattet. Bis heute habe ich sehr gute Kontakte zu den Menschen in dieser Freikirche und ich freue mich darüber. Dann habe ich mich auch mit der Geschichte dieser Bewegung auseinandergesetzt und habe den Namen John Wesley gefunden. Er wurde 1703 als 15. Kind von 19 Kindern in Lincolnshire/England geboren. Sein Vater kam aus einer anglikanischen Pfarrersdynastie mit streng puritanischen Neigungen. Bei einem Brand des Elternhauses wurde der fünfjährige John erst im letzten Moment gerettet. Mit seinem Bruder und anderen Studenten gründeten sie in auf der Universität in Oxford den „Holy Club“, in dem sie sich zum Bibelstudium und geistlichen Leben zusammenfanden. Wegen ihres methodisch geführten Glaubens wurden sie bald spöttisch „Methodisten“ genannt.

John wurde anglikanischer Priester, wirkte als Dozent und ging 1735 für zwei Jahre mit seinem Bruder als Missionar nach Georgia. Er vertat ein Christentum der vollen Heilsgewissheit, das durch ein Bekehrungserlebnis geprägt sein soll. Er beginnt eine evangelistische Tätigkeit und hält viele Predigten im Freien. Er reist von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf und soll bis zu seinem Tod über 40 000 Predigten gehalten haben.

Dieses „Unterwegs sein“ gilt offenbar bis heute als ein großes Anliegen in dieser Freikirche. So sollen ihre Prediger auf Gemeindestellen höchsten 8 – 10 Jahre bleiben, dann geht es weiter. So hat mir das ein Freund erzählt, der selbst Prediger bei den Methodisten ist. Heute vor genau 230 Jahren, am 2. März 1791 ist Wesley in London gestorben und der 2. März ist deshalb sein Gedenktag im evangelischen Namenskalender.

Was auch noch interessant ist: Wesley hat das Lied „Ich habe nun den Grund gefunden“ (Evang. Gesangbuch, Nr. 354) von Johann Andreas Rothe im Jahre 1740 in die englische Sprache übersetzt. „Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält; wo anders als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, der Grund, der unbeweglich steht, wenn Erd und Himmel untergeht“.

Wenn Corona will, steht (endlich ein bisschen) weniger still, Update 351 vom 01.03.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Mögen Engel dich begleiten – Simon

Es ist der 01.03.2014. Es ist ein Samstag, heute vor genau sieben Jahren. Einen Tag später sind es genau drei Wochen her, dass Simon gestorben ist. Der Beerdigungsgottesdienst soll in der Stadtkirche in Hersbruck stattfinden. Wir rechnen mit sehr vielen Menschen und haben uns dazu entschlossen, in dieser großen Kirche diese Feier abzuhalten. Es war eine gute Entscheidung. Es kamen über 400 Gottesdienstbesucher. Teilweise waren sie von weit her angereist.

Der Gottesdienst selbst wurde von vielen Menschen musikalisch ausgestaltet. Die Posaunenchöre aus Altensittenbach und Oberkrumbach waren vertreten, Freunde haben mit E-Piano, Gitarre und Gesang Lieder gesungen, der Kinderchor der Grundschule Altensittenbach hat das Lied „Mögen Engel uns begleiten“ vorgetragen, eine gute Freundin von uns hat eine Power-Point-Präsentation mit Bildern aus dem Leben von Simon vorbereitet und Dekan Dr. Werner Thiessen hat die Predigt gehalten. Ein Sohn eines Freundes hat die gesamte Feier als DVD aufgezeichnet. Freunde und Mitglieder aus dem Kirchenvorstand haben das Kaffeetrinken hinterher vorbereitet.

Für mich war besonders nachdenkenswert, dass der Taufspruch von Simon gleichzeitig auch die Jahreslosung von 2014 war. Zufall?? „Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den HERRN, dass ich verkündige all dein Tun“. Diesen Vers aus dem Psalm 73, 28 haben wir ihn als Eltern im Juli 1992 zur Taufe ausgesucht. Wir haben uns viele schriftliche Glückwünsche zum damaligen Fest aufgehoben. Auf mehreren Karte standen ungefähr folgende Worte: „Wir wünschen Dir viel Glück und Gesundheit im Leben“. Ich will ganz ehrlich sein. Wenn ich diese Karten jetzt lese, stehen mir viele Tränen in den Augen.

Der Text aus dem Psalm 73 für die Jahreslosung von 2014 wurde aus der ökumenischen Einheitsübersetzung ausgewählt. „Gott nahe zu sein ist mein Glück“. Ich habe bei den Predigten dazu viele Worte gelesen, bei denen es vor allem um das „Glück“ ging. Irgendwie hatte mich das nie zufrieden gestellt. „Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte“ von Luther zu „Gott nahe zu sein ist mein Glück“. Passt das zusammen? Ich habe im hebräischen Urtext nachgesehen und war erstaunt. Die wörtliche Übersetzung lautet: „Gott nahe zu sein ist mir kostbar“. Ich bin über diese wörtliche Übersetzung des Textes begeistert. Darüber hat Dekan Dr. Thiessen dann auch gepredigt und die Kachel an der Wand bei der Baumbestattung trägt diese Formulierung. Und das zog sich auch gefühlsmäßig für mich durch den ganzen Abschiedsgottesdienst. Das ist eine starke Verheißung für jeden, der im Glauben an Jesus um einen lieben Menschen trauert.

Meine Schwägerin Silvia Dörr spielt das Lied auf dem Klavier

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 350 vom 28.02.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Taufe und Konfirmation

Ich weiß nicht genau, ob und wie die Konfirmanden zu einem Mann stehen, welcher der Grund ist, warum es die Konfirmation überhaupt gibt: Martin Bucer. Eigentlich hieß er Martin Butzer oder auch Martin Butscher. Das weiß keiner so ganz genau.

Er war ein Zeitgenosse von Martin Luther und hat eine ähnliche Lebensgeschichte wie der große Reformator aus Wittenberg. Sein Vater war Büttner (Küfer) und stellte Fässer her. Er wurde wie Luther Mönch. Allerdings nicht bei den Augustinern, sondern bei den Dominikanern. Am 26.04.1518 kam es zur sog. Heidelberger Disputation. Bucer hatte einen positiven Eindruck von Martin Luther und wandte sich der protestantischen Theologie zu. Drei Jahre später wird er auf eigenen Wunsch aus dem Orden entlassen und findet Zuflucht bei dem protestantischen Ritter Franz von Sickingen. Auch Bucer heiratet wie Luther eine ehemalige Nonne: Elisabeth von Silbereisen. Wie Luther trifft ihn der Kirchenbann des Papstes und wird durch Kaiser Karl V. für vogelfrei erklärt. Er wird in Straßburg ordiniert und 1524 zum Pfarrer gewählt. Er nimmt eine führende Stellung im Aufbau des Kirchenwesens im gesamten südwestdeutschen Raum ein. Er versucht zwischen den verschiedenen protestantischen Parteien zu vermitteln und schaltet sich vor allem beim Abendmahlsstreit zwischen Luther und Zwingli ein. Er suchte ständig das Gespräch mit Luther und beteiligte sich auch an Vermittlungsgesprächen zwischen Katholiken und Lutheranern. Die Einführung der Reformation in Württemberg stand unter seiner Leitung und so ist er dort bis heute eher ein Begriff als für uns bayrische Lutheraner.

Um dem Einfluss der sog. Täuferbewegung zu begegnen, führte er die Konfirmation ein, die aber erst sehr viel später im Pietismus wichtig wurde. Wie Luther und seine Familie kämpfte er mit den Auswirkungen der Pest. Seine Frau Elisabeth und mehrere Kinder fielen dieser Seuche zum Opfer und er heiratete noch einmal. Er ging nach Straßburg zurück, musste aber 1549 die Stadt verlassen. Im Zuge der schmalkaldischen Kriege nach dem Tod Luthers (1546) kam es auch dort zur „Rekatholisierung“ durch Kaiser Karl V., die Bucer nicht mitgegangen ist. Er emigrierte nach England, lehrte an der Oxford-Universität und starb dort nach kurzer Krankheit am 1. März 1551 und damit morgen vor genau 470 Jahren. Der Tag vorher, der 28. Februar ist sein Namenstag im evangelischen Kalender.

Bucer hat zum ersten Mal den Gedanken entwickelt, dass getaufte Kinder später als Jugendliche nachträglich ihr eigenes „Ja“ zu ihrer Taufe sagen können. Damit wollte er einen Kompromiss zu den Vertretern der Täufer finden, welche gegen die Säuglingstaufe stehen und nur die sog. „Glaubenstaufe“ anerkennen. Und diese verschiedenen theologischen Lehren werden bis heute kontrovers diskutiert. „Seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen“ (Epheser 4, 3 – 6).

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 349 vom 27.02.2020

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Alles hat seine Zeit

Es ist der 27.02.2014. Es ist ein Donnerstag, heute vor genau sieben Jahren. Ich gehe zu einer Beerdigung. Sie findet im Neuen Friedhof in der Südstadt von Hersbruck statt. Ich habe nur die Information, dass es eine Baumbestattung sein wird.

Ich gehe zum Baum 6 und sehe das Grab, in das die Urne kommen wird. Ich erschrecke zuerst. Es ist genau direkt neben dem Grab, in dem Simon einen Tag später beerdigt werden wird. Während der gesamten Bestattung stehe ich genau auf dem leeren Feld, das einen Tag später die Urne meines Sohnes aufnehmen wird. Ich spüre in mir auf der einen Seite ein aufgewühltes Herz. Auf der anderen Seite bin ich auch gefasst. Die Beerdigung läuft seinen normalen Gang. Ich merke, wie Rituale und Liturgie Halt geben können. Ich kann mich orientieren und der festgelegte Ablauf hilft mir, die gesamte Situation gut zu überstehen. Erst nach der Beerdigung gehe ich noch einmal zu dem Ort.

In mir sind die Gedanken aus dem Buch des Predigers im dritten Kapitel: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit…Ich merkte, dass alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun. Das alles tut Gott, dass man sich vor ihm fürchten soll. Was geschieht, das ist schon längst gewesen, und was sein wird, ist auch schon längst gewesen; und Gott holt wieder hervor, was vergangen ist“.

Gott baut seine Gemeinde

Es ist das größte Werk im Neuen Testament. Das Doppelwerk von Lukas: Evangelium und Apostelgeschichte. In insgesamt 45 Kapitel beschreibt der Evangelist den Weg von Jesus bis zu seiner Himmelfahrt und wie danach die Kirche sich gebildet hat über die engen Grenzen von Juda hinaus. Bei dem Seminar „Neugierig auf mehr. Geheimnis Bibel“ soll in der nächsten Zeit die Apostelgeschichte näher und intensiver betrachtet werden. Dank Zoom ist das auch mitten in der Coronapandemie möglich.

Ihr werdet meine Zeugen sein in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“ (Apg 1, 8b) so hat es Jesus seinen Jüngern auf dem Ölberg gesagt. Diese Beschreibung gibt auch den Aufbau der Apostelgeschichte an.

Dieses Doppelwerk ist von Anfang an bis zum Ende eine klar strukturierte Beschreibung der Verheißungsgeschichte Gottes mit seiner Gemeinde. „…wie uns das überliefert haben, die es von Anfang an selbst gesehen haben und Diener des Wortes Gottes gewesen sind, habe auch ich es für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfältig erkundet habe, es für dich, hochgeehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben, auf dass du den sicheren Grund der Lehre erfährst, in der du unterrichtet bist“ (Lukas 1, 2 – 4). Das schreibt Lukas an Theophilus, der vermutlich ein Gönner von ihm war und die nötigen finanziellen Mittel gab, damit das Evangelium verbreitet wird.

Nur in diesem Doppelwerk wird von der Himmelfahrt Jesu in der Bibel geschrieben. Damit nimmt Lukas wahrscheinlich die Lebenswelt von Theophilus ernst und versucht ihm klar zu machen, dass und wie Jesus von der sichtbaren in die unsichtbare Welt gegangen ist. Jesus verheißt den Aposteln die „Kraft des Heiligen Geistes, der auf euch kommen wird“ (Apg 1, 8a).

Interessant ist, dass der Evangelist Johannes beschreibt, wie Jesus seine Jünger nach seiner Auferstehung anblies und ihnen damit den Hl. Geist verleiht: „Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist“ (Jo 20, 22). Aber die Kraft, die Dynamis des Hl. Geistes – das sollten die Jünger dann erst an Pfingsten erleben. Vorher aber kamen sie im Obergemach eines Hauses in Jerusalem in einer Art „Schicksalsgemeinschaft“ zusammen und warteten auf die Erfüllung der Verheißung von Jesus. Dabei wurde Matthias zum Kreis der 12 Aposteln dazu gelost, weil Judas nach seinem Verrat ausgeschieden war.

Wenn Corona will, steht (wieder überall) fast alles still, Update 348 vom 26.02.2021

Tägliche Gedanken von Pfr. Gerhard Metzger in einer schwierigen Zeit

Purim – das Freudenfest

Das war für mich sehr überraschend. Damals im März 1978. Ich war mit anderen Studenten in Israel und habe dort insgesamt vier Wochen gelebt. Ich habe davon vor allem am Anfang meiner Updates im März und April 2020 geschrieben. Eines Tages laufe ich mit anderen Mitstudenten in Jerusalem umher und entdecke Kinder in Faschingsgewand. Aber in Deutschland war die Faschingswoche schon längst vorbei.

Wir sind dieser Beobachtung auf die Spur gegangen und wollten wissen, warum Kinder an diesem Tag kostümiert sind. „Heute feiern wir Juden das Purimfest“ erhielten wir zur Antwort. Ich hatte mich damit auch als Theologiestudent noch nicht befasst und musste selbst erst nachlesen. „Purim“ heißt auf deutsch „Los, Schicksal“ und erinnert an die Rettung der Juden in der Perserzeit. Die ganze Geschichte steht im Buch Ester, das im Kanon des Alten Testamentes steht, aber kaum bekannt ist.

Der höchste Regierungsbeamte des Perserkönigs, Haman, versucht an einem einzigen Tag die Juden zu ermorden. Königin Ester führt aber durch Fasten und Gebet die Rettung herbei. Danach wurde ein großes Freudenfest gefeiert. Aus diesem Anlass laufen bis heute vor allem Kinder kostümiert herum so wie bei uns am Faschingsfest. Für die Juden steht im Hintergrund immer auch, dass Gott seine Hand mit im Spiel hat um das Volk zu retten.

Ehrlich gesagt: Das würde ich mir auch bei uns hier in Deutschland wünschen, dass viele Menschen am Ende der Coronapandemie Gott danken für Bewahrung und Hilfe vor diesem Virus. Dann würde selbst ich mich als Faschingsmuffel gerne verkleiden. Heute am 26.02.2021 feiern die Juden in diesem Jahr dieses Freudenfest Purim.